Im Folgenden wird Vasaris Triptychons Kunstwerk der "Bartholomäusnacht" thematisiert. Von einem Kunstwerk, das sich in den wichtigsten Audienzräumen des Apostolischen Palastes befindet, darf angenommen werden, dass es den päpstlichen Auffassungen zu Kernfragen seines Pontifikats entsprach. Doch wieso sollte die höchste religiöse Instanz des Christentums diese Szenen der Ermordung zahlreicher Hugenotten in Paris als so bedeutend betrachten, dass der Papst beschloss diese als Rahmen für seinen Thron malen zu lassen? Hatte das Motiv der Gewalt dabei eine besondere Bedeutung? Welche Verbindung bestand zur Ermordung zahlreicher Hugenotten und dem Papst? Ausgehend von diesen Leitfragen soll anhand des Beispiels bildlicher Kommunikationsformen der Bartholomäusnacht in der Sala Regia in dieser Arbeit gezeigt werden, wie die gewaltsamen Vorgänge der Bartholomäusnacht 1572 in Paris für das Selbstverständnis und -bild des Papsttums aufgegriffen und zu eigenen Zwecken umgedeutet wurden. Auf diese Art soll im Kontext des Pontifikats Gregors XIII.die Sicht auf die darunterliegenden Selbst- und Weltdeutungen der frühneuzeitlichen Herrschafts- bzw. Gesellschaftsschicht am Beispiel der Gewaltdarstellung eröffnet werde.
Der Freskenzyklus ist das am wenigsten erforschte Kunstwerk Vasaris. Es ist eines seiner letzten gewesen, bevor er 1574 in Florenz verstarb. Zahlreiche Monografien wie beispielsweise die von Patricia Lee Rubin oder Gerd Blum erwähnen das Kunstwerk auf den letzten Seiten nur nebenbei, ohne ihm eine genauere Besprechung zukommen zu lassen. Der Kunsthistoriker Philipp Fehl sieht dies als indirekte moderne kunsthistorische Kritik am Bildwerk: zu ungenau die Deutungsebenen, zu heikel und verwerflich das Thema. Er betont, dass selbst der Vatikan bei Führungen durch den Palast gerne das Kernstück der Sala unkommentiert lässt.
In Anbetracht dessen, dass es bis jetzt nur eine ausführliche Monografie des gesamten Ausstattungsprogramms der Sala Regia gibt, nämlich die Dissertation „Die Sala Regia im Vatikan als Beispiel der Selbstdarstellung des Papsttums in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts“ von Angela Böck ist es erfreulich, dass sich die Fresken der Bartholomäusnacht von Vasari einem gewissen Forschungsinteresse erfreuen können. Allerdings liegen die Untersuchungen innerhalb der Aufsätze in einem schwankenden Umfang vor: während die erste Bildszene umfassender bearbeitet wurde, fällt die Besprechung der folgenden Zyklen geringer aus.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.a. Thematisierung
1.b. Forschungsstand, Quellenlage und Vorgehensweise
1.c. Kontextualisierung: Die Bartholomäusnacht
2. Erstes Fresko „Verwundung Coligny’s“
2.a. Inhalt und Ikonografie
2.b. Interpretation
3. Zweites Fresko „Die Bartholomäusnacht“
3.a. Inhalt und Ikonografie
3.b. Interpretation
4. Drittes Fresko „König Karl IX. billigt den Mord an Coligny“
4.a. Inhalt und Ikonografie
4.b. Interpretation
5. Schlussbetrachtungen: Die Darstellung der Gewalt im repräsentativen Kontext des Vatikans
5.a. Deutungen
5.b. Fazit
6. Literatur- und Quellenverzeichnis
7. Abbildungsverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Triptychon Giorgio Vasaris in der Sala Regia des Vatikans, welches die Ereignisse der Bartholomäusnacht von 1572 darstellt. Ziel ist es, die bildliche Kommunikation von Gewalt als Instrument der päpstlichen Selbstdarstellung und Machtdemonstration unter Papst Gregor XIII. zu analysieren und in den Kontext der frühneuzeitlichen Konfessions- und Staatsbildung einzuordnen.
- Analyse der drei Fresken Vasaris in der Sala Regia
- Dechiffrierung der Ikonografie und symbolischen Deutungsebenen
- Untersuchung des päpstlichen Selbstverständnisses unter Gregor XIII.
- Kontextualisierung des Massakers im Rahmen der Gegenreformation
- Bewertung der Instrumentalisierung von Zeitgeschichte durch Kunst
Auszug aus dem Buch
3. Zweites Fresko „Die Bartholomäusnacht“
Im zweiten Teil des Triptychons folgt ein Szenenwechsel. Es ist Nacht, die nur vom Licht der Fackeln erhellt wird. Im Bildhintergrund befindet sich ein Gebäude, Menschen stehen auf dessen Balkon. Der vermeintliche Eingang wird von einer aufgebrachten Menschenmenge erstürmt. Der Admiral Coligny stürzt währenddessen nackt von diesem Balkon, befindet sich aber noch in der Luft, geradewegs in die Spieße und Waffen der unter ihm stehenden Soldaten zu. Seine Aufmachung erinnert in keinster Weise mehr an die seiner Verwundungsszene: er ist nackt, sein Körper verrenkt, die Haare wirr abstehend, sein Gesicht maskenhaft erstarrt. Dargestellt ist zweifelsfrei das Massaker in der Nacht vom 23. auf den 24. August, welches als Bartholomäusnacht bekannt werden wird.
Die Soldaten im Vordergrund haben ebenfalls wenige Übereinstimmungen in der Darstellungsweise im Vergleich zum ersten Bild. Statt edel und zeitgenössisch gekleidet und gesittet nebeneinanderstehend, findet sich das Bildpersonal nun in einer nahezu konträr wirkenden Situation wieder: Die Soldaten sind spärlicher bekleidet, muskulös und in einer wild und ungeordnet wirkenden Schlacht im Kampf mit Hugenotten abgebildet. Die Hugenotten tragen dabei bis auf den vordersten keine Waffen, sind kleiner und farbloser dargestellt. Der Kontrast zwischen ihnen und den kräftigen Soldaten ist dabei deutlich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der Fresken der Bartholomäusnacht in der Sala Regia ein und umreißt die Fragestellung bezüglich der päpstlichen Selbstdarstellung durch Gewaltdarstellung.
2. Erstes Fresko „Verwundung Coligny’s“: Das Kapitel analysiert das erste Fresko, welches den Anschlag auf Coligny thematisiert und das Motiv des Engels als göttliche oder päpstliche Instanz in den Fokus rückt.
3. Zweites Fresko „Die Bartholomäusnacht“: Hier wird das Massaker selbst als Nachtszene besprochen, wobei der Fenstersturz Colignys und die stilisierte Darstellung der Soldaten als apokalyptische Rächer gedeutet werden.
4. Drittes Fresko „König Karl IX. billigt den Mord an Coligny“: Dieses Kapitel behandelt das letzte Bild des Triptychons, welches die politische Verantwortung und das päpstliche Interesse an der öffentlichen Verurteilung der Hugenotten durch den französischen König in den Mittelpunkt stellt.
5. Schlussbetrachtungen: Die Darstellung der Gewalt im repräsentativen Kontext des Vatikans: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und zeigt auf, wie der Vatikan das Massaker zur Demonstration seiner Macht und zur Stützung des päpstlichen Absolutismus nutzte.
Schlüsselwörter
Bartholomäusnacht, Vatikan, Sala Regia, Giorgio Vasari, Papst Gregor XIII., Gegenreformation, Gewaltdarstellung, Ikonografie, Admiral Gaspard de Coligny, päpstliche Selbstdarstellung, Konfessionsbildung, Massaker, Bildprogramm, Machtdemonstration, Frühneuzeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die drei Fresken zur Bartholomäusnacht von Giorgio Vasari in der Sala Regia des Vatikans unter dem Aspekt, wie diese als Mittel päpstlicher Selbstdarstellung genutzt wurden.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die frühneuzeitliche Gewalt, die kirchliche und politische Machtdemonstration des Papsttums sowie die kunstgeschichtliche Entschlüsselung religiöser Bildprogramme.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es wird untersucht, wieso Papst Gregor XIII. ein so gewaltsames Ereignis als Rahmen für seinen Thron wählte und welche Botschaft der Vatikan damit über sein eigenes Selbstverständnis vermitteln wollte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt kunsthistorische Methoden wie die Ikonografie und Ikonologie, kombiniert mit einer historischen Kontextualisierung der Geschehnisse des Jahres 1572.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse der drei Fresken (Verwundung Colignys, das Massaker in der Nacht, die Billigung durch den König) sowie deren interpretatorische Verknüpfung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben der Bartholomäusnacht sind Begriffe wie päpstliche Selbstdarstellung, Gegenreformation, Machtdemonstration und Ikonografie prägend.
Wie wurde die Rolle des Engels im ersten Fresko interpretiert?
Der Engel dient als Schlüsselmotiv, das die Macht Roms symbolisiert und Coligny entweder als Verwarnung oder als himmlische Bestrafung durch den Katholizismus zugeschrieben wird.
Inwiefern beeinflusste die Beratung durch Vincenzo Borghini das Ergebnis?
Borghini riet von einer zu detaillierten, chronikalen Darstellung der Gewalt ab und empfahl stattdessen eine symbolische Darstellung der Verurteilung durch den König, um dem Dekorum des Raumes zu entsprechen.
Welche Bedeutung hatte das Triptychon für die päpstliche Außenwirkung?
Die Fresken dienten als demonstrative Bekräftigung der plenitudo potestatis der katholischen Kirche und zeigten Besuchern, dass die Macht des Glaubens auch durch politische Maßnahmen gegen Ketzer geschützt wurde.
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- Anonym (Author), 2016, Vasaris Triptychon "Bartholomäusnacht" in der Sala Regia als Selbstbildnis des Vatikans, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/372277