Die Zielsetzung dieser Arbeit besteht darin, das Dividendenstripping einer steuerlichen Untersuchung zu unterziehen. Hierzu wird zunächst der Begriff des Dividendenstrippings näher erläutert. Anschließend wird im Kapitel „Steuerrechtliche Grundlagen des Dividendenstrippings“ vorab auf die Unternehmenssteuerreformen bis zum Jahre 2008 eingegangen, angefangen mit dem Vollanrechnungsverfahren bis hin zum Halbeinkünfteverfahren. In einem weiteren Punkt wird auf die Thematik der Dividenden- und Kapitalgewinnbesteuerung Einfluss genommen. Unterschieden werden insbesondere die Besteuerung von Privatpersonen, Personenhandelsgesellschaften, Kapitalgesellschaften, sowie die Besteuerung von Banken. Im darauffolgenden Punkt wird das Dividendenstripping anhand zweier Fallbeispiele eingehend veranschaulicht. Weiter werden mögliche vom Gesetzgeber beabsichtigte und auch bereits einführte Gegenmaßnahmen aufgezeigt. In einem letzten Punkt werden im Kapitel Zusammenfassung und Ausblick die wichtigsten Ergebnisse dieser Arbeit zusammenfassend dargestellt und mögliche Handlungsweisen gegeben.
Die steuerrechtlichen Diskussionen rund um das Thema Dividendenstripping wurden Anfang der 90er Jahre durch eine Untersuchung der hessischen Börsenaufsichtsbehörde ausgelöst. Auch heute ist dieses Thema noch heiß umstritten. Jährlich sparen Kapitalanleger durch die geschickte Anwendung des Dividendenstrippings eine Vielzahl an Steuern.
Insbesondere Anteilseigner aus dem Ausland und Aktionäre mit einer hohen Steuerprogression profitieren von dieser Vorgehensweise. Es gelingt ihnen, durch die Ausübung von Aktiengeschäften kurz vor und kurz nach der Dividendenzahlung, gewisse Regelungen des deutschen Steuerrechts zu umgehen. Im Ergebnis dieser Transaktionen zeigen sich die Vereinnahmung eines steuerfreien Kursgewinns und die mehrfache Erstattung der nur einmal abgeführten Kapitalertragsteuer durch den Fiskus.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Einordnung und Begriff des Dividendenstrippings
3. Steuerrechtliche Grundlagen des Dividendenstrippings
3.1. Unternehmenssteuerreformen bis zum Jahre 2008
3.2. Dividenden- und Kapitalgewinnbesteuerung
3.2.1. Privatpersonen
3.2.2. Personenhandelsgesellschaften
3.2.3. Kapitalgesellschaften
3.2.4. Banken
4. Dividendenstripping anhand von Fallbeispielen
5. Maßnahmen des Gesetzgebers zur Einschränkung des Dividendenstrippings
6. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die steuerlichen Aspekte und die Mechanik des sogenannten Dividendenstrippings. Ziel ist es, die steuerrechtliche Einordnung sowie die durch diese Transaktionsform ermöglichte Umgehung von Steuerbelastungen bei verschiedenen Anlegergruppen (Privatpersonen, Gesellschaften, Banken) detailliert zu analysieren und die gesetzgeberischen Reaktionen zur Eindämmung dieser Praxis aufzuzeigen.
- Historische Entwicklung und Einordnung des Dividendenstrippings
- Steuerrechtliche Grundlagen und deren Einfluss auf die Gestaltungsmöglichkeiten
- Differenzierte Analyse der Besteuerung bei Privatpersonen, Personenhandelsgesellschaften und Kapitalgesellschaften
- Praktische Veranschaulichung durch konkrete Fallbeispiele
- Reaktion des Gesetzgebers durch verschiedene Gegenmaßnahmen
Auszug aus dem Buch
2. Einordnung und Begriff des Dividendenstrippings
Kapitalmarkttransaktionen, wie etwa der Handel mit Aktien rund um den Dividendenstichtag, finden bei Anlegern immer wieder neue Attraktivität. Insbesondere in der Hinsicht, die persönliche Steuerlast zu verbessern oder weitere mögliche steuerliche Nutzenvorteile zu erzielen. Wie anfangs bereits angeführt, wurde in den neunziger Jahren eines der größten systematisch durchgeführten Steuergestaltungsmodelle entblößt. Dessen zentrales Ziel lag in der Senkung der Steuerlast auf Gewinnausschüttungen deutscher Aktien. Diese Entdeckung wurde später unter dem Schlagwort des sogenannten Dividendenstrippings besser bekannt.
Die Herkunft des Dividendenstrippings geht demnach in die Jahre zurück, in denen noch das körperschaftsteuerliche Anrechnungsverfahren Anwendung fand. Auf dieses wird speziell im nächsten Abschnitt eingegangen. Das Problem dieses Verfahrens lag grundsätzlich darin, dass nicht jede Person anrechnungsberechtigt war. Besonders Steuerausländer, aber auch inländische Körperschaften, wie zum Teil juristische Personen oder Gewerkschaften, gehörten zu den Nicht-Anrechnungsberechtigten und waren deshalb vom Anrechnungsverfahren ausgeschlossen.
