Die aktuelle Diskussion um die Schulschrift. Ein Vergleich der diskutierten Schriften


Hausarbeit, 2016
29 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Funktionen der Schulschrift

2. Ein Vergleich der diskutierten Schriften
2.1. Lateinische Ausgangsschrift
2.1.1. Pro-Argumente
2.1.2. Contra-Argumente
2.2. Schulausgangsschrift
2.2.1. Pro-Argumente
2.2.2. Contra-Argumente
2.3. Vereinfachte Ausgangsschrift
2.3.1. Pro-Argumente
2.3.2. Contra-Argumente
2.4. Grundschrift
2.4.1. Pro-Argumente
2.4.2. Contra-Argumente

3. Fazit

Bibliographie

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

Zurzeit begegnet man häufig Sätzen wie beispielsweise „Finnland schafft die Schreib- schrift ab“1 oder „Finnland ohne Schreibschrift: Schreibst du noch, oder tippst du schon?“2, wodurch deutlich wird, dass eine Debatte um die Schrift unsere Gesellschaft durchzieht.

Das Thema, mit dem ich mich im Folgenden auseinandersetzen werde, umfasst eben diese aktuelle Diskussion um die Schulschrift, die es zum Ziel hat, eine geeignete Ausgangsschrift für diejenigen Kinder, die am Beginn des Schriftspracherwerbs stehen, zu finden. Vor allem durch die Freigabe an Printmedien und den Aufgriff im Internet, erlangt diese Fragestellung, über die schulpolitische Ebene hinaus, auch im alltäglichen Leben einen Status, der dem Thema zwar viel Aufmerksamkeit zukommen lässt, aber auch eine große Empörung herbeiführt, da sich ein Jeder, vermutlich aufgrund der absolvierten Schullaufbahn, dazu befähigt fühlt, seine Meinung zu äußern, wobei diese Kundgaben oftmals ein subjektiver Eindruck bleiben.

Trotz dessen ist die Suche nach der Erkenntnis, welche der Handschriften das Optimum darstelle, kein ausschließlich modernes Phänomen, sondern wurde bereits in den letzten hundert Jahren oftmals diskutiert, woraus mindestens sieben Mal ein Wechsel der Schulschrift resultierte.3

Dass sich vor allem heutzutage daran anknüpfen lässt, ist ebenfalls das Ergebnis der stetig zunehmenden Technologisierung. Durch den wachsenden Fortschritt wurden die Verbraucher mit den Computern vertraut gemacht, deren Tastaturen das Schreiben mit Stift und Papier in vielen Fällen ablösen. In den USA hat dieser Trend bereits Eingang in manche Schulen gefunden, sodass die Schülerinnen und Schüler dort ausschließlich das Schreiben am Computer lernen, während zukünftig auch in Finnland die verbundene Handschrift nicht weiter gelehrt werden soll.4

Es bleibt schließlich die Frage bestehen, welche Ausgangsschrift nun die verschiede- nen Funktionen, die an eine Schulschrift gestellt werden, in demjenigen Maße erfüllen kann, sodass eine Einführung an die Grundschulen rechtfertigt wird. Auch im Kontext des Seminares, welches den Titel „Schriftspracherwerb“ trägt, ist die Diskussion um die Schrift zum Bestandteil geworden, was sich damit begründen lässt, dass sich die Kinder mit dem Beginn ihres Schriftspracherwerbs nicht lediglich mit dem Kennenlernen von Buchstaben, sondern auch mit dem Übergang von ideographischen Zeichen, die sie meist vor Schulbeginn verwenden, um Ideen graphisch festzuhalten, hin zu einem symbolischen Zeichensystem, wie es unserer Alphabetschrift entspricht, auseinandersetzen müssen.5

Hierbei gibt es, wie bereits oben eingeführt, verschiedene Schriftvarianten, wobei es in dieser Arbeit herauszustellen gilt, welche sich in besonderem Maße für den Erwerb der Schriftsprache eignet.

Dazu werden in dem ersten Kapitel die Funktionen von Schulschriften aufgezeigt, anhand derer die verschiedenen Schriften im späteren Verlauf diskutiert werden. Das zweite Kapitel, welches den Großteil dieser Arbeit umfasst, erläutert die vier gängigsten Schriftmöglichkeiten und stellt jeweils deren Vor- und Nachteile dar, die aus der Literatur abzuleiten sind.

