Expertenstandards in der Pflege. Begriffsbestimmung, Entwicklung und kritische Betrachtung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

21 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmung und Abgrenzung

3. Geschichte der Expertenstandards

4. Entwicklung der Expertenstandards
4.1 Themenfindung
4.2 Bildung unabhängiger Expertengruppen
4.3 Erarbeitung eines Expertenstandard-Entwurfs
4.4 Konsensus-Konferenzen und Veröffentlichung
4.5 Modellhafte Implementierung
4.6 Aktualisierung der Expertenstandards

5. Funktionen und Anforderungen von Expertenstandards

6. Aufbau der Expertenstandards

7. Kritische Betrachtung der Expertenstandards
7.1 Entwicklung
7.2 Ökonomische Betrachtung
7.3 Praxis
7.3.1 Expertenstandard Dekubitusprophylaxe
7.3.2 Expertenstandard Sturzprophylaxe

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Expertenstandards in der Pflege gelten als das Projekt schlechthin, um die Pflege als eigene Profession und eigene Wissenschaft zu etablieren. Sie gelten als Grundlage für „Evidence-based Nursing“ und werden von Pflegeexperten immer wieder als wichtiger Schritt zur wissenschaftlichen Untermauerung der Pflege genannt. Vor bereits etwa 15 Jahren begannen die Überlegungen zu Expertenstandards, von denen bis zum heutigen Zeitpunkt sieben veröffentlicht wurden und der achte bald folgen wird. Spätestens seit dem Jahr 2011 ist deren Bedeutung für die Praxis nicht mehr wegzudenken, da sie erstmals gesetzlich festgelegt wurden.

Doch bereits davor hatten Standards eine große Bedeutung in der Pflege, um Qualität zu sichern und zu entwickeln. Dies geschah jedoch in jeder Pflegeeinrichtung unterschiedlich und unabhängig von einander. Selbst zum Begriff des Standards, bzw. was ein solcher enthalten soll, gibt es verschiedene Meinungen.

In dieser Arbeit soll zunächst versucht werden den Begriff „Standard“ zu bestimmen und ihn von anderen Terminologien abzugrenzen. Dabei wird auch auf verschiedene Definitionen eingegangen, um daraufhin die vom Deutschen Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) gegebene Definition genauer zu betrachten.

Anschließend wird, nach einem kurzen Abriss der Geschichte der Expertenstandards, genauer auf das Vorgehen der Entwicklung eingegangen. Dabei sollen vor allem die Rolle des DNQP und die einzelnen Schritte der Erarbeitung herausgestellt werden.

Darauf aufbauend wird die Wissenschaftlichkeit der Entwicklung genauer untersucht, wodurch eventuelle Kritik- und Angriffspunkte ermittelt werden sollen. Auch der tatsächliche Nutzen für die Pflegepraxis, den die Expertenstandards mit sich gebracht haben und ob deren Zielsetzung erfüllt werden konnte wird einer kritischen Betrachtung unterzogen. Außerdem sind die finanziellen Kosten, mit denen durch die Expertenstandards zu rechnen ist, und ein möglicher langfristiger ökonomischer Nutzen Gegenstand dieser Abhandlung.

Insgesamt sollen in dieser Arbeit vor allem die Fragen beantwortet werden, ob Experten-standards als Basis für evidenzbasierte Pflege dienen können und ob es bis jetzt tatsächlich positive Veränderungen in der Praxis gegeben hat.

2. Begriffsbestimmung und Abgrenzung

Der Begriff „Standard“ ist in der pflegerischen Fachsprache nicht einheitlich für ein bestimmtes Instrument definiert. Da der Begriff mit verschiedenen Bedeutungen verwendet wird, führt dies zu Irritationen und Verwirrungen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Begriffe „Leitlinie“ und „Richtlinie“ teils als Synonyme, teils zur Abgrenzung verwendet werden. Durch neue Komposita des Begriffs Standard, wozu auch „Expertenstandard“ zählt, und weitere Synonyme hat sich die Situation nicht gebessert[1]. Trede spricht 1997 hier von einer „Babylonischen Sprachverwirrung“[2].

