Der Versorgungsprozess mit Medikalprodukten und ihre controlling-basierten Optimierungspotenziale für die Logistik

Eine explorative Fallstudie innerhalb der Main-Kinzig-Kliniken


Masterarbeit, 2017
128 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Vorwort
2
Vorwort
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der umfassenden Analyse der Medikalprodukte-
Logistik und deren Messbarkeit. Durch meine Tätigkeit in einem Krankenhaus in kommu-
naler Trägerschaft seit nun mehr als zwölf Jahren, habe ich einen guten Einblick in die
Prozesse des Krankenhauses. Neben der Personalverantwortung für die Bereiche Einkauf
und Medikallager haben mich vor allem die noch vorhandenen Potenziale in dem genann-
ten Prozess motiviert, dieses Thema für meine Master-Thesis zu wählen. Diese ist im Rah-
men meines Health Care Management ­ Studiums an der Salzburg Management Business
School entstanden.
Die durchgeführte Fallstudie beinhaltet vielfältige Informationen über meinen Arbeitgeber,
den Main-Kinzig-Kliniken gGmbH in Gelnhausen, weshalb diese Ausarbeitung einem
Sperrvermerk unterliegt.
Ich habe die Struktur der Master-Thesis sowie die Forschungsfrage in Abstimmung mit mei-
nem Betreuer Herrn Prof. Dr. Martin Kreeb ausgearbeitet. Diesem gilt mein besonderer
Dank für die stete Verfügbarkeit sowie die hilfreichen Anregungen bei Fragen oder Proble-
men im Rahmen der Ausarbeitung.
Weiterhin möchte ich meinen Vorgesetzten, dem Geschäftsführer Herrn Dieter Bartsch und
seinem Stellvertreter Herrn Ralph Ries danken, die mir einen gewissen Freiraum für die
Erstellung dieser Master-Thesis im meinem Arbeitsalltag ermöglicht haben.
Ganz besonders möchte ich meiner Frau danken, die mir in besonderer Weise den Rücken
im familiären Umfeld frei hielt, um auch zuhause die Ausarbeitung meiner Master-Thesis
weitervoran bringen zu können. Durch die genannten Unterstützungen war es mir möglich
diese Arbeit in einem Zeitraum von etwa vier Monaten zu erstellen.
Jörg Karnelka
Birstein, 23.12.2016

Inhaltsverzeichnis
5
Inhaltsverzeichnis
Vorwort... 2
Inhaltsverzeichnis... 5
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis ... 7
1. Einleitung ... 8
1.1.
Aktuelle Situation im deutschen Gesundheitswesen... 8
1.2.
Aktuelle Situation in den Main-Kinzig-Kliniken... 10
1.3.
Problemstellung ... 11
1.4.
Forschungsfrage... 12
1.5.
Ziel der Untersuchung und Aufbau der Arbeit ... 13
2. Forschungsdesign ... 16
2.1.
Methodische Vorgehensweise ... 17
2.2.
Forschungsmethoden... 18
2.2.1.
Online-Befragung... 19
2.2.2.
Expertenbefragung ... 21
2.2.3.
Beobachtung (Hospitationen)... 23
2.2.4.
Fallstudie als ganzheitliche Forschungsmethode ... 24
2.3.
SWOT-Analyse ... 25
3. Grundlagen der Krankenhauslogistik ... 29
3.1.
Begriffsbestimmung... 29
3.2.
Bereiche der Krankenhauslogistik... 31
3.3.
Ziele der Krankenhauslogistik ... 34
3.4.
Besonderheiten der Krankenhauslogistik ... 34
3.5.
Bedeutung der Transportlogistik ... 35
4. Lagerhaltung und Medikalprodukte-Logistik ... 37
4.1.
Lagerhaltungsmodelle im Krankenhaus... 37
4.2.
Definition von Medikalprodukten ... 39
4.3.
Allgemeine Versorgungsstrategien Medikalprodukte ... 41
4.4.
Versorgungsprozess mit Medikalprodukten... 43
4.4.1.
Zentrallagerversorgung ... 43

Inhaltsverzeichnis
6
4.4.2. Konventionelle Bereichsversorgung ... 44
4.4.3. Modulversorgung ... 46
4.5.
Zielkonflikte in der Medikalproduktelogistik... 47
5. Krankenhauscontrolling und dessen Instrumente ... 49
5.1.
Grundlagen des Controllings ... 49
5.2.
Ziele und Aufgaben und Krankenhauscontrollings ... 50
5.3.
Beschaffungs- und Sachkostencontrolling ... 51
5.4.
Instrumente und Kennzahlen in der Medikalprodukte-Logistik ... 52
5.5.
Benchmarking ... 54
6. Fallstudie Main-Kinzig-Kliniken... 56
6.1.
Literatur ... 57
6.2.
Online-Befragung... 59
6.3.
Ergebnisse der Expertenbefragung ... 65
6.4.
Externe Hospitationen ... 71
6.5.
Ist-Analyse Main-Kinzig-Kliniken ... 74
6.5.1. Ist-Analyse der Medikalprodukte-Logistik ... 75
6.5.1.1. Bedarfsanforderung ... 76
6.5.1.2. Bestellung der Medikalprodukte ... 77
6.5.1.3. Lagerhaltung und Kommissionierung... 78
6.5.1.4. Transport ... 82
6.5.1.5. Verräumung der Medikalprodukte in dezentralen Lagern ... 84
6.5.1.6. Verbrauch / Struktur der Stations- und Funktionsbereichslager ... 84
6.5.2. Ist-Analyse der Controlling-Instrumente ... 85
6.6.
SWOT-Analyse ... 88
7. Handlungsempfehlung ... 90
8. Fazit ... 103
Literaturverzeichnis...
...
...106
Anhang 1 ­ Befragungsleitfaden Expertenbefragung ... 111
Anhang 2 ­ Fragenkatalog & Struktur der Online-Befragung ... 113
Anhang 3 ­ Ergebnisse der Online-Befragung ... 116

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
7
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
Abbildungen
Abbildung 1: Beschäftigte im Gesundheitswesen... 9
Abbildung 2: Subsysteme der Krankenhauslogistik... 12
Abbildung 3: Aufbau der Master-Thesis... 15
Abbildung 4: SWOT-Analyse Matrix... 28
Abbildung 5: Darstellung der logistischen Infrastruktur im Krankenhaus ... 30
Abbildung 6: medizinischer Behandlungsprozess ... 31
Abbildung 7: Berufsgruppen im Krankenhaus nach Kostenvolumen ... 32
Abbildung 8: Medizinproduktesegmente im Überblick ... 41
Abbildung 9: Prozessdarstellung in der Zentrallagerversorgung... 44
Abbildung 10: Ablauf und organisatorische Einbund der Versorgung... 47
Abbildung 11: Zielkonflikte der Medikalproduktelogistik ... 48
Abbildung 12: Arten von Benchmarking... 55
Abbildung 13: eingesetztes System in der Bestellung der Medikalprodukte... 62
Abbildung 14: geplante Änderungen in der Medikalprodukte-Versorgung... 64
Abbildung 15: Stufen des Medikalprodukte-Logistikprozesses ... 75
Abbildung 16: Prozessdarstellung Standort Gelnhausen ... 75
Abbildung 17: Prozessdarstellung Standort Schlüchtern... 76
Abbildung 18: Strategien der SWOT-Analyse-Matrix ... 89
Tabellen
Tabelle 1: Inhalt der Online-Umfrage ... 60
Tabelle 2: Zufriedenheit im Medikalprodukte-Prozess nach Berufsgruppe... 63
Tabelle 3: interne SWOT-Analyse... 88
Tabelle 4: externe SWOT-Analyse... 89
Tabelle 5: Maßnahmenkatalog zur Prozessoptimierung ... 100
Tabelle 6: Kennzahlen des Medikalprodukte-Berichtswesens . ...101

1 Einleitung
8
1. Einleitung
1.1. Aktuelle Situation im deutschen Gesundheitswesen
Die deutsche Gesundheitswirtschaft ist eine dynamische Wirtschaftsbranche mit hoher
Innovationskraft und erheblicher ökonomischer Bedeutung für den Standort Deutsch-
land.
1
Gleichauf mit anderen internationalen Gesundheitssystemen steht auch das deutsche
Gesundheitswesen vor vielfältigen Herausforderungen. Neben der rasanten medizin-
technischen Entwicklung, dem medizinischen Fortschritt und den damit verbundenen
Kostensteigerungen ist die Bewältigung des demographischen Wandels die wohl größte
Herausforderung.
Aus Sicht der Krankenhäuser gilt dies in zweierlei Hinsicht. Einerseits führt eine zuneh-
mende Überalterung der Gesellschaft zu einer Steigerung der Nachfrage nach Gesund-
heitsleistungen aufgrund des überproportionalen Anstiegs an altersbedingten Erkran-
kungen wie Schlaganfällen oder Tumorerkrankungen sowie
Multimorbiditäten
2
. Auf der
anderen Seite bedeuten rückläufige Geburtenzahlen einen einhergehenden Bevölke-
rungsrückgang und einen damit verbundenen perspektivischen Fachkräftemangel für die
gesteigerte Nachfrage.
3
Die deutschen Krankenhäuser sehen sich neben der demografischen Entwicklung auch
mit den gesteigerten Qualitätsanforderungen der Patienten konfrontiert. Dies bezieht
sich nicht nur auf die qualitativ hochwertige medizinische Versorgung, sondern zielt im-
mer mehr auch auf einen Hotel-ähnlichen Charakter der Serviceleistungen ab.
Diese Rahmenbedingen haben in der Vergangenheit zu einem kontinuierlichen Anstieg
der Ausgaben im Gesundheitswesen geführt. Die Gesundheitsausgaben betrugen im
Jahr 2014 knapp 328 Milliarden Euro. Dies entspricht 11,2 Prozent des Bruttoinlandpro-
duktes oder pro Einwohner Gesundheitsausgaben in Höhe von 4.050 Euro.
4
Betrachtet
man die Ausgabenentwicklung seit dem Jahr 2000, gab es eine Steigerung von 114,1
Milliarden Euro. Dies entspricht einem Anstieg von 53,4 Prozent.
Nicht unerwähnt bleiben sollte bei diesen Zahlen auch die gleichwohl einhergehende
Steigerung der Lebensqualität und Lebenserwartung der Bevölkerung.
5
1
Bundesministerium für Gesundheit (2016)
2
Multimorbidität bezeichnet die Mehrfacherkrankung einer einzelnen Person, die vermehrt bei
älteren Patienten vorzufinden ist.
3
Vgl. Herrmann (2016) S. 1
4
Vgl. Statistisches Bundesamt (2016)
5
Vgl. Herrmann (2016) S. 2

1 Einleitung
9
Das Gesundheitswesen ist darüber hinaus noch ein wichtiger Arbeitsmarkt in Deutsch-
land. Die nachfolgende Grafik zeigt die Entwicklung der Beschäftigten in diesem Dienst-
leistungssektor. Im Jahr 2014 waren dies etwas mehr als 5,2 Millionen Menschen.
Abbildung 1: Beschäftigte im Gesundheitswesen
6
Die reformtechnischen Rahmenbedingungen gelten als weitere Herausforderung für die
Akteure im Gesundheitswesen. Für die Krankenhäuser war die Einführung des Fallpau-
schalengesetzes im Jahr 2002 und die damit einhergehende Veränderung der Vergü-
tung hin zu einem diagnosebasierten Fallpauschalensystem eine Zäsur, hin zu einem
größeren Wettbewerb im Krankenhaussektor.
7
Diese Umstellung auf eine leistungsori-
entierte Vergütung in kostenhomogenen Fallgruppen, den sogenannten Diagnosted Re-
lated Groups (DRG), startete im Jahr 2003. Im Jahr 2010 war die Angleichung der kran-
kenhausindividuellen
Basisfallwerte
8
hin zu einem Bundesland-einheitlichen Basisfall-
wert abgeschlossen.
Dies bedeutet neue Aufgaben für das Krankenhausmanagement, weg von einer ur-
sprünglich auf längerer Verweildauer fixierte Patientensteuerung. Effiziente Prozesse
und Kostentransparenz sind hierbei entscheidende Erfolgsfaktoren.
Im Rahmen meiner Master-Thesis soll der Versorgungsprozess mit Medikalprodukten
und deren Optimierungspotenziale am Beispiel der Main-Kinzig-Kliniken verdeutlicht
werden.
6
Statista ­ Das Statistik-Portal (2016)
7
Vgl. Herrmann (2016) S. 6
8
Der Basisfallwert ist eine Rechengröße, mit der ein stationärer Krankenhausfall in Deutschland
abgerechnet wird. Dieser wird pro Bundesland einheitlich zwischen Krankenhausgesellschaft
des Bundeslandes und Spitzenverband der Krankenkassen verhandelt. Der Erlös pro stationä-
rem Fall berechnet sich aus der Multiplikation von Basisfallwert und Kostengewicht (DRG-Fall-
schwere).

1 Einleitung
10
1.2. Aktuelle Situation in den Main-Kinzig-Kliniken
Die Main-Kinzig-Kliniken sind aus dem Zusammenschluss der ehemaligen Eigenbe-
triebe der Kreiskrankenhäuser Gelnhausen, Schlüchtern und Bad Soden-Salmünster im
Jahr 1997 in der Rechtsform einer gemeinnützigen GmbH entstanden. Alleiniger Gesell-
schafter ist der Main-Kinzig-Kreis.
9
Mittlerweile findet die ambulante und stationäre Versorgung an den beiden Standorten
Gelnhausen und Schlüchtern statt. Ziel der Kliniken ist eine qualitätsorientierte sowie
wohnortnahe Versorgung der Bewohner des mittleren und östlichen Main-Kinzig-Krei-
ses. Mit insgesamt 2.100 Mitarbeitern werden in knapp 800 Betten an beiden Standorten
die Patienten mit einem umfassenden diagnostischen und therapeutischen Spektrum
versorgt. An beiden Standorten wurden 2015 insgesamt etwa 31.900 Patienten stationär
und teilstationär behandelt.
10
Außerdem nahmen 108.000 Menschen eine ambulante
Behandlung in Anspruch.
Das Thema Ausbildung nimmt in den Main-Kinzig-Kliniken einen enormen Stellenwert
ein. In der Akademie für Gesundheit werden neben der Ausbildung von Gesundheits-
und Kinderkrankenpflegerinnen und -pflegern auch Krankenpflegehelfer sowie Operati-
onstechnische Assistenten ausgebildet. Die kaufmännische Ausbildung wird ebenfalls
angeboten. Als akademisches Lehrkrankenhaus nehmen die Kliniken an der studenti-
schen Ausbildung in der Medizin und Pflegewissenschaft teil.
Mit den angeschlossenen Facharztzentren an beiden Standorten ist die Verzahnung zwi-
schen ambulanter und stationärer Behandlung in direkter Kooperation und räumlicher
Nähe umgesetzt. Dies erspart den Patienten im Bedarfsfall weite Wege.
Auf die bereits erwähnten Kostensteigerungen besonders im Bereich des medizinischen
Bedarfs hat die Klinik mit dem Betritt zur Einkaufsgemeinschaft clinicpartner eG im April
2006 bereits reagiert. Diese haben neben der Generierung von wirtschaftlichen Vorteilen
für die Mitgliedshäuser über gebündelte Einkaufsvolumina auch die Optimierung von
Prozessen in den Bereichen Einkauf und Logistik zum Ziel.
11
Dies ist nur ein Beispiel von vielen Maßnahmen, die zeigen, dass die Notwendigkeit
kostensenkender und effizienzsteigernder Maßnahmen in der Klinik erkannt wurde.
12
Nur wenn dies als kontinuierlicher Prozess gesehen wird, kann ein Krankenhaus in den
bekannten Rahmenbedingungen auf dem Markt eigenständig bestehen. Die vorliegende
Arbeit soll hierzu einen weiteren Beitrag für die Main-Kinzig-Kliniken leisten.
9
Main-Kinzig-Kliniken (2016)
10
Vgl. Bartsch (2016) S. 4
11
Vgl. clinicpartner eG ­ Der Klinikeinkauf (2016)
12
Vgl. Herrmann (2016) S. 11

1 Einleitung
11
1.3. Problemstellung
In Zeiten eines immer stärker ausgeprägten Wettbewerbes zwischen den Krankenhäu-
sern in Deutschland wird das Thema effiziente Prozesse zukünftig mehr an Bedeutung
gewinnen. Dies bezieht sich nicht nur auf die Primärprozesse in der Patientenversor-
gung, sondern betrifft auch die sekundären Prozesse im Krankenhausbetrieb. Der Kos-
tendruck hat in den deutschen Krankenhäusern nicht nur durch ansteigende Patienten-
zahlen, sondern auch durch gestiegene Personalkosten deutlich zugenommen. Ursa-
chen hierfür sind neben dem medizinischen Fortschritt auch die Tarifsteigerungen für
das Krankenhauspersonal. Ungefähr 23 Prozent der Krankenhäuser schrieben im Jahr
2014 rote Zahlen.
13
Bei den Personalkosten gibt es kaum Einsparpotenziale, da dies auch zu Qualitätsein-
bußen in der Patientenversorgung führen würde. Die Verbesserungspotenziale im Be-
reich der Sachkosten stoßen ebenfalls schnell an Ihre Grenzen sobald das Feld der un-
mittelbaren medizinischen Versorgung am Patienten betroffen ist.
14
Qualitätseinbußen
stehen dabei im Widerspruch zu den Unternehmenszielen einer hochwertigen Patien-
tenversorgung. Deshalb muss bei allen geplanten Maßnahmen das Unternehmensziel
zwingend berücksichtigt und beachtet werden. Dadurch rücken die Sekundärprozesse
mit keinem unmittelbaren Patientenbezug stärker in den Fokus der Analyse auf Kosten-
reduktion und Effizienzsteigerung.
Die Krankenhauslogistik und speziell die Medikalproduktelogistik ist einer dieser sekun-
dären Prozesse in der Patientenversorgung und wird in vielen Krankenhäusern derzeit
noch mit niedriger Priorität auf Effizienz überprüft. Laut einer Umfrage unter 95 Kliniken
unterschiedlicher Größe ergibt sich folgende Ausgangssituation:
15
Weniger als 50 Prozent kennen alle Logistikprozesse im eigenen Haus.
57 Prozent der Befragten haben keine Kontrolle über die Bestände.
70 Prozent bestellen per Fax oder Telefon.
Die Zeiten zwischen Bestellung einer Lagerware bis zur Belieferung schwanken
zwischen 24 und 43 Stunden.
Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, welche Potenziale in den logistischen Prozessen
im Krankenhaus noch im Verborgenen liegen und wie weit viele Krankenhäuser noch
von einer modernen Versorgungsstruktur entfernt sind, besonders in den Bereichen der
Automatisierung und Digitalisierung der Prozesse.
13
Vgl. Krankenhaus Rating Report (2016)
14
Vgl. Herrmann (2016) S. 11
15
Vgl. Pieper (2010) S. 187f

1 Einleitung
12
Häufig liegt dies an unterschiedlichen Verantwortlichkeiten in den jeweiligen Beschaf-
fungen, verschiedenen Versorgungskanälen, veralteten Bestellmethoden und einer
mangelnden Transparenz der benötigten Bedarfe auf den Stationen und innerhalb der
Funktionsbereiche der Krankenhäuser. Somit fehlt der übergeordnete Blick auf die Me-
dikalproduktelogistik von der Bedarfsanforderung über die Bestellung, Kommissionie-
rung, Verräumung bis hin zum Verbrauch. Ergebnis dieses dargestellten Prozesses ist
vielmals eine nicht dem Bedarf angepasste Lagerhaltung und somit eine erhebliche Ka-
pitalbindung in den verschiedenen Lagern des Krankenhauses.
1.4. Forschungsfrage
Die in der Problemstellung benannten Defizite innerhalb der Krankenhauslogistik und
speziell der Medikalproduktelogistik zeigen die noch vorhandenen Potenziale innerhalb
dieser Prozesse. Dabei gilt es nicht nur, Faktoren für Erfolg und Misserfolg eines Pro-
zesses zu kennen, sondern auch Methoden zu entwickeln, die eine dauerhafte Effizienz
messbar und vergleichbar machen.
Die nachfolgende Abbildung zeigt die Vielfalt der logistischen Prozesse im Krankenhaus.
Eine Fokussierung auf die Medikalproduktelogistik wurde aufgrund der hohen Relevanz
für eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung sowie der zu erwartenden Einspar-
potenziale gewählt.
Abbildung 2: Subsysteme der Krankenhauslogistik
16
16
Kriegel (2010) S. 10

1 Einleitung
13
Der Schwerpunkt dieser Arbeit soll nicht auf die Möglichkeit eines Outsourcings von Pro-
zessen außerhalb der unmittelbaren Patientenversorgung abstellen, sondern soll sämt-
liche Faktoren erkennen und analysieren, die einen effizienten Medikalprodukte-Logistik-
prozess in eigener Regie ermöglichen. Dabei gilt es, verschiedene Forschungsmetho-
den zur Analyse anzuwenden.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich aufgrund des steigenden Kostendrucks und des
immer stärker ausgeprägten Wettbewerbes mit der Forschungsfrage:
Welche messbaren Faktoren für Erfolg und Misserfolg existieren, um daraus ab-
geleitet Medikalprodukte-Logistikprozesse im Krankenhaus zu optimieren, diese
mit Kennzahlen messbar und mittels Benchmarks krankenhausübergreifend ver-
gleichbar zu machen?
Daraus abgeleitet stellen sich bei intensiver Beschäftigung mit der Fragestellung weitere
Detailfragen, die im Rahmen dieser Master-Thesis mit beantwortet werden sollen:
Welche unterschiedlichen Versorgungsmodelle für Medikalprodukte gibt es in
den deutschen Krankenhäusern?
Wie hoch ist die Zufriedenheit in den jeweilig umgesetzten Modellen für alle Pro-
zessbeteiligten?
Welche sinnvollen Kennzahlen und Messgrößen lassen sich in der Stationsver-
sorgung entwickeln?
Können interne und externe Benchmarks für dieses Teilgebiet entwickelt und
dauerhaft erfolgreich im Krankenhaus etabliert werden?
Welchen Best-Practice-Ansatz gibt es aufgrund der Umfrageergebnisse an den
deutschen Krankenhäusern?
Mit diesen Kernfragen beschäftigt sich die vorliegende Master-Thesis. Die nachfolgende
Zielsetzung sowie der Aufbau der Arbeit geben einen Überblick über die wissenschaftli-
che Herangehensweise zur Beantwortung dieser Fragestellungen.
1.5.
Ziel der Untersuchung und Aufbau der Arbeit
Mit dieser Master-Thesis soll ein Konzeptpapier entstehen, welches den Entscheidungs-
trägern in den Main-Kinzig-Kliniken eine fundierte Grundlage schafft für zukünftige Pro-
zessveränderungen in der Medikalproduktelogistik. Ein weiteres Ziel dieser Arbeit ist es,
mittels mehrdimensionaler Methoden die vorhandenen Optimierungspotenziale zu ana-
lysieren und zu prüfen, ob die Entwicklung von Kennzahlen und deren Benchmark mög-
lich ist. Dies bedeutet, dass Lagerhaltung minimiert werden sollte ohne die Versorgungs-
sicherheit der Patienten zu gefährden.

1 Einleitung
14
Die vorher benannte Forschungsfrage und deren Begleitfragen stehen im Fokus dieser
Arbeit. Daraus abgeleitet ergibt sich der nachfolgend beschriebene Aufbau der Master-
Thesis.
Ausgehend von der Forschungsfrage und der Zielsetzung dieser Arbeit geht es in Kapitel
zwei um die Festlegung der wissenschaftlichen Forschungsmethoden, die in dieser Mas-
ter-Thesis für die weitere Ausarbeitung genutzt werden sollen. Hierbei erfolgt die Dar-
stellung und Erläuterung der verschiedenen Forschungsmethoden und deren Nutzenbe-
wertung für die Arbeit.
Die Grundlagen der Krankenhauslogistik werden in Kapitel drei beschrieben. Ebenfalls
erläutert das Kapitel die Bandbreite, Ziele sowie Besonderheiten der Krankenhauslogis-
tik. Abschließend wird auf die Bedeutung der Transportlogistik als Teilgebiet eingegan-
gen. Darauf aufbauend werden im vierten Kapitel die Themenkomplexe Lagerhaltung
sowie Medikalprodukte-Logistikprozess beschrieben. Nach der Darstellung der verschie-
denen Lagerhaltungsmodelle im Krankenhaus wird die Begriffsdefinition der Medikalpro-
dukte vorgenommen.
Die Darstellung der in diesem Prozess sinnvoll einsetzbaren Controlling-Instrumente so-
wie die Definition von Krankenhauscontrolling bilden den Schwerpunkt von Kapitel fünf.
Im Einstieg geht es zunächst um Grundlagen des Krankenhauscontrollings sowie des-
sen Aufgaben, Herausforderungen und Ziele. Welche organisatorische Anbindung an
das Krankenhausmanagement erfolgsversprechend ist, wird ebenfalls in diesem Kapitel
beleuchtet. Das Teilgebiet des Beschaffungs- und Sachkostencontrollings ist im Hinblick
auf die Forschungsfrage näher zu beleuchten. Abschließend sollen Kennzahlen inner-
halb der Medikalproduktelogistik analysiert und bewertet werden, ob diese sich in Bench-
marks mit anderen Kliniken sinnvoll etablieren lassen.
Nachdem die theoretischen Grundlagen hinsichtlich der Forschungsmethoden sowie der
Einleitung in die Themen Krankenhauslogistik, Lagerhaltung, Medikalprodukte-Logistik
und Controlling abgeschlossen sind, geht es in Kapitel sechs um die Fallstudie und die
praktische Umsetzung der gewählten Methoden. Neben den Erkenntnissen aus diverser
Fachliteratur werden die Methoden der Online-Umfrage, Befragung von Experten sowie
Beobachtungen in anderen ausgewählten Kliniken genutzt. Nach der Analyse der exter-
nen Elemente liegt im zweiten Teil der Fallstudie der Fokus auf den Prozessen und Ab-
läufen der Main-Kinzig-Kliniken. Dazu wird zunächst eine umfassende Ist-Analyse der
Medikalprodukte-Logistikprozesse innerhalb der Klinik durchgeführt. Zusätzlich werden
die bisher eingesetzten Controlling-Instrumente beurteilt. Aus den gewonnen Erkennt-
nissen der verschiedenen Forschungsmethoden wird abschließend eine SWOT-Analyse

1 Einleitung
15
(Erläuterung in Kapitel 2.3.) der Medikalproduktelogistik für die Main-Kinzig-Kliniken
durchgeführt.
Auf dieser Grundlage wird in Kapitel sieben eine Handlungsempfehlung für die Klinik
ausgearbeitet. Diese bezieht sich auf die einzelnen Prozessschritte mit einer Darstellung
der jeweiligen Optimierungsmöglichkeiten und darauf, in welchem Zeitraum diese aus-
geschöpft werden können. Am Ende des Kapitels wird ein Projektplan vorgestellt, der
als Grundlage für die Veränderung der Medikalprodukte-Logistikprozesse eingesetzt
werden kann. Dieser soll der Geschäftsleitung nach Abschluss des Studiums und Ab-
gabe der Master-Thesis im Januar 2017 vorgestellt werden.
Mit einem abschließenden Fazit endet die Master-Thesis und gibt zusammenfassend
einen Gesamtüberblick über die ausgearbeiteten Erkenntnisse anhand der verschiede-
nen Forschungsmethoden. Darüber hinaus wird gezeigt wie die Erfolgsfaktoren auch in
anderen Kliniken eingesetzt werden können. Die nachfolgende Abbildung zeigt den
strukturellen Aufbau der Master-Thesis:
Abbildung 3: Aufbau der Master-Thesis
17
17
eigene Darstellung

2 Forschungsdesign
16
2. Forschungsdesign
Innerhalb des Forschungsdesigns werden die Forschungsmethoden beschrieben, die
ausgehend von der Forschungsfrage die Werkzeuge sind, mit denen strukturiert Daten
und neue Erkenntnisse gewonnen werden. Hauptaufgabe des Forschungsdesigns ist es
die hilfreichen Instrumente zu beschreiben und diese strukturiert einzusetzen, um die
Ergebnisse der Untersuchungen zur Beantwortung der Fragestellung heranziehen zu
können. Somit bildet das Forschungsdesign den theoretischen Rahmen sowie den Fahr-
plan der Untersuchung. Dies kann auch als Planungsphase der Untersuchung bezeich-
net werden. Die Durchführungs- und Auswertungsphase erfolgt dann in Kapitel sechs.
Bei der Analyse der zur Verfügung stehenden Methoden wurde untersucht, welche im
Bereich des Gesundheitswesens umsetzbar sind und in Bezug auf die Forschungsfrage
verwertbare Ergebnisse erzielen. Hierbei werden empirischen Forschungsmethoden zur
Informationsgewinnung über die Realität eingesetzt. Als Datenerhebungsinstrumente
gelten Inhaltsanalyse, Beobachtung, Befragung, Experiment und Skalierungsverfah-
ren
18
.
Adaptiert auf die Forschungsfragen haben sich in der Bewertung der Vor- und Nachteile
die Beobachtung (externe Hospitationen) sowie Befragung (Online-Umfrage) als hilfreich
herausgestellt. Bei beiden handelt es sich um quantitative Methoden, die später in die-
sem Kapitel detailliert beschrieben werden hinsichtlich dem Nutzen für diese wissen-
schaftliche Arbeit. Ebenfalls wird Struktur der Umsetzung dieser Methoden später be-
schrieben.
Auch qualitative Forschungsmethoden werden in dieser Ausarbeitung verwendet. Zum
einen wird eine strukturierte Befragung von ausgewählten Experten im Gesundheitswe-
sen durchgeführt. Als übergeordnete Methode dieser Ausarbeitung wird eine Fallstudie
über den Prozess der Medikalprodukte-Logistik in den Main-Kinzig-Kliniken erstellt, de-
ren Konzeption und Durchführung in diesem Kapitel beschrieben werden.
Die SWOT-Analyse bildet die dritte Säule innerhalb der angewandten Methoden. Dieses
Instrument wird für die abschließende Zusammenfassung der gewonnenen Erkennt-
nisse genutzt und bildet eine weitere die Grundlage für die Handlungsempfehlung in Ka-
pitel sieben.
18
Vgl. Stier (1999) S. 5

2 Forschungsdesign
17
Diese ganzheitliche Betrachtung mit verschiedenen Instrumenten der Datengewinnung
bietet einen umfassenden Überblick über den genannten Prozess. Die systematisch er-
fassten Ergebnisse werden dann für die Beantwortung der Forschungsfragen und dir
abgeleiteten Kernfragen im Rahmen des Fazits in Kapitel acht herangezogen.
Die nachfolgenden Unterkapitel beschreiben zunächst die methodische Vorgehens-
weise für diese Untersuchung und erläutern die angewandten Methoden und deren Um-
setzung.
2.1. Methodische Vorgehensweise
In der methodischen Vorgehensweise werden die übergeordneten Parameter für die ein-
zelnen Maßnahmen beschrieben. Die eingesetzten Methoden zielen auf eine zeitlich be-
grenzte Analyse der Realität ab und sind somit dem Charakter einer Querschnittstudie
zuzuordnen.
In der Online-Umfrage geht es um die quantitative Datengewinnung der in deutschen
Krankenhäusern vorhandenen Umsetzungsvarianten der Medikalprodukte-Logistikpro-
zesse und den Einsatz von Controlling-Instrumenten. Mit einem strukturierten Fragebo-
den, der Online ausgefüllt werden kann sollen innerhalb eines Monates mindestens 5
Prozent der deutschen Krankenhäuser teilnehmen. Start des Befragungszeitraums ist
der 25.10.2016. Die Umfrage wurde über die bestehenden Kanäle wie Mailkontakte, so-
ziale Netzwerke und persönliche Kontakte im Gesundheitswesen bekannt gemacht.
Die Expertenbefragung soll gezielt zusätzliche Erkenntnisse zu den aus der Online-Um-
frage erhaltenen Daten generieren. Hierbei werden anhand eines Leitfadens Experten
im Bereich der Forschungsfrage mit vorab definierten Themen befragt. Die Expertenbe-
fragung ist trotz des Leitfadens noch flexibel genug angelegt, dass weitere Hinweise von
den Experten mit aufgenommen werden können. Die befragten Experten sind leitende
Mitarbeiter aus den Bereichen Einkaufsgemeinschaften, Einkauf von Krankenhäusern,
Softwarefirmen für Materialwirtschaftssysteme und dem Gesundheitswesen allgemein.
Insgesamt sollen mindestens zehn Expertenbefragungen durchgeführt werden. Diese
werden im Rahmen von Tagungen, Kongressen oder persönlichen Terminen vor Ort
durchgeführt.
Die Forschungsmethode der Beobachtung wird im Rahmen meiner Untersuchung ge-
nutzt. Diese ist als nicht-teilnehmende Beobachtung in anderen Krankenhäusern konzi-
piert. Bei der Auswahl der Krankenhäuser wurde darauf geachtet, dass der Medikalpro-
dukte-Logistikprozess in den jeweiligen Kliniken unterschiedlich umgesetzt ist. Die Ter-
mine in den Kliniken wurden dann mittels bestehender Kontakte organisiert. In den Be-
obachtungen konnten die einzelnen Prozessschritte besichtigt werden. Darüber hinaus

2 Forschungsdesign
18
bestand in allen Kliniken die Möglichkeit, sich mit den Prozessbeteiligten über die Zufrie-
denheit mit der jeweiligen Umsetzungsform zu unterhalten. Die Beobachtung wurde in
vier Krankenhäusern durchgeführt. Darüber hinaus wurde noch ein Logistikzentrum, wel-
ches ausschließlich Gesundheitseinrichtungen beliefert, besichtigt. In diesem konnten
die Prozesse eines Zentrallagers beobachtet werden.
Die Fallstudie in Kapitel sechs beinhaltet die vorher benannten Methoden der Forschung
für die externe Analyse der Medikalprodukte-Logistikprozesse sowie den Einsatz von
Controlling-Instrumenten in deutschen Krankenhäusern. Der zu untersuchende Prozess
der Main-Kinzig-Kliniken bildet den Hauptteil der Fallstudie. Hierbei werden sämtliche
Prozessschritte der Medikalprodukte-Logistik sowie der eingesetzten Controlling-Instru-
mente durch teilnehmende Beobachtung und Befragung der Prozessbeteiligten unter-
sucht. Die gesammelten Erkenntnisse aus der benannten Fallstudie fließen in die
SWOT-Analyse, die Handlungsempfehlung und das abschließende Fazit dieser Ausar-
beitung ein.
2.2. Forschungsmethoden
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Optimierung von Medikalprodukte-Lo-
gistikprozessen und damit, wie die Erfolgsfaktoren in diesem Prozess aussehen. Für die
Zielerreichung dieser Ausarbeitung gilt es, die Forschungsmethoden herauszufiltern, die
zur Analyse der Realitäten die nötigen Informationen liefern.
In Bereich der Forschungsmethoden werden die für diese wissenschaftliche Arbeit rele-
vanten Instrumente vorgestellt. Neben den theoretischen Grundlagen werden auch der
direkte Bezug sowie der Nutzen für diese Arbeit benannt. Um einen mehrdimensionalen
Blick auf die Fragestellung sowie eine breite Datenbasis für die anstehende Fallstudie
zu erhalten, ist es wichtig, unter der Vielzahl von möglichen Analyseinstrumenten die
relevanten herauszufiltern.
In den folgenden Unterkapiteln werden die jeweiligen Instrumente vorgestellt. Ein ele-
mentarer Bestandteil der Analyse ist die breit angelegte Online-Befragung an deutschen
Krankenhäusern (Kapitel 2.2.1.) sowie die Expertenbefragung (Kapitel 2.2.2). Die Be-
obachtung im Rahmen von Hospitationen in anderen Krankenhäusern und deren Er-
kenntnisse werden anschließend beschrieben (Kapitel 2.2.3). Abschließend wird die
Fallstudie erläutert und wie diese im Rahmen der wissenschaftlichen Arbeit angewandt
wird (Kapitel 2.2.4).

2 Forschungsdesign
19
2.2.1. Online-Befragung
Bei der Befragung versteht man eine Kommunikation zwischen zwei oder mehreren Per-
sonen.
19
Die Umsetzung der Befragung kann als mündliche Befragung, schriftliche Be-
fragung oder auch als Online-Befragung erfolgen. Grundsätzlich steht bei der Befragung
die Datengewinnung zu einem speziellen Thema und Themenkomplex im Fokus.
Die Bedeutung der Online-Befragung als Forschungsmethode hat in den vergangenen
Jahren deutlich zugenommen und ist damit eine hilfreiche Alternative in der Erhebung
von Daten geworden.
20
Im Jahr 2015 wurden bereits 34 Prozent der Befragungen als
Online-Befragung durchgeführt.
21
Diese Forschungsmethode wird in der Master-Thesis
eine elementare Rolle spielen.
Durch die verschiedenen vorhandenen Online-Plattformen ist die Erstellung einer Befra-
gung nach entsprechender Planung über Struktur und Inhalt gut umsetzbar. Die zusätz-
lichen Werkzeuge der verschiedenen Anbieter ermöglichen die einfache Auswertung
und Filterung von Daten. Ein weiterer positiver Effekt ist, dass die Online-Befragung trotz
einer kostengünstigen Umsetzung eine große Anzahl von Personen erreicht. Hier liegt
aber gleichwohl auch das Risiko dieser Methode. Es ist wichtig einzugrenzen welche
Zielgruppe man erreichen möchte und wie man es sicherstellt, dass diese Personen-
gruppe an der Umfrage teilnimmt. Nach Sichtung der vorhandenen Anbieter im Internet
wurde das Portal
http://www.umfragenonline.com
für die Durchführung der Online-Um-
frage ausgewählt.
Planung und Durchführung
In der Planung der Online-Befragung geht es um drei Kernfragen, die den Erfolg der
Befragungsergebnisse maßgeblich vorgeben.
Welche Erkenntnisse soll man aus den Ergebnissen der Umfrage ziehen kön-
nen?
Welche Kernthemen sollen in der Umfrage abgefragt werden?
Welche Zielgruppe soll kontaktiert werden und wie wird diese erreicht?
Zur Beantwortung der ersten Frage kann man die Verbindung zur Forschungsfrage zie-
hen. In dieser geht es um die Erfolgsfaktoren zur Optimierung der Medikalprodukte-Lo-
gistikprozesse. Dies soll über die Verwendung offener Fragen zu den Potenzialen der
19
Vgl. Glogner-Pilz (2012) S. 45
20
Vgl. Jackob, Schoen und Zerback (2009) S. 91
21
Vgl. ADM (2016) S. 15

2 Forschungsdesign
20
einzelnen Maßnahmen zur Prozessverbesserung beantwortet werden können. Ein wei-
terer Erkenntnisgewinn aus der Umfrage soll sein, wie die Prozesse und der Einsatz von
Controlling-Instrumenten in deutschen Krankenhäusern umgesetzt und verbreitet sind.
Darüber hinaus soll die Zufriedenheit in den jeweiligen Umsetzungsformen erfragt wer-
den.
Die Kernthemen der Befragung lassen sich in zwei Blöcke aufteilen. Im ersten Block geht
es um allgemeine Fragen zur Krankenhausstruktur. Hierfür wurden geschlossene Fra-
gen verwendet aus den Bereichen Trägerschaft, Krankenhausgröße, Mitglied einer Kli-
nikkette, Mitglied einer Einkaufsgemeinschaft, Struktur des Krankenhauseinkaufes, Vor-
handensein eines Zentrallagers und dezentraler Verbrauchslager.
Im zweiten Block wurden Fragen zu den Bereichen der Medikalprodukte-Logistikpro-
zesse und dem Einsatz von Controlling-Instrumenten gestellt. Diese Fragen wurden teils
offen teils geschlossen gestellt. Weiterhin gibt es Fragen zur Zufriedenheit mit der Um-
setzung der jeweiligen Prozessmodelle und zu Potenzialen für Prozessverbesserungen.
Die Gesamtübersicht mit allen Fragen der Online-Befragung sind dieser Ausarbeitung
als Anhang beigefügt.
Bei der Auswahl der Zielgruppe wurde der Fokus auf die Hauptverantwortlichen des Me-
dikalprodukte-Logistikprozesses gelegt. Dies sind die Einkaufsleitungen der Kranken-
häuser sowie die Verantwortlichen von Logistikzentren, die ausschließlich Gesundheits-
einrichtungen beliefern. Die Verbreitung der Online-Befragung innerhalb der benannten
Zielgruppe erfolgte über die persönlichen Kontakte in verschiedene Einkaufsgemein-
schaften. Diese hatten den Link zur Befragung an alle angeschlossenen Krankenhäuser
mit der Bitte um Teilnahme verteilt. Weiterhin wurden persönliche Kontakte und berufli-
che Netzwerke für die Verbreitung der Befragung genutzt.
Die Online-Befragung war vom 25.10.2016 bis zum 24.11.2016 freigeschaltet. In dieser
Zeit wurden 108 Teilnahmen registriert, wobei nicht alle Teilnehmer die Umfrage kom-
plett durchgeführt haben. Dies entspricht einer Teilnahmequote von knapp über 5,5 Pro-
zent aller 1.956 Krankenhäuser in Deutschland und bietet eine gute Grundlage für die
weitere Analyse.
22
Im Rahmen der Fallstudie fließen die Ergebnisse der Online-Befra-
gung mit in den gesamten Entscheidungsprozess über die Optimierung der Medikalpro-
dukte-Logistikprozesse in den Main-Kinzig-Kliniken ein.
22
Deutsche Krankenhausgesellschaft (2016)

2 Forschungsdesign
21
2.2.2. Expertenbefragung
Die Expertenbefragung wird in der empirischen Forschung zur qualitativen Datenerhe-
bung genutzt. Hierbei soll spezifisches Wissen über das Thema Medikalprodukte-Lo-
gistikprozesse und dessen Erfolgsfaktoren gesammelt werden. Bei dieser Forschungs-
methode geht es hauptsächlich darum, im Rahmen der Kommunikation zusätzliche
Kenntnisse zum Forschungsthema zu erlangen.
23
Die Befragung soll mittels Befragungs-
leitfaden mit einem vorgegebenen Fragenkatalog standardisiert durchgeführt werden.
Trotz dieser Vorgaben werden die Befragungen auch Raum für zusätzliche Fragestel-
lungen und Hinweise haben.
Hierbei geht es jedoch nicht wie bei der Online-Umfrage darum, eine große Anzahl von
Ergebnissen zu erhalten, sondern um die Befragung eines exponierten Personenkrei-
ses, der im Hinblick auf die Forschungsfrage entsprechendes Wissen mitbringt. Als Ex-
perten werden Personen bezeichnet, die über besondere Wissensstände verfügen.
24
Sie
zeichnen sich aus, in dem sie durch Ausbildung, Erfahrung und Stellung im Unterneh-
men beziehungsweise im Gesundheitsmarkt entscheidend an der Gestaltung von Pro-
zessen mitwirken.
Planung und Durchführung
Für die Planung und Durchführung der Expertenbefragung ist es wichtig, sich im Vorfeld
intensiv mit drei Elementen vertraut zu machen:
Dem Fachgebiet der Forschungsfrage und den dazugehörigen Fachbegriffen.
Der Kernfragestellung innerhalb der Expertenbefragung.
Dem inhaltlichen Rahmen und der Struktur der Befragung (Leitfaden).
Die inhaltliche Beschäftigung mit dem Fachgebiet der Medikalprodukte-Logistik ist durch
meine über zehnjährige Tätigkeit in einem öffentlichen Krankenhaus, in der täglichen
Arbeit und der organisatorischen Verantwortung für den Bereich Einkauf und Zentralla-
ger gegeben.
Daher können die Planungen der Expertenbefragungen auf dem Punkt der Ableitung der
Forschungsfrage zu den Kernfragestellungen der Befragungen aufgesetzt werden. Im
Anschluss daran geht es um die Entwicklung eines Leitfadens für die Expertenbefra-
gung.
23
Vgl. von Klobuczynski (1999) S. 4
24
Vgl. Kühl, Strodtholz und Taffertshofer (2009) S. 33

2 Forschungsdesign
22
Kernfragestellungen
Die Kernfragestellungen abgeleitet aus der Forschungsfrage bilden den inhaltlichen
Hauptteil der Befragung. In der Datenanalyse sollen die gewonnenen Erkenntnisse dann
sowohl in die SWOT-Analyse als auch die Handlungsempfehlung mit einfließen. Fol-
gende fünf Fragen wurden aus der Forschungsfrage für die Expertenbefragungen abge-
leitet:
1. Wie schätzen Sie die aktuelle Situation in den Krankenhäusern ein in Bezug auf
den Einsatz moderner technischer Lösungen innerhalb des Krankenhauseinkau-
fes (Bsp. Lagerverwaltung, Bestellsoftware, Scannersysteme, Modulschranksys-
teme)?
2. Welche Themen aus Ihrer Sicht beschäftigt die Prozessbeteiligten der Medikal-
produkte-Logistik derzeit am meisten? (Beispiele: Umstellung auf
Versorgungs-
assistenten
25
, Umstellung auf Scanner, komplette Prozessreorganisation, Pro-
duktstandardisierung, Outsourcing, Sonstiges)
3. Wo sehen Sie die größten Potenziale im Bereich des Krankenhauseinkaufes so-
wie der Medikalprodukte-Logistik?
4. Wie sieht für Sie ein moderner Prozess der Versorgung von Stationen und Funk-
tionsbereichen mit Medikalprodukten aus?
5. Sehen Sie Branchen, von denen Krankenhäuser lernen könnten in Bezug auf
den Einsatz von modernen Techniken innerhalb der Prozesse und deren Orga-
nisation?
Befragungsleitfaden
Der Befragungsleitfaden soll die Strukturierung der Expertenbefragung vorgeben und
dient somit als Fahrplan für die Durchführung der Befragung. Er beinhaltet neben den
bereits benannten Kernfragestellungen auch den Ablauf der Befragung. Bei der Exper-
tenbefragung ist es wichtig, auch auf das Thema Veröffentlichung einzugehen. Für den
Experten muss klar sein, in welcher Weise gemachte Aussagen von ihm in der Master-
Thesis Verwendung finden. Eine anonymisierte Veröffentlichung kann ebenfalls mit dem
Experten vereinbart werden.
25
Versorgungsassistenten sind im Krankenhaus hauptsächlich für die Versorgung der Stationen
mit Medikalprodukten verantwortlich. Diese sollen das Pflegepersonal durch Übernahme fol-
gender Tätigkeiten entlasten: Bedarfsermittlung, Bestellung, Verräumung der Produkte ins
Stationslager

2 Forschungsdesign
23
Zum Einstieg ist es wichtig, nach der Begrüßung und Vorstellung eine gute Gesprächs-
atmosphäre zeitlich und räumlich zu schaffen. Im Hauptteil geht es darum, die relevan-
testen Fragen zu Beginn zu stellen und idealerweise die Fragen in einer logischen Struk-
tur abzuarbeiten. Zur Vorbereitung auf die Befragung müssen auch mögliche Antwort-
varianten durchgespielt werden, um entsprechend darauf reagieren zu können. Zum Ab-
schluss der Befragung soll dem Experten die Möglichkeit für eigene Fragen gegeben
werden. Weiterhin wird ihm das weitere Vorgehen erläutert. Der Befragungsleitfaden
liegt dieser Arbeit als Anhang 1 bei.
Im Vorfeld der Durchführung der Expertenbefragungen ist es wichtig, einen Pretest
durchzuführen, um die Verständlichkeit der Fragen zu verifizieren und den zeitlichen
Rahmen für die Durchführung testen zu können. Dieser wurde in der vorliegenden Arbeit
mit zwei leitenden Mitarbeitern innerhalb der Main-Kinzig-Kliniken durchgeführt.
Durchführung und Auswertung
Die Durchführung der Befragung erfolgt mittels Tonbandaufnahme, um die Erkenntnisse
vollständig erfassen zu können. Dieses Vorgehen wurde ebenfalls im Pretest auf Prak-
tikabilität getestet. Die Kernaussagen im Rahmen der Befragung werden auf dem Leit-
faden notiert. In der Analysephase werden die gemachten Aussagen dahingehend veri-
fiziert, ob es sich dabei um bereits bekannte oder neue Erkenntnisse in Bezug auf die
Forschungsfrage handelt. Besonders prägnante Aussagen werden in der Fallstudie aus-
führlicher dargestellt. Die Auswahl der Experten sowie die gewonnenen Erkenntnisse
werden im Kapitel sechs im Rahmen der Fallstudie beschrieben.
Die Entscheidung zur Wahl dieser Forschungsmethode wurde getroffen, da mit der Ex-
pertenbefragung umfangreiches Wissen von Spezialisten in dem Fachgebiet gezielt ab-
gefragt werden kann. Die persönlichen Meinungen und Einschätzungen der Experten
helfen, einen umfangreichen Abgleich zu den in der Fallstudie gewonnenen Erkenntnis-
sen vorzunehmen.
2.2.3. Beobachtung (Hospitationen)
Die Beobachtung definiert sich als sich als systematisches Erfassen, Festhalten und
Deuten sinnlich wahrnehmbaren Verhaltens zum Zeitpunkt seines Geschehens.
26
Diese
Methode hat die Ursprünge in der Chicago-Schule der Soziologie zu Beginn des 20.
Jahrhunderts
27
und wird mittlerweile als Mittel zur Sammlung von Daten im Rahmen von
Fallstudien genutzt.
26
Atteslander (2003) S. 79
27
Vgl. Celik (2010) S. 3

2 Forschungsdesign
24
Grundsätzlich wird unterschieden in die nicht-teilnehmende Beobachtung, in der von ei-
ner neutralen Warte aus beobachtet wird und die teilnehmende Beobachtung.
28
Die in
dieser Ausarbeitung durchgeführte Variante ist die Form der teilnehmenden offenen Be-
obachtung. Dies bedeutet, dass die Personengruppen darüber informiert sind, dass sie
während der Prozessanalyse beobachtet werden. Die Untersuchungen innerhalb dieser
Forschungsmethode werden noch erweitert, da neben der reinen Beobachtung auch der
Dialog mit den Prozessbeteiligten gesucht wird. Im Rahmen von Hospitationen in einer
definierten Anzahl von Krankenhäusern werden die Erkenntnisse strukturiert zu den ein-
zelnen Prozessphasen gesammelt und anschließend ausgewertet. Die Hospitationen
bieten einen ergänzenden Erkenntnisgewinn zu der Online-Umfrage und den Experten-
befragungen. Sie dienen dem Vergleich der umgesetzten Prozesse und eingesetzten
Controlling-Instrumente in den besuchten Krankenhäusern mit denen der Main-Kinzig-
Kliniken.
Als Vorteil wird bei dieser abgewandelten Forschungsmethode gesehen, dass neben der
Erfassung von objektiven Bewertungen zu den Prozessen auch eine Aufnahme von Hin-
weisen und Meinungen der Prozessbeteiligten möglich ist, was bei einer reinen Be-
obachtung so nicht umsetzbar ist aufgrund der reinen Lehre der Methodik.
2.2.4. Fallstudie als ganzheitliche Forschungsmethode
Der Einsatz von Fallstudien innerhalb der Forschung ist weit verbreitet. Hierbei wird die
Forschungsfrage mittels verschiedener Methoden und Perspektiven beleuchtet, um
neue Erkenntnisse ableiten zu können. Die Beantwortung der Forschungsfrage soll mit
der durchzuführenden Fallstudie und anschließenden SWOT-Analyse ermöglicht wer-
den. Die Entscheidung wurde getroffen, da der ganzheitliche Ansatz mit verschiedenen
Forschungsmethoden einen umfangreichen Wissenstand für die abschließende Bewer-
tung erzeugt.
Nach dem Ansatz von Yin ist die Fallstudie als Forschungsmethodik geeignet, wenn drei
folgende Voraussetzungen zutreffen:
Es sich in der Forschungsfrage um eine Frage nach dem ,,wie" oder ,,warum"
handelt,
es sich um die empirische Untersuchung eines aktuellen Phänomens in seinem
realen Kontext handelt und
der Forscher keinen Einfluss auf den Untersuchungsgegenstand hat.
29
28
Vgl. Stanjek (2005) S. 19
29
Vgl. Yin (2003) S.3 f und S.13

2 Forschungsdesign
25
Die oben genannten Punkte treffen in der vorliegenden Forschungsfrage zu. Mittels der
Fallstudie soll analysiert werden, wie die Erfolgsfaktoren für eine moderne Medikalpro-
dukte-Logistik aussehen und warum diese zu einer hohen Versorgungssicherheit für die
Patienten beitragen kann. Die Analyse beleuchtet ebenfalls mittels eingesetzter Metho-
den den aktuellen Stand der Medikalprodukte-Logistikprozesse in den deutschen Kran-
kenhäusern. Durch die passive Rolle innerhalb der verschiedenen Forschungsmethoden
ist der Einfluss auf den Prozess nicht vorhanden und somit die dritte Voraussetzung
ebenfalls erfüllt.
Die Merkmale der Fallstudie nach Yin sind die vielfältigen Möglichkeiten der Datenge-
winnung mittels Einbezug verschiedener Quellen und Forschungsmethoden in der Pra-
xis. Auch die theoretischen Definitionen der Literatur sollen mitberücksichtigt werden.
Die aufgestellte Forschungsfrage kann mittels Einsatz der Fallstudie als ganzheitliche
Forschungsmethode umfassend beleuchtet werden. Die Qualität der gewonnenen Er-
kenntnisse hängt maßgeblich vom Aufbau und Durchführung der Fallstudie ab.
In der vorliegenden Arbeit wird im Rahmen der Fallstudie auf die in diesem Kapitel be-
nannten Methoden zurückgegriffen. Den Einstieg in die Fallstudie bilden die Analyse der
vorliegenden Literatur und die Erkenntnisse aus den darin beschriebenen theoretischen
Modellen. Darauf aufbauend werden die Ergebnisse und neuen Erkenntnisse der beiden
Befragungselemente Online-Befragung und Expertenbefragung umfassend analysiert.
In der nächsten Stufe der Fallstudie werden die Prozessanalysen mittels Beobachtung
durchgeführt Zunächst werden die umfangreichen Erkenntnisse aus den externen Be-
obachtung analysiert und anschließend bewertet. Die Analyse der Medikalprodukte-Lo-
gistikprozesse und der eingesetzten Controlling-Instrumente innerhalb der Main-Kinzig-
Kliniken bilden den größten Block der Fallstudie, da hier die einzelnen Prozessstufen
und Umsetzungsvarianten intensiv untersucht werden. Diese vielfältigen Forschungs-
methoden erzeugen ein umfangreiches Wissen über den benannten Prozess und die
eingesetzten Instrumente. Damit ist die Grundlage für die weitergehende Analyse und
Beantwortung der Forschungsfragen gegeben.
2.3. SWOT-Analyse
Die SWOT-Analyse erfolgt nach Abschluss der Fallstudie und nutzt die gesamten Daten
für die umfassende Analyse der gewonnenen Erkenntnisse. Sie ist ebenfalls Grundlage
für die anschließend zu erstellende Handlungsempfehlung, die den zukünftigen Medi-
kalprodukte-Logistikprozess der Main-Kinzig-Kliniken beschreiben soll. Die SWOT-Ana-
lyse (engl. Strength-Weakness-Opportunity-Threat Analysis) betrachtet die internen und
externen Gegebenheiten eines Unternehmens sowie deren Perspektive und Risiken.

2 Forschungsdesign
26
Der interne Blickwinkel bezieht sich auf die Stärken und Schwächen des Krankenhau-
ses. Bei der externen Betrachtung geht es um die Chancen und Risiken im Marktumfeld.
Ziel der SWOT-Analyse ist es, aus den gewonnenen Informationen zukünftige Strategie-
entwicklungen abzuleiten.
30
Dieses Analyseinstrument dient daher der Evaluierung der
aktuellen Situation eines gesamten Unternehmens, eines Teilbereiches oder -prozes-
ses.
31
Der Einsatz der SWOT-Analyse im Rahmen von Strategieentwicklungen und
Standortbestimmungen von Unternehmen ist sehr beliebt. Aus diesem Grund bietet
diese sich auch als hilfreiches Werkzeug an in der Weiterentwicklung der Medikalpro-
dukte-Logistikprozesse der Main-Kinzig-Kliniken, da neben den internen auch die exter-
nen Faktoren in der Betrachtung mit einfließen. Aufgrund der gewonnen Erkenntnisse
der aktuellen Situation und der aufgezeigten Möglichkeiten für die Zukunft kann das Un-
ternehmen die nächsten Schritte zur Zielerreichung beschreiten. Die nachfolgenden
Kernfragen zu den vier Elementen der SWOT-Analyse helfen, in der Analysephase den
Fokus zu setzen.
Stärken: Über welche Stärken verfügt die Klinik im Hinblick auf die Umsetzung
der Medikalprodukte-Logistik?
Schwächen: Wo sind die Schwächen in der derzeitigen Ausgestaltung der Ver-
sorgung der Stationen und Funktionsbereiche mit Medikalprodukten?
Chancen: Welche Umsetzungsvarianten auch mittels moderner technischer Lö-
sungen und dem Einsatz von Controlling-Instrumenten werden von den Marktbe-
gleitern im Gesundheitswesen erfolgreich eingesetzt?
Risiken: Welche Bedrohungen stecken in der Veränderung der Medikalprodukte-
Logistikprozesse auch unter Beachtung externer Rahmenbedingungen?
Bei den internen Betrachtungen werden die Stärken und Schwächen des Unternehmens
bzw. des Prozesses beleuchtet und wie diese auch im Bezug zur Unternehmensstrate-
gie ausgeprägt sind. Bei der Analyse der externen Elemente der Chancen und Risiken
muss gleichzeitig ein Abgleich mit den eignen Zielen erfolgen.
Verwendet man die vier Elemente Stärken/Schwächen-Analyse und der Chancen/Risi-
ken-Analyse in Form einer Matrix, entsteht ein ganzheitliches Instrument der Strategie-
entwicklung. Setzt man diese Matrix in dieser Ausarbeitung ein, kann man mit dieser
Methode die Modellierung eines zukünftigen Geschäftsprozesses entwickeln.
32
Die Ver-
knüpfung von internen und externen Analysen innerhalb der SWOT-Analyse schafft dem
30
Vgl. Riegel S. 300
31
Vgl. Hungenberg (2014) S. 87f
32
Vgl. Riegel S. 301

2 Forschungsdesign
27
Management die Grundlage für die Darstellung und Bewertung von alternativen Entwick-
lungsmöglichkeiten. Dies kann beispielsweise neben grundsätzlichen Entscheidungen
zum eigenverantwortlichen Betreiben der Medikalprodukte-Logistikprozesse im Ganzen
bis hin zum Outsourcing vielfältige Handlungsoptionen bieten.
Die in diesem Kapitel benannten Forschungsmethoden fließen im Rahmen der Fallstudie
in die SWOT-Analyse mit ein, da sie sowohl interne als auch externe Betrachtungen
beinhalten. Ein wichtiges Element für Entwicklung und Umsetzung von zukünftigen Stra-
tegien ist neben der Berücksichtigung der übergeordneten Unternehmensstrategie auch
die Prioritätensetzung des Managements. Hierfür kann es hilfreich sein, die in der
SWOT-Analyse gewonnenen Handlungsalternativen miteinander zu vergleichen, und
dadurch eine Priorisierung der nächsten Schritte festlegen zu können.
Am Beispiel der Thesis wäre dies die Entwicklung einer ganzheitlichen Beschaffungs-
strategie mit dem Fokus auf die Medikalprodukte-Logistikprozesse im Krankenhaus. Da-
bei ist es besonders wichtig, bereichs- und berufsgruppenübergreifende Zustimmung zur
festgelegten Strategie zu erhalten.
33
Dies kann erreicht werden, wenn in der Analyse
bereits übergreifend zusammengearbeitet wurde und die verschiedenen Prozessbetei-
ligten mit involviert waren. Die entwickelten und abgestimmten Strategien sind mittelfris-
tig auf einen zeitlichen Horizont von drei bis fünf Jahren ausgelegt um auch kurzfristige
Schwankungen in der Unternehmensentwicklung überdauern zu können.
Ebenfalls ist es wichtig, nur eine begrenzte Anzahl von Strategiezielen mit den dazuge-
hörigen Maßnahmen gleichzeitig in Umsetzung zu bringen. Diese sollten grundsätzlich
eine hohe Priorität haben und gleichzeitig den Unternehmenserfolg nachhaltig sichern.
34
Das Management des Krankenhauses ist ebenfalls mit einzubinden in die Entscheidung,
welche Strategieziele ausgegeben werden und welche Maßnahmen umgesetzt werden.
33
Vgl. Büsch (2013) S.128
34
Vgl. Büsch (2013) S.129

2 Forschungsdesign
28
Die nachfolgende Darstellung zeigt die SWOT-Analyse Matrix mit den vier Strategie-
ausprägungen und deren Hauptaufgaben:
Abbildung 4: SWOT-Analyse Matrix
35
35
Vgl. Das Unternehmerhandbuch (2016)

3 Grundlagen der Krankenhauslogistik
29
3. Grundlagen der Krankenhauslogistik
Nachdem die Forschungsmethoden beschrieben wurden, erfolgt in den nächsten drei
Kapiteln die Erläuterung der theoretischen Rahmenbedingungen dieser Master-Thesis.
Der Einstieg in Kapitel drei definiert zunächst den Begriff der Krankenhauslogistik. Da-
rauf aufbauend werden die unterschiedlichen Bereiche der logistischen Prozesse inner-
halb eines Krankenhauses beschrieben. Nach diesen erläuternden Elementen werden
anschließend die Ziele sowie die Besonderheiten der Krankenhauslogistik dargestellt.
Abgeleitet aus diesen Beschreibungen wird zum Abschluss dieses Kapitel die Bedeu-
tung der Krankenhauslogistik für den Primärprozess der Patientenversorgung dargelegt.
3.1.
Begriffsbestimmung
Die Krankenhauslogistik versteht sich als eine spezielle Ausprägung der Logistik. Daher
wird im Einstieg der Begriffsbestimmung zunächst die Logistik im Allgemeinen beschrie-
ben. Diese soll als ganzheitliche Planung, Ausführung und Kontrolle von Material-, Infor-
mations-, Werte-, Personen- und Energieflüssen verstanden werden.
36
Nach der Seven-
Rights-Definition nach Plowman gilt es das richtige Gut, in der richtigen Menge, im rich-
tigen Zustand (Qualität), in der richtigen Zeit, dem richtigen Kunden, am richtigen Ort mit
den richtigen Kosten bereitzustellen.
37
Somit befasst sich die Logistik mit der durchgängigen Behandlung von materiellen und
immateriellen Flüssen.
38
Bei den materiellen Flüssen kann man dies noch weiter auf-
spalten in Sachgüter- und Personenlogistik. Bei den immateriellen Flüssen handelt es
sich um die Informations- sowie Kommunikationslogistik.
Wirft man einen güterflussbezogenen Blick auf die Logistik, so lässt diese sich in der
allgemeinen Lehre in vier Subsysteme untergliedern. Diese sind die Beschaffungs-, Pro-
duktions-, Distributions- und Entsorgungslogistik.
39
Diese Einstufung im Bereich des
Krankenhauses und der anschließend beschriebenen Krankenhauslogistik durchzufüh-
ren ist schwierig, da der Bereich der Produktions- sowie Distributionslogistik in einem
Dienstleistungssektor ähnlichen Unternehmen wie dem Krankenhaus nur schwer zuzu-
ordnen ist. Die vier Subsysteme der Logistik lassen sich mit Blick auf das Krankenhaus
übertragen wie folgt darstellen:
Beschaffungslogistik bezieht sich auf sämtliche Güterbeschaffungen der Klinik
im Bereich von medizinischen oder nicht medizinischen Produkten.
36
Pieper (2010) S. 11
37
Vgl. Kriegel (2012) S.112
38
Vgl. Herrmann (2016) S. 15
39
Vgl. Schönberger (2011) S. 41
Ende der Leseprobe aus 128 Seiten

Details

Titel
Der Versorgungsprozess mit Medikalprodukten und ihre controlling-basierten Optimierungspotenziale für die Logistik
Untertitel
Eine explorative Fallstudie innerhalb der Main-Kinzig-Kliniken
Hochschule
Universität Salzburg  (SMBS Management School)
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
128
Katalognummer
V373514
ISBN (eBook)
9783668536654
ISBN (Buch)
9783668536661
Dateigröße
3033 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit beschäftigt sich mit der umfassenden Analyse der Medikalprodukte-Logistik und deren Messbarkeit. Der Autor hat durch seine Tätigkeit in einem Krankenhaus in kommunaler Trägerschaft seit nun mehr als zwölf Jahren einen guten Einblick in die Prozesse des Krankenhauses. Neben der Personalverantwortung für die Bereiche Einkauf und Medikallager haben ihn vor allem die noch vorhandenen Potenziale in dem genannten Prozess motiviert, dieses Thema für seine Master-Thesis zu wählen.
Schlagworte
Medikalprodukte Logistik Controlling Fallstudie Krankenhaus
Arbeit zitieren
Jörg Karnelka (Autor), 2017, Der Versorgungsprozess mit Medikalprodukten und ihre controlling-basierten Optimierungspotenziale für die Logistik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/373514

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