Motive für ehrenamtliches Engagement. Zwischen Altruismus und Egoismus


Hausarbeit, 2017

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ehrenamtliches Engagement
2.1 Ursprung und Entwicklung
2.2 Begrifflichkeiten

3. Motive für ehrenamtliches Engagement
3.1 Altruistische Motive
3.2 Egoistische Motive

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Laut einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach waren im Jahr 2016 mehr als 14,3 Millionen[1] Menschen in Deutschland ehrenamtlich tätig. Das heißt, in etwa jeder fünfte Bürger hat sich dazu entschlossen, sich freiwillig zu engagieren. Darunter finden sich neben Rentnern und Studierenden auch zahlreiche Berufstätige. So ist der durchschnittliche, männliche Engagierte im mittleren Lebensalter und gehört der Mittelschicht an. Männer sind besonders häufig im Vereinswesen tätig. Die typische weibliche Ehrenamtliche hingegen ist Rentnerin oder Hausfrau und im sozialen Bereich aktiv (vgl. Pinl 2013).

Erklärt sich der heutige Ehrenamtliche tatsächlich völlig selbstlos und aus reiner Nächstenliebe dazu bereit, neben den alltäglichen Verpflichtungen, zusätzliche Aufgaben für das Gemeinwohl zu übernehmen? Oder üben eigennützige Zwecke einen Einfluss auf das Ergreifen einer freiwilligen sozialen Tätigkeit aus? Diese Fragen sollen in der vorliegenden Arbeit behandelt werden.

Zunächst wird ein Überblick über das ehrenamtliche Engagement gegeben. Die Entstehung und historische Entwicklung, sowie die verschiedenen Begrifflichkeiten, die soziales Engagement zu beschreiben versuchen, werden als Grundlage in aller Kürze erörtert. Im Anschluss werden die Motive für die Durchführung eines Ehrenamts erläutert und, sofern möglich, in egoistische beziehungsweise altruistische Beweggründe gegliedert. Mit Bezug auf eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach aus dem Jahr 2013/2014 wird die Verbreitung der jeweiligen Motive dargestellt, um im Anschluss in Form des Fazits eine Einschätzung zu treffen, inwiefern soziales Engagement aus eigennützigen oder selbstlosen Gründen ergriffen und durchgeführt wird.

2. Ehrenamtliches Engagement

Um eine Grundlage für die weiteren Ausführungen zu schaffen, muss vorerst der behandelte Gegenstand, das ehrenamtliche Engagement, genauer ins Auge gefasst werden. Sich lediglich darauf zu beziehen, dass eine Tätigkeit im Sinne des Gemeinwohls durchgeführt wird, reicht hierbei nicht aus. Deshalb wird die Entstehung des ehrenamtlichen Engagements beziehungsweise verschiedene Begrifflichkeiten, mit denen der Gegenstand beschrieben wird, im Folgenden dargestellt.

2.1 Ursprung und Entwicklung

Die Geschichte des Ehrenamts ist so umfassend, dass im Rahmen dieser Arbeit lediglich ein grober Überblick über den Ursprung und die historische Entwicklung gegeben werden kann.

Das Ehrenamt lässt sich zum einen auf das „bürgerliche Ehrenamt im Kontext der preußischen Ständeordnung des Freiherrn von Stein“ (Grunwald/Steinbacher 2009, S. 615) und zum anderen auf das „soziale Ehrenamt des Elberfelder Systems“ (ebd., S. 615) zurückführen, wobei es in beiden Fällen um die „Selbstverwaltung der lokalen Angelegenheiten“ ging (ebd. S. 615). Erstmals wurde der Begriff „Ehrenamt“ schriftlich im Jahr 1856 im Gesetz der Landesgemeindeordnung für Westfalen erwähnt (vgl. Winkler 2011). In diesem Fall bezog sich die Bezeichnung auf das offizielle, spezifische Amt des Gemeindevorstehers, welcher durch die Gemeindeversammlung gewählt wurde und für sechs Jahre in seinem Amt verweilte. Bis auf eine Unkostenentschädigung war dieser Dienst unentgeltlich und hatte das Ziel, den Bürgern eine Möglichkeit der Partizipation zu gewähren (vgl. ebd.).

Jedoch waren diese Ämter bei weitem nicht für alle Menschen realisierbar, da der Zugang durch eine Wahl erfolgte, für welche lediglich Personen mit bürgerlichen Ehrenrechten zugelassen waren. Somit bildeten ein gewisses Steueraufkommen, aber auch Grundbesitz sowie Selbstständigkeit die Voraussetzungen für ein Ehrenamt. Erst später wurden auch Bildungsbürger zugelassen (vgl. ebd.).

Frauen waren lange Zeit vom Ehrenamt ausgeschlossen, ein ausdrückliches Verbot erfolgte 1891 in der Landgemeindeordnung für die östlichen Provinzen (vgl. ebd.). Ausgenommen waren hier jedoch der familiäre sowie der soziale Bereich, auf dem der Fokus dieser Arbeit liegt. Erst durch die Entwicklung des Vereinswesens im 19. Jahrhundert eröffnete sich eine dritte Sparte des Ehrenamts, welche die primär weibliche private Wohltätigkeit, insbesondere im Bereich der Armenpflege, bezeichnet (vgl. Grunwald/Steinbacher 2009). Dass insbesondere im sozialen Sektor ehrenamtlich gearbeitet wird hängt folglich mit der historischen Entwicklung dieses Tätigkeitsbereichs zusammen. „Ursprünge und Wurzeln sozialer Leistungen und Handlungsfelder liegen in weiten Teilen im Bereich privater Initiative beziehungsweise privaten Engagements“ (Enquete-Kommission 2002, S. 192).Aufgrund der sich ändernden Lebensverhältnisse folgte die notwendige Professionalisierung Sozialer Arbeit, welche zu neuen Motivations- und Organisationsformen des Ehrenamts führte. Schließlich kam es aufgrund der Expansion dieser Profession in den späten 60er Jahren zu einem „Bürokratisierungs-, Verrechtlichungs- und Professionalisierungsprozess“, dem sich Wohlfahrtsverbände stellen mussten (vgl. Grunwald/Steinbacher 2009). Dies führte zu einem deutlichen Rückgang der Freiwilligenzahlen. Erst in der zweiten Hälfte der 70er Jahre wurde das Ehrenamt als „gesellschaftliche Ressource“ wiederentdeckt, da Gelder für soziale Dienstleistungen fehlten (vgl. ebd., S. 616).

Heutzutage versteht man unter Ehrenamt, dass sich Männer und Frauen freiwillig in Parteien, Gewerkschaften, Vereinen beziehungsweise Verbänden oder auch Kirchen engagieren (vgl. Grunwald/Steinbacher 2009). Bedeutend ist, dass es sich nicht um eine „selbstlose Tat, die ein Einzelner zufällig und einmalig in seinem Umwelt erbringt“ handelt, sondern stets ein institutioneller beziehungsweise organisatorischer Rahmen gegeben ist (ebd., S. 614).

2.2 Begrifflichkeiten

Es gibt inzwischen vielfältige Begriffe für den Gegenstand dieser Arbeit, weshalb in der Gliederung zur Vereinfachung der Oberbegriff „ehrenamtliches Engagement“ genutzt wird. Die Entwicklung alternativer Termini lässt sich damit begründen, dass das „Ehrenamt“ aufgrund seines Wortursprungs einerseits als veraltet und andererseits nicht mehr zur tatsächlichen Tätigkeit passend betrachtet wird (vgl. Grunwald/Steinbacher 2009).

Bevor im weiteren Verlauf wie bislang diese Formulierung genutzt wird, sollen die drei geläufigsten Begriffe Ehrenamt, Freiwilligenarbeit und bürgerschaftliches Engagement erläutert werden.

Für den Begriff Ehrenamt gibt es keine eindeutige, einheitliche Definition. Rauschenbach beschreibt Probleme der Definition in drei Bereichen: die begriffliche Diffusität und subjektive Unklarheit, die theoretisch-kategoriale Unterkomplexität und der mögliche Strukturwandel des Phänomens „Ehrenamt“ (vgl. Peglow 2002). Die Zerlegung des Wortes in die Bestandteile „Ehre“ und „Amt“ ist nicht mehr schlüssig, da heutzutage nicht mehr das ehrvolle Ausüben eines bestimmten Amtes beschrieben werden soll, sondern die Tätigkeit in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen wie etwa Politik, Kultur, Wissenschaft, Religion, Freizeit, Sport und, wie hier im Mittelpunkt, im sozialen Bereich. Das soziale Ehrenamt ist ein „unentgeltliches, in der Freizeit erbrachtes, soziales Engagement für andere und/oder anderes“ (Nörber 1999, S. 21). Gaskin fasst unter dem Begriff soziales Ehrenamt Aktivitäten, die ein Mensch freiwillig zugunsten anderer und ohne Bezahlung durchführt. Hilfestellungen innerhalb der engen Familie schließt er aus dieser Definition aus (vgl. Peglow 2002).Bezieht man sich auf Benevol Schweiz, eine Dachorganisation für Freiwilligenarbeit, die auch Mitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen Deutschland ist, wird diese ebenfalls als eine produktive Arbeitsleistung definiert, die freiwillig und selbstbestimmt erfolgt. Es besteht weder ein rechtlicher Zwang, noch sind die Freiwilligen auf einen Verdienst durch diese Tätigkeit angewiesen. Da die Ausübung zeitlich begrenzt und unentgeltlich ist, stellt sie keine Konkurrenz zur beruflichen Arbeit dar. Freiwilligenarbeit ist am Gemeinwohl orientiert, also am Mensch, der Gemeinschaft oder aber auch der Umwelt. Man unterscheidet zwischen informeller Freiwilligenarbeit, welche spontan im Bekanntenkreis erfolgen kann, und formeller Freiwilligenarbeit, die innerhalb einer privaten oder öffentlichen Einsatzorganisation durchgeführt wird. Bezüglich letzterer lässt sich noch die Basisarbeit, sprich die ausführende Tätigkeit „im Auftrag“ vom Ehrenamt im klassischen Sinne, nämlich der Vorstandschaft in einem Verein oder ähnlichem durch Wahl oder Beauftragung, unterscheiden (vgl. Benevol Schweiz).

Unter bürgerschaftlichem Engagement versteht man Tätigkeiten die dazu dienen sollen, gemeinsame Ziele zu erreichen (vgl. Enquete-Kommission 2002). Das Engagement kommt, wie der Name bereits indiziert, aus der Bürgerschaft selbst und hat neben einer geselligen und sozialen auch eine politische Komponente. Als Beispiele für bürgerschaftliches Engagement lassen sich die Mitgliedschaft in einem Verein oder die unbezahlte Mitarbeit in gemeinwohlorientierten Einrichtungen aufführen. Wie auch die beiden vorhergehenden Begriffe, definiert das bürgerschaftliche Engagement Aktivitäten, die nicht gewinnorientiert sind (vgl. ebd.).

Eine klare Unterscheidung der genannten Begrifflichkeiten ist schwierig und nicht zwingend notwendig für die vorliegende Arbeit. Zusammenfassend sind die auszeichnenden Merkmale des ehrenamtlichen Engagements Unentgeltlichkeit, Freiwilligkeit, keine speziellen fachliche Qualifikationen sowie Solidarität. Mit Ausnahme der informellen Freiwilligenarbeit, die schwer eingrenzbar ist, ist soziales Engagement in der Regel durch eine institutionelle Rahmung gekennzeichnet.

3. Motive für ehrenamtliches Engagement

Im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat das Institut für Demoskopie Allensbach im August 2013 eine bevölkerungsrepräsentative Befragung zu Motiven des bürgerschaftlichen Engagements durchgeführt. Bevor man die Ergebnisse dieser Umfrage genauer betrachtet, muss vorweg genommen werden, dass die teilnehmenden Bürgerinnen und Bürger neben dem sozialen Bereich auch im Rettungswesen, im Sport sowie in Kirchen, Vereinen und Kommunen angesiedelt sind. Ein eindeutiger Bezug zu lediglich dem sozialen Bereich kann also nicht hergestellt werden. Motive bezeichnen „grundlegende, situationsübergreifende und relativ konstante Ziel- und Wertungsdispositionen“ die das Verhalten von Menschen zu erklären versuchen (Schüll 2004, S.113).

Nun wird in Bezug auf das Ehrenamt häufig davon ausgegangen, dass die Tätigen ohne jeglichen Gedanken an den eigenen Nutzen für Fremde aktiv werden. „Der objektiv gesehenen ‚guten‘ (sprich fremdwohlerzeugenden) Tat muss eine ‚gute‘ Gesinnung korrespondieren (Schüll 2004, S. 53).“ So kommt es vor, dass „persönliche Nutzenerwägungen“ sogar als verwerflich gelten (Hollstein 2015, S. 52). Jedoch kam in den vergangenen Jahren in verschiedenen Publikationen zum Ausdruck, dass eine Tätigkeit aus rein selbstlosen Motiven kaum mehr beobachtet werden kann. So treten altruistische Begründungen immer mehr in den Hintergrund, während die Bedeutung der nutzenorientierten Motive im Entscheidungsprozess bezüglich des ehrenamtlichen Engagements wächst (vgl. Enquete-Kommission 2002).

Darauf deutet auch der am weitesten verbreitete Beweggrund, sich unentgeltlich für seine Mitmenschen einzusetzen, nämlich die Freude an der Tätigkeit für andere hin. 95 Prozent der Befragten führten diesen Aspekt an (vgl. Haumann 2014). Doch die Befragten nannten im Durchschnitt 14 von 24 aufgeführten, verschiedenen Motive, die sie zur Aufnahme einer ehrenamtlichen Tätigkeit verleitet haben. Somit kann eine Vielfalt verschiedener Anregungen festgestellt werden. Neben den sozial sicherlich mehr erwünschten altruistischen Motiven, wurden von den Befragten auch egoistische Motive angegeben.

Lediglich vier Prozent der Befragten engagieren sich laut eigener Aussage ohne emotionalen Anreiz (vgl. Haumann 2014). Aus der Sicht der Engagierten sind gemeinwohl- und nutzenorientierte Motive problemlos miteinander kombinierbar (vgl. Hollenstein 2015). Im Folgenden sollen sowohl selbstbezogene als auch selbstlose Beweggründe dargestellt werden.

3.1 Altruistische Motive

„Altruistisches Handeln […] ist gegeben, wenn eine Person die Absicht hat, durch ihr Handeln anderen Personen oder Personengruppen zu nutzen, eigennützige Ziele sollte dabei nicht im Vordergrund stehen (Moschner 1994, S. 11f.)“.

Sozial Engagierte haben häufig altruistische Neigungen, also das Bedürfnis, andere zu unterstützen (vgl. Haumann 2014). Dieses Bedürfnis wurde von 86 Prozent als Antrieb für ihr Engagement genannt. 82 Prozent gaben an, sich bei ihrer Tätigkeit auf die Hilfe für bestimmte Anliegen beziehungsweise Gruppen zu fokussieren. Ein ebenso großer Anteil der Befragten begründete das Engagement mit dem Gefühl, gebraucht zu werden (vgl. ebd.).

Doch auch eine auf den ersten Blick eher negative Seite des Verantwortungsgefühls für andere kommt in der Studie zum Ausdruck; moralische Verpflichtungen beziehungsweise das Pflichtgefühl werden von mehr als der Hälfte der Befragten als Grund für die soziale Tätigkeit benannt. So kommen rund 15 Prozent der Befragten dem Engagement beinahe nur deshalb nach, weil sie von Angehörigen oder Bekannten dazu aufgefordert wurden (vgl. Haumann 2014). Es stellt sich hier die Frage, ob die Arbeit tatsächlich freiwillig vollzogen wird oder die gesellschaftlichen Erwartungen diese Personen in ihre Positionen gedrängt haben.

Aktive im Gesundheits- beziehungsweise Sozialbereich werden vorrangig durch Hilfsbereitschaft, jedoch auch religiöse oder ethische Antriebe motiviert.

Aus der Umfrage kristallisieren sich fünf zentrale, also am häufigsten genannte Hauptmotive heraus. Hierunter fallen zum einen der Wunsch, etwas für andere zu tun, häufig in Bezug auf eine konkrete Gruppe oder ein bestimmtes Anliegen, und zum Anderen der Wille, durch das Engagement etwas zu bewegen und Dinge zum Positiven zu verändern. Diese Motive sind vorrangig „eher objektive, selbstlose“ (Haumann 2014, S. 17) Antriebe. Lediglich ein Motiv, nämlich die bereits genannte „Freude am Engagement“, lässt sich als selbstbezogen bezeichnen und wird gemeinsam mit weiteren eher egoistischen Beweggründen im Folgenden aufgeführt (vgl. ebd.).

[...]


[1] Diese Zahl wurde bisher ohne weitere Angaben lediglich von Statista GmbH aufgeführt. URL: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/173632/umfrage/verbreitung-ehrenamtlicher-arbeit/. Zuletzt: 02.03.2017

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Motive für ehrenamtliches Engagement. Zwischen Altruismus und Egoismus
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
14
Katalognummer
V373569
ISBN (eBook)
9783668510340
ISBN (Buch)
9783668510357
Dateigröße
779 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
motive, engagement, zwischen, altruismus, egoismus
Arbeit zitieren
Hannah Jost (Autor:in), 2017, Motive für ehrenamtliches Engagement. Zwischen Altruismus und Egoismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/373569

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