Es folgt ein abschließendes Fazit, bei dem die Schriften miteinander verglichen werden, sodass ich schließlich eine persönliche Wertung begründen kann, in der ich herausstellen möchte, welche Schrift nach meinen Erkenntnissen die Kriterien einer Schulschrift in vollem Umfang erfüllt.

1. Die Funktionen der Schulschrift

Wie in dem vorangegangenen Kapitel erläutert wurde, kommen allen Schriften be- stimmte Funktionen zu, die es erlauben, gedankliche Inhalte materiell zu konservie- ren. Auch die Schulschriften besitzen diese Eigenschaften, wobei ihnen noch weitere, spezifische Funktionen angerechnet werden müssen, da sie zu Beginn des Schrift- spracherwerbs als Schreib- und Schriftvorlagen genutzt werden, womit sie als eine „Orientierungsgrundlage für eine schulisch vermittelte Handschrift gelten“6 sollen.

Die erste Funktion, welche dementsprechend einer Schulschrift zugeordnet können werden muss, beinhaltet den Produktionsaspekt der Schrift, mit dem eine Schreibbar- keit einhergeht, wodurch er die motorischen Aspekte des Schreibvorgangs zusammen- fasst. Um diese positiv bedienen zu können, muss bei der jeweiligen Schrift die Mög- lichkeit vorhanden sein, diese sowohl zügig als auch mit Leichtigkeit zu Papier bringen zu können, sodass für die Schülerinnen und Schüler ein ermüdungsfreies Schreiben gewährleistet ist. Um die Schreibbarkeit zu unterstützen, ist es für die Schulschrift ein notwendiges Kriterium, dass sie einen Schreibvorgang bietet, der sich beim Schreiber optimal automatisieren lässt, indem man ihn als einen motorischen Gedächtnisinhalt verankert. Außerdem sollten die Schreibbewegungen „stabil, bewegungsökonomisch und bewegungsoptimierbar“7 sein, da dieser Aspekt die Automatisierung erleichtert, was wiederum den Aufbau einer eigenen Handschrift begünstigt. Da diese auf eine dauerhafte hohe Schreibgeschwindigkeit und Lesbarkeit ausgelegt sein soll, muss die Schrift, um dem Produktionsaspekt entsprechen zu können, eine Schreibflüssigkeit und Geläufigkeit garantieren.8

Eine weitere spezifische Funktion einer Schulschrift ist der Rezeptionsaspekt, der die Lesbarkeit der Schrift berücksichtigt. Dementsprechend gilt eine Schulschrift erst dann als geeignet, wenn sie die Schülerinnen und Schüler dazu befähigt, eine gut lesbare Schrift auszubilden, welche eindeutige Buchstabenkombinationen und -verbindungen beinhaltet. Hierbei gilt es als unumgänglich, dass die jeweiligen Einzelbuchstaben er- kennbar und diskriminierbar sind, um die Schrift als deutlich lesbar gelten zu lassen.9 Der dritte notwendige Aspekt einer Schulschrift umfasst die „Klarheit und Eindeutigkeit bei angemessener Schreibgeschwindigkeit“10. Da ein Schreibtempo, das als „ange- messen“ bezeichnet wird, meist eine höhere Schreibgeschwindigkeit meint, muss die Schrift derartige Grapheme hervorbringen, die auch beim schnellen Schreiben Verfor- mungen, die zu Undeutlichkeiten und somit auch Buchstabenverwechslungen führen können, ausschließen. Hierbei gilt es jedoch anzumerken, dass diese Funktion bei jeder Schrift dahingehend Probleme aufweisen kann, dass gegebenenfalls individuelle Schreiber im Prozess der Vertiefung oder Personalisierung der eigenen Handschrift Fehlformen ausbilden.11

Ein weiterer spezifischer Gesichtspunkt ist der Materialaspekt, der sich sowohl auf das Schreibgerät als auch auf die zu beschreibende Fläche bezieht. Nach Jürgen W. Hasert sollte es den Schülerinnen und Schülern leicht fallen können, die jeweilige Schulschrift mit den zeitgenössisch entsprechenden Schreibgeräten und Materialien umzusetzen.12 Ob diesem Aspekt auch noch heutzutage ein solcher Stellenwert zuge- schrieben werden sollte, bleibt allerdings fraglich, da die Bedingungen zum Schreiben bezüglich ihrer materiellen Ansprüche nach meinem Empfinfen stets gegeben sind. Des Weiteren ist es unumgänglich, dass die Schulschrift eine Lern- und Lehrbarkeit ermöglicht, damit sich aus dieser eine schnell zu schreibende und gut lesbare Hand- schrift entwickeln kann. Damit sich der Zugang zum Schreibprozess für die Schülerin- nen und Schüler möglichst einfach eröffnen lässt, sollten die Grundformen der einzel- nen Buchstaben auch leicht lehrbar sein. Daraus resultiert wiederum eine optimierte Lernbarkeit, wodurch auch schwächere Schülerinnen und Schüler den Zugang zur Schriftlichkeit finden. Der Höhepunkt dieser spezifischen Funktion liegt dementspre- chend bei einem geringen Übungsaufwand, den eine Schulschrift bestenfalls inneha- ben sollte.13

Ebenso als spezifische Funktion der Schulschrift sollte die Ästhetik und Praktikabili- tät dieser begriffen werden. Das produzierte Schriftbild soll sich folglich klar und äs- thetisch ansprechend darstellen, während der dafür erbrachte Aufwand entsprechend angemessen sein sollte. Damit jeder Schreiber die Erlesenheit einer Schrift individuell nutzen kann, sollte diese außerdem die Möglichkeit eines erweiterbaren kreativen Gebrauches bieten.14

Der letzte Punkt, der eine spezifische Funktion von Schulschriften darstellt, beinhaltet den Norm- und Individualisierungsaspekt, womit die Normschrift einer persönlichen Handschrift gegenübersteht. Aus diesem Grund sollte jede Schrift, welche stets ei- ner Festlegung unterliegt, dennoch ein bestimmtes Maß an Offenheit bieten. Dadurch werden Variationen ermöglicht, durch die der Schreiber individuell arbeiten kann und in seinem Handeln nicht eingeschränkt wird. Dies ist notwendig, da jeder Schreiber eigene Ökonomisierungen (Verkürzungen) und Extensionen (Erweiterungen) in seine Handschrift und den damit verbundenen Schreibprozess miteinfließen lässt.15

2. Ein Vergleich der diskutierten Schriften

Die verschiedenen Ausgangsschriften, die in den vergangenen Jahrzehnten Einzug in die Schulen der Bundesrepublik fanden, spalten sich in zwei grundlegende Gruppen auf. Zum Einen existieren diejenigen Schriften, die als „verbundene Schriften“ bezeichnet werden können, unter denen sich die Schreibschriften zusammenfassen lassen, für die es charakteristisch ist, „dass Wörter weitgehend fließend in einem Zug geschrieben werden können“16. Neben diesen wird jedoch auch von den „unverbundenen Schriften“ Gebrauch gemacht, denen jegliche Varianten der Druckschriften angehörig sind.17 Welche Eigenschaften den jeweiligen Schriften demnach zukommen, wird in den darauffolgenden Unterkapiteln genauer beleuchtet.

Geschichtlich betrachtet kam dem Prozess des Schreibenlehrens und -lernens schon seit langem eine bedeutende Position zu. „Es ist anzunehmen, dass Schreibenlehren so alt ist wie Schrift und Schreiben selbst.“18, weshalb zu der Frage nach der geeig- netsten Schrift eine durch die Jahrhunderte vielgestaltige Entwicklung erkennbar ist. Dass auch die Schulschrift dementsprechend oft gewechselt wurde, lässt sich bei- spielsweise ab dem Ende des Ersten Weltkrieges aufzeigen, welches zwei, aus der vorherigen Sütterlin-Schrift entwickelten Schriften für den Schulgebrauch hervorbrach- te: Zum Einen die deutsche, die ebenfalls als Sütterlin-Schrift bezeichnet wurde, und zum Anderen die lateinische Schrift, deren beider Eigenschaften es war, dass sie star- ke Rundformen enthielten. Im Jahre 1935 wurden sie von einer abgeänderten Sütter- lin-Schrift, der sogenannten „Deutschen Volksschrift“ abgelöst, welche für alle Schulen als verbindliche Ausgangsschrift galt. Kennzeichnend war die Sparsamkeit mit den Rundformen, welche 1941 mit der „Deutschen Normalschrift“ allerdings wieder aufgegriffen wurden.19

Jedoch wurde auch diese nach nur wenigen Jahren ihrer Aktualität beraubt, indem sie 1953 durch die „Lateinische Ausgangsschrift“ (die im Folgenden mit „LA“ abgekürzt wird) ersetzt wurde, welche sich auch heute noch in den Heften mancher Grundschü- ler finden lässt. Neben dieser existierte ab 1968 in der DDR des Weiteren die „Schul- ausgangsschrift“ (kurz: „SAS“), die als lateinische Schrift verbindlich wurde. In der BRD hingegen bekam in den achtziger Jahren eine wiederum neue Schrift den Einzug in eine Vielzahl der Bundesländer gestattet, weshalb die sogenannte „Vereinfachte Ausgangsschrift“ (kurz: „VA“) im Großteil Deutschlands zugelassen wurde.20

Aktuell gilt in den meisten deutschen Bundesländern jedoch die Druckschrift (kurz: „DS“) als verbindliche Erstschrift, wobei die Schülerinnen und Schüler allerdings in den meisten Fällen eine verbundene Schrift als Zweitschrift auferlegt bekommen. Welche der oben aufgeführten Schreibschriften dabei verwendet wird, ist jedoch unterschiedlich, was aus den differenten Lehrplänen der Länder hervorgeht:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Schriften und Schriftenfolge in den Grundschulen.

Es gilt entsprechend festzuhalten, dass eine Vielzahl an Schriften geboten wird, wel- che schon immer in der Diskussion bezüglich ihrer Vor- und Nachteile standen, von denen insbesondere die LA, SAS, VA und DS heutzutage einen besonderen Stellen- wert zugesprochen bekommen, in dem sie an den Grundschulen gelehrt werden. Al- lerdings geht daraus auch hervor, dass eine Diskrepanz zwischen den Bunderländern herrscht, die ebenfalls auf eine Uneinigkeit schließen lässt, welche dieser Schriften das Optimum für den Schrifterwerb darstellt. Auffällig jedoch ist, dass in der Regel die DS als Erstschrift eingeführt wird, weshalb es im Folgenden gilt, die Schriften genauer zu erläutern. Ebenfalls werden jeweils einige Pro- und Contra-Argumente aufgelistet, welche wiederum die Diskussion um die Schrift wiederspiegeln sollen.

[...]


1 Himmelrath, Armin: Schulen: Finnland schafft die Schreibschrift ab.

2 Scheer, Ursula: Finnland ohne Schreibschrift: Schreibst du noch, oder tippst du schon?

3 Bartnitzky, Horst: Welche Schreibschrift passt am besten zum Grundschulunterricht heute? S. 3.

4 Steinig, Wolfgang / Betzel, Dirk: Handschrift und Orthographie. S. 2.

5 Steinig, Wolfgang / Huneke, Hans-Werner: Sprachdidaktik Deutsch. Eine Einführung. S. 118.

6 Hasert, Jürgen W.: Schulschriften. S. 307.

7 Ebd. S. 310.

8 Hasert, Jürgen W.: Schulschriften. S. 310.

9 Ebd.

10 Ebd.

11 Ebd.

12 Ebd.

13 Ebd.

14 Hasert, Jürgen W.: Schulschriften. S. 311.

15 Ebd.

16 Andresen, Ute / Igl, Peter: Eine Visitenkarte der Schule. S. 17.

17 Topsch, Wilhelm: Methoden des Handschreibunterrichts. S. 774.

18 Schorch, Günther: Geschichte der Didaktik des Handschreibens. S. 273.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Die aktuelle Diskussion um die Schulschrift. Ein Vergleich der diskutierten Schriften
Hochschule
Universität Siegen
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
29
Katalognummer
V370654
ISBN (eBook)
9783668481978
ISBN (Buch)
9783668481985
Dateigröße
945 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schulschrift, lateinische Ausgangsschrift, Schulausgangsschrift, vereinfachte Ausgangsschrift, Grundschrift
Arbeit zitieren
Ina Knop (Autor), 2016, Die aktuelle Diskussion um die Schulschrift. Ein Vergleich der diskutierten Schriften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/370654

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die aktuelle Diskussion um die Schulschrift. Ein Vergleich der diskutierten Schriften


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden