"Ya tú sabes, man!" Diskursmarker im Sprachkontakt von Englisch und Spanisch in den USA


Bachelorarbeit, 2016
50 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Spanglish - Das Sprachphänomen der USA
2.1 Historische Fakten
2.2 Spanglish als detraducción

3. Codeswitching
3.1 Definition
3.2 Intrasententielles Codeswitching
3.3 Intersententielles Codeswitching
3.4 Die Regeln des Codeswitching
3.5 Der Einfluss extra-linguistischer Faktoren auf das Codeswitching

4. Spanisch-Englische Diskursmarker
4.1 Definition Diskursmarker
4.2 Analyse der Diskursmarker des Spanglish
4.2.1 Die Diskursmarker like und como
4.2.1.1 Konventionelle Funktionen
4.2.1.2 Funktionen und Vorkommen im Spanglish
4.2.2 Die Diskursmarker you know und tú sabes
4.2.2.1 Konventionelle Funktionen
4.2.2.2 Funktionen und Vorkommen im Spanglish
4.2.3 Die Diskursmarker so und entonces
4.2.3.1 Konventionelle Funktionen
4.2.3.2 Funktionen und Vorkommen im Spanglish

5. Schlussfolgerungen und Ausblick

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

[Bilingualism] is present in practically every country of the world, in all classes of society, and in all age groups. In fact it is difficult to find a society that is genuinely monolingual. Not only is bilingualism worldwide, it is a phenomenon that has existed since the beginning of language in human history. It is probably true that no language group has ever existed in isolation from other language groups, and the history of languages is replete with examples of language contact leading to some form of bilingualism. (Grosjean 1982: 1)

Mit solch einer Form des Sprachkontakts sowie mit Bilingualismus beschäftigt sich die vorliegende Arbeit. Im Fokus steht hierbei der englisch-spanische Sprachkontakt der USA, das Spanglish.

Bisher wurden viele Werke zu diesem Thema verfasst, jedoch gibt es einen Bereich, der bislang noch relativ unerforscht ist und zwar die Diskursmarker des Spanglish. Diese Arbeit setzt sich zum Ziel, Studienergebnisse zu spanisch­englischen Diskursmarkern in den USA näher zu betrachten. Im Laufe der Recherche kristallisierten sich dabei die Diskursmarker-Paare like und como, you know und tú sabes sowie so und entonces als besonders interessant heraus.

Zu diesem Zweck soll zunächst ein genereller Überblick zur historischen Herkunft des Spanglish sowie der Versuch einer Definition gegeben werden. Anschließend wird das Codeswitching näher erläutert werden mit seinen Formen, Limitationen sowie Einflussfaktoren. Der Begriff des Diskursmarkers und seine Stellung im Rahmen des Codeswitching wird erläutert und schließlich auf die spezifisch spanglishen Diskursmarker eingegangen werden.

Hierbei werden zu Beginn die jeweiligen Marker im rein spanischen bzw. rein englischen Kontext präsentiert, um ihre konventionellen Funktionen herauszufinden.

Schließlich werden sie anhand der maßgeblichen Studien von Aaron, Said- Mohand und Torres im englisch-spanischen Sprachkontakt komparatistisch betrachtet, um ihre Entwicklung und die mögliche wechselseitige Beeinflussung zu analysieren.

2. Spanglish - Das Sprachphänomen der USA

2.1 Historische Fakten

Die Anfänge des Spanglish kann man in die Zeit nach dem texanischen Unabhängigkeitskrieg im Jahre 1836 sowie dem mexikanisch-amerikanischen Krieg 1848 einordnen. Hierbei verlor Mexiko fast die Hälfte seines Territoriums und die Grenze verschob sich, wodurch eine erhebliche Anzahl an Mexikanern plötzlich in den Vereinigten Staaten lebte, ohne sich jemals aktiv dafür entschieden zu haben. Aus diesem Grund leben heute viele Mexikaner bzw. Amerikaner mexikanischen Ursprungs in den Gebieten New Mexico, Colorado, Arizona, Utah sowie Kalifornien und Texas. Hier haben sich traditionelle Dialekte herausgebildet und es herrscht eine dialektale Kontinuität des mexikanischen Spanisch in den einzelnen genannten Gebieten (vgl. Lipski 2008: 1-2). Für Ed Morales tritt das Spanglish schon früher in Erscheinung und zwar mit der Legende der Malinche, welche die Geliebte des Eroberers Cortés war und als seine Übersetzerin fungierte. Sie gebar ihm auch das erste mestizo Kind (vgl. Morales 2002: 32). Morales fügt hier an:

[...] La Malinche set off a chain reaction of race-mixing that gave birth to the encroaching Spanglish reality of the twenty-first century, and it is most fitting that she accomplished this at the intersection of two languages, two cultures. (Morales 2002: 32)

Für Morales ist sie eine symbolische Figur für das Spanglish, da sie sich zweier Sprachen annehmen musste, um zu überleben (vgl. Morales 2002: 32).

Neben den bereits genannten Kriegen, war auch die Mexikanische Revolution ein Grund dafür, dass tausende Mexikaner in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts in die Vereinigten Staaten gelangten. Die mexikanische Varietät genießt daher, unter Anderem gefolgt vom puerto-ricanischen, kubanischen und salvadorianischen Spanisch, bis heute die größte wissenschaftliche Aufmerksamkeit (vgl. Lipski 2008: 1-2).

Morales ist der Meinung, dass, da die große Mehrheit der lateinamerikanischen Migranten und Immigranten der gesellschaftlichen

Unterschicht angehörte und meist einen dunkleren Hautton besaß als ihre elitären Landsleute, die Chancen auf einen Wandel bezüglich ihrer sozialen Stellung in Nordamerika höher schienen. Die Rassendiskriminierung war in den USA jedoch deutlich stärker ausgeprägt als in ihren Heimatländern (vgl. Morales 2002: 32-33). Ed Morales erläutert daher, dass „[the] process of becoming Spanglish was fairly painful at first, like growing a thick callus to protect against the hostile dominant North American world." (Morales 2002: 33) Er nennt allerdings auch Vorteile dieser Amerikanisierung, da die Latinos seiner Meinung nach, nun fähig waren die zweitklassige Behandlung vonseiten ihres Ursprungslandes einzusehen und sich der nordamerikanischen Gesetze bedienen konnten, um sich davor zu schützen (vgl. Morales 2002: 33). Die aufkommende spanglishe Identität kann man als ein Aufbegehren gegen die strikte Rassendichotomie zwischen schwarz und weiß in Nordamerika sehen. So gilt etwa ein Afro-Amerikaner durch seine afrikanischen Wurzeln nach lateinamerikanischem Verständnis nicht automatisch als nicht-weiß, was mit den nordamerikanischen Ansichten kontrastiert. Folglich kann man daraus ableiten, dass die Spanglishe Kultur einer Reaktion gegenüber dem Rassismus entspringt (vgl. Morales 2002: 49). Morales führt daher Folgendes an: „To be Spanglish is to live in multisubjectivity; that is, in a space where race is indeterminate, and where class is slipperier than ever." (Morales 2002: 31) Außerdem bezeichnet er Spanglish als „an attempt to allow for multiple identification with the cultures of multiple races." (Morales 2002: 50) So können und wollen die karibischen, puerto-ricanischen sowie dominikanischen Latinos ihre afrikanische Identität ebensowenig wie die Mexikaner oder Zentralamerikaner ihre indigenen Wurzeln loslassen (vgl. Morales 2002: 50).

Der Begriff Spanglish als solcher erscheint zum ersten Mal im Jahre 1952 in einer Kolumne des puerto-ricanischen Journalisten Salvador Tió, in der er seine Besorgnis darüber äußert, dass das Spanische durch die Unmenge an englischen Wörtern im puerto-ricanischen Wortschatz gewissermaßen zerfallen könnte. Durch die Erfindung sowie die Parodierung falscher, angeblich spanglisher Ausdrücke wird im weiteren Verlauf vonseiten Tiós aber auch anderer Personen, wie beispielsweise McKinstry, die Vermittlung eines falschen Eindrucks von Spanglish als einer nahezu unverständlichen Hybridsprache geschaffen. Gleichermaßen werden hierbei bilinguale Sprachgemeinschaften als solche diffamiert (vgl. Lipski 2008: 41-44). Von Lipski wird diese negative Haltung wie folgt erläutert:

On the one hand, Tió shared with many other Puerto Rican intellectuals of the time the fear that U.S. cultural imperialism and the crushing weight of English would eventually displace a language that landed with Columbus and had survived unaltered until only a few decades. (Lipski 2008: 44)

Tiós Empörung richtet sich insbesondere gegen seine eigenen Landsleute und ihre Unfähigkeit, sich der Einsprachigkeit zu widmen (vgl. Lipski 2008: 45).

Auch wenn die meisten Bezeichnungen hinsichtlich ethnischer Minderheiten in den Vereinigten Staaten heutzutage weitgehend durch akkurate Entsprechungen ersetzt wurden, besteht der Begriff Spanglish, der sich sowohl auf den Sprachgebrauch als auch auf die spezifisch ethnische Gruppe der Latinos bezieht, weiterhin. Mit ihm werden zumeist diejenigen Lateinamerikaner, welche entweder in den USA leben oder dort geboren wurden, assoziiert. Allerdings trägt Spanglish weiterhin eine abwertende Konnotation mit sich, die durch den Eindruck geprägt wird, Englisch und Spanisch würden sich so sehr miteinander verweben, dass sozusagen eine dritte Sprache entstünde. Mit dem Terminus Spanglish werden innerhalb der USA vor allem Einwohner mexikanischen oder puerto- ricanischen Ursprungs in Verbindung gebracht und er erscheint koexistent zu den Begriffen Tex-Mex oder pocho. Da es neben Wörterbüchern und Grammatiken auch T-Shirts und Grußkarten gibt, die sich auf dieses Sprachphänomen beziehen, ist der Gedanke weit verbreitet, es handele sich um eine feststehende Sprache und es wird meist davon ausgegangen, dass Latinos in den USA tatsächlich in dieser Sprache statt in Spanisch miteinander kommunizieren würden (vgl. Lipski 2008: 38-39).

Lipski nennt in seinem Werk verschiedene Aspekte, mit welchen die Definition des Spanglish bisher einhergegangen ist. Hierzu gehören die im Spanischen verwendeten Anglizismen sowie die nicht integrierten Anglizismen, welche mit englischer Phonetik ausgesprochen werden ebenso wie die Lehnübersetzungen vom Englischen ins Spanische. Außerdem zählen das wiederkehrende und fließende Codeswitching, die Abweichungen von der standardsprachlichen, grammatikalischen Norm des Spanischen und die

Eigenschaften des Spanischen im Zweitspracherwerb zur gängigen Definition (vgl. Lipski 2008: 53). Im Folgenden soll diskutiert werden, ob es sich bei Spanglish tatsächlich um eine eigenständige Sprache handelt oder nicht.

2.2 Spanglish als detraducción

[...] [There] has arisen a hybrid variety of language, often given the slightly derogatory label of Spanglish, which coexists with less mixed forms of standard English and standard Spanish and has at least one of the characteristics of an autonomous language: a substantial number of native speakers. (Nash 1970: 223)

In dieser Erläuterung von Nash wird Spanglish als Hybridvarietät dargestellt. Nach Sinner ist diese Aussage jedoch problematisch, da über sprachliche Hybridität kein Konsens besteht und diese „nicht ohne weiteres messbar ist." (Sinner 2007: 3)

Ebenso ist umstritten, ob es sich bei Spanglish um eine Kreolsprache handelt. López García-Molins lehnt die Bezeichnung der Kreolsprache in Bezug auf Spanglish vehement ab. Seiner Meinung nach kann Folgendes bei einer Kontaktsituation zweier Sprachen geschehen: Zum Einen kann es zu einer Übernahme der Sprache A kommen, während die Sprache B infolgedessen völlig verschwindet. Ebenfalls ist es möglich, dass die Sprache B mit einer großen Anzahl an Lehnwörtern der Sprache A weiterexistiert. Eine dritte Möglichkeit besteht darin, dass sich eine Kreolsprache aus beiden Sprachen entwickelt. López García-Molins ordnet Spanglish hier der zweiten Option zu. Er äußert die Tendenz mehrerer Autoren zu einer Klassifizierung als Pidginsprache und damit der Vorstufe des Kreol (vgl. López García-Molins 2015: 35-36). Eine Pidginsprache charakterisiert sich zum Einen durch ihr Defizit an grammatikalischer Komplexität, da wenige Zeitformen existieren und es keine Genus- oder Pluralformen gibt. Zum Anderen ist auch die morphologische Komplexität eines Pidgin mangelhaft, da es keine Flexion gibt und es dazu tendiert, nur ein Morphem pro Wort zu besitzen. Auch die semantische Transparenz, die durch ihre isolierende und agglutinierende Morphologie sowie das reduzierte Vokabular gekennzeichnet ist, ist charakteristisch für Pidginsprachen (vgl. Sebba 1997: 54). Dies ist jedoch im Spanglish nicht der Fall. Da für eine Zuordnung zu den Pidginsprachen zusätzlich gewährleistet sein müsste, dass sich alle Betroffenen des englisch-spanischen Sprachkontaktes nur des Spanglish bedienen könnten und isoliert leben würden, kann man diese Klassifizierung ausschließen. Denn allein die Schulkarriere der Immigranten-Kinder in den USA wird vollständig auf Englisch durchlaufen (vgl. Lara 2013: 495 nach López García-Molins 2015: 37). Zurückgreifend auf die Kreol-Frage fügt López García-Molins hier an, dass man zwischen der Sprache, die man Zuhause spricht und der ersten Sprache differenzieren muss. Dies erklärt er damit, dass viele hispanoamerikanischen Kinder der unteren Schichten innerhalb ihrer Familie Spanglish sprechen, während die dominante Sprache der USA jedoch Englisch ist. Da sich eine Kreolsprache nur dann entwickeln kann, wenn man durch äußere Umstände gezwungen ist, eine Pidginsprache als erste Sprache zu verwenden, die erste Sprache in den USA allerdings das Englische ist, könnte sich daraus auch nie eine Kreolsprache entwickeln (vgl. López García- Molins 2015: 37).

Auch ist Spanglish weder eine diatopische noch eine diastratische oder eine diaphasische Varietät. Diatopisch ist deshalb auszuschließen, da es in den gesamten Vereinigten Staaten auftritt. Da sich die Verwendung des Spanglish auch nicht auf bestimmte soziale Klassen beschränkt, erklärt dies den Ausschluss der diastratischen Varietät. Schlussendlich trifft auch diaphasisch nicht zu, aufgrund der Tatsache, dass Spanglish in vielen Bereichen, von alltäglichen Situationen bis in die Literatur hinein vorkommt. Die richtige Terminologie für das Spanglish wäre nach López García-Molins der Begriff des psycholinguistischen Dialekts (vgl. López García-Molins 2015: 43).

Mehr als dieser trifft für ihn jedoch die detraducción auf das Phänomen Spanglish zu. Damit ist die Resistenz gegen die Übersetzung einer Sprache A in eine Sprache B gemeint, da von einer Kompatibilität dieser beiden Sprachen ausgegangen wird (vgl. López-García 2013: 23). López-García fügt Folgendes an:

Spanglish is not a new language which results of mixing two preceding languages. It is a linguistic behavior supported by the knowledge of two languages and the wish to put them together. Like translation detranslation belongs to performance, not to competence. (López-García 2013: 23)

Der Einsatz des Spanglish ist für die Latinos der USA ein Mittel, um ihren Stolz und ihren Gruppenzusammenhalt auszudrücken. Gerade aufgrund der Tatsache, dass sie sich fast gänzlich an die Kultur der USA angepasst haben, behalten sie ihre Resistenz gegenüber dem Englischen gewissermaßen als spezifisches Merkmal bei. Allerdings ist es unumgänglich in einem Land, in dem Englisch die wichtigste Sprache ist, ebendiese zu beherrschen. Aus diesem Grund lernen die lateinamerikanischen Einwanderer das Englische bis hin zur Perfektion, konservieren dabei jedoch immer das Spanische. Dies erscheint in einem Land, das die linguistischen Rechte der Immigranten nicht anerkennt, allerdings nicht immer einfach. Hier tritt das Spanglish als Hilfsmittel in Erscheinung. Durch seine Verwendung ist es den Lateinamerikanern möglich, innerhalb des angloamerikanischen Ambientes durch das sogenannte Codeswitching, womit das Hin- und Herwechseln zwischen Englisch und Spanisch gemeint ist, nicht etwa vom Spanischen ins Englische übersetzen zu müssen, sondern beide Sprachen gleichermaßen zu verwenden (vgl. López García-Molins 2015: 48-49). Somit ist eine Bewahrung ihrer Identität gewährleistet, da die Latinos in den USA „culturalmente americanos y lingüísticamente anglo-hispanos bilingües" (López García-Molins 2015: 49) sind.

3. Codeswitching 3.1 Definition

It is when speakers freely switch back and forth between languages - often within a single sentence and with no obvious external shifts of focus or participants - that nonbilinguals experience the greatest linguistic shock. (Lipski 2008: 223-224)

Dieser Wechsel zwischen zwei Sprachen wird Codeswitching genannt. Zu dem Sprachphänomen des Bilingualismus kommt es beispielsweise, wenn ein Sprecher einen bestimmten Sachverhalt in einer Sprache besser zum Ausdruck bringen kann, als in der jeweils anderen oder wenn in der Sprache des bisherigen Diskurses nicht das passende Wort, eine äquivalente Floskel oder ein angemessener Diskursmarker gefunden werden können. Auch ist es möglich, dass es für eine Expression keine Übersetzung gibt und man daher hierfür auf die zweite Sprache zurückgreifen muss. Des Weiteren dient das Codeswitching dazu, Zitate wiederzugeben, einen Adressaten zu spezifizieren sowie die Wichtigkeit des Gesagten zu unterstreichen. Hilfreich kann dieser Wechsel auch hinsichtlich der Signalisierung der Zugehörigkeit oder Solidarität mit einer bestimmten (Sprach-) Gruppe sein. Ebenfalls ist es möglich in einer Sprache ein gesteigertes Ansehen zu erlangen und eine gewisse Autorität auszustrahlen. Auch um bestimmte Emotionen zu demonstrieren oder nonbilinguale Personen aus einer Konversation auszuschließen, bietet sich das Codeswitching an (vgl. Grosjean 1982: 149-152).

Der Wechsel zwischen zwei Sprachen wurde lange Zeit von mono- wie auch bilingualen Sprechern stigmatisiert, da er unter Anderem mit mangelhafter Schulbildung oder mangelnder Sprachkompetenz assoziiert wurde bzw. wird. Zahlreiche Studien widerlegen dies jedoch (vgl. Montes-Alcalá 2001: 193). Nach Myers-Scotton beispielsweise wird Codeswitching klassischerweise von Sprechern betrieben, die in beiden Sprachen ausreichend Kompetenz aufweisen, um grammatikalisch korrekte, wohlgeformte Äußerungen zu formulieren. Es wird hierbei demnach ein hoher Grad an Sprachkompetenz erfordert, was das Codeswitching zu einem der wichtigsten und interessantesten Phänomene des Kontaktes zwischen zwei Sprachen macht (vgl. Myers-Scotton 2001: 23).

Auch wenn der Sprecher beide Sprachen beherrscht, so ist er doch einer Sprache meist mächtiger als der anderen. Diese wird von Myers-Scotton als Matrix Language bezeichnet, während die andere, schwächere Sprache, mit Embedded Language betitelt wird (vgl. Myers-Scotton 2001: 24). Innerhalb des Codeswitching lässt sich zwischen intrasententiellem sowie intersententiellem Codeswichting unterscheiden, was im Folgenden genauer beleuchtet werden soll.

3.2 Intrasententielles Codeswitching

(1) Si tú eres puertorriqueño, your father’s a Puerto Rican, you should at least de vez en cuando, you know, hablar español. (Poplack 1983: 194, Herv. i. O.)

Wie man an (1) deutlich erkennt, wird innerhalb der Äußerung zwischen Spanisch und Englisch hin und her gewechselt. Man spricht daher von intrasententiellem Codeswitching, welches sich in diesem Fall im Spanglish abspielt. Im Codeswitching intrasententieller Art ist die sehr gute bis perfekte Beherrschung beider Sprachen und somit ihrer grammatikalischen Strukturen unerlässlich. Der Sprecher muss ein Gespür dafür haben, an welchen Stellen ein Wechsel in die andere Sprache möglich sowie ästhetisch und an welchen er inakzeptabel ist (vgl. López Morales 2003: 194). Im satzinternen Sprachwechsel ist ein Aspekt besonders wichtig und zwar der der Co-Grammatikalität. Das bedeutet, dass die Anordnung der einzelnen Satzglieder sowohl in der einen, als auch in der anderen Sprache grammatikalisch korrekt sein muss (vgl. Poplack 1983: 193). Nur so ist gewährleistet, dass keine unkorrekten Sätze zustande kommen, wie beispielsweise :

(2) Y la señora que my grandmother worked for tenía twenty-seven rooms, you know, and we had our own house - in the back, where we lived at, y - mi abuelito no pagaba renta. (Silva-Corvalán 2001: 317, Herv. i. O.)

Hier wird zwar die englische Grammatik in den jeweiligen englischen Satzteilen respektiert, jedoch wird sie ebenfalls auf die spanischen Satzteile angewandt, wodurch gegen die Syntaxregeln des Spanischen verstoßen wird. So wird etwa fälschlicherweise der Relativsatz que my grandmother worked for verwendet. Da die Satzstruktur des Englischen und die des Spanischen hier nicht äquivalent sind, ist diese Äußerung unkorrekt. Im Spanischen müsste die Präposition para davor stehen, sie wird in dem Relativsatz aber durch das Englische for an den Schluss gesetzt (vgl. Silva Corvalán 2001: 317). Diesen spanglishen Satz kann man dem bilingüismo cíclico zuordnen, der von Silva Corvalán als „situación de pérdida y recuperación cíclica de una segunda lengua" (Silva Corvalán 2001: 296) charakterisiert wird. Eine weitere, falsche Aussage stellt folgender Satz dar:

(3) Como estaba going part time, I was able to enjoyed it (López Morales 2003: 196, Herv. i. O.)

Die Verbalperiphrase estaba going ist schlichtweg inakzeptabel, da solch ein fester Ausdruck entweder komplett in der einen oder in der anderen Sprache verwendet werden muss, nicht aber eine Mischung aus beiden darstellen darf.

Korrekt wäre hier folglich was going (vgl. López Morales 2003: 196). Die folgenden Beispielsätze zeigen verschiedene Variationen des intrasententiellen Codeswitching auf:

(4) Leo un MAGAZINE. (Poplack, 1980: 583, Herv. i. O.)

(5) Todos los Mexicanos were riled up [...] (Pfaff 1979: 301, Herv. i. O.)

(6) No van a bring it up in the meeting [...] (Pfaff 1979: 296, Herv. i. O.)

(7) So you todavía haven't decided lo que vas a hacer next week (Poplack 1989 : 390, Herv. i. O.)

(8) Vamos a ir al football game y despues [sic!] al baile a tener the time of our lives. (Espinosa 1975 nach Grosjean 1982: 325, Herv. F. G.)

(9) Si tu eres puertorriqueño your father's a Puerto Rican, you should at least de vez en cuando, you know, hablar español. (Poplack 1983: 194, Herv. i. O.)

So kann etwa, wie in (4), nur ein Substantiv alterniert werden oder wie in (5) deutlich eine Verbalphrase. In Beleg (6) handelt es sich um einen umgewandelten Nominalsatz, während in (7) Klauseln umgeformt werden. In (8) handelt es sich bei dem Objekt des Codeswitches um einen idiomatischen Ausdruck und in (9) schließlich um eine Kombination aller Beispiele (vgl. Ramírez 1992: 199). Zweifelsohne ist das satzinterne Codeswitching kein dem Spanglish eigenes Phänomen, sondern kann in jedweder Art des Sprachkontaktes auftreten. So ist dieser Satz beispielsweise von Codeswitching zwischen Englisch und Malay geprägt: „Sayang, we have to define what is bahasa tinggi and rendah. [...] ‘Honey, we have to define what high and low language is." (Jacobson 2001: 61, Herv. i. O.) Hier alternieren ebenfalls, wie auch schon in (4), nur die Substantive. Dies geschieht meist, wenn eine Sprache besser beherrscht wird, denn die andere (vgl. Jacobson 2001: 61).

3.3 Intersententielles Codeswitching

(10) She wanted to experiment. Quería ver qué había allá afuera del palacio. (Montes- Alcalá 2000: 219, Herv. i. O.)

Das Codeswitching intersententieller Art spielt sich, wie der Name bereits aufzeigt, zwischen zwei oder mehreren realisierten Äußerungen ab. Dabei bleibt jeder der Sätze geschlossen in jeweils einer Sprache (vgl. Myers-Scotton 1997: 3-4). Bei dieser Form des Sprachwechsels müssen nicht beide Sprachen gleichermaßen von dem Sprecher beherrscht werden. Sie eignet sich daher vor allem für diejenigen Personen, die in einer der beiden Sprachen kompetenter sind, als in der jeweils anderen. Denn durch das satzexterne Codeswitching können kompliziertere Sätze in der Matrix Language realisiert werden, während für simplere Aussagen die schwächere Sprache hinzugezogen werden kann (vgl. Pelzer 2006: 74). Diskursfunktionen des intersententiellen Codeswitching können beispielsweise die Signalisierung der Begründung einer vorangegangenen Äußerung, die Signalisierung der Antwort auf eine selbst gestellte Frage, eines Themawechsels oder eines durch einen Themawechsel bedingten Rollenwechsels darstellen. Zudem kann durch den satzexternen Sprachwechsel eine Aussage mittels der Wiederholung in der zweiten Sprache betont werden, eine Verständnisüberprüfung des Diskurspartners oder aber der Ausschluss einer Person erfolgen. Allerdings ist die Verknüpfung des Codeswitches mit einer Funktion nicht zwingend notwendig, da dieser schon an und für sich eine Funktion, und zwar die der Zugehörigkeit, erfüllt (vgl. Pelzer 2006: 77- 87).

3.4 Die Regeln des Codeswitching

Innerhalb des Codeswitching gibt es bestimmte Regeln, die eingehalten werden müssen, damit kein ungrammatischer Satz zustande kommt. Eine der wichtigsten Leitlinien untersagt das Switchen zwischen direkten oder indirekten pronominalen Subjekten bzw. Objekten und ihren dazugehörigen finiten Verben, wie in folgenden Negativbeispielen dargestellt (vgl. Timm 1975: 477):

(11) *Yo went (Timm 1975: 478, Herv. i. O.)

(12) *I fui (Ebd.)

(13) *Dijo to them (Ebd.)

(14) *Mira him (Ebd.)

Eine weitere Regel spricht sich gegen einen Wechsel zwischen finitem Verb und seiner infinitiven Ergänzung aus (vgl. Timm 1975: 478):

(15) *(I'm) going a decidir (Timm 1975: 478, Herv. i. O.)

(16) *(they) want a venir (Ebd.)

Während (15) und (16) von Timm als inakzeptabel erachtet wurden, erscheint die Kombination von Englisch-Englisch-Spanisch jedoch als partiell unter den Sprechern akzeptiert. Des Weiteren sollte innerhalb einer Verbalphrase mit Auxiliaren und Hauptverben ebenfalls kein Switch stattfinden (vgl. Timm 1975: 478):

(17) *(I) must esperar (Timm 1975: 478, Herv. i. O.)

(18) *(I) was caminando (Ebd.)

Auch Negationen wie in (19) dürfen so nicht formuliert werden, da ein Codeswitching zwischen dem Negationselement und dem damit verbundenen Verb inakzeptabel ist (vgl. Timm 1975: 479). Da Codeswitching nur dann vollzogen werden darf, wenn zwei Sprachen eine äquivalente Satzstruktur haben, dürfte beispielsweise im englisch-spanischen Sprachkontakt ein Wechsel ebensowenig innerhalb eines komplexen Nominalsatzes stattfinden, weil im Englischen das Adjektiv vor dem Nomen steht, im Spanischen jedoch dahinter (vgl. Lederberg/Morales 1985: 115). Demnach wäre Beleg (20) ebenfalls unzulässig:

(19) (I) do not/don’t quiero. (Timm 1975: 479, Herv. i. O.)

(20) Tenían patas flacas, pechos FLAT. (Poplack 1980: 600, Herv. i. O.)

[...]

Ende der Leseprobe aus 50 Seiten

Details

Titel
"Ya tú sabes, man!" Diskursmarker im Sprachkontakt von Englisch und Spanisch in den USA
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
2,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
50
Katalognummer
V370836
ISBN (eBook)
9783668485174
ISBN (Buch)
9783668485181
Dateigröße
671 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Spanglish, Interlingua, Sprachkontakt, Varietät, Sprachwissenschaft, USA, Lateinamerika, Diskursmarker, like, como, tu sabes, you know, Forschung
Arbeit zitieren
Sara Fackler Calvo (Autor), 2016, "Ya tú sabes, man!" Diskursmarker im Sprachkontakt von Englisch und Spanisch in den USA, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/370836

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