Problemorientierte Jugendliteratur im Deutschunterricht am Beispiel des Buches "Alle gegen Esra"


Seminararbeit, 2017

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Problemorientierte Kinder- und Jugendliteratur

2. Interkulturelles Lernen

3. Mobbing

4. Das Buch Alle gegen Esra von von Aygen-Sibel Çelik

5. Unterrichtsplanung
5.1. Handlungsorientiertes Arbeiten mit dem Text
5.2. Bemerkungen zum Unterrichtskonzept
5.3. Planungsmatrix
5.4. Unterrichtsmaterial
5.5. Ergänzende Anmerkungen:

Literaturverzeichnis

Einleitung

Seit jeher verarbeiten Menschen konfliktbehaftete Themen in literarischer Form und erhoffen sich dadurch einerseits, dass sie bei ihrer Leserschaft Wissen und andererseits ein Bewusstsein für die Ursachen der Probleme zu schaffen. Schon Cicero verwendete die Macht des Geschriebenen um zahlreiche, heute noch erhaltene Verteidigungsreden zu schreiben, mittels denen er versuchte (und es ihm oft auch gelingen sollte) Angeklagte vor Gericht zu verteidigen.[1]

Heute werden mehr Bücher denn je publiziert und ein nicht geringer Anteil davon sind Bücher für Kinder und Jugendliche. Führt man sich vor Augen, dass alleine in Deutschland im Jahr 2016 über neuntausend Bücher[2] veröffentlicht wurden, die der Sparte Kinder- und Jugendbuch zugerechnet werden können, verwundert es nicht, dass ein ebenso großer Markt für derartige Publikationen besteht. Im Jahr 2016 stand die Gruppe der Kinder- und Jugendbücher damit an zweiter Stelle des deutschen Buchmarktes, auch was den erwirtschafteten Umsatz betrifft.[3]

Bei dieser großen Bandbreite und dem riesigen Markt ist es umso wichtiger sorgfältig auszuwählen, welche Bücher man mit Klassen im Deutschunterricht behandelt.

Besonders wichtig bei der Auswahl literarischer Stücke für den Deutschunterricht erscheint mir, dass zwar das Lesevergnügen auf keinen Fall zu kurz kommen darf, dass jedoch gleichzeitig sinnvolle Literatur ausgewählt wird, anhand der Kinder und Jugendliche sich im Idealfall soziale Kompetenzen aneignen können. Zu diesen sozialen Kompetenzen kann auch die interkulturelle Kompetenz gezählt werden.

Die vorliegende Proseminararbeit beschäftigt sich mit dem Buch Alle gegen Esra der Autorin Aygen-Sibel Çelik und setzt sich zum Ziel aufzuzeigen, wie das Buch dazu verwendet werden kann, einen Unterricht zu konzipieren mit dem interkulturelle Kompetenzen vermittelt werden können.

Nach einem Exkurs in das Themenfeld der problemorientierten Jugendliteratur, wird dargelegt, was gemeinläufig unter interkultureller Kompetenz verstanden wird.

Es folgt eine kurze Inhaltsangabe des Buches Alle gegen Esra, wobei einige zentrale und interessante Aspekte des Buches gesondert beleuchtet werden.

Den letzten, aber womöglich wichtigsten Teil der Arbeit ist in Form eines vorgeschlagenen zweistündigen Unterrichtkonzeptes gestaltet.

1. Problemorientierte Kinder- und Jugendliteratur

Festzuhalten ist gleich eingangs, dass es problemorientierte Kinder- und Jugendliteratur noch nicht sehr lange gibt:

„Als neues maßgebliches Genre der KJL gilt seit den 1990er-Jahren der problemorientierte Kinder- und Jugendroman, in welchem von den Autoren schwerpunktmäßig die realen Problem- und die Konfliktfelder des Kinderalltages geschildert werden.“[4]

Diese Definition gibt bereits einiges her:

- Der problemorientierte Roman der Kinder- und Jugendliteratur kann als eigenständiges Genre angesehen werden.
- Das Genre ist, wie bereits erwähnt ein, im Vergleich mit dem herkömmlichen Roman etwa, noch sehr junges. Zwar muss an dieser Stelle angemerkt werden, dass es bereits seit den 1960er-Jahren und immer häufiger in den darauffolgenden Jahrzehnten vereinzelt Bücher veröffentlicht wurden, die dem heutigen Genre zugerechnet werden können, aber ein etabliertes Genre bildete sich erst in den 1990er-Jahren heraus.
- Inhalte dieser Romane müssen Problem und Konfliktfelder sein, die in der realen Welt und im Alltag von Kindern tatsächlich so gegeben sind.

Somit sind die Themen die im Rahmen dieser Romane behandelt werden können zwar eingeschränkt aber immer noch sehr vielfältig. Themen wie Rassismus, Sucht oder Liebeskummer sind offensichtlich, andere Themenschwerpunkte wie Umweltkatastrophen, politische Konflikte oder Krankheiten können jedoch genau so Berücksichtigung finden. Deswegen liegt es auf der Hand, dass die Behandlung solcher Romane im Deutschunterricht doppelt sinnvoll ist. Denn erstens werden literarische Kompetenzen vermittelt und das Bewusstsein für aktuelle Problemfelder wird gefördert. Um dies auch zu erreichen, ist es nötig interkulturell zu arbeiten bzw. zu lernen.

2. Interkulturelles Lernen

Zu Beginn ist es sinnvoll festzuhalten, was man unter interkulturellen Kompetenzen versteht. Dem Internetauftritt des Bundesministeriums für Bildung ist zu entnehmen, dass interkulturelles Lernen eines der Unterrichtsprinzipen in allen Fächern sein sollte. Dadurch soll „ein Beitrag zum gegenseitigen Verständnis, zum Erkennen von Unterschieden und Gemeinsamkeiten und zum Abbau von Vorurteilen geleistet werden.“[5] Weiters wird genau definiert, welche interkulturellen Fähigkeiten SchülerInnen besitzen sollten, um in einer globalisierten Welt erfolgreich und kompetent mit anderen Kulturen interagieren zu können:

„Das erfordert von allen Beteiligten die Fähigkeit,

- sich auf Neues einlassen zu können,
- eigene Standpunkte, Sichtweisen und Vorurteile zu hinterfragen,
- sich in die Lage anderer Menschen(gruppen) zu versetzen,
- rassistische und eurozentrische Vorurteile zu durchschauen,
- soziales Handeln, Solidarität mit benachteiligten Gruppen und Zivilcourage zu entwickeln,
- Konflikte konstruktiv auszutragen und gleichzeitig zu erkennen, dass Missverständnisse oder Konflikte nicht immer eine kulturelle Ursache haben müssen.“[6]

(Hervorhebungen Julian Moosbrugger)

Vor diesem Hintergrund liegt es auf der Hand, dass sich der Deutschunterricht besonders dazu eignet um interkulturelles Lernen bei SchülerInnen auszulösen. Heidi Rösch hält in ihrem Beitrag zur Interkulturen Literaturdidaktik fest, dass Kultur im migrationspädagogischen Diskurs als problematische Kategorie anzusehen ist.[7] Damit geht einher, dass die Themenfelder Kultur und Migration selbstverständlich Beachtung in der problemorientierten Literatur finden.

Einen besonderen Stellenwert nehmen diesbezüglich Bücher ein, die eben zu problemorientierten Jugendromanen einerseits und zur interkulturellen Literatur andererseits gezählt werden können. Unter interkultureller Literatur versteht man eine Literatur, „die im Einflussbereich verschiedener Kulturen [...] entstanden und auf diese durch Übernahmen, Austausch, Mischung usw. bezogen ist.“[8] Dies ist für das vorliegende Papier besonders relevant, da der im Zentrum stehende Primärtext zu dieser Literatur gerechnet werden kann, da er erstens für die entsprechende Zielgruppe (nämlich Kinder ab 8 Jahren) geschrieben wurde, er zweitens von einer Autorin geschrieben wurde, die selbst türkische Wurzeln hat und er drittens seinen LeserInnen reale Konfliktfelder aus dem Kinderalltag eröffnet.

Bevor sich die vorliegende Arbeit an das konkrete Kinderbuch und eine exemplarische Unterrichtseinheit heranwagt, sollte zum einen erwähnt werden, dass Interkulturalität im Literaturunterricht nicht nur in einzelnen Unterrichtseinheiten zum Thema gemacht werden sollte, sondern (wie bereits erwähnt auch vom Bundesministerium gefordert) als allgemeines, wiederkehrendes Unterrichtsprinzip gelten muss und sozusagen in „Dauerperspektive“ gestellt werden sollte.[9]

Zum anderen ist es notwendig, einen kleinen Exkurs zum Thema Mobbing zu unternehmen, denn wie später deutlich wird, haben im behandelten Buch die (scheinbar!) kulturellen Unterschiede zwischen den SchülerInnen Mobbing als direkte Folge.

3. Mobbing

Wolfgang Kindler hält in seiner Monografie Schnelles Eingreifen bei Mobbing fest, dass es sich bei Mobbing um eine ganz spezielle Form von Gewalt handelt. Anhand von drei Briefen von Opfern von Mobbing versucht er Gemeinsamkeiten, sprich Kriterien festzuhalten, die mit Mobbing einhergehen.[10] Die von ihm herauskristallisierten Kriterien lassen sich wie folgt zusammenfassen: Mobbing ist ein grundlegend aggressives Verhalten, das immer mit einem Machtgefälle einhergeht (Viele gegen eine/n Einzelne/n), dauerhaft und regelmäßig stattfindet (mindestens einmal pro Woche und mindestens einen Monat lang) und alle Formen von schädlichen Handlungen aufweisen kann.[11] Nach dieser Definition des Begriffes, listet Kindler einige mögliche Ursachen für das Zustandekommen von Mobbing auf. Dabei konzentriert er sich hauptsächlich auf Ursachen, die im Schulalltag zu verorten sind. Neben eines hinsichtlich Interkulturalität unzulänglich sensibilisierten Schulprofils und fehlender Kooperation im Lehrkörper macht weist Kindler auch deutlich auf das Lehrerverhalten hin. Ihm zufolge fördere das Verhalten von LehrerInnen das Aufkommen von Mobbing wenn sie...

- ... sich sarkastisch oder zynisch verhalten,
- ... nur das Vermitteln von fachlichen Kompetenzen in den Vordergrund stellen,
- ... Sanktionen androhen, diese aber nie umsetzen,
- ... zur Überwindung ihrer eigenen Angst/Unsicherheit zum Mobbing aktiv beitragen.[12]

Wie die vorliegende Arbeit versuchen wird zu zeigen, ist dieser Auflistung definitiv eine weitere Kategorie hinzuzufügen, nämlich eine solche, bestehend aus Lehrpersonen, die aufgrund von mangelnder interkultureller Kompetenzen Lagen falsch einschätzen und so zum Fortführen und Beibehalten der feindseligen Handlungen beitragen. Um genau solch einen Fall geht es unter anderem im nachfolgend zusammengefassten Buch.

[...]


[1] So zum Beispiel in seiner Verteidigungsrede Pro Archia (poeta), siehe z.B.:
Schmieder, Carsten: Pro Archia poeta. - Verteidigung für den Dichter Archias. Berlin: Hybris, 2010.

[2] Buch und Buchhandel in Zahlen – Bericht der Frankfurter Buchmesse, S.6, online unter: http://www.buchmesse.de/images/fbm/dokumente-ua-pdfs/2016/buchmarkt_deutschland_2016_dt.pdf_58507.pdf, zuletzt abgerufen am 17.01.2016 um 12:45.

[3] Ebd. S. 3.

[4] Kreuzer, Tillmann: König Kind? – Literarische Figuren zu Beginn des 21. Jahrhunderts und Werken der realistischen Kinder- und Jugendliteratur. Würzburg: Königshausen & Neumann, 2009, S. 34.

[5] Internetauftritt des Bundesministeriums für Bildung, online unter: https://www.bmb.gv.at/schulen/unterricht/prinz/interkult_lernen.html, zuletzt aufgerufen am 17.01.2017 um 15:30.

[6] Ebd. online unter: https://www.bmb.gv.at/schulen/unterricht/uek/interkulturalitaet.html, zuletzt aufgerufen am 17.01.2017 um 15:40.

[7] Rösch, Heidi: Interkulturelle Literaturdidaktik im Spannungsfeld. In: Josting, Petra / Roeder, Caroline (Hgg.): „Das ist bestimmt was Kulturelles“ – Eigenes und Fremdes am Beispiel von Kinder- und Jugendmedien. München: kopaed, 2013, S. 22.

[8] Esselborn, Karl: Interkulturelle Literatur – Entwicklungen und Tendenzen. In: Honnef-Becker, Irmgard (Hg.): Dialoge zwischen den Kulturen. Interkulturelle Literatur und ihre Didaktik. Baltmannsweiler: Schneider, 2007, S. 10.

[9] Wrobel, Dieter: Texte als Mittler zwischen den Kulturen - Begegnungen und Bildung als Elemente des interkulturellen Literaturunterrichts. In: Dawidowski, Christian / Wrobel, Dieter (Hgg.): Interkultureller Literaturunterricht. Konzepte – Modelle – Perspektiven. Baltmannsweiler: Schneider, 2006, S. 40.

[10] Vgl.: Kindler, Wolfgang: Schnelles Eingreifen bei Mobbing – Strategien für die Praxis. Mülheim an der Ruhr: Verlag an der Ruhr, 2009, S. 20 ff.

[11] Ebd.

[12] Ebd. S. 18 f.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Problemorientierte Jugendliteratur im Deutschunterricht am Beispiel des Buches "Alle gegen Esra"
Hochschule
Universität Wien
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
18
Katalognummer
V370202
ISBN (eBook)
9783668475328
ISBN (Buch)
9783668475335
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Problemorientierte Jugendliteratur, Problemorientierung, Mobbing, Interkulturelles Lernen, Handlungsorientierung, Aygen-Sibel Çelik, Unterrichtsplanung
Arbeit zitieren
Julian Moosbrugger (Autor), 2017, Problemorientierte Jugendliteratur im Deutschunterricht am Beispiel des Buches "Alle gegen Esra", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/370202

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