Durch den Ausschluss der möglichen Anrechnung beziehungsweise Erstattung und der damit verbundenen steuerlichen Definitivbelastung, bat sich die Möglichkeit, einen Ausgleich zwischen Anrechnungsberechtigten und Nicht-Anrechnungsberechtigten herzustellen. Diesen Ausgleich erreichten die Anteilseigner durch die gewandte Anwendungstechnik des Dividendenstrippings. Infolgedessen konnten auch Nicht-Anrechnungsberechtigte das Anrechnungsverfahren in vollem Umfang nutzen. Die Beteiligten gingen dabei wie folgt vor: Zunächst fand eine Übertragung dividendenberechtigter Aktien (cum) vor der Dividendenausschüttung aus dem Bestand eines Nicht-Anrechnungsberechtigten auf einen Anrechnungsberechtigten statt. Danach erfolgte eine zeitnahe Rückübertragung
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Dividendenstrippings ein und definiert die Zielsetzung der Untersuchung sowie das methodische Vorgehen.
2. Einordnung und Begriff des Dividendenstrippings: Hier wird der historische Kontext und die Entstehung des Dividendenstrippings als Steuergestaltungsmodell unter dem alten körperschaftsteuerlichen Anrechnungsverfahren erläutert.
3. Steuerrechtliche Grundlagen des Dividendenstrippings: Dieses Kapitel behandelt die rechtlichen Rahmenbedingungen, beginnend mit den Unternehmenssteuerreformen bis 2008 sowie der spezifischen Besteuerung von Dividenden und Kapitalgewinnen bei verschiedenen Anlegergruppen.
4. Dividendenstripping anhand von Fallbeispielen: Anhand praktischer Rechenbeispiele und Transaktionsabläufe wird die Funktionsweise und das steuerliche Ergebnis des Dividendenstrippings veranschaulicht.
5. Maßnahmen des Gesetzgebers zur Einschränkung des Dividendenstrippings: Hier werden die verschiedenen gesetzgeberischen Bemühungen und Paragrafen vorgestellt, die darauf abzielten, die Missbrauchsgestaltungen beim Dividendenstripping zu unterbinden.
6. Zusammenfassung und Ausblick: Das abschließende Kapitel fasst die wesentlichen Ergebnisse zusammen und bietet einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung und die Relevanz des Themas im Lichte weiterer steuerrechtlicher Anpassungen.
Schlüsselwörter
Dividendenstripping, Unternehmenssteuerreform, Körperschaftsteuer, Kapitalertragsteuer, Halbeinkünfteverfahren, Steuergestaltung, Steuerumgehung, Aktienhandel, Dividendenstichtag, Anrechnungsverfahren, Steuerbelastung, Kapitalgesellschaften, Privatpersonen, Cum-Ex-Geschäfte, Steuerrecht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert die steuerliche Problematik des Dividendenstrippings, bei dem Anleger durch gezielte Aktientransaktionen rund um den Dividendenstichtag versuchen, Steuerbelastungen zu vermeiden oder zu verringern.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Analyse?
Im Zentrum stehen die steuerlichen Grundlagen der Aktiengewinnbesteuerung, die historische Entwicklung der Unternehmensbesteuerung in Deutschland und die verschiedenen Gestaltungstechniken des Dividendenstrippings.
Was ist das zentrale Forschungsziel der Arbeit?
Das primäre Ziel besteht darin, die Mechanik des Dividendenstrippings zu durchleuchten, die Auswirkungen auf verschiedene Anlegergruppen zu untersuchen und die Wirksamkeit gesetzgeberischer Gegenmaßnahmen kritisch zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit genutzt?
Die Arbeit verfolgt einen analytischen Ansatz, der auf der Auswertung steuerrechtlicher Rahmenbedingungen, historischer Gesetzesentwicklungen und der rechnerischen Modellierung konkreter Transaktionsszenarien basiert.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die steuerliche Systematik des Halbeinkünfteverfahrens, die Differenzierung zwischen verschiedenen Steuerpflichtigen wie Privatpersonen und Kapitalgesellschaften sowie die praktische Anwendung von Stripping-Modellen an Fallbeispielen.
Welche Keywords beschreiben den Inhalt am besten?
Die zentralen Begriffe sind Dividendenstripping, Steuergestaltung, Kapitalertragsteuer, Unternehmenssteuerreform und Cum-Ex-Geschäfte.
Wie unterscheidet sich die Besteuerung bei Privatpersonen von der bei Kapitalgesellschaften im Kontext des Dividendenstrippings?
Die Arbeit zeigt, dass die steuerliche Behandlung stark von der jeweiligen Anlegerkategorie und dem zu dem Zeitpunkt geltenden Steuerregime (z. B. Halbeinkünfteverfahren) abhängt, wobei insbesondere Kapitalgesellschaften von weitreichenden Steuerbefreiungen profitieren konnten.
Warum spielt der Dividendenstichtag für die untersuchten Transaktionen eine so entscheidende Rolle?
Der Dividendenstichtag ist der Dreh- und Angelpunkt, da es bei den Transaktionen darum geht, Aktien gezielt „mit Dividende“ zu erwerben und „ohne Dividende“ zu veräußern, um die steuerlichen Vorteile der Ausschüttung in Verbindung mit dem Kursverlust zu kombinieren.
Welches Fazit zieht die Arbeit bezüglich der Bemühungen des Gesetzgebers?
Das Fazit deutet darauf hin, dass die gesetzgeberischen Maßnahmen zwar die Komplexität der Steuersysteme erhöhten, aber nicht immer effektiv in der Lage waren, die kreative Steuergestaltung vollständig zu unterbinden, was weiterhin Milliardenverluste für den Fiskus nach sich zog.
- Citar trabajo
- S. H. (Autor), 2017, Grundlegende Aspekte der Besteuerung von Kurserfolgen und Ausschüttungen beim Dividendenstripping, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/370334