Noch am weitesten verbreitet und anerkannt ist die Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der zufolge „Standards einem erreichbaren und professionell abgestimmten Leistungsniveau entsprechen und ein festgelegtes Soll der Pflegequalität wiedergeben, an dem die tatsächliche Leistung gemessen wird“[3]. Aus dieser Definition lässt sich jedoch kein konkretes Instrument ableiten, die Definition ist also eher als übergeordnet anzusehen. Dies hat zur Folge, dass der Begriff Standard mit dieser Definition nicht vereinheitlicht werden kann. Daran angelehnt ist jedoch auch die Definition des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP): „Pflegestandards sind […] ein professionell abgestimmtes Leistungsniveau, das den Bedürfnissen der damit angesprochenen Bevölkerung angepasst ist und Kriterien zur Erfolgskontrolle der Pflege einschließt“[4]. Das DNQP beruft sich außerdem auf die Definition des ICN von 1991 und leitet aus dieser sowohl die Bedeutung für das Gesundheitssystem als auch für die Berufsgruppe selbst ab[5].

Das DNQP nimmt dabei vor allem eine Abgrenzung zu Handlungsrichtlinien vor, die im Gegensatz zu Standards nur einfache Anweisungen oder Ablaufbeschreibungen geben. Für sie ist es nicht nötig von der gesamten Pflege anerkannt zu werden und auch die Entwicklung ist ungleich leichter[6].

Dem Pschyrembel Wörterbuch Pflege zufolge sind Standards Instrumente und Hilfsmittel um Pflegeziele und deren Qualität erfassen zu können. Der Inhalt muss sowohl allgemeingültig und fundiert, als auch wissenschaftlich gesichert sein. Außerdem wird zwischen Struktur-, Prozess- und Ergebnisstandard unterschieden[7].

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das DNQP mit seiner erweiterten Definition[8] und den veröffentlichten Expertenstandards einen klareren Rahmen setzen kann, der alle wesentlichen Inhalte der verschiedenen Quellen enthält und als fachsprachliche Grundlage für eine Diskussion tauglich ist.

3. Geschichte der Expertenstandards

Auf der Gesundheitsministerkonferenz (GMK) 1999 wurde die „Gewährleistung einer systematischen Weiterentwicklung der Qualität im Gesundheitswesen“ in einem Entscheidungspapier schriftlich festgehalten und als wichtiges Ziel für die Zukunft ausgegeben[9]. Auf dieser Basis gründete sich noch im selben Jahr das Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege, kurz DNQP, in Kooperation mit dem Deutschen Pflegerat als Pilotprojekt zur Entwicklung von Expertenstandards. Dieses Projekt wurde vom Bundesministerium für Gesundheit bis zum Jahr 2009 finanziell gefördert. Geplant war die Veröffentlichung von zunächst insgesamt zehn Expertenstandards, die alle fünf Jahre aktualisiert werden sollten[10]. Bis jetzt sind sieben Expertenstandards veröffentlicht worden:

1. Expertenstandard Dekubitusprophylaxe (2000, 1. Aktualisierung 2010)
2. Expertenstandard Entlassungsmanagement (2004, 1. Aktualisierung 2009)
3. Expertenstandard Schmerzmanagement in der Pflege bei akuten Schmerzen (2005, 1. Aktualisierung 2011)
4. Expertenstandard Sturzprophylaxe (2006, 1. Aktualisierung 2013)
5. Expertenstandard Förderung der Harnkontinenz in der Pflege (2007)
6. Expertenstandard Pflege von Menschen mit chronischen Wunden (2009)
7. Expertenstandard Ernährungsmanagement zur Sicherstellung und Förderung der oralen Ernährung in der Pflege (2010)

Geplant waren außerdem[11]:

- Schmerzmanagement in der Pflege bei chronischen Schmerzen (Konsensuskonferenz Oktober 2013, Implementierung Januar bis Juni 2014, Veröffentlichung Anfang 2014 geplant)
- Pflege von demenziell Erkrankten (bisher noch keine Ausschreibung)
- Medikamentenmanagement (bisher noch keine Ausschreibung)

Aktuell fand jedoch am 28. März 2014 die Fachkonferenz zum Expertenstandard Erhaltung und Förderung der Mobilität statt[12].

Neben den Expertenstandards in der Pflege hat das DNQP im Jahr 2013 einen Expertinnenstandard Hebammenwesen mit dem Titel Förderung der physiologischen Geburt veröffentlicht[13].

Seit des Inkrafttreten von § 113a im SGB XI im Jahr 2011 sind die Expertenstandards in allen Pflegeeinrichtungen nach SGB XI verbindlich[14]. Dieser Paragraph regelt Maßstäbe und Grundsätze zur Sicherung und Weiterentwicklung zur Sicherung der Pflegequalität[15]. Eine entsprechende Regelung im SGB V steht jedoch noch aus. Seit dieser gesetzlichen Verankerung gelten Expertenstandards auch als vorgegebenes Expertengutachten zur Beurteilung der geleisteten Qualität in der Pflege.

Der Expertenstandard Erhaltung und Förderung der Mobilität wird dann der erste Expertenstandard sein, der nach den dort festgelegten Kriterien entwickelt wird.

4. Entwicklung der Expertenstandards

Für die Entwicklung eines Expertenstandards ist der Netzwerk-Lenkungsausschuss des DNQP zuständig[16]. Dieser hat auch ein Methodenpapier veröffentlicht, in dem die Schritte zur Erarbeitung eines Expertenstandards dargelegt werden. Die Reihenfolge sieht wie folgt aus:

1. Themenfindung
2. Bildung unabhängiger Expertengruppen
3. Erarbeitung eines Expertenstandard-Entwurfs
4. Konsensus-Konferenzen
5. Modellhafte Implementierung
6. Aktualisierung der Expertenstandards

Die Entwicklung von Expertenstandards findet hauptsächlich in zwei Gruppen statt, die arbeitsteilig arbeiten. Zum einen die wissenschaftliche Leitung und darunter ein wissenschaftliches Team der Hochschule Osnabrück. Dies ist für die methodische Vorgehensweise bei Expertenstandards zuständig. Zum anderen eine Expertenarbeitsgruppe, die für die inhaltliche Erarbeitung verantwortlich ist. Diese Expertenarbeitsgruppe ist zu jedem Thema unterschiedlich besetzt und untersteht einer leitenden Person, die vom Lenkungsausschuss bestimmt wird. Zwischen beiden Gruppen dienen zwei wissenschaftliche Mitarbeiter/innen (eine/r aus jeder Gruppe) als Verbindung. Im Folgenden soll nun das Vorgehen[17] genauer erläutert werden:

4.1 Themenfindung

Themenvorschläge für einen Expertenstandard können von verschiedenen Akteuren des Gesundheits- und Sozialwesens eingebracht werden. Im SGB XI sind diese genauer benannt: „Der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen, der Verband der privaten Krankenversicherung e. V., die Verbände der Pflegeberufe auf Bundesebene, die maßgeblichen Organisationen für die Wahrnehmung der Interessen und der Selbsthilfe der pflegebedürftigen und behinderten Menschen auf Bundesebene sowie unabhängige Sachverständige.“[18] Das DNQP wählt vorrangig Themen aus, die eine relevante Qualitätssteigerung in der Pflegepraxis erwarten lassen und sich zudem auf weite Bereiche der Pflege ausweiten. Um die Bedeutung der Themen einschätzen zu können, wird eine umfangreiche Literaturanalyse durchgeführt. Dabei wird nicht nur die gesundheitspolitische Relevanz sondern auch das Vorhandensein von Assessments bzw. Instrumenten und von nationaler sowie internationaler wissenschaftlicher Literatur geprüft. Daran lässt sich auch entscheiden, ob es genügend evidenzbasierte Quellen gibt, auf deren Grundlage sich dann ein Expertenstandard entwickeln lässt, der dem wissenschaftlichen Anspruch genügt.

