Mit neuen Medien neue Wege in der Bildungswissenschaft beschreiten. Planung, Gestaltung, Umsetzung, Evaluation und Diskussion eines eigenen Medienproduktes

Evaluation der Qualität des Screencast-Tutorials: „Das virtuelle Klassenzimmer von Adobe connect“


Hausarbeit, 2017

46 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Medien in der Bildungswissenschaft
1.1 Entwicklungsgeschichte von Medien in der Bildungswissenschaft
1.2 Educasts als Lernmedium
1.3 Tutorials als Lernmedium
1.4 Virtuelles Klassenzimmer als Lernmedium

2 Medienprojekt: Screencast-Tutorial: „Das virtuelle Klassenzimmer von Adobe connect"
2.1 Zielgruppe des Medienprojekts
2.2 Thematik des Medienprojekts
2.3 Design des Medienprojekts
2.4 Bildungstheoretische Verortung

3 Evaluation des Medienprojekts
3.1 Forschungsfragen und Hypothesen
3.2 Operationalisierung der Variablen
3.3 Methodischer Zugang

4 Auswertung und Diskussion der Ergebnisse

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

7 Untersuchungsmaterialien
7.1 Fragebogen zum Screencast-Tutorial: „Das virtuelle Klassenzimmer von Adobe connect
7.2 Tabelle zur statistischen Auswertung des Fragebogens
7.3 Skript zum Screencast-Tutorial: „Das virtuelle Klassenzimmer von Adobe connect"
7.4 Reliabilitätsanalyse mit PSPP

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Multimedia-Prinzipien nach Mayer

Abbildung 2: Qualitätsdimensionen und Anforderungen an Lernmaterial

Abbildung 3: Auswertung der Fragebögen

Abbildung 4: Standardabweichung

Abbildung 5: Reliabilitätsstatistik - Cronbach‘s Alpha-Werte

1 Medien in der Bildungswissenschaft

Medien spielen eine zentrale Rolle in der heutigen Bildung. In verschiedenen Lernkontexten können unterschiedliche Arten von Medien genutzt werden. Vor allem durch die Einführung des Web 2.0 wurde die Palette der zur Verfügung stehenden Medien erheblich erweitert (vgl. Schneider, 2011, S. 55). Einige Medien eignen sich in besonderer Weise für bestimmte Lernkontexte und sind in diesen effektiver als andere (Roche, 2005, S. 135). Eine offensichtlich inef­fektive Mediennutzung wäre z.B. eine herkömmliche Schultafel in einem aus­schließlich online durchgeführten Seminar, oder umgekehrt, ein virtuelles Klassenzimmer (im weiteren Verlauf näher erläutert) in einer Präsenzveran­staltung. Ein aus wissenschaftlicher Perspektive effektives Lernmedium orien­tiert sich daher an Instruktionsdesign-Modellen wie beispielsweise dem im späteren Verlauf beschriebenen ARCS-Modell von Keller (Bastiaens, 2016, S. 25).

Wie effektiv Medien in Lernprozessen sind ist jedoch nicht nur von der Eig­nung für den jeweiligen Lernkontext abhängig, sondern auch die Qualität des Mediums spielt für die Effektivität eine entscheidende Rolle (Kube, 2012, S. 282). Beispielsweise ist eine beschädigte Schultafel auch in einer Präsenzsit­zung sehr ineffektiv. Um die Qualität eines Lernmediums zu bestimmen und dadurch Aussagen über die Effektivität machen zu können, gibt es wissen­schaftliche Evaluationsmodelle wie beispielsweise das im Laufe dieser Arbeit vorgestellte Bewertungstool von Müller, Oeste & Söllner (2015).

Gegenstand der hier durchgeführten Evaluation ist das Screencast-Tutorial: „Das virtuelle Klassenzimmer von Adobe connect" (Link zum Youtube-Video: https://youtu.be/4rkJ1VfNdtk), dessen Design dem ARCS-Modell entspre­chend gestaltet wurde. Ein Fragebogen dient als Evaluationsinstrument, um durch die Rezipienten die Qualität des Screencast-Tutorials zu bewerten. Die Ergebnisse dieses Fragebogens werden im Verlauf dieser Evaluation darge­stellt und diskutiert, um dadurch folgende Forschungsfrage beantworten zu können:

„Wie bewerten Auszubildende mit mindestens grundlegenden Computerkennt­nissen und ohne Vorwissen bezüglich der Software Adobe connect die Quali­tät des Screencast-Tutorials: „Das virtuelle Klassenzimmer von Adobe connect" hinsichtlich der Qualitätsdimensionen Didaktisches Design, Inhalt/Content, Mediendesign, Soziale Aspekte, Usability und Story Telling?"

1.1 Entwicklungsgeschichte von Medien in der Bildungswissenschaft

Die Nutzung verschiedener Technologien zur Vermittlung von Wissen in der Bildungswissenschaft hat eine weitreichende Geschichte bis ins frühe 19. Jahrhundert, als die ersten Lehrfilme und mechanischen Maschinen in Lernprozessen eingesetzt wurden. In den 50er bis 70er Jahren wurden durch Skinners behavioristisch orientierten Theorieansatz der programmierten Unter­weisung und durch Blooms Lernzieltaxonomie noch heute populäre Design­Fundamente gelegt, auf welche später entstandene, erste computerunterstütz­te Lernprogramme aufbauten (Schneider, 2011, S. 53). Zu Beginn der 80er Jahre machte die Nutzung von Technologie in der Bildungswissenschaft durch die Einführung der ersten Computer einen großen Fortschritt. Schnell etablier­te sich der Computer als Medium in Lernprozessen, wodurch der Begriff Com­puter-based learning entstand (vgl. Schneider, 2011, S. 53). Mitte der 90er Jahre erlangte der Computer als Medium in Lernprozessen durch die Einfüh­rung des Internets einen besonderen bildungswissenschaftlichen Einfluss, bei­spielsweise durch die Einführung des Web 2.0 sowie der sozialen Netzwerke wie Facebook, Youtube, Twitter, etc. (vgl. Peters, 2012, S. 7-13). Es entstand eine Vielzahl von Nutzungsmöglichkeiten verschiedener neuer Medien und Tools in Lernprozessen wie zum Beispiel Educasts und Tutorials (Schneider, 2011, S. 55).

1.2 Educasts als Lernmedium

Als Educational Podcast, kurz Educast, bezeichnet man einen Podcast im Kontext der Bildungswissenschaft, in welchem dem Rezipienten gezielt Lern­inhalte vermittelt werden. Der Begriff Podcast ist eine Kombination aus den Worten iPod (Bezeichnung für ein Audiowiedergabegerät der Firma Apple) und „to broadcast“ (übertragen, senden, ausstrahlen) und bezeichnete ursprüng­lich eine Audioaufzeichnung, die mit dem Ziel aufgenommen wurde, sie an eine bestimmte Zielgruppe zu verbreiten. Durch neue Medien mit neuen Mög­lichkeiten hat sich der ursprüngliche Podcast mittlerweile zu verschiedenen Unterarten weiterentwickelt:

Enhanced Podcast: Im „erweiterten“ Podcast werden neben Audioaufnah- men noch elektronische, textbestückte Folien genutzt.

Picturecast: Beim „Bilder“-Podcast werden dem Rezipienten zusätzlich zu Audioaufnahmen auch Bilder gezeigt.

Vodcast: Ein „Video“-Podcast konfrontiert den Rezipient mit einer Kombinati­on aus Audioaufnahmen und Videoaufzeichnungen.

Screencast: Bei einem Screencast wird neben der Audiospur auch das Ge­schehen auf dem Bildschirm des Casters aufgezeichnet (Zorn, Auwärter, Krü­ger, & Seehagen-Marx, 2011, S. 3).

