Diese Arbeit stellt den Versuch dar, ein Vorgehen zu entwickeln, welches die Anforderungen auf curricularer als auch gesellschaftlicher Ebene so miteinander verbindet, dass beiden gleichsam entsprochen wird. Folgende Leitfragen sollen die Arbeit mit einem strukturellen Bezugsrahmen unterfüttern:
Wie können Schüler und Schülerinnen (SuS) eines beruflichen Gymnasiums für die Notwendigkeit der Entwicklung eines (sozialpädagogischen) Handlungskonzeptes vor dem Hintergrund einer gesellschaftlichen Problemstellung mit sozialpädagogischer Handlungsaufforderung sensibilisiert werden? Unterstützt Lernen durch Lehren (Ldl) einen Kompetenzzuwachs bzgl. der Planung und Durchführung und Erstellung eines solchen Handlungskonzeptes? Konstituiert sich die inhaltliche Schwerpunktsetzung bzgl. der Terminologie „Cybermobbing“ im Rahmen eines doppelten pädagogischen Bezugs? Welche Auswahl an Unterrichtsmaterialien, Sozialformen, Methoden und Inhalten ist sinnvoll und notwendig und lässt sich Ldl adäquat bewerten? Ist es sinnvoll, das hier vorgelegte Vorhaben als schulinterne, obligatorische Unterrichtseinheit an der BBS Friedenstraße zu installieren?
Nachdem im ersten Abschnitt dieser Arbeit eine Legitimation des Vorgehens durch curriculare Vorgaben und die Einordnung der Kompetenzbereiche nach APVO-Lehr vorgenommen wird, ergänzt sich der hier vorangestellte Begründungszusammenhang durch die Analyse der Lerngruppen. Der zweite Abschnitt dieser Arbeit konkretisiert das Vorgehen durch einen theoretischen Bezugsrahmen, wobei (fach-)didaktische und theoretische Elemente gleichsam Beachtung finden. Dieser Abschnitt wird durch die Herausarbeitung einer Handlungsaufforderung an die Institution berufsbildende Schule geschlossen, um einen Begründungszusammenhang für die im darauffolgenden Abschnitt zu beschreibende Durchführung der Unterrichtseinheit zu konstruieren. Den Abschluss markieren eine Evaluation der Unterrichtseinheit, sowie die Herausarbeitung (möglicher) Konsequenzen, um die Chancen und Grenzen des Vorhabens fundiert darzustellen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung – Docendo doscimus?
1. Begründungszusammenhang
1.1. Legitimation durch curriculare und schulinterne Vorgaben
1.2 Einordnung bezüglich der Kompetenzbereiche APVO-Lehr
1.3. Analyse der Lerngruppe(n)
2. Theoretischer Bezugsrahmen
2.1. Lernen durch Lehren
2.1.1. Definitorische Merkmale und Grundstruktur des Ldl
2.1.2 Ldl als innovativ-emanzipatorische Didaktik?
2.1.3 Ldl i.S. einer Schülerorientierung
2.1.4 Ldl i.S. einer [sozial-] konstruktivistischen Didaktik
2.1.5 Ldl und der Aufbau von Schlüsselqualifikationen (Kompetenzen)
2.1.6 Ldl i.S. des kooperativen Lernens
2.2 Cybermobbing
2.2.1 Definitorische Merkmale
2.2.2 Auswahl- und Reduktionsentscheidung im Rahmen der Cybermobbing-Workshops
2.2.3 Die konkrete Handlungsaufforderung an Institution Schule
3. Durchführung der Unterrichtseinheit
4. Evaluation der Workshops
4.1 Auswertung der Erhebung „berufliches Gymnasium“
4.2 Auswertung der Erhebung „Berufsfachschule Sozialassistenz – Schwerpunkt Sozialpädagogik“
4.3 Konsequenzen der Evaluation – Chancen und Grenzen des LdL
Abschließende Betrachtung – „Docendo doscimus!“
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Entwicklung und Evaluation eines handlungsorientierten Unterrichtskonzepts zum Thema Cybermobbing, das auf dem Prinzip „Lernen durch Lehren“ (LdL) basiert und für berufsbildende Schulen konzipiert ist. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie Schülerinnen und Schüler für die Entwicklung von Handlungskonzepten bei sozialen Problemstellungen sensibilisiert und dabei durch die Methode LdL in ihrer Fach- und Sozialkompetenz gefördert werden können.
- Didaktische Fundierung der Methode „Lernen durch Lehren“ im berufsbildenden Kontext
- Theoretische Auseinandersetzung mit dem Phänomen Cybermobbing und dessen Erscheinungsformen
- Entwicklung von Interventionsstrategien zur Prävention von Cybermobbing an Schulen
- Analyse und Evaluation der praktischen Umsetzung in verschiedenen Lerngruppen
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Definitorische Merkmale und Grundstruktur des Ldl
Ldl artikuliert sich als „radikale Form der Schüler- und Handlungsorientierung“36, wobei die Implikation wesentlicher Bestandteile des kooperativen Lernens, der (sozial-) konstruktivistischen Didaktik und der Schülerorientierung einer Entfremdung des SuS vom Unterrichtsgegenstand und Lehrerzentriertheit entgegengewirkt. Durch die wesentlichen definitorischen Merkmale des Lernens durch Lehrens nach Martin,
„[…] wenn Schüler einen Lernstoffabschnitt selbstständig erschließen und ihren Mitschülern vorstellen, wenn sie ferner prüfen, ob die Informationen wirklich angekommen sind, und wenn sie schließlich durch geeignete Übung dafür sorgen, dass der neue Stoff verinnerlicht wird, dann entspricht das [idealtypisch] der Methode Lernen durch Lehren.“37
wird das wesentliche (Grund-) Prinzip des Ldl verdeutlicht: Die SuS übernehmen die Rolle des Lehrenden, indem sie fachliche Inhalte sowohl didaktisch als auch methodisch eigenständig aufbereiten und somit Phasen des Unterrichts – hier Workshops – übernehmen, respektive durchführen.38 Auf der Grundlage der Definition von J.P. Martin und dem sich hieraus ergebenden Grundprinzip soll die Methode Ldl i.S. eines konzeptionellen Rahmens die notwendige strukturelle Unterfütterung durch eine didaktische Inhaltsstruktur – respektive Schrittfolge – erfahren.39 Die erste Phase des Ldl – Aneignung von Expertenwissen – forciert eine Auseinandersetzung der SuS mit den zu vermittelnden Inhalten, wobei die Erlangung eines Expertenstatus das grundsätzliche Ziel dieser Phase markiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Begründungszusammenhang: Dieses Kapitel verankert die Unterrichtseinheit in den curricularen Vorgaben und analysiert die Lernvoraussetzungen der beteiligten Lerngruppen.
2. Theoretischer Bezugsrahmen: Hier werden das didaktische Prinzip „Lernen durch Lehren“ sowie das Phänomen Cybermobbing theoretisch hergeleitet und begründet.
3. Durchführung der Unterrichtseinheit: Dieser Abschnitt beschreibt die konkrete methodische Umsetzung und Inhaltsstruktur der Makrosequenz.
4. Evaluation der Workshops: Das letzte Kapitel analysiert die Ergebnisse der durchgeführten Erhebungen und reflektiert Chancen sowie Grenzen des gewählten Ansatzes.
Schlüsselwörter
Lernen durch Lehren, LdL, Cybermobbing, Handlungsorientierung, berufsbildende Schule, Sozialpädagogik, Medienkompetenz, Prävention, Konstruktivismus, Kooperatives Lernen, Unterrichtsevaluation, Handlungskonzepte, Schülerorientierung, Medienverantwortung, Berufsfachschule.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Konzeption und Durchführung einer Unterrichtseinheit zum Thema Cybermobbing an berufsbildenden Schulen unter Anwendung der Methode „Lernen durch Lehren“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die didaktische Methode des LdL, die theoretische Aufarbeitung von Cybermobbing als soziales Phänomen sowie die Entwicklung präventiver Handlungskonzepte für den Schulalltag.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch eine „radikale Schülerorientierung“ die intrinsische Motivation der Schülerinnen und Schüler zu steigern und sie zu befähigen, komplexe sozialpädagogische Problemstellungen eigenverantwortlich zu bearbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode „Lernen durch Lehren“ (LdL) nach Jean-Pol Martin, ergänzt durch Elemente der konstruktivistischen Didaktik und des kooperativen Lernens.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Herleitung des LdL-Prinzips, die Analyse von Cybermobbing-Merkmalen, die Strukturierung der Unterrichtsworkshops sowie die Auswertung der Evaluation durch Schülerfragebögen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Lernen durch Lehren (LdL), Cybermobbing, Handlungsorientierung, Medienkompetenz und sozialpädagogische Handlungsaufforderung.
Wie unterscheidet sich Cybermobbing vom traditionellen Mobbing laut Autor?
Der Autor arbeitet heraus, dass Cybermobbing durch die digitale Distanz und Anonymität gekennzeichnet ist, was zu einer Enthemmung der Täter führen kann und das Opfer durch die ständige Verfügbarkeit des Internets schutzloser lässt.
Welche Rolle spielt die „Medienverantwortung“ in den Workshops?
Medienverantwortung ist ein primäres Lernziel, da erst eine kritische Bewusstheit über das eigene Verhalten im Netz und die Konsequenzen von Cybermobbing zu verantwortlichem Handeln führt.
- Citation du texte
- Henning Paul (Auteur), 2013, Chancen und Grenzen des didaktischen Prinzips Lernen durch Lehren am Beispiel der Planung, Durchführung und Evaluation von Cybermobbingworkshops, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/373134