4.2 Bildung unabhängiger Expertengruppen

Die Expertenarbeitsgruppe besteht aus etwa acht bis zwölf Mitgliedern, die sich durch besondere Fachkunde im speziellen Thema auszeichnen[19]. Alle Mitglieder entstammen der Pflege, etwa zur Hälfte der Pflegewissenschaft und zur Hälfte der Pflegepraxis. Allerdings wird Wert auf eine Verteilung der Mitglieder auf verschiedene Pflegebereiche wie Kranken-/Alten-/Kinderkrankenpflege; stationäre/ambulante Pflege und Altenhilfe gelegt. Die Expertenarbeitsgruppe ist damit ausschließlich monodisziplinär besetzt[20]. Die Auswahl erfolgt nach öffentlicher Ausschreibung und Bewerbung. Die Auswahlkriterien sind Fach-publikationen, wissenschaftliche Qualifikationen, Schwerpunktarbeiten sowie Forschungs-beteiligung[21]. Um Interessenkonflikte zu vermeiden müssen zudem alle relevanten Beziehungen zu Industrie oder anderen Interessengemeinschaften offengelegt werden.

Die Stelle der wissenschaftlichen Leitung der Expertenarbeitsgruppe wird öffentlich ausgeschrieben und anschließend durch den Lenkungsausschuss des DNQP mit einem ausgewählten Bewerber besetzt. Die Auswahl erfolgt anhand der vorliegenden Erfahrung in wissenschaftlicher Projektleitung. Zudem muss der Methode zur Erarbeitung der Expertenstandards des DNQP zugestimmt werden[22].

In beratender Funktion können von der Expertenarbeitsgruppe zusätzlich die Meinungen von Patienten/-innen-Vertreter/-innen, Vertreter/-innen des Verbraucherschutzes und Fach-experten/-innen aus anderen Berufsgruppen eingeholt werden[23].

4.3 Erarbeitung eines Expertenstandard-Entwurfs

Wie bereits genannt erfolgt die Erarbeitung eines Expertenstandards arbeitsteilig. Jede Gruppe führt zunächst eine umfassende Literaturrecherche zum Thema durch, um wissenschaftlich gesicherte Informationen zu finden. Ausgewählte Studien werden vom wissenschaftlichen Team aufgelistet und klassifiziert. Außerdem werden sie zusammengefasst und hinsichtlich ihrer Methodik von mindestens zwei unabhängigen Wissenschaftlern bewertet. Besonders berücksichtigt werden qualitative Studien, da diese komplexe Pflegeprobleme und Pflegeinterventionen gründlicher beschreiben können. Die Expertenarbeitsgruppe dagegen beschäftigt sich mit dem Inhalt der Literatur und leitet aus ihr Empfehlungen zu den zentralen pflegerischen Interventionen heraus, die dann gemeinsam mit der wissenschaftlichen Gruppe in die dreigegliederte Struktur-Prozess-Ergebnis-Form gebracht werden[24]. Darauf wird in dieser Arbeit zu einem späteren Zeitpunkt noch eingegangen. Im Gegensatz zur Methodik, wird der Inhalt nicht nach Güte klassifiziert, da alle Empfehlungen durch das beste vorhandene Wissen auf eine Stufe zu stellen sind[25]. Da jedoch nicht zu allen Bereichen ausreichend wissenschaftliche Quellen vorliegen, werden die Kriterien auch von den Experten selbst erarbeitet und bewertet. Beim Erarbeiten dieser Empfehlungen wird versucht zwischen allen Beteiligten der Expertenarbeitsgruppe einen Konsens zu finden. Ist dies nicht möglich, entscheidet ein Mehrheitsbeschluss[26]. Die Formulierung des Standards ist dagegen wiederum Aufgabe der wissenschaftlichen Gruppe. Neben den Kriterien als Empfehlungen, werden dazu auch Kommentare verfasst, die sogenannte Kommentierung des Expertenstandards. Darin werden die Kriterien genauer erläutert, um eine Übertragung in die Praxis zu vereinfachen. Außerdem können dort Spezifitäten der verschiedenen Pflegebereiche erläutert werden.

4.4 Konsensus-Konferenzen und Veröffentlichung

Nachdem ein Expertenstandard-Entwurf entwickelt wurde, wird dieser zusammen mit der Kommentierung und der nach Evidenz geordneten Literaturanalyse der Fachöffentlichkeit zugänglich gemacht. Dies geschieht auf einer Konsensus-Konferenz. Dort werden die Ergebnisse vorgestellt und anschließend diskutiert. Teilnehmen an der Konsensus-Konferenz können alle interessierten Personen mit Fachbezug. Vertreter anderer Berufsgruppen, des Gesundheitswesen, des Verbraucherschutzes, der Patientenverbänden und der Gesundheits-politik, aber auch Personen aus der Pflege mit besonderem Fachwissen zum Thema, die nicht in der Expertenarbeitsgruppe mitgewirkt haben, werden gezielt eingeladen[27].

Vor der Konferenz werden die erarbeiteten Inhalte sowie Hinweise den Teilnehmenden zugeschickt, die sich so vorbereiten können. Auf der Konferenz selbst wird je eine Standardebene vorgestellt und begründet. Es folgt eine Diskussion der Pflegezugehörigen, woraufhin sich anschließend auch die Teilnehmer anderer Berufsgruppen äußern können[28]. Abschließend werden die geäußerten Kritikpunkte zusammengefasst, bevor zur nächsten Ebene übergegangen wird. Nun können auch die Vertreter der Interessenverbände den Entwurf sowie die vorausgegangene Diskussion kommentieren. Dieser gesamte Prozess der Konsentierung wird sowohl schriftlich als auch auf Tonband aufgezeichnet. Nach der Konferenz können noch innerhalb von vier Wochen weitere Ergänzungen schriftlich eingereicht werden. Diese sowie die Aufzeichnungen der Konferenz werden von den beiden Gruppen des DNQP gemeinsam ausgewertet und dienen als Grundlage für Änderungen des Entwurfs[29]. Abschließend wird der Expertenstandard mit Präambel, Kommentierung und Literaturstudie veröffentlicht.

4.5 Modellhafte Implementierung

Um die Einführung des Expertenstandards zu überwachen und dessen Umsetzbarkeit und Praxistauglichkeit zu überprüfen, findet zunächst eine modellhafte Implementierung in 15-25 Einrichtungen, die alle Pflegebereiche abdecken, statt[30]. Die Einrichtungen werden nach eigener Bewerbung anhand von bestimmten Kriterien ausgewählt. Darunter fallen zum Beispiel die Erfahrung mit Methoden der Qualitätsentwicklung, ein vorhandenes Qualitäts-management, eine Projektleitung mit ausreichender Erfahrung, betriebsweite Akzeptanz des Standards sowie ausreichend vorhandene Ressourcen an Personal und Zeit[31]. Die Implementierung wird von einer Projektgruppe durchgeführt, die aus Mitgliedern der wissenschaftlichen Gruppe des DNQP und den Projektleitern der Einrichtungen besteht. Die Mitarbeiter des DNQP planen, steuern und dokumentieren die Implementierung und stehen in unterstützender und beratender Funktion zur Seite. Zudem entwickeln sie für jeden Expertenstandard ein individuelles Audit-Instrument zur Evaluation. Abschließend werten sie alle Daten aus und geben sie an die Expertenarbeitsgruppe des DNQP weiter.

Die Implementierung selbst erfolgt nach einem festgelegten 4-Phasenmodell, das in einem Zeitraum über sechs Monate angewandt wird[32]. Es wurde für die Einführung des ersten Expertenstandards Dekubitusprophylaxe entwickelt und aufgrund seiner Bewährung auch für die anderen Expertenstandards verwendet. Der Ablauf stellt sich wie folgt dar:

Phase 1: Fortbildungen zum Expertenstandard

In einem Zeitraum von etwa vier Wochen werden dem Personal in den Modellpflegeeinrichtungen sowie den dortigen Pflegdienstleitern und Pflegeexperten Fortbildungen angeboten. Diese als Kick-Off-Veranstaltung bezeichneten Fort-bildungen behandeln nicht nur den Expertenstandard als solchen, sondern decken auch die sonstigen Bedürfnisse des Pflegeteams, wie beispielsweise Umgang mit Assessments, ab. Bei Bedarf können Fortbildungen auch zusätzlich in den weiteren Phasen der Implementierung angeboten werden. Hierzu werden bestimmte Pflegefachkräfte zu Multiplikatoren ausgebildet.

[...]


[1] Vgl. Bölicke (2007), S.1.

[2] Vgl. Trede (1997)

[3] Vgl. Bölicke (2007), S. 2.

[4] Vgl. http://www.wiso.hs-osnabrueck.de/38028.html

[5] Vgl. ICN (1991)

[6] Vgl. DNQP (2004), S. 25.

[7] Vgl. Pschyrembel (2003), S. 509.

[8] Vgl. http://www.wiso.hs-osnabrueck.de/38028.html

[9] Vgl. Schmidt (2012), S. 2.

[10] Vgl. Ebd., S. 3.

[11] Vgl. Ebd., S. 3.

[12] Vgl. http://www.wiso.hs-osnabrueck.de/fileadmin/groups/607/PM_DNQP_FK_Mobilit%C3%A4t.pdf

[13] Vgl. Schmidt (2012), S. 3.

[14] Vgl. http://www.dbfk.de/pressemitteilungen/wPages/index.php?action=showArticle&article=Der-DBfK-informiert-Massstaebe-und-Grundsaetze-gem-113-SGB-XI.php&navid=100

[15] Vgl. http://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbxi/113a.html

[16] Vgl. Moers (2004), S. 75.

[17] Das Vorgehen wird hier nahezu ausschließlich anhand des Methodenpapiers erklärt, das vom DNQP selbst veröffentlicht wurde. Damit soll eine möglichst genaue Beschreibung ermöglicht werden.

[18] Vgl. http://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbxi/113a.html

[19] Vgl. Moers (2004), S. 75.

[20] Vgl. DNQP (2011), S. 6.

[21] Vgl. DNQP (2011). S. 7.

[22] Vgl. Ebd., S. 6.

[23] Vgl. Ebd., S. 6.

[24] Vgl. Ebd., S. 9.

[25] Vgl. Ebd., S. 8f.

[26] Vgl. DNQP (2011), S. 8.

[27] Vgl. Moers (2004), S. 76.

[28] Vgl. DNQP (2011), S. 12f.

[29] Vgl. Ebd., S. 13.

[30] Vgl. DNQP (2011), S. 13. Dort werden ca. 25 Einrichtungen genannt, während bei Moers (2004, S. 77) 15-20 Einrichtungen genannt werden.

[31] Vgl. Ebd., S. 13.

[32] Vgl. DNQP (2011), S. 15

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Details

Titel
Expertenstandards in der Pflege. Begriffsbestimmung, Entwicklung und kritische Betrachtung
Hochschule
Akkon-Hochschule für Humanwissenschaften
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
21
Katalognummer
V369676
ISBN (eBook)
9783668473010
ISBN (Buch)
9783668473027
Dateigröße
616 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
expertenstandards, pflege, begriffsbestimmung, entwicklung, betrachtung
Arbeit zitieren
Jannik Müller (Autor), 2014, Expertenstandards in der Pflege. Begriffsbestimmung, Entwicklung und kritische Betrachtung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/369676

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