Dyslexie in Alphabetschriften, im chinesischen Schriftsystem und im deutschen Schulalltag


Hausarbeit, 2016

15 Seiten, Note: 1,7

Anonym (Autor)


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Definition.
2.1 Hinweise zur Terminologie

3 Dyslexie und orthographische Tiefe

4 Dyslexie und phonologische Bewusstheit.

5 Dyslexie in anderen Sprachen und Schriftsystemen
5.1 Das chinesische Schriftsystem
5.2 Dyslexie in der chinesischen Sprache

6 Dyslexie im deutschen Schulalltag
6.1 Wie können dyslektische Kinder gefördert werden?
6.2 Inklusiver Unterricht oder Legasthenieklassen?

7 Ausblick und Schlusswort

8 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Mrs. Everett kam mit einem Buch an, betitelt: Lerne lesen ohne Tränen. Bei mir jedenfalls hat sich dieser Titel nicht bewahrheitet. Im Ganzen war ich tief entmutigt durch meine Schulzeit. Es ist nicht angenehm, sich völlig als Außenseiter zu fühlen und sich schon zu Beginn des Rennens weit überholt zu sehen.“

Winston Churchill, 1930

Ob Steven Spielberg, Michael Jackson, John F. Kennedy oder sogar Albert Einstein, all diese bekannten Persönlichkeiten hatten Schwierigkeiten damit, das Lesen zu erlernen und könnten die Schilderungen von Winston Churchill wohlmöglich gut nachvollziehen. Erwachsene Menschen verstehen, wieso sie sich schwerer getan haben als andere Schüler, als junges Schulkind fühlt man sich jedoch schnell ausgegrenzt, demotiviert und weniger begabt wie seine Mitschüler. Sind Kinder, die schlechter lesen lernen, insgesamt weniger intelligent als andere Kinder? Treten ähnliche Formen der Störung in anderen Sprachen und nicht-alphabetischen Schriften auf? Wie wird mit betroffenen Kindern in den Schulen umgegangen? Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Leseentwicklungsstörung „Dyslexie“ und beantwortet genau diese Fragen. Im Verlauf dieser Arbeit wird zuerst der Begriff Dyslexie definiert. Infolgedessen wird erläutert, in wie weit die orthographische Tiefe einer Sprache und die phonologische Bewusstheit eines Kindes Einfluss auf das Auftreten von Dyslexie hat. Als Nächstes konzentriert sich diese Arbeit auf ein nicht-alphabetisches Schriftsystem und stellt eine Auswahl zur Dyslexieforschung im chinesischen Schriftsystem dar. Neben den empirischen Informationen wird im letzten Teil dieser Arbeit beleuchtet, wie mit Legasthenie, welche eine Kombination aus Dyslexie und einer Rechtschreibschwäche beschreibt, im deutschen Schulsystem umgegangen wird. Hier werden beispielshaft Möglichkeiten zur Förderungen für Lehrkräfte und Schüler innerhalb und außerhalb des Unterrichts gegeben. Außerdem wird die Frage diskutiert, ob die betroffenen Schüler im inklusiven Unterricht oder auf einer Förderschule unterrichtet werden sollten.

2. Definition

Die Bedeutung des Begriffs „Dyslexie“ kommt von den griechischen Wörtern „dys“, welches „schwer“ oder „schlecht“ bedeutet und „léxis“, welches mit Sprache übersetzt wird. Es ist also eine Schwierigkeit mit Sprache, die sich auf geschriebene Wörter bezieht. Genauer versteht man unter Dyslexie eine Entwicklungsschwäche, die sich auf das Lesen und Verstehen von Wörtern auswirkt. Die betroffenen Personen haben beispielsweise Probleme damit, Wörter zu buchstabieren, schnell und flüssig zu lesen, Wörter aufzuschreiben oder diese korrekt laut vorzulesen. Dyslektiker besitzen jedoch ein gesundes Seh- und Hörvermögen, zudem haben sie eine normal ausgeprägte Intelligenz, ein gesundes Lernumfeld und eine normale Entwicklung anderer kognitiver Fähigkeiten. Somit sind nicht alle schlechten Leser direkt Dyslektiker, es müssen erst die eben genannten Faktoren ausgeschlossen werden. Schwierig hierbei ist es, festzulegen, ab wann die Schwierigkeiten so groß sind, dass es sich um Dyslexie handelt, und nicht etwa um eine langsame, schlechte Entwicklung des Lesens. Es ist daher kaum möglich, das Maximum der „normalen Lerner“ klar von schwachen und von

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Abbildung 1: Leselernverhalten von Kindern in einer Normalverteilung (eigene Darstellung)

dyslektischen Kindern abzugrenzen. Des Weiteren sind die Ursachen dafür, an einer Dyslexie zu erkranken, vielfältig und nicht umfassend erforscht. Man geht davon aus, dass die Genetik eine Rolle spielt und dass für die Entstehung von Dyslexie mehrere Chromosomen eine Rolle spielen. Außerdem stehen Schädigungen in bestimmten Hirnregionen in Verdacht. Diese Arbeit wird jedoch nicht weiter auf die Ursachen von Dyslexie eingehen (Vgl.: Dehaene, 2012: 267ff und Harley, 2014: 249ff).

2.1 Hinweise zur Terminologie

In der Literatur wird zwischen einer Entwicklungsdyslexie („developmental dyslexia“) und einer erworbenen Dyslexie („acquired dyslexia“) unterschieden, jedoch gibt es oftmals Verwirrungen in der Terminologie. Eine erworbene Dyslexie wird als Alexie bezeichnet. Diese trifft oftmals in Folge einer Gehirnerkrankung, etwa eines Schlaganfalles auf, die meist mit einer Aphasie einhergeht. Diese Arbeit befasst sich mit Entwicklungsdyslexien und meint durchgehend mit der Verwendung des Bergriffs „Dyslexie“ die eben genannte Entwicklungsstörung.

Andere Begriffe, die in der Literatur oft synonym für Dyslexie verwendet werden, sind Legasthenie und Lese-Rechtschreib-Schwäche, da eine Dyslexie normalerweise zusammen mit einer Dysgraphie auftritt. Diese Arbeit nutzt die Begriffe Legasthenie und Lese-Rechtschreib-Schwäche synonym wenn sie über den Schulalltag spricht und meint damit eine Entwicklungsdyslexie die zusammen mit einer Entwicklungsdysgraphie auftritt.

3. Dyslexie und orthographische Tiefe

Ein geeigneter Parameter um Sprachen und ihre Rechtschreibung zu unterscheiden ist in dem Kontext dieser Arbeit die orthographischen Tiefe. Eine Sprache, deren Rechtschreibung unregelmäßig und unvorhersehbar ist, wie beispielsweise das Englische, wird als tief („deep“, oft auch „opaque“) bezeichnet. Sprachen, in denen eine reguläre, mehr vorhersagbare Beziehung zwischen Phonem und Graphem besteht, werden als flach („shallow“) bezeichnet, Beispiel hierfür sind Finnisch, Italienisch oder Spanisch. Die orthographische Tiefe steht in Beziehung mit dem Leselernfortschritt eines Kindes. Flache Orthographien sind dementsprechend leichter zu lernen, das Erlernen des Lesens von tiefen

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Abbildung 2: Geschätzes Vorkommen von Dyslexie in unterschiedlichen Sprachen (Brunswick, McDougall., De Mornay Davies (2010)

Orthographien stellt größere Schwierigkeiten, mehr Zeitaufwand und Übung dar, da es schlicht mehr Irregularitäten gibt. Dyslexie tritt aber nicht nur in tiefen, sondern auch in flachen Orthographien auch. Selbst wenn Kindern das Erlernen des Lesens einer flachen Orthographie leichter fällt, haben Patienten in beiden Fällen gleichermaßen Probleme damit, geschriebene Buchstaben in ihre entsprechenden Laute umzuwandeln. Diejenigen Dyslektiker, die mit komplexer, unregelmäßiger, also tiefer Orthographie konfrontiert sind, müssen zusätzlich zwischen unterschiedlichen gesprochenen und geschriebenen Formen unterscheiden und haben somit größere Probleme. Den Zusammenhang zwischen der Orthographie und dem korrekten Vorlesen in der Sprache untersuchten Landerl, Wimmer and Firth (1997. Zitiert nach Brunswick, McDougall, De Mornay Davies, 2010) in einem Experiment. Sie ließen 12-jährige englisch- und deutschsprachige Dyslektiker, sowie als Kontrollgruppe gesunde Leser, Wörter und Pseudowörter in ihrer Muttersprache lesen. Als Stimuli nutzten sie deutsche und englische Wortpaare, die sich phonologisch, semantisch und orthographisch so ähnlich wie möglich sind, wie beispielsweise „Ball“ und „ball“, „Salat“ und „salad“, „jung“ und „young“. Wie erwartet schnitten die deutschsprachigen Dyslektiker in allen Fällen besser ab, da das Deutsche eine eher flache Orthographie besitzt und das Lesen grundsätzlich über Graphem-Phonem-Korrespondenz erlernt werden kann. Vorausgesetzt ist, dass der Zugriff auf Graphem-Phonem-Korrespondenz nicht gestört ist. Im Englischen gibt es zu viele Unregelmäßigkeiten, sodass beim Lesen von niedrigfrequenten Wörtern oder Pseudowörtern auffallend viele Fehler gemacht werden. In der folgenden Tabelle sind die Ergebnisse des Experimentes aufgeführt (Vgl.: Brunswick, McDougall, De Mornay Davies, 2010:140ff).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Ergebnisse der Studie von Landerl, Wimmer und Firth, 1997; korrekt vorgelesene Wörter in Prozent (eigene Darstellung)

4. Dyslexie und phonologische Bewusstheit

Ein Faktor, der das Erscheinungsbild von Dyslexie in tiefen und flachen Orthographien beeinflusst, ist die phonologische Bewusstheit („phonological awareness“). Unter phonologischer Bewusstheit versteht man das Vermögen, Wörter in Phoneme zu segmentieren. Die phonologische Bewusstheit entwickelt sich während des Spracherwerbs natürlich, nämlich dann, wenn man die Laute und die erlaubten Kombinationen von Lauten in seiner Muttersprache erlernt. Zu den Kompetenzen von einer gesund erlernten phonologischen Bewusstheit zählen beispielsweise das Erkennen von Reimpaaren, das Segmentieren von Silben, das Erkennen einer Wortlänge oder das Erkennen einer Wortgrenze.

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Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Dyslexie in Alphabetschriften, im chinesischen Schriftsystem und im deutschen Schulalltag
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Institut für Sprache und Information)
Veranstaltung
Psycholinguistisches Seminar
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
15
Katalognummer
V369846
ISBN (eBook)
9783668487130
ISBN (Buch)
9783668487147
Dateigröße
715 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Linguistik, Psycholinguistik, Sprachwissenschaft, Lesen, Dyslexie, LRS
Arbeit zitieren
Anonym (Autor), 2016, Dyslexie in Alphabetschriften, im chinesischen Schriftsystem und im deutschen Schulalltag, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/369846

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