Deutsche und Griechische Bewegungsverben im Vergleich


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017
26 Seiten, Note: 1.3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das mentale Lexikon und seine Struktur
2.1 Wortproduktion und Worterkennung
2.2 Gruppierungen der Wörter

3. Wortassoziationen und Frame-Semantik
3.1 Semantische Relationen
3.2 Frame- Semantik

4. ′Verb-framed′ und ′Satellite-framed′ languages
4.1 Pfad- und Art-Verben
4.2 ′Verb-framed′ und ′satellite framed′ languages

5. Sprachvergleichende Analyse der Bewegungsverben

6. Lexikalische Polysemie
6.1 Bedeutungsverschiebungen
6.2 Bedeutungsverengungen
6.3 Bedeutungserweiterungen
6.4 Metaphorisierung
6.5. Metonymisierung
6.6 Analysen der Bewegungsverben ′gehen′ und ′laufen′ im Deutschen und im Griechischen
6.6.1 ′gehen′ , ′πηγαίνω′
6.6.2 ′laufen′, ′τρέχω′

7. Schlusswort

8. Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

In dieser Seminararbeit werde ich mit mehreren Bereichen der Lexikologie beschäftigen, diese werden im Hauptteil dargestellt. Die Anwendung der analysierten Theorie folgt im Anhang, worin sich Aufgaben befinden, die auf dieser basieren. Erstmals wird das mentale Lexikon und sein Aufbau beschrieben, damit man versteht, dass das menschliche Gehirn ein ‟Netzwerk” ist, dass uns erlaubt Wortbildungen zu machen. Diese Wortbildungen erfolgen dank seiner Strukturiertheit und den Mechanismen, die zur Wortproduktion und der –Erkennung führen. Wörter werden auch durch die Assoziationen erlernt. Es entstehen Beziehungen zwischen den Wörtern und diese werden mit den Elementen der passenden Situation, in der es gebraucht wird verknüpft. In dem Fall redet man von ‟Frame-Semantik”. Da das Verb ein wichtiger Teil der Sprache ist, beschäftige ich mich in dieser Arbeit mit den Bewegungsverben und die Unterscheidung dieser in Pfad- und Art- Verben, sowie auch die ′verb- framed′ und ′satellite- framed′ languages. Es folgen Vergleiche der Bewegungsverben zwischen der deutschen und griechischen Sprache, was auch im Kapitel der lexikalischen Polysemie mit den Verben ‟gehen” und ‟laufen” passiert.

2. Das mentale Lexikon und seine Struktur

Zahlreiche Untersuchungen innerhalb der Neurowissenschaften haben herausgefunden, dass das mentale Lexikon ein ‟neuronales Netzwerk” (Portz 2005:82) ist. Die lexikalischen Einheiten befinden sich im Gehirn in einer solchen Weise, dass sie ‟sowohl holistisch als auch nach Lautung und Bedeutung getrennt abgerufen werden”( Portz 2005:82). Das Gehirn hat die Mittel, die sich während dem Spracherwerb entwickeln, und dafür zuständig sind, dass Wortbildungen und die Analyse dieser passiert (Portz 2005:82).

Das mentale Lexikon ist ein Teil der Sprache. Für die Wörter gibt es auf der einen Seite die Bedeutung und Wortart und auf der anderen die Laute. Zwischen den beiden Seiten entsteht eine Verbindung. Diese Verbindung ist ‟willkürlich” ( Aitchinson 1997: 291) , wie man bei den Onomatopoetika z.B niau, wau einer Sprache sieht. Diese differenzieren sich jedoch von Sprache zu Sprache. Die einzelnen Sprachen produzieren Verknüpfungen zwischen Lauten und Bedeutungen. Es existieren bestimmte Laute, die spezifischen Bedeutungen anzuknüpfen sind. Man merkt aber, dass es zwischen Bedeutung und Lautung keine feste Bindung gibt. Das passiert, weil die ‟Semantik und Wortart die Worterzeugung erleichtern soll” ( Aitchinson 1997: 292), während die Phonologie zuständig für das Erkennen dieser ist. Die Lemmata befinden sich in ‟semantischen Feldern”( Aitchinson 1997: 292) und innerhalb dieser entstehen Bindungen. Die Sprecher haben dann, eine große Auswahl aus bestimmten Themenbereichen, indem sie Wörter, die miteinander verbunden sind, vergleichen.

Auf der anderen Seite die Lautformen sind eng mit Wörtern verbunden, die ähnlich klingen wie z.B ‟Lamm” und ‟lahm” oder ‟sollen” und ‟Sohle”. Die Hörer müssen in diesem Fall das richtige aussuchen. Bei der Produktion von Sprache können, aber Schwierigkeiten entstehen. Deswegen muss der Sprecher bei der Lautung eines Wortes achten, dass es mit keinem ähnlich klingenden verwechselt wird. ( Aitchinson 1997: 292)

2.1 Wortproduktion und Worterkennung

Was also die Lautstruktur angeht, ist das Lexikon erstmals auditiv und bei der Sprachproduktion muss das Auditive in entsprechenden Lautsequenzen umgewandelt werden. Das mentale Lexikon ist also ein gemischtes System, das sowohl auf die Wortproduktion als auch die Erkennung achten soll. Für die Produktion ist zuständig die Semantik und Syntax und für die Erkennung die Strukturiertheit der Laute. Diese sind unterschiedlich organisiert. Die Modifikation des Lexikons und die Anordnung der Wörter in Wortarten und Gruppen passierten nicht nur für die einfache Nutzung sondern auch für die effektive Speicherung der Wörter im Gedächtnis. Dieses braucht ein gut geordnetes System um mit den tausenden von Wörtern richtig umzugehen. ( Aitchinson 1997: 293).

Das Lexikon ist also ein System, dass aus der Syntax- Semantik und der Phonologie besteht. Die Verbindung dieser führt zur Produktion von neuen Wörtern. Es handelt sich also, um ein Netzwerk in dem es mehrere Verknüpfungen gibt, das auch ‟zu den allgemeinen kognitiven Fähigkeiten einer Person” ( Aitchinson 1997: 295) führt. Darin besteht die Möglichkeit Zugang an einer großen Zahl von Allgemeinwissen und Erinnerungen zu haben. Da es mehrere Verknüpfungen in den komplizierten System des mentalen Lexikons gibt, weiß man nicht, ‟wo die Bedeutung eines Wortes endet und das Allgemeinwissen beginnt”( Aitchinson 1997: 295).

Andere Verbindungen führen zu der Syntax. Das betrifft vor allem Verben, die syntaktische Regeln brauchen, um richtig verwendet zu werden.

Man sieht, dass es unterschiedliche Verfahren gibt, die zur Sprachproduktion und Erkennung führen. Wenn man auf der Suche eines Wortes im mentalen Lexikon ist, folgt man einen bestimmten Weg in ein kompliziertes Netz, um das passende Wort auszuwählen.

2.2 Gruppierungen der Wörter

Es gibt Wörter in dem Netz die häufiger gebraucht werden. Zu diesen gelangt man relativ leicht. Aber um zu Wörtern zu gelangen, die in bestimmten Gelegenheiten verwendet werden ist der Weg schwieriger.

Lexikalische Einheiten werden innerhalb des mentalen Lexikons auf einer bestimmten Art und Weise sortiert, dass die Lautung und Bedeutung immer wenn man sie braucht, abgerufen werden kann. Es wird dafür gesorgt, ‟dass komplexe Lexeme bei Bedarf auch hinsichtlich ihrer morphemischen ‟Bausteine” abrufbar sind” (Portz 2005: 82). Es gibt einen so genannten ‟Werkzeugkasten”(Portz 2005: 82), der zur Verfügung steht und dieser wird während des Spracherwerbs entwickelt. Er bekommt die erforderlichen Mittel, die sowohl für die Wortbildung als auch für die Analyse neuer Wortbildungen zuständig sind (Portz 2005: 82).

Die Elemente der Wörter des mentalen Lexikons stehen in Verbindung zueinander, aber auch zu anderen Einheiten wie zum Beispiel Bilder. Aus diesem Grund ist die Akustik und Optik eines Wortes und Bildes der Vorreiz (Prime) (Portz 2005: 83), der vorher aktiviert wird, für die Erkennung eines Zielwortes (Target) (Portz 2005: 83) wichtig.

3. Wortassoziationen und Frame-Semantik

Beim Erlernen eines Wortes werden mehrere Arten von Assoziationen verknüpft. Es muss erstmals die Form gelernt werden. Noch werden die Laute, aus denen das Wort zusammengesetzt ist, assoziiert. Es folgt die Verknüpfung der Elemente der Situationen in denen das Wort gebraucht wird. Ist dieses Wort der ‟Tiger”, dann sind solche Assoziationen zwischen Elementen seines Lebensraums, seiner Größe, seiner Ernährung, seines Aussehen usw. Die Form des Wortes wird mit seiner Referenzklasse verbunden. Schon auf dieser Ebene zeigt sich, „wie die Konstruktion der Begriffswelt sprachlich vermittelt wird” (Ludewig, Geurts 1998: 211): von den Assoziationen zwischen den Sinneserfahrungen werden die ausgewählt, die mit den passenden Wörtern verknüpft sind. Die Wortform wird also nicht auf einer abstrakten Weise mit dem Begriff verbunden, sondern der Begriff ist das Ereignis, bei dem das passende Wort verwendet wird(Ludewig, Geurts 1998: 211).

3.1 Semantische Relationen

Die Beziehungen zwischen den Wörtern ist ein wichtiger Teil unseres wortbezogenen Wissens. Diese werden semantisch erklärt und zählen zu den semantischen Beziehungen im Wortschatz.

Darunter die Synonyme: ‟Zwei Wörter sind synonym dann, wenn man das einen in jedem Kontext für das andere einsetzen kann”( Busse 2009: 104).

- Beispiele: ‟ Arzt”- ‟ Doktor”, ‟ Fleischer” und ‟ Metzger”, ‟ sagen” und ‟ ausdrücken”, ‟ Orange” - ‟ Apfelsine”

Auf der anderen Seite gib es den ‟Bedeutungsgegensatz ( Busse 2009: 105). Man redet von Antonymen, wenn man das Gegenteil eines Wortes untersucht

- z.B. ankommen- abfahren, lachen-weinen, stehen-sitzen.

Bedeutsam ist auch die ‟Bedeutungshierarchie ( Busse 2009: 105).Es gibt Bezeichnungen für bestimmte Gegenstände, die Oberbegriffe und Unterbegriffe besitzen. Diese Oberbegriffe heißen Hyperonyme und es folgen weitere spezielle Unterteilungen, die Hyponyme genannt werden. Das Wort ‟Möbel” ist ein Hyperonym, da sich unter ‟ Möbelstück” Wörter wie ‟Sessel”, ‟Sofa”, ‟Stuhl”, ‟Tisch”, ‟Regal” befinden.

- Möbelstück: Sessel, Sofa, Stuhl, Tisch, Regal

Diese Möbelstücke sind die Hyponyme, sie sind dem Oberbegriff ‟Möbel” untergeordnet.

Als letzte Relation erwähne ich die Heteronyme. In diesem Fall redet man von ‟Inkompatibilität (Busse 2009: 107). Man redet von Heteronymen, wenn die Bedeutungen der Wörter sich wechselseitig ausschließen und sie zusammen einen gemeinsamen Gegenstandsbereich einer bestimmten Dimension vollständig abdecken( vgl. Busse 2009: 107).

z.B Jahresmonate: Januar, Februar, März, April usw.

3.2 Frame- Semantik

So wie sich Busse auf Fillmore beziehend ausführt,ist die Frame- