Menschenrechte. Historischer Kontext und Einflussnahme auf Corporate Social Responsibility von Unternehmen


Hausarbeit, 2017
20 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung
1.1 Relevanz des Themenaspektes
1.2 Ziele und Aufbau

2 Begriffsdefinition
2.1 Menschenrechte
2.2 Corporate Social Responsibility (CSR)

3 Menschenrechte
3.1 Historischer Kontext
3.2 Menschenrechte im wirtschaftlichen Kontext

4 Corporate Social Responsibility
4.1 Bereiche und Instrumente CSR-Konzeptes
4.2 Einfluss der Menschenrechte auf CSR

5 Schlussteil
5.1 Fazit
5.2 Kritische Würdigung
5.3 Ausblick und kritische Faktoren

Quellenverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Relevanz des Themenaspektes

Das Jahr 2010 war für das amerikanische Technologieunternehmen „Apple“ ein ganz besonderes. So wurde allein im vierten Quartal ein Unternehmensgewinn von etwa sechs Milliarden US-Dollar erzielt. Auf der anderen Seite traten etwaige Missstände bei den Zulieferern zu Tage. So erlangte der Apple-Zulieferer Foxconn traurige Berühmtheit, indem 14 Mitarbeiter die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen nicht mehr ertragen konnten und Suizide begannen. Diese Bedingungen bestanden aus erzwungenen massenhaften Überstunden, mangelnden Sicherheitsstandards und vielem mehr.[1] Dies sorgte für einen großen Imageschaden bei Apple, da menschenunwürdigen Zustände akzeptiert wurden, obwohl das Unternehmen milliardenschwere Gewinne erzielte. Apple versuchte den Imageschaden zu begrenzen, indem im Rahmen des Corporate Social Responsibility (CSR) bei den Zulieferern verstärkt auf die Einhaltung einer menschenwürdigen Arbeit geachtet wird.[2] Die Zulieferer von Apple und anderen Elektronikherstellern stellen mit ihren zum Teil menschenrechtsverletzenden Arbeitsbedingungen leider keine Einzelfälle dar. In diesem Zusammenhang leiden vor allem die Arbeiter der Zulieferer von Textilfabriken unter schlechten Arbeitsbedingungen. Dabei kommt es beispielsweise in Pakistan immer wieder zu Bränden, bei welchen etliche Menschen sterben. Erst kürzlich wurde der Textilhersteller KiK aufgrund eines solchen Brandes auf Schadensersatz verklagt. Für das Unternehmen ein PR-Desaster.[3] Allein 23 von 30 DAX-Unternehmen wurden in den vergangenen Jahren Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen.[4]

Dies unterstreicht die immense Relevanz einer Auseinandersetzung von Unternehmen mit diesem Thema. Dass diese Fälle in der breiten Öffentlichkeit auf Abneigung stoßen zeigt, inwiefern ein Bewusstsein für die Menschenrechte besteht. Unternehmen können zumeist nicht mehr ungestraft Arbeiter ausbeuten, da sie mit erheblicher Kritik der Öffentlichkeit rechnen müssen, was zu Umsatzeinbußen bis hin zur Schließung des Unternehmens führen kann. Somit besteht auch für die Unternehmen ein wesentliches Interesse sich mit den Menschenrechten auseinander zu setzen und diese im Rahmen des Corporate Social Responsibilty zu behandeln.

1.2 Ziele und Aufbau

Das Primärziel dieser Ausarbeitung besteht in der Prüfung des Einflusses von Menschenrechten auf Unternehmen im Rahmen des Corporate Social Responsibility. Teilziele bestehen in der Nachverfolgung der Entstehungsweise der Menschenrechte sowie der Darstellung der Instrumente und Bereiche von CSR. Um diese Ziele zu erreichen, ist es notwendig vorab eine begriffliche Transparenz über die Menschenrechte und das Corporate Social Responsibility zu schaffen. Dies wird mit Kapitel 2 vollzogen. Anschließend erfolgt im dritten Kapitel die Auseinandersetzung mit den Menschenrechten, wobei das erste Unterkapitel den Entwicklungspfad nachzeichnet. Das folgende Unterkapitel widmet sich den wesentlichen Inhalten der Menschenrechte. Dementgegen werden mit Kapitel dem 4 im ersten Unterkapitel die Bereiche und Instrumente einer CSR vorgestellt. Darauffolgend wird eine Prüfung der Verbindung von Menschenrechten und CSR unter Verwendung von Beispielen vorgenommen und somit die Ausgangsfrage des Einflusses beantwortet.

Die grundlegende Methodik zur Bearbeitung dieser Ausarbeitung erfolgte in einem dreigliedrigen Aufbau. Auf der ersten Ebene wurde sich ein allgemeiner Überblick über das Themengebiet anhand der Studienbriefe und Aufgabenstellung geschaffen. Während der Bearbeitung erfolgte daraufhin zumeist ein Rückgriff auf die Einführungs- und Fachliteratur zum Themenkomplex. Abschließend wurden zum Verständnis von Aussagen CSR-Berichte angesehen und Internetrecherchen verwendet.[5]

2 Begriffsdefinition

Um die notwendige Transparenz für den weiteren Verlauf zu schaffen, erfolgt in folgenden Unterkapiteln eine Auseinandersetzung mit den maßgeblichen Begriffen der Menschenrechte und des Corporate Social Responsibility.

2.1 Menschenrechte

Der Begriff der Menschenrechte ist keineswegs unumstritten, insbesondere bei näherer Betrachtung der einzelnen Komponente „Menschen“ und „Recht“. Während das Menschsein an sich biologisch definiert ist, bleibt ein Streitpunkt, ab wann das Menschsein beginnt. So bestehen Diskussionen darüber, in welchem Stadium ein Embryo bereits als Mensch anzusehen ist.[6] Besonders zeigt sich dies bei Abtreibungsdebatten. Demgegenüber wird der Begriff Recht von der Stanford University auszugsweise wie folgt definiert: „Rights dominate modern understandings of what actions are permissible and which institutions are just. Rights structure the form of governments, the content of laws, and the shape of morality as it is currently perceived“[7]. In Kombination zeigt sich also, dass Menschenrechte ein Bündel von Normen sind, die für alle Menschen gleichermaßen gelten und keinem moralisch oder positivrechtlich abgesprochen werden können.[8]

2.2 Corporate Social Responsibility (CSR)

Die Definition des Corporate Social Responsibility unterlag seit dem ersten Erscheinen in den 1950er Jahren einigen Veränderungen. In der Ursprungsform waren es Verhaltensempfehlung, welche direkt an die Manager, als natürliche Personen, gerichtet wurden und diese aufforderten ihre Aktivitäten, Ziele und Entscheidungen im Einklang mit den Wünschen der Gesellschaft zu bringen. Daraus ergab sich eine moralische Verantwortungsübernahme freiwilliger Natur.[9] Im weiteren Entwicklungsverlauf des Begriffs wurde die Verantwortung von den Managern weg hin auf die Unternehmung als juristische Person gelegt. Eine der bekanntesten Definitionen wurde von der Europäischen Kommission im Jahre 2011 proklamiert, demnach ist CSR „[…]ein Konzept, das den Unternehmen als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unternehmenstätigkeit und in die Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern zu integrieren“[10]. Da es sich hier um ein Managementkonzept handelt, wird den Unternehmen auch die Verfolgung eigener Ziele zugestanden, also eine Wertschöpfung für die Aktionäre bzw. Eigentümer.[11] Diese Definition wird auch von der Norm DIN ISO 26000 gestützt, die einen freiwilligen Leitfaden zur Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung darstellt.[12] CSR bezeichnet also ein Managementkonzept, bei dem ein Wertzuwachs durch die Berücksichtigung von sozialen und Umweltbelangen erzielt werden soll.

3 Menschenrechte

Nachdem im Vorfeld ein Verständnis zur Begriffsdeutung der Menschenrechte geschaffen wurde, befassen sich die folgenden Unterkapitel mit der Entstehung dieses Normbündels sowie einer Auflistung der wesentlichen Rechte mit Bezug auf Unternehmen.

3.1 Historischer Kontext

Der wohl letzte größere Entwicklungsschritt der Menschenrechte stellte die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ durch die Vereinten Nationen im Jahre 1948 dar, die bis heute das Denken und Handeln im Menschenrechtskontext prägt.[13] Doch bevor es hierzu kommen konnte, waren Jahrhunderte der Entwicklung notwendig. Die Grundsteine wurden bereits in der Antike gelegt, insbesondere durch die griechischen Philosophen Platon und Aristoteles. Diese sahen etwa 500 v.Chr. den Menschen erstmals als Individuum, dessen Erfüllung in der Teilhabe am Staat liegt und in dessen Einklang das vom Menschen geschaffene Recht steht. Allerdings wurde hier noch zwischen Menschen und Sklaven unterschieden. Die Philosophie der Stoa hingegen sah bereits alle Menschen von der Natur heraus als frei und gleich an. Bis in die Neuzeit hinein waren jedoch nur wenige Menschen wirklich frei und unabhängig. Der durch den Einfluss der Stoa und Aristoteles geprägte Thomas von Aquin (etwa 1225-1274) stand für die religiöse Gewissensfreiheit ein. Diese Freiheiten wurden jedoch von dem damals sehr starken Christentum enge Grenzen gesetzt.[14] Der entscheidende Schritt hin zu den Menschenrechten vollzog sich erst im Zeitalter der philosophischen Aufklärung. Hier wurde die Würde des Menschen als einer der Grundsteine der Menschenrechte definiert. Diese bezeichnet die Einzigartigkeit des Menschen gegenüber den Tierwesen. Durch die Trennung des Konzeptes der Menschenwürde von den religiösen Voraussetzungen, war eine Universalität der Würde für alle Menschen geschaffen. Für Immanuel Kant war die Würde ein innerer Wert eines Menschen der die Vernunft begründet und ihn zu einem denkenden Wesen macht. Sie ist somit Kern des moralischen Handelns und der Vernunft.[15] Eine andere bedeutende Persönlichkeit auf dem Weg zu den Menschenrechten war John Locke. In seinen Abhandlungen, die im Jahre 1690 veröffentlicht wurden, postulierte er, dass es bestimmte Rechte gäbe, die Individuen allein aufgrund des Menschseins zustehen. Diese Rechte sind naturgegeben, universell und können nicht aberkannt werden. Locke benannte vor allem die drei Grundrechte auf Leben, Freiheit und Eigentum und legte damit weitere Grundsteine für die Menschenrechte. Diese Grundrechte wurden von Thomas Jefferson aufgegriffen, als dieser seinen Entwurf zur amerikanischen Unabhängigkeitserklärung im Jahre 1776 einbrachte. Sie unterstellte, dass alle Menschen von ihrem Schöpfer gleich geschaffen wurden und alle das Recht auf Leben, Freiheit und Streben nach Glück haben.[16] Jefferson war es auch, der Frankreich bei dem Entwurf der „Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte“ half. Diese sah alle Menschen (was zu dieser Zeit gleichbedeutend mit Männern war) von Geburt an als frei und vor dem Gesetzt gleich an. Weiterhin wurden diverse Rechte wie das Recht auf Eigentum, Presse- und Meinungsfreiheit zugesichert. Im Zuge der französischen Revolution wurde der Menschenrechtsgedanke auch in andere Teile Europas getragen und in den darauffolgenden Jahren und Jahrzenten von vielen Verfassungen aufgenommen.[17] Die, durch den Kapitalismus vorangetriebene, Industrialisierung in der Mitte des 19. Jahrhunderts brachte viel Elend und Armut über die arbeitende Bevölkerung, begünstigt durch die Verdrängung des Staates aus dem Wirtschaftsleben. Um der Ausbeutung der Arbeiter zu begegnen griff der Staat wieder vermehrt in die Wirtschaft ein. So wurden Sozialleistungen und Wohlfahrtsrechte gewährt, die allerdings nicht universell waren. Dies führte zur Debatte über das Eingreifen des Staates in das Wirtschaftsgeschehen.[18] Für die besitzlosen Arbeiter entstand ein neuer Kampf um die Freiheit, Anerkennung gesellschaftlicher Schutzrechte und der Menschenrechte. Karl Marx und Friedrich Engels sahen den Kapitalismus als Hauptursache für die Klassenunterschiede, welche zu einer Verarmung der Arbeiter führen, wobei der Staat dieses Konstrukt noch legitimieren würde. Laut Marx führt das Streben nach Eigentum zwangsweise zur Klassengesellschaft, daher präferierte er eine Vergesellschaftung der Produktionsmittel. Es entstand in diesem Kontext die Idee der sozialen Menschenrechte, welche mit den liberalen Menschenrechten im Konflikt standen. Die Sowjetunion setzte als erster Staat die Ideen von Marx und Engels um. Hier gab es keine Garantie auf herkömmliche Freiheitsrechte, wohl aber auf soziale Grundrechte wie Arbeit, Erholung und Versorgung. Die Rechte galten jedoch nur, solange der Einzelne sich in die soziale Gemeinschaft einfügte. Während des zweiten Weltkrieges wurden von den Nationalsozialisten erhebliche Menschenrechtsverletzungen begangen. Dies führte zu der entschiedensten Auseinandersetzung mit den Menschenrechten der jüngeren Vergangenheit. Der amerikanische Präsident Roosevelt betrachtete bereits 1941 klassische Freiheitswerte mit sozialen Rechtsansprüchen als Grundlage für eine neue Weltordnung.[19] Getragen wurde diese Idee von den Vereinten Nationen, so verweist bereits die UN-Charta von 1945 auf die Achtung der Menschenrechte. Am bedeutendsten ist jedoch wie eingangs dargelegt die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“. Diese wurde 1948 von der UN verabschiedet. Sie enthält einen Kanon von unveräußerlichen Rechten, die Individuen gegenüber dem Staat haben. In ihr sind viele bürgerliche, wirtschaftliche, soziale und politische Rechte aufgezählt. Da diese Erklärung allerdings keinen rechtsverbindlichen Charakter hat, war es notwendig Verträge aufzusetzen, um die rechtliche Umsetzung der Menschenrechte zu gewährleisten.[20] Die relevantesten Verträge die auf dieser Erklärung aufbauen sind die Zwillingspakete von 1966. Die Pakete enthalten einen internationalen Pakt über soziale, wirtschaftliche und kulturelle Rechte sowie einen Pakt über bürgerliche und politische Rechte. Daneben wurden eine Reihe von Verträgen zur Stärkung der Rechte von Frauen und Kinder geschlossen sowie zur Abschaffung von Folter und Sklaverei. Zur Überprüfung der Einhaltung wichtiger Verträge wurden eigene Kommissionen eigesetzt, so z.B. bei der Konvention gegen Rassendiskriminierung, gegen Diskriminierung von Frauen, zum Schutz der Rechte von Menschen mit Behinderungen und vielen mehr.[21] Für die Wirtschaft bedeutend ist zudem die im Jahr 2011 beschlossene Leitlinie für Wirtschaft und Menschenrechte. Bei diesem Konzept besteht eine unternehmerische Verantwortung darin, Menschenrechte zu akzeptieren und diese präventiv zu schützen. Zu diesem Schutz muss das Unternehmen die Menschenrechte über die Einhaltung von Gesetzen und auch über den eigenen Geschäftsaktivitäten hinaus schützen.[22]

Es zeigt sich, dass der Entstehungspfad der Menschenrechte sehr lange und gesäumt von Klassenkämpfen war. So wurde beispielsweise durch die wirtschaftliche Ausbeutung von Arbeiter (bzw. davor Bauern) ein unhaltbarer Zustand geschaffen, auf dessen Boden die Saat der Menschenrechte gedeihen konnte. Somit haben auch Unternehmen eine große Verantwortung zu tragen, indem sie die Menschenrechte schützen und Ausbeutung verhindern sollten.

3.2 Menschenrechte im wirtschaftlichen Kontext

Nach der Darlegung der Historie, werden folgend einige Menschenrechte aufgeführt, die einen wirtschaftlichen Bezug haben und somit Einfluss auf Unternehmen ausüben:

- Recht auf soziale Sicherheit sowie kulturelle, soziale und wirtschaftliche Rechte.
- Das Recht auf freie Berufswahl sowie gerechte Arbeitsbedingungen sowie Schutz vor Arbeitslosigkeit.
- Recht auf eine existenzsichernde Entlohnung, die bei gleicher Tätigkeit für alle gleich ist.
- Recht zur Bildung von Gewerkschaften.
- Recht auf begrenzte Arbeitszeit und Urlaub.
- Das Recht auf einen Lebensstandard, der die Gesundheit und das Wohlergeben der Familie gewährleistet.
- Das Recht auf Bildung sowie Entfaltung der Persönlichkeit.[23]

Diese Rechte dienen vor allem dem Schutz des Arbeitnehmers vor einer Ausbeutung des Arbeitgebers. So kann sich in Gewerkschaften organisiert werden, diese können zu Streiks aufrufen und gerechtere Löhne aushandeln, sodass das Machtgefälle zwischen beiden Parteien kleiner wird. Daneben haben noch weitere Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte indirekten Einfluss auf die Wirtschaft, wie beispielsweise das Verbot der Sklaverei sowie die Freizügigkeit und Auswanderungsfreiheit.[24]

4 Corporate Social Responsibility

Die folgenden Unterkapitel widmen sich den Inhalten des CSR und prüfen, in Bezugnahme auf die vorangegangenen Ausführungen, inwiefern eine Einflussnahme der Menschenrechte besteht, um die Ausgangsfrage dieser Ausarbeitung zu beantworten.

4.1 Bereiche und Instrumente CSR-Konzeptes

Dieses Kapitel dient der weiterführenden Erläuterung über die Inhalte eines CSR-Konzepts, der Fokus wird dabei auf den sozialen Aspekt gelegt. Das CSR betrifft dabei die Gesamtheit der gesellschaftlichen Verantwortung in allen Tätigkeitsbereichen und umschließt somit auch das Corporate Citizenship und Corprorate Governance, welche das Verhältnis des Unternehmens mit der Gesellschaft und den restlichen Stakeholdern betreffen.[25] Die Bereiche des CSR-Konzeptes werden häufig in einer vierstufigen Pyramide dargestellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: CSR-Pyramide (1991)[26]

Die ökonomische Verantwortung als unterste Ebene stellt die Grundlage für die weiteren Ebenen dar, denn der eigentliche gesellschaftliche Nutzen des Unternehmens besteht primär in der Bereitstellung von Gütern und Dienstleistungen. Diesen Nutzen gilt es durch Profitabilität zu erhalten. Die nächste Ebene meint die Einhaltung der Gesetze und staatlichen Regularien. Die ethische Verantwortung geht darüber hinaus und betrifft die Berücksichtigung von Erwartungen, die von der Gesellschaft als moralisch richtig angesehen werden. Die philanthropische Ebene beinhaltet jedes proaktive Engagement des Unternehmens, das dem Wohl der Gesellschaft und der Umwelt dient, von der Gesellschaft aber nicht unbedingt erwartet wird.[27] Um die ethische und philanthropische Verantwortung zu erfüllen, bedienen sich die Unternehmen im Rahmen des CSR unter anderen folgender Instrumente:

- Corporate Volunteering: Meint die Freistellung von Mitarbeitern zur Ausübung von Ehrenämtern, Etablierung von Mentorenprogrammen und vielem mehr. Häufig werden auch Kooperationen mit Instituten eingegangen, um beispielsweise die Entwicklungshilfe voranzutreiben. Auch kann die ethische Auswahl von Vorlieferanten dazugehören.[28]
- Corporate Foundation: Gründung von Unternehmensstiftungen um bspw. zur Gesundheitsforschung beizutragen oder die Arbeitsbedingungen bei Zulieferern zu überprüfen.[29]
- Corporate Giving: Spenden von Unternehmen für ethisch motivierte Zwecke oder Erbringung von kostenlosen Leistungen.[30]
- Cause-Related Marketing: Hierbei wird beim Verkauf eines Produktes mit der Unterstützung für soziale Projekte geworben, indem beispielsweise ein Teil der Verkaufserlöse an wohltätige Institutionen gespendet wird.[31]
- Community Joint Venture: Das Unternehmen arbeitet mit öffentlichen und privaten Partnern sowie Institutionen und Nonprofit-Organisationen zusammen, um ein gemeinsames gesellschaftlich wünschenswertes Ziel zu erreichen. Es bringt dabei Ressourcen und Know-How ein.[32]
- Social Lobbying: Der Einfluss des Unternehmens wird genutzt, um die Ziele von gemeinnützigen Organisationen zu unterstützen.[33]

In den letzten Jahren ist der Fokus der Gesellschaft vermehrt von der philanthropischen Ebene auf die ethische Ebene verschoben. So hat eine Stakeholder-Studie aus 2005 gezeigt, dass den Befragten eine Verantwortungsübernahme für Menschenrechte, Umwelt- und Klimaschutz sowie Gesundheit wichtiger ist, als Sponsoring und Spenden.[34]

4.2 Einfluss der Menschenrechte auf CSR

Dieses Unterkapitel widmet sich des eingangs erwähnten Ziels, der Prüfung des Einflusses von Menschenrechten auf das CSR im Unternehmen, dabei werden die Ausführungen um Praxisbeispiele ergänzt.

Dass ein wesentlicher Einfluss von Menschenrechten auf das CSR besteht zeigt sich unter anderem, indem die vorangegangen Kapitel in einem Kontext verwoben werden. So sind die Menschenrechte oft in die nationalen Gesetze übernommen wurden. In Deutschland wird beispielsweise explizit in Artikel 1 Absatz 2 auf die Menschenrechte als Grundlage einer jeden menschlichen Gemeinschaft verwiesen.[35] Dadurch, dass die zweite Ebene des CSR, die rechtliche Verantwortung, eine unbedingte Einhaltung der Gesetze und staatlichen Regularien beinhaltet, folgt im Umkehrschluss, dass Unternehmen sich an sämtliche Menschenrechte halten müssen. Aber auch über die rechtliche Verantwortung des Unternehmens hinaus besteht ein Einfluss der Menschenrechte auf das CSR des Unternehmens. Wie die Einleitung zeigte, kann auch ein Unternehmen für Menschenrechtsverstöße der Zulieferer in den Augen der Gesellschaft schuldig gesprochen werden. Ein CSR-Ansatz um der Verantwortung für die Zulieferkette zu entsprechen, besteht in regelmäßigen Fabrikkontrollen (sogenannte Sozialaudits), wie sie Apple nach den Vorkommnissen bei Foxconn verstärkt durchführte. Diese Kontrollen führen, gerade bei der Elektro- und Textilindustrie, jedoch häufig nicht zu einer Verbesserung der Zustände.[36] Daneben wird oft auch ein Verhaltenskodex erstellt, der dann den Zulieferern vorgegeben wird. In diesem finden sich Punkte wie der Verbot von Zwangs- und Kinderarbeit, eine Regulierung der Arbeitszeit, angemessener Arbeitsschutz, menschenwürdige Behandlung und viele mehr. Die Einhaltung des Verhaltenskodex unterliegt ebenfalls einer Überprüfung durch den Käufer.[37]

Somit stehen auch die ethische und philanthropische Verantwortung unter dem Einfluss der Menschenrechte. Dies auch, wenn ein Unternehmen im Rahmen des Corporate Volunteering Mitarbeiter für die Entwicklungshilfe in Afrika freistellt. So wird dem Mitarbeiter ermöglicht sich zu entfalten und im Rahmen seiner Moralvorstellung zu handeln. Es wird die Situation der Menschen in den Entwicklungsländern verbessert und für diese so vielleicht ein Leben unter dem Schutz der Menschenrechte ermöglicht. Auch bei anderen CSR-Projekten wirken die Menschenrechte. So startete das Unternehmen BMW mit der Stadt München, der Verkehrswacht und –polizei ein Projekt zur Verkehrssicherheit. Dabei werden jährlich schulindividuelle sichere Wegepläne an die Schulkinder verteilt, wobei BMW die Kosten trägt und Räumlichkeiten bereitstellt. Die Eltern sollten dann diese Wege mit ihren Kindern einüben. Das erklärte Ziel ist es, eine höhere Schulwegsicherheit zu erreichen. Dies hat dazu beigetragen, dass München auf den oberen Plätzen der Schulwegsicherheit rangiert.[38] Dieses freiwillige Projekt dient dem Schutz der Kinder und steht somit auch in Verbindung mit den Menschenrechten. Ein weiteres Projekt wurde von der Marriott-Hotelkette ins Leben gerufen, vor dem Hintergrund, dass gerade auch die Tourismusbranche sich häufig mit Vorwürfen der Menschenrechtsverletzung konfrontiert sieht. Dies betrifft vor allem das Recht auf einen angemessenen Lebensstandard und auf menschenwürdige Arbeit.[39] Das Projekt „spirit to serve our community“ setzt an diesem Punkt an, indem es in einem aktiven Verhältnis zu Nonprofit-Organisationen steht und auch bei der Lieferantenauswahl streng auf die Einhaltung der Menschenrechte besteht. Des Weiteren stellt das Unternehmen Ressourcen und Geldmittel für den Bau sozialer Wohnungen zur Verfügung und spendet Lebensmittel an Bedürftige.[40] Darüber hinaus hat die EU in 2014 eine Richtlinie verabschiedet, die größere Unternehmen ab 2017 dazu zwingt, einen Bericht über ihre CSR-Aktivitäten zu erstatten. Neben Umwelt- und Sozialbelangen sollen darin auch explizit die Aktivitäten zur Achtung der Menschenrechte bzw. Vermeidung von Menschenrechtsverletzungen aufgeführt werden.[41] Viele Unternehmen veröffentlichen diesbezüglich bereits zyklische Berichte, da die Transparenz in den CSR-Aktivitäten häufig auch als Marketinginstrument verwendet werden kann, so werden beispielsweise die CSR-Auftritte der Unternehmen in einem öffentlich einsehbaren Ranking bewertet.[42]

Die vorig skizzierten Schnittmengen zwischen CSR und Menschenrechten zeigen, welch immensen Einfluss die Menschenrechte auf die Aktivitäten im Rahmen des CSR von Unternehmen haben. Diese können nicht mehr einfach über Menschenrechtsverletzungen die von ihnen oder ihren Sublieferanten begangen werden hinwegsehen, da sie einen starken Imageschaden erwarten müssen, der mit einem drastischen Rückgang der Nachfrage einhergeht.

[...]


[1] Vgl. Grinsted (2011)

[2] Vgl. Apple (2017)

[3] Vgl. Zeit Online (2016)

[4] Vgl. Koenigs (2016)

[5] Um den Lesefluss zu erleichtern, wurde in dieser Arbeit auf eine geschlechtergerechte Sprache verzichtet.

[6] Vgl. Krumbein (2014), S. 71

[7] Vgl. Stanford Encyclopedia of Philosophy (2015)

[8] Vgl. Liedhegener; Werkner (2010), S. 10

[9] Vgl. Fifka (2017), S. 4

[10] Vgl. Europäische Kommission (2011)

[11] Vgl. Fifka (2017), S. 5

[12] Vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2011)

[13] Vgl. Lenhart; Druba; Batarilo (2006), S. 12

[14] Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (2008)

[15] Vgl. Krummbein (2014), S: 79

[16] Vgl. Dupré (2010), S. 16 f.

[17] Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (2008)

[18] Vgl. Dupré (2010), S. 18

[19] Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (2008)

[20] Vgl. Sommer; Stellmacher (2009), S. 13 ff.

[21] Vgl. ebd., S. 16 ff.

[22] Vgl. Hagemann (2016), S. 3

[23] Vgl. Sommer; Stellmacher (2009), S. 15

[24] Vgl. ebd.

[25] Vgl. Pollhammer; Meixner (2017), S. 13f.

[26] In Anlehnung an Carrol (1991)

[27] Vgl. Van Doung Dinh (2011), S. 15 f.

[28] Vgl. Vedder; Krause (2014), S. 66

[29] Vgl. Münstermann (2007), S. 48

[30] Vgl. Dresewski; Koch (2011), S. 455

[31] Vgl. ebd., S. 456

[32] Vgl. Krüger (2011), S. 304

[33] Vgl. Dresewski; Koch (2011), S. 457

[34] Vgl. Curbach (2009), S. 25

[35] Vgl. Grundgesetz (2014)

[36] Vgl. Burckhardt (2013), S. 11 f.

[37] Vgl. Singh (2013), S. 108 f.

[38] Vgl. BMW (2013)

[39] Vgl. Baumgartner (2017), S. 37 f.

[40] Vgl. Marriott (2009)

[41] Vgl. Deutscher Bundestag (2017)

[42] Vgl. NetFederation (2016)

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Menschenrechte. Historischer Kontext und Einflussnahme auf Corporate Social Responsibility von Unternehmen
Hochschule
AKAD University, ehem. AKAD Fachhochschule Stuttgart
Veranstaltung
UFU63
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
20
Katalognummer
V373345
ISBN (eBook)
9783668510548
ISBN (Buch)
9783668510555
Dateigröße
1013 KB
Sprache
Deutsch
Reihe
Aus der Reihe: e-fellows.net stipendiaten-wissen
Schlagworte
Menschenrechte, CSR, Corporate Social Responsibility, CSR-Pyramide, Corporate Volunteering, Corporate Sponsoring, Corporate Giving, Corporate Foundation, Cause-Related Marketing, Community Joint Venture, Social Lobbying, Allgemeine Erklärung der Menschenrechte
Arbeit zitieren
Marco Herz (Autor), 2017, Menschenrechte. Historischer Kontext und Einflussnahme auf Corporate Social Responsibility von Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/373345

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