Die Prohibition und ihre Folgen. Über die Stigmatisierung der Cannabiskonsumenten in der deutschen Gesellschaft


Hausarbeit, 2017
13 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gesellschaftliche Reaktionen gegenüber Cannabiskonsumenten

3. Zusammenhang zwischen Prohibition und gesellschaftlicher Reaktion

4. Erving Goffmans Theorie des Stigmas

5. Stigmatisierung der Cannabiskonsumenten

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang

1. Einleitung

Die folgende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Prohibition[1] von Cannabis und der damit verbundenen Stigmatisierung der KonsumentInnen in der deutschen Gesellschaft. Eine Stigmatisierung ist „die Situation des Individuums, das von vollständiger sozialer Akzeptierung ausgeschlossen ist.“ (Goffman 1967: 7)

Ziel der Hausarbeit ist es, mit der Theorie von Erving Goffman (1967): „Stigma. Über Techniken der Bewältigung beschädigter Identität“ zu analysieren, wie es zu einer Stigmatisierung von CannabiskonsumentInnen kommt und ob die Prohibition dabei eine entscheidende Rolle spielt. Des Weiteren soll gezeigt werden, wie sich die Stigmatisierung auf das Verhalten der KonsumentInnen auswirkt. Letztendlich soll folgende Frage beantwortet werden: Wie zeigt sich die soziale Ausgrenzung durch die Prohibition am Beispiel der KonsumentInnen von Cannabis?

Für dieses Vorhaben wird zunächst erläutert, wie die gesellschaftlichen Reaktionen gegenüber den KonsumentInnen aussehen (vgl. Kapitel 2.1) und inwiefern die gesellschaftliche Reaktion mit der Prohibition zusammenhängt (vgl. Kapitel 2.2). Daraufhin wird die Theorie von Erving Goffman: „Stigma. Über Techniken der Bewältigung beschädigter Identität“ erklärt (vgl. Kapitel 2.3). Abschließend wird analysiert, ob tatsächlich eine Stigmatisierung durch die Prohibition auf CannabiskonsumentInnen zutrifft und wie stark sich diese auf das Konsumverhalten und auch das allgemeine Verhalten der KonsumentInnen in der Gesellschaft auswirkt (vgl. Kapitel 2.4).

Das Thema wurde zum einen gewählt, weil es gerade aktuell ist, denn nach den aktuellsten Erkenntnissen „scheinen Prävention und Therapie […] zunehmend erfolgsversprechender zu sein als Verbot und Kontrolle.“ (Lessman 2017: 5) Zum anderen um aufzuzeigen, dass gerade durch die Prohibition die KonsumentInnen eine soziale Ausgrenzung spüren, die sie gegebenenfalls noch mehr beeinträchtigt, als der Konsum selbst (vgl. Thabe 1997: 174).

2. Gesellschaftliche Reaktionen gegenüber Cannabiskonsumenten

In diesem Teil der Hausarbeit wird die Einstellung der Bevölkerung gegenüber des Gebrauchs von Cannabis erläutert. Dafür werden zunächst die Wahrnehmung der Gefährlichkeit und die Rechtfertigung für den Gebrauch von Cannabis der deutschen Gesellschaft gegenüber der KosumentInnen dargestellt.

Warum der Bevölkerungseinstellung gegenüber den KonsumentInnen eine große Bedeutung beigemessen werden kann, begründet Reuband durch drei Aspekte: Erstens steht die Einstellung gegenüber Drogen im Zusammenhang mit der Nachfrage, denn je positiver die Droge wahrgenommen wird, desto aussichtsreicher sind die Voraussetzungen für den eigenen Konsum. Zweitens ist die vorherrschende Einstellung der Bevölkerung von Bedeutung, da sie den Verlauf einer sozialen Abweichung, also in diesem Fall den Gebrauch von Cannabis, mit zu beeinflussen scheint. Drittens ist auch zu betrachten wie sehr sich die Gesetzgebung im Normensystem der Bevölkerung widerspiegelt. (Vgl. Reuband 1992: 116)

Um auf die genannten Punkte einzugehen, greift Reuband auf Umfragebefunde des Eurobarometer Nr. 32 aus dem Jahre 1989 zurück, die die Wahrnehmung der Gesamtbevölkerung von Gesundheitsrisiken des Gebrauchs von Cannabis widerspiegeln. Zu beachten ist hierbei, dass die Wahrnehmung mit der Formulierung der Droge abweicht (vgl. ebd.: 117). Um die Frage nach der Wahrnehmung der Gefährlichkeit von Cannabis beantworten zu können, ist es also von Wichtigkeit zu wissen, welcher Begriff für Cannabis in der Umfrage benutzt wird (vgl. ebd.: 118). In der Umfrage werden die Begriffe Cannabis, sowie Marihuana benutzt und ergeben, dass 85 Prozent der deutschen Bevölkerung den Gebrauch von Cannabis für gefährlich einschätzen, während es bei Marihuana nur 65 Prozent sind (vgl. ebd.: 118f.). Des Weiteren stützt sich Reuband auf die Studie vom Sekretariat der Internationalen Werte-Studie, welche die Anteile der deutschen Gesamtbevölkerung ermittelt, die der Meinung sind, dass der Cannabisgebrauch unter keinen Umständen gerechtfertigt ist. Es handelt sich hierbei um eine Wiederholungsbefragung aus den Jahren 1981 und 1990. Sie ergeben, dass im Jahr 1981 86 Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung den Gebrauch für nicht gerechtfertigt ansehen. Bei der Umfrage im Jahr 1990 beträgt der prozentuale Anteil nur noch 82 Prozent. Die Statistik zeigt zwar, dass in den knapp zehn Jahren die Einstellung zum Cannabisgebrauch etwas liberaler geworden ist, aber von einer Tolerierung kann trotzdem nicht gesprochen werden. (Vgl. ebd.: 120) Es ist allerdings auch wichtig zu betrachten, welches Bild die Gesellschaft von abhängigen KonsumentInnen hat (vgl. ebd.: 128). Dazu wird näher in Kapitel 2.4 eingegangen.

Bei einer aktuelleren ähnlichen Studie aus dem Jahr 2012, (siehe Anhang) wird die deutsche Bevölkerung befragt, für wie schlimm sie es hält, wenn jemand mehrmals die Woche Cannabis raucht (vgl. Gesis 2012). Sie ergibt, dass 64,1 Prozent der Bevölkerung den mehrmaligen Konsum in der Woche für schlimm hält. Demnach kann auch heute noch nicht von einer Tolerierung gesprochen werden. Die Statistiken machen deutlich, dass die Droge Cannabis im größten Teil der Bevölkerung als nicht positiv wahrgenommen wird, was nach Reuband eine schlechte Voraussetzung für den Konsum ist (vgl. Reuband 1992: 116)

3. Zusammenhang zwischen Prohibition und gesellschaftlicher Reaktion

Nachdem die Wahrnehmung der Gefährlichkeit und die Meinung der Gesellschaft, inwiefern der Konsum gerechtfertigt ist, dargestellt wurde, wird nun erklärt, in welcher Art und Weise ein Zusammenhang zwischen der Prohibition und der gesellschaftlichen Reaktion besteht und welche Auswirkung die Prohibition auf die KonsumentInnen hat.

Nach Thabe hat die Prohibition zur Folge, dass es keine Qualitätskontrolle, keine Aufklärung und keinen Schutz gegenüber der KonsumentInnen gibt (vgl. Thabe 1997: 173f.). In vielen Fällen zwingt die Prohibition die KonsumentInnen zu ordnungswidrigen Handlungen, die auch NichtkonsumentInnen schädigen. Dies hat wiederum zur Folge, dass die Prohibition ein erhöhtes Gesundheitsrisiko darstellt und eine soziale Diskriminierung auslöst, welche sich durch Vereinzelung der Betroffenen kenntlich macht. Verstärkt wird die Vereinzelung unter anderem noch durch Polizeieinsätze und unterdrückende soziale Betreuungsverhältnisse. Auf das Gesundheitssystem hat die Prohibition auch ihre Auswirkungen, denn häufig werden die KonsumentInnen als schwierige PatientInnen wahrgenommen, was dazu führt, dass sie aus der normalen Versorgung ausgegrenzt werden. (Vgl. ebd.: 175)

„Die Kritik an der gegenwärtigen praktizierten Drogenverfolgung und Ausgrenzung Süchtiger ist vielfältig und reicht von verfassungsrechtlichen Bedenken bis zur konkreten Anklage der Verletzung grundlegender Menschenrechte.“ (ebd.)

Da die Kritik an der Drogenverfolgung vielfältig ist, kommt die Frage auf, worin der Zusammenhang zwischen der gesellschaftlichen Reaktion und der Prohibition besteht. Nach Reuband müssen die Risikowahrnehmung des Cannabisgebrauchs und die gesellschaftliche Reaktion darauf nicht notwendigerweise parallel verlaufen, was bedeutet, dass sich mit der Gefährlichkeit der Droge nicht gezwungenermaßen das Verlangen des Strafens erhöht. KonsumentInnen werden zwar oft für Kranke gehalten, deren Konsum mit Risiken verbunden ist, aber dennoch muss dies nicht heißen, dass der Konsum streng bestraft werden muss. Tatsächlich besteht ein Zusammenhang zwischen der Risikowahrnehmung und dem Strafbedürfnis in Deutschland, denn zwischen den Jahren 1982 und 1987 steigt die Wahrnehmung des Cannabisrisikos an, gleichzeitig sinkt jedoch das Bedürfnis den Konsum zu bestrafen. (Vgl. Reuband 1992: 124)

Wie oben erwähnt, zeigen die Statistiken deutlich, dass der Cannabisgebrauch im Großteil der deutschen Bevölkerung negativ wahrgenommen wird. Des Weiteren wird ersichtlich, dass ein Zusammenhang zwischen der gesellschaftlichen Reaktion und der Prohibition besteht, insbesondere bei der gesellschaftlichen Reaktion in Bezug auf die Risikowahrnehmung. „In der Tat läßt (sic!) sich für die Bundesrepublik zeigen, daß (sic!) Risikowahrnehmung und Strafbedürfnis […] zu jedem Befragungszeitpunkt korrelieren“ […] (ebd.), was bedeutet, dass je größer die Risikowahrnehmung der Gesellschaft gegenüber Cannabis ist, desto weniger will sie, dass der Konsum bestraft wird.

Nachdem die wesentlichen Aspekte der gesellschaftlichen Reaktion gegenüber CannabiskonsumentInnen aufgeführt wurden, wird als Nächstes näher darauf eingegangen, wie es zu einer Stigmatisierung dieser kommt und welche Auswirkungen sie auf die KonsumentInnen hat. Zum Verständnis wird im folgenden Kapitel die Stigmatheorie Goffmans wiedergegeben.

4. Erving Goffmans Theorie des Stigmas

Im ersten Hauptkapitel über Stigma und soziale Identität sagt Goffman, dass die Gesellschaft zur Kategorisierung des Einzelnen die Mittel schafft (vgl. Goffman 1967: 9-56). Dies wird dadurch deutlich, dass die Gruppen unter den Einzelnen mit Eigenschaften ausgestattet werden, die es ermöglichen, dass jede Kategorie als natürlich empfunden wird. Die Eigenschaften, die vom Einzelnen als gewöhnlich wahrgenommen werden, werden von sozialen Institutionen etabliert. Wie ein Mitglied einer sozialen Kategorie zu sein hat, zeigt einem die „virtuale soziale Identität“ (ebd.: 10), während die „aktuale soziale Identität“ (ebd.) aufzeigt, wie die Person tatsächlich von Außenstehenden gesehen wird, also welche Eigenschaften die entsprechende Person tatsächlich besitzt. Eine Person, die ein „Stigma“ (ebd.: 11) trägt, ist also diejenige, die eine Kluft zwischen der virtualen und der aktualen sozialen Identität aufweist. Es gibt verschiedene Typen des Stigmas, wie beispielsweise individuelle Charakterfehler, zu denen Goffman unter anderem das Suchtverhalten zählt. Weitere Typen sind physische Deformationen und phylogenetische Stigmata, mit denen die Zugehörigkeit der Rasse, Nation und Religion gemeint ist. Trotz der Unterschiedlichkeit dieser Typen, haben sie ein Phänomen gemeinsam:

[...]


[1] Meint die Illegalisierung von Drogen (vgl. Thabe 1997: 174)., in dieser Hausarbeit die von Cannabis

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Prohibition und ihre Folgen. Über die Stigmatisierung der Cannabiskonsumenten in der deutschen Gesellschaft
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Veranstaltung
Einführung in den B.A. Sozialwissenschaften
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
13
Katalognummer
V373374
ISBN (eBook)
9783668520387
ISBN (Buch)
9783668520394
Dateigröße
585 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konsum, Drogen, Gesellschaft, Stigma, Goffman, Erving, Cannabiskonsum, Mariuhanakonsum, Drogenkonsum, Prohibition, Verbot, Soziologie, Drogenpolitik
Arbeit zitieren
Jan-Peter Schütz (Autor), 2017, Die Prohibition und ihre Folgen. Über die Stigmatisierung der Cannabiskonsumenten in der deutschen Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/373374

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