1.3 Tutorials als Lernmedium

Der Begriff Tutorial (Erklärvideo) bezeichnet eine Anleitung oder auch Hand­lungsanweisung in Form eines Videos oder Screencasts, bei welchem dem Rezipienten gezielt Fertigkeiten und Kenntnisse im Umgang mit einer ganz bestimmten Sache vermittelt werden (Lemke, 2014, S. 59). Die Nutzung von Tutorials bringt einige Vorteile gegenüber anderen Arten von Wissensvermitt­lung wie beispielsweise einem Präsenzseminar mit. Tutorials sind sowohl zeit­lich flexibel als auch ortsunabhängig, da es sich in der Regel um eine im Inter­net abrufbare Quelle handelt, die somit jederzeit und allerorts verfügbar ist. Viele Tutorials sind heutzutage über Plattformen wie beispielsweise Youtube frei zugänglich. Ein Vorteil gegenüber dozentengesteuerten Lerneinheiten ist es, dass für die Nutzung eines Tutorials kein Lehrer notwendig ist, da die Re­zipienten durch die Audio- und Videoaufnahmen das Wissen schrittweise ver­mittelt bekommen (Lemke, 2014, S. 60). Aufgrund der fehlenden Betreuung durch eine Fachkraft fordern Tutorials allerdings ein hohes Maß an Eigen­kompetenz, Selbstmotivation und Durchhaltefähigkeit von den Rezipienten (Lemke, 2014, S. 61).

1.4 Virtuelles Klassenzimmer als Lernmedium

Als virtuelles Klassenzimmer bezeichnet man eine Software, die ganze Nut­zergruppen in einem gemeinsamen virtuellen „Online-Raum" zusammenbringt und ihnen dort viele verschiedene Möglichkeiten bietet, kollaborative Lernpro­zesse zu erleben, ganz ohne sich dabei in der realen Welt zu treffen. Das be­sondere bei der Nutzung dieser Art Lernmedium ist es, dass sich sowohl alle Teilnehmer als auch die Dozenten hierzu zeitgleich online befinden und ge­meinsam die gleiche Software nutzen. Vorteile, die sich durch die Nutzung dieses Lernmediums ergeben, sind die Möglichkeit einer synchronen Kommunikation und Interaktion, Spontanität, soziale Präsenz und eine er­weitere Gruppenkohärenz, welche förderlich für den Lernprozess sind. Die Nutzung eines virtuellen Klassenzimmers bringt jedoch auch Nachteile mit sich, denn die Zeit-Ungebundenheit, welche viele andere moderne Online­Medien wie beispielsweise Foren oder Wikis bieten, geht durch die Notwen­digkeit des synchronen Online-Seins verloren. Ein virtuelles Klassenzimmer schränkt somit im Vergleich zu anderen, zeit-ungebundenen Medien die Flexi­bilität der Nutzer ein und kann dadurch zu einem erhöhten Nutzungsaufwand im Vergleich zu anderen Lehrmethoden führen. Virtuelle Klassenzimmer bie­ten ein breites Spektrum an Funktionen, welche verschiedene Gestaltungs­möglichkeiten für die abzuhandelnde Sitzung bieten. Jeder Teilnehmer nutzt ein Headset (bzw. andere Audioaufnahme- und -Wiedergabegeräte) und kann mit den anderen Teilnehmern und Dozenten sowohl per Voice (Sprache) als auch per Chat (Textnachrichten) kommunizieren. Zusätzlich können auch Webcams benutzt werden, damit die Teilnehmer sich untereinander sehen. Ab­hängig vom Modus, welchen der Veranstalter der Sitzung gewählt hat, haben die Teilnehmer unterschiedliche Rechte und Möglichkeiten zu agieren. So eig­net sich beispielsweise der dozentengesteuerte Modus für eine Unterrichtstun­de, in welcher der Lehrer den Ablauf festlegt und die Schüler, wie im normalen Unterricht, die Möglichkeit haben sich zu melden. Der offene Diskussionsmo­dus hingegen gibt allen Sitzungsteilnehmern gleiche Rechte, wodurch sich dieser besonders für Gruppenarbeiten oder Teamsitzungen anbietet (Schul­meister, 2009, S. 6). Das Whiteboard dient als eine Unterrichtstafel, dessen Anzeige alle Sitzungsteilnehmer sehen können. Hier kann der Dozent bei­spielsweise Bilder oder eine Powerpointpräsentation zeigen, sein Monitorge­schehen spiegeln oder, ähnlich wie im Windowstool „Paint", malen. Im offenen Diskussionsmodus könnten auch, ähnlich wie bei einem Wiki, alle Sitzungsteil­nehmer gleichzeitig aufs Whiteboard zugreifen und so gemeinsam etwas erar­beiten (Czerwionka, Klebl, & Schrader, 2009, S. 99). Für Gruppenarbeiten bie­tet ein virtuelles Klassenzimmer die Möglichkeit, die Gruppen räumlich zu tren­nen, sodass jede Gruppe ihren eigenen Online-Raum hat und alle Features unabhängig von den anderen Gruppen der Sitzung nutzen kann. Als zusätzli­chen Vorteil gegenüber Präsenzveranstaltungen bietet ein virtuelles Klassen­zimmer die Option, elektronische Daten mit den anderen Sitzungsteilnehmern auszutauschen. So kann der Dozent beispielsweise die genutzten Bilder oder seine Powerpoint-Präsentation allen Schülern direkt zur Verfügung stellen (Eder, 2008, S. 315).

2 Medienprojekt: Screencast-Tutorial:

„Das virtuelle Klassenzimmer von Adobe connect“

Das in dieser Evaluation untersuchte Medienprojekt ist ein Tutorial in Form ei­nes Screencasts, welches dem Rezipienten grundlegende Kompetenzen im Umgang mit der Software Adobe connect vermittelt. Adobe connect bietet ein virtuelles Klassenzimmer, dessen Funktionen und Nutzungsmöglichkeiten in diesem Tutorial erklärt werden.

2.1 Zielgruppe des Medienprojekts

Zielgruppe dieses Screencast-Tutorials sind Personen, denen die Software Adobe connect noch unbekannt ist, denen eine praktische Nutzung der Soft­ware bevorsteht und die sich im Vorfeld über die Funktionen und Möglichkei­ten des Programms informieren möchten, um sich Kompetenzen im Umgang mit dieser anzueignen. Für das Nutzen und Verstehen des Tutorials sind grundsätzliche Computerkenntnisse auf Einsteiger-Niveau erforderlich.

Das Tutorial könnte für die Zielgruppe interessant sein, da es oft mühsam ist, aufgrund von Vielfältigkeit sowie Masse an Funktionen und Möglichkeiten, sich ohne Anleitung in neue Software einzuarbeiten. Durch das Tutorial können sich zukünftige Nutzer von Adobe connect auf einfache und angenehme Art und Weise über die Funktionen und Möglichkeiten der Software unterrichten lassen und sparen sich somit ein aufwändiges Ausprobieren und Erkunden, um sich den Umgang selber beizubringen (Lemke, 2014).

Interessant könnte das Tutorial beispielsweise für Studenten sein, da das vir­tuelle Klassenzimmer häufig im Bereich der Universitätslehre, speziell der un­iversitären Fernlehre, genutzt wird. Zusätzlich könnte es aber auch für größere Firmen und deren Mitarbeiter interessant sein, welche regelmäßig Online­Meetings und -Teamsitzungen abhalten oder, wie im folgenden Beispiel be­nannt, für Auszubildende die an einer Online-Bildungsmaßnahme teilnehmen.

2.2 Thematik des Medienprojekts

Thematisch befasst sich das Screencast-Tutorial mit den Funktionen der Soft­ware Adobe connect, welche Schrittweise erläutert und mit Beispielen für ihre Nutzung untermalt werden.

Von Beruf bin ich Sozialpädagoge und leite bei einem Bildungsträger die Maß­nahme „ausbildungsbegleitende Hilfen", in welcher oberflächlich zusammen­gefasst Auszubildende Nachhilfe im Berufsschulstoff erhalten. Bei der Bear­beitung des letzten Studienmoduls entwickelte ich die zukunftsorientierte Idee, eine solche Bildungsmaßnahme online anzubieten und als Medium zur Um­setzung ein virtuelles Klassenzimmer zu nutzen. Passend hierzu entschied ich mich für die Themenwahl der vorliegenden Evaluation und möchte mit dieser Hausarbeit an diese Zukunftsperspektive von e-Learning-Bildungsmaßnah- men anknüpfen, indem ich die ausbildungsbegleitende-Hilfen-Teilnehmer mit dem von mir erstellten Screencast-Tutorial konfrontiere und ihnen so das The­ma Online-Lernen näher bringe.

Bei meiner Recherche nach ähnlichen Educast-Tutorials zur Software Adobe connect (überwiegend Screencasts) habe ich die Erfahrung gemacht, dass der Großteil nicht den Qualitätskriterien der aktuellen wissenschaftlichen Lite­ratur entspricht (im weiteren Verlauf näher erläutert). Es werden beispielswei­se oftmals keine Lernziele verdeutlicht und verfolgt, der Rezipient wird nur sel­ten in die Thematik eingeführt und erhält meistens keine Lösungsansätze und Erfahrungen zu bestehenden Problematiken.

Aus den genannten Gründen entschied ich mich, ein eigenes Screencast- Tutorial zu produzieren, dass den Qualitätskriterien der aktuellen wissen­schaftlichen Literatur entspricht und dieses für mein Vorhaben hinsichtlich der Zukunftsperspektive von Online-Bildungsmaßnahmen zu nutzen.

2.3 Design des Medienprojekts

Das Screencast-Tutorial wurde mit dem Programm „Open Broadcaster Soft­ware“ erstellt. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es sich hervorragend für Bildschirmaufzeichnungen in Kombination mit Audioaufnahmen eignet, wie sie für ein Screencast-Tutorial dieser Art benötigt werden. Die Oberfläche der Software Adobe connect wird angezeigt und der Rezipient sprachbegleitend mit dem Cursor durch die verschiedenen Funktionen geleitet. So kann der Re­zipient sehen, wo er was zu tun hat, wo welche Funktionen zu finden sind und diese Erkenntnisse direkt auf die Praxis übertragen, da er bei Eigennutzung der Software mit der gleichen Oberfläche arbeiten wird.

Das Design des Screencast-Tutorials wurde nach dem Instruktionsdesignmo­dell ARCS von Keller (1983) gestaltet, welches die Motivation des Rezipienten als elementares Fundament eines erfolgreichen Lernprozesses sieht. Ein mo­tivierter Rezipient wird nach Keller durch die folgenden vier Schritte erreicht (Niegemann, 2001, S. 37):

Aufmerksamkeit erlangen (Attention): Dem ARCS-Modell nach ist es wich­tig, dass bereits zu Beginn des Screencasts die Aufmerksamkeit des Rezipi­enten erlangt wird und diese im Verlauf aufrecht erhalten wird (Niegemann, 2001, S. 37). Nach Arnold et al. (2011, S. 181) wird dies bereits durch das gewählte Format erreicht, denn Videos (und somit auch Screencasts) spre­chen durch ihre hohe Plastizität Emotionen an und fördern dadurch die Auf­merksamkeit und Motivation des Rezipienten. Der Versuch der Erlangung in-

itialer Motivation ist nach Müller, Oeste, & Söllner (2015, S. 52) in diesem Sze­nario nicht erforderlich, da der Rezipient bei Auseinandersetzung mit dem Tu­torial bereits ein Problem erkannt hat und somit von vornherein die „stärkste Motivation“ mitbringt. Um die Aufmerksamkeit des Rezipienten aufrecht zu er­halten, orientiert sich der Screencasts an den folgenden 12 Multimedia-Prinzi­pien nach Mayer:

