Engagement gegen den aufblühenden Antisemitismus. Edith Stein und ihr Brief an Papst Pius XI.


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015

16 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Edith Stein

3 Historischer Hintergrund

4 Quellenkritik
4.1 Der Brief
4.2 Innere Kritik
4.3 Das Begleitschreiben
4.4 Die Antwort auf den Brief

5 Fazit

1 Einleitung

„Wir müssen mit Christus sterben, um mit ihm aufzuerstehen, gegebenfalls auch den blutigen Tod der Glaubenszeugen für die Botschaft Christi.“1 Dieses Zitat von Edith Stein kurz vor ihrem Tod verkörpert für mich die Bedeutung ihrer Person in besonderer Weise. Sie war getaufte Jüdin und ging in Christi Namen und für ihr Volk in den Tod, sodass sie als Märtyrerin starb.

Als Hitler im Jahre 1933 zum Reichskanzler ernannt wurde und die Nationalsozialisten an die Macht kamen, wurde die Lage und das Leben der jüdischen Bevölkerung immer bedrohlicher, da sie aufgrund vieler Gesetze über keine Menschenwürde mehr verfügten und seit diesem Zeitpunkt ein Leben in Angst und Unterdrückung führten. Edith Stein2, eine christliche Philosophin und Frauenrechtlerin jüdischer Herkunft, erkannte die Bedrohung seitens des NS-Regimes und wollte die Situation verändern, um etwas für die Stellung der Juden zu bewirken. Aus diesem Grund verfasste sie 1933 einen Brief an Papst Pius XI., der gegen den aufblühenden Antisemitismus angehen sollte. Dieser Brief war jedoch über Jahre hinweg unbekannt und wurde erst 2003 von Papst Johannes Paul II. enthüllt. Edith Stein deutete die Anfänge der Judenverfolgung als einen Angriff auf die menschliche Natur Jesu Christi und prophezeite gewaltige Folgen, auch für die Christen, weshalb sie sich an den Papst wandte, der die höchste Autorität der katholischen Kirche darstellte.3

Was aber waren ihre Erwartungen, Hoffnungen und Gründe, die sie beim Verfassen des Briefes hatte? Und schenkte der Papst dem Brief Aufmerksamkeit? Existiert ein Antwortscheiben des Papstes?

Diese Fragen beantwortet die nachfolgende Hausarbeit, wobei ich zuerst auf die Person der Edith Stein eingehen werde. Danach erläutere ich den historischen Hintergrund, dem sich die Quellenanalyse anschließt. Hierbei analysiere ich den Brief an Papst Pius XI. und gehe in einem weiteren Schritt auf das Begleitschreiben und das Antwortschreiben ein. In diesem Zusammenhang thematisiere ich zudem die Enzyklika „mit brennender Sorge“, die als indirekte Antwort an den Brief von Edith Stein angesehen wird. Zum Schluss fasse ich meine gewonnenen Ergebnisse zusammen und ziehe ein Fazit.

2 Edith Stein

Edith Stein wurde am 12. Oktober 1891 als elftes Kind einer jüdischen Holzhändlerfamilie in Breslau geboren.4 Obwohl sie von ihrer Mutter jüdisch erzogen wurde, betete sie ab ihrem 15. Lebensjahr nicht mehr, da ihr der jüdische Glaube unverständlich blieb und sie sich zum Christentum hingezogen fühlte.5 Folglich konvertierte sie 1922 zur katholischen Kirche.

Nach ihrem Abitur 1911 in Breslau, studierte sie zuerst Germanistik und Geschichte, wobei sie zusätzliche Vorlesungen in den Fächern Psychologie und Philosophie belegte. Bedeutend war daraufhin ihr Wechsel zur Universität nach Göttingen, an der sie Psychologie und Philosophie studierte und 1915 ihr Staatsexamen absolvierte.6 Während ihres Studiums begegnete sie Edmund Husserl, „dem Vater der phänomenologischen Methode“7, der für Edith Stein einen geistigen Leiter darstellte. Danach war sie an einer Schule in Breslau als Lehrerin tätig.

Edith Stein promovierte bei ihrem Lehrer Edmund Husserl, der sie selbst als „Meisterschülerin“ bezeichnete. Ihr Habilitationsversuch scheiterte aufgrund des Vorurteils gegenüber Frauen.8 Daraufhin unternahm sie drei weitere Habilitationsversuche, die alle abgelehnt wurden angesichts ihres Frauseins und ihres Jüdinseins.9

Edith Stein arbeitete in der Zeit von 1922 bis 1933 als Lehrerin und Dozentin in Münster. Im Zuge der Machtergreifung Hitlers 1933 wurden ihre Lehrtätigkeiten unmöglich, weshalb sie am 14. Oktober 1933 in den Kölner Kamel eintrat, wo sie sich den Namen „Teresia Benedicta a Cruce“10 gab. In einem Brief erklärte sie: “Ich bin jetzt an dem Ort, an den ich längst gehörte. Es ist unser Beruf, für alle vor Gott zu stehen.“11 Ihre Mutter, tief gläubige Jüdin, konnte den Entschluss ihrer Tochter nicht verstehen.12 Hier verfasste sie einige bedeutende Werke, wie beispielsweise „endliches und ewiges Sein“.13

Nach der Progromnacht 1938 fühlte sich Edith Stein unsicher in Köln und emigrierte nach Holland. Als auch dort die Judenverfolgung begann, wurden sie und ihre Schwester Rosa am 09. August 1942 nach Auschwitz deportiert und am selben Tag ermordet.14

Edith Stein kann als eine der bedeutendsten katholischen Religionsphilosophinnen jüdischer Abstammung angesehen werden. Infolgedessen wurde sie am 01. Mai 1987 seliggesprochen und am 11. Oktober 1998 zur Heiligen ernannt. Am 01. Oktober 1999 wurde sie schließlich zur Patronin Europas Erhoben, da sie als Märtyrerin ein Zeichen für die Versöhnung zwischen Christentum und Judentum darstellt. 15

3 Historischer Hintergrund

Der erste Weltkrieg war zur Zeit des Wirkens von Edith Stein beendet und 1918 wurde die Republik ausgerufen. Nach vielen Warnungen vor dem aufblühenden Nationalsozialismus, wurde 1933 letztendlich zum Schicksalsjahr. Adolf Hitler kam im Januar 1933 an die Macht, worauf zahlreiche Boykotte auf die Juden, bei denen viele jüdische Menschen deportiert wurden, folgten.

Aufgrund der immer stärker werdenden Unruhen gegenüber dem jüdischen Volk, wurde Edith Steins jüdische Abstammung als Gefährdung angesehen, sodass sie am 25. Februar 1933 ihre letzte Vorlesung in Münster hielt.16 Am 07. April 1933 folgte das Gesetz „zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ und ihre Tätigkeit als Dozentin wurde komplett verboten.17 Ein paar Tage vorher, am 01. April 1933, kam es zu einem regierungsamtlich, geregelten Boykott gegen jüdische Geschäfte und Praxen.18 Durch ein Gespräch mit einem fremden Ehepaar über die vielen Angriffe gegen die Juden, hatte Edith Stein eine neue Sicht auf den Nationalsozialismus und auf die Vorgänge gegen die Juden gewonnen.19 Sie schilderte ihre Gedanken zu der Situation: „Jetzt ging mir auf einmal ein Licht auf, dass Gott wieder einmal seine Hand schwer auf sein Volk gelegt hat, und dass das Schicksal dieses Volkes auch das meine ist.“20

[...]


1 Krutscher, Werner, Durch Christus geheiligte Frauen. Borsdorf 2011, S. 180.

2 Ihr Ordensname war „Teresia Benedicta a Cruce“.

3 Vgl. Wolf, Huber, Papst & Teufel. Die Archive des Vatikan und das Dritte Reich. München² 2008.

4 Vgl. Beckmann-Zöller, Beate: Frauen bewegen die Päpste. Augsburg 2010, S. 224.

5 Vgl. ebd., S. 224-225.

6 Vgl. Von Kloeden, Wolfdietrich: Das Lebensbild der Edith Stein, in: Ernst-Freiberger-Stiftung (Urheber), Edith Stein, Berlin 2008, S. 13.

7 Vgl. ebd., S. 13.

8 Vgl. ebd., S. 19-20.

9 Vgl. Beckmann-Zöller, Beate: Frauen bewegen die Päpste. Augsburg 2010, S. 227.

10 Anspielung auf ihr Vorbild Teresa von Avila.

11 Krutscher, Werner, Durch Christus geheiligte Frauen. Borsdorf 2011, S. 144-146.

12 Vgl. Von Kloeden, Wolfdietrich: Das Lebensbild der Edith Stein, in: Ernst-Freiberger-Stiftung (Urheber), Edith Stein, Berlin 2008, S. 24-25.

13 Vgl. https://www.heiligenlexikon.de/BiographienE/Edith_Stein.html [Stand: 02.01.2017].

14 Vgl. Von Kloeden, Wolfdietrich: Das Lebensbild der Edith Stein, in: Ernst-Freiberger-Stiftung (Urheber), Edith Stein, Berlin 2008, S. 30.

15 Vgl. ebd., S. 12.

16 Vgl. Krutscher, Werner, Durch Christus geheiligte Frauen. Borsdorf 2011, S. 165.

17 Vgl. ebd., S. 165-166.

18 Vgl. Gruber, Hubert, Katholisch Kirche und Nationalsozialismus 1930-1945. Paderborn 2006, 41.

19 Vgl. Beckmann-Zöller, Beate: Frauen bewegen die Päpste. Augsburg 2010, S. 236.

20 Krutscher, Werner, Durch Christus geheiligte Frauen. Borsdorf 2011, S. 166.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Engagement gegen den aufblühenden Antisemitismus. Edith Stein und ihr Brief an Papst Pius XI.
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
16
Katalognummer
V371941
ISBN (eBook)
9783668502802
ISBN (Buch)
9783668502819
Dateigröße
393 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Edith Stein, Antisemitismus, Papst Pius
Arbeit zitieren
Helena Niemann (Autor), 2015, Engagement gegen den aufblühenden Antisemitismus. Edith Stein und ihr Brief an Papst Pius XI., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/371941

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