Expertenstandards in der Pflege gelten als das Projekt schlechthin, um die Pflege als eigene Profession und eigene Wissenschaft zu etablieren. Sie gelten als Grundlage für "Evidence-based Nursing" und werden von Pflegeexperten immer wieder als wichtiger Schritt zur wissenschaftlichen Untermauerung der Pflege genannt. Vor bereits etwa 15 Jahren begannen die Überlegungen zu Expertenstandards, von denen bis zum heutigen Zeitpunkt sieben veröffentlicht wurden und der achte bald folgen wird. Spätestens seit dem Jahr 2011 ist deren Bedeutung für die Praxis nicht mehr wegzudenken, da sie erstmals gesetzlich festgelegt wurden.
Doch bereits davor hatten Standards eine große Bedeutung in der Pflege, um Qualität zu sichern und zu entwickeln. Dies geschah jedoch in jeder Pflegeeinrichtung unterschiedlich und unabhängig voneinander. Selbst zum Begriff des Standards, bzw. was ein solcher enthalten soll, gibt es verschiedene Meinungen.
In dieser Arbeit soll zunächst versucht werden, den Begriff "Standard" zu bestimmen und ihn von anderen Terminologien abzugrenzen. Dabei wird auch auf verschiedene Definitionen eingegangen, um daraufhin die vom Deutschen Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) gegebene Definition genauer zu betrachten. Anschließend wird, nach einem kurzen Abriss der Geschichte der Expertenstandards, genauer auf das Vorgehen der Entwicklung eingegangen. Dabei sollen vor allem die Rolle des DNQP und die einzelnen Schritte der Erarbeitung herausgestellt werden.
Darauf aufbauend wird die Wissenschaftlichkeit der Entwicklung genauer untersucht, wodurch eventuelle Kritik- und Angriffspunkte ermittelt werden sollen. Auch der tatsächliche Nutzen für die Pflegepraxis, den die Expertenstandards mit sich gebracht haben und ob deren Zielsetzung erfüllt werden konnte wird einer kritischen Betrachtung unterzogen. Außerdem sind die finanziellen Kosten, mit denen durch die Expertenstandards zu rechnen ist, und ein möglicher langfristiger ökonomischer Nutzen Gegenstand dieser Abhandlung. Insgesamt sollen in dieser Arbeit vor allem die Fragen beantwortet werden, ob Expertenstandards als Basis für evidenzbasierte Pflege dienen können und ob es bis jetzt tatsächlich positive Veränderungen in der Praxis gegeben hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmung und Abgrenzung
3. Geschichte der Expertenstandards
4. Entwicklung der Expertenstandards
4.1 Themenfindung
4.2 Bildung unabhängiger Expertengruppen
4.3 Erarbeitung eines Expertenstandard-Entwurfs
4.4 Konsensus-Konferenzen und Veröffentlichung
4.5 Modellhafte Implementierung
4.6 Aktualisierung der Expertenstandards
5. Funktionen und Anforderungen von Expertenstandards
6. Aufbau der Expertenstandards
7. Kritische Betrachtung der Expertenstandards
7.1 Entwicklung
7.2 Ökonomische Betrachtung
7.3 Praxis
7.3.1 Expertenstandard Dekubitusprophylaxe
7.3.2 Expertenstandard Sturzprophylaxe
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Expertenstandards in der Pflege als Instrument zur Professionalisierung und Qualitätssicherung. Es wird untersucht, inwieweit diese Standards eine evidenzbasierte Grundlage für die pflegerische Praxis bilden, wie ihr Entwicklungsprozess strukturiert ist und ob sie tatsächlich zu messbaren Qualitätsverbesserungen in der Versorgung führen.
- Strukturelle Begriffsbestimmung und geschichtliche Einordnung von Expertenstandards.
- Detaillierte Erläuterung des methodischen Entwicklungsprozesses durch das DNQP.
- Kritische wissenschaftliche Reflexion der Evidenzbasis und der Implementierungskriterien.
- Ökonomische Evaluation von Kosten und Nutzen am Beispiel der Dekubitusprophylaxe.
- Praxisnahe Überprüfung der Effektivität anhand von Dekubitus- und Sturzprävention.
Auszug aus dem Buch
4.2 Bildung unabhängiger Expertengruppen
Die Expertenarbeitsgruppe besteht aus etwa acht bis zwölf Mitgliedern, die sich durch besondere Fachkunde im speziellen Thema auszeichnen. Alle Mitglieder entstammen der Pflege, etwa zur Hälfte der Pflegewissenschaft und zur Hälfte der Pflegepraxis. Allerdings wird Wert auf eine Verteilung der Mitglieder auf verschiedene Pflegebereiche wie Kranken-/Alten-/Kinderkrankenpflege; stationäre/ambulante Pflege und Altenhilfe gelegt. Die Expertenarbeitsgruppe ist damit ausschließlich monodisziplinär besetzt. Die Auswahl erfolgt nach öffentlicher Ausschreibung und Bewerbung. Die Auswahlkriterien sind Fachpublikationen, wissenschaftliche Qualifikationen, Schwerpunktarbeiten sowie Forschungsbeteiligung. Um Interessenkonflikte zu vermeiden müssen zudem alle relevanten Beziehungen zu Industrie oder anderen Interessengemeinschaften offengelegt werden.
Die Stelle der wissenschaftlichen Leitung der Expertenarbeitsgruppe wird öffentlich ausgeschrieben und anschließend durch den Lenkungsausschuss des DNQP mit einem ausgewählten Bewerber besetzt. Die Auswahl erfolgt anhand der vorliegenden Erfahrung in wissenschaftlicher Projektleitung. Zudem muss der Methode zur Erarbeitung der Expertenstandards des DNQP zugestimmt werden.
In beratender Funktion können von der Expertenarbeitsgruppe zusätzlich die Meinungen von Patienten/-innen-Vertreter/-innen, Vertreter/-innen des Verbraucherschutzes und Fachexperten/-innen aus anderen Berufsgruppen eingeholt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung von Expertenstandards als Projekt zur Etablierung der Pflege als Profession ein und benennt das Ziel, deren Wissenschaftlichkeit und Nutzen kritisch zu hinterfragen.
2. Begriffsbestimmung und Abgrenzung: Dieses Kapitel definiert den Standardbegriff und grenzt ihn von anderen Instrumenten ab, wobei insbesondere die Definition des DNQP im Fokus steht.
3. Geschichte der Expertenstandards: Hier wird der historische Hintergrund der Entwicklung seit der Gesundheitsministerkonferenz 1999 sowie die Rolle des DNQP beleuchtet.
4. Entwicklung der Expertenstandards: Das Kapitel beschreibt detailliert den methodischen Prozess von der Themenfindung über die Expertenarbeit bis hin zur Implementierung und Aktualisierung.
5. Funktionen und Anforderungen von Expertenstandards: Dieser Abschnitt erläutert die Positionierung der Pflege als evidenzbasierte Wissenschaft und definiert die notwendigen Anforderungen an valide Qualitätsstandards.
6. Aufbau der Expertenstandards: Hier wird die Struktur der Expertenstandards, basierend auf dem Donabedian-Modell (Struktur-, Prozess- und Ergebniskriterien), erklärt.
7. Kritische Betrachtung der Expertenstandards: Das zentrale Kapitel analysiert Schwachstellen bei der Entwicklung, ökonomische Faktoren sowie die tatsächlichen Auswirkungen in der Praxis.
8. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung der Expertenstandards als Qualitätssicherungsinstrument ab und gibt Ausblicke auf notwendige zukünftige Entwicklungen.
Schlüsselwörter
Expertenstandards, Pflege, DNQP, Evidenzbasierte Pflege, Qualitätsentwicklung, Dekubitusprophylaxe, Sturzprophylaxe, Pflegewissenschaft, Implementierung, Standardkriterien, Versorgungsqualität, Gesundheitsökonomie, Audit, Pflegepraxis, Profession.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Expertenstandards in der Pflege, ihrer methodischen Entwicklung durch das DNQP sowie einer kritischen Reflexion ihres Nutzens für die professionelle Pflegepraxis.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit deckt die Begriffsbestimmung, den geschichtlichen Entstehungskontext, den formalen Entwicklungsprozess und die kritische Auseinandersetzung mit der ökonomischen und praktischen Wirksamkeit der Standards ab.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu klären, ob Expertenstandards tatsächlich als Basis für evidenzbasierte Pflege dienen können und ob sie messbare positive Veränderungen in der täglichen Pflegepraxis bewirkt haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und einer kritischen Diskursanalyse, um den Prozess der Expertenstandard-Entwicklung und deren Implementierung zu evaluieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Beschreibung des Entwicklungsprozesses, die theoretische Einordnung (Donabedian-Modell) sowie die kritische Untersuchung der Wissenschaftlichkeit, ökonomischen Rentabilität und Praxistauglichkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist primär durch Begriffe wie Expertenstandards, Evidenzbasierte Pflege, DNQP, Qualitätsentwicklung und Pflegewissenschaft charakterisiert.
Welche Rolle spielt das Donabedian-Modell in dieser Arbeit?
Das Donabedian-Modell bildet die theoretische Grundlage für den Aufbau der Expertenstandards, da es die Qualitätsdimensionen in Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität unterteilt.
Warum wird der Expertenstandard Dekubitusprophylaxe als Beispiel verwendet?
Dieser Standard wurde als erster veröffentlicht, weshalb für ihn die meisten wissenschaftlichen Daten und Erfahrungswerte vorliegen, um eine fundierte Erfolgsanalyse durchzuführen.
Welcher ökonomische Aspekt wird bei der Analyse der Standards hervorgehoben?
Die Arbeit betrachtet sowohl die initialen Implementierungskosten als auch den potenziellen finanziellen Nutzen durch die Vermeidung von Komplikationen wie Dekubitalulcera.
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- Jannik Müller (Autor), 2014, Expertenstandards in der Pflege. Begriffsbestimmung, Entwicklung und kritische Betrachtung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/369676