Abbildung 1: Multimedia-Prinzipien nach Mayer

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: Jadin, 2013)

Gemäß diesen Prinzipien werden im Tutorial überflüssige Sinneseindrücke vermieden und sich beim Design auf das Wesentliche konzentriert. Es wird bewusst auf zusätzliche Bilder, Begleitung durch Musik und eine erweiterte Rahmenhandlung (Kohärenzprinzip) sowie auf Visualisierung des Gesproche­nen durch Text (Redundanz- und Modalitätsprinzip) verzichtet, da durch diese der Lernprozess verlangsamt wird (vgl. Jadin, 2013). Der Cursor wird genutzt, um Lernelemente hervorzuheben (Signalprinzip) und das Videoformat bietet gemäß des Segmentierungsprinzips Buttons zum Pausieren, Wiederholen und Aufteilen der Lerneinheit. Zu Beginn wird der Rezipient in das Thema einge­führt und bekommt notwendiges Vorwissen vermittelt (Prinzip des Vor­wissens). Der Sprecher des Tutorials hat eine menschliche Stimme (Stimm­prinzip), ist nicht zu sehen (Bildprinzip) und spricht in einem dialogorientierten Stil (Personalisierungsprinzip).

Relevanz, Bedeutsamkeit des Lehrstoffs vermitteln (Relevance): Der nächste wichtige Schritt im ARCS-Modell ist, dem Rezipienten zu verdeutli­chen, dass der Lerninhalt für ihn relevant und bedeutsam ist. Dies kann sich ebenfalls positiv auf die Motivation des Rezipienten auswirken, da es sinnlos erscheint, sich mit irrelevantem Stoff auseinanderzusetzen (vgl. Niegemann, 2001, S. 37 ff.). Um dem Rezipienten die Relevanz und Bedeutsamkeit des Lehrinhalts zu verdeutlichen, startet der Screencast mit einer allgemeinen Heranführung an das Medium „virtuelles Klassenzimmer“, bei welcher Einsatz­möglichkeiten sowie Vor- und Nachteile der Nutzung erläutert werden.

Erfolgszuversicht (Confidence): Erfolgszuversicht soll beim Rezipienten er­reicht werden, indem zu Beginn des Tutorials die verfolgten Lernziele gemäß der Bloom‘schen Lernzieltaxonomie verdeutlicht werden (vgl. Niegemann, 2001, S. 41 ff.):

1. Der Nutzer kann grundlegende Kenntnisse über das Medium „virtuelles Klassenzimmer“ wiedergeben.

1. Der Nutzer kann die vorgestellten Funktionen der Software Adobe connect benutzen.

2. Der Nutzer kann Möglichkeiten der Nutzung des Programms und sei­ner einzelnen Funktionen beschreiben.

3. Der Nutzer kann Vor- und Nachteile der Nutzung des Mediums „virtuel­les Klassenzimmer“ in Online-Lernprozessen erläutern (Lemke, 2014, S. 64-66).

[...]

Ende der Leseprobe aus 46 Seiten

Details

Titel
Mit neuen Medien neue Wege in der Bildungswissenschaft beschreiten. Planung, Gestaltung, Umsetzung, Evaluation und Diskussion eines eigenen Medienproduktes
Untertitel
Evaluation der Qualität des Screencast-Tutorials: „Das virtuelle Klassenzimmer von Adobe connect“
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
46
Katalognummer
V372228
ISBN (eBook)
9783668500518
ISBN (Buch)
9783668500525
Dateigröße
944 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medien, neue Medien, Bildungswissenschaft, Planung, Medienprojekt, Evaluation, Medienprodukt, Adobe connect, virtuelles Klassenzimmer, Screencast, Screencast-Tutorial, Tutorial, Qualität
Arbeit zitieren
Bastian Leis (Autor), 2017, Mit neuen Medien neue Wege in der Bildungswissenschaft beschreiten. Planung, Gestaltung, Umsetzung, Evaluation und Diskussion eines eigenen Medienproduktes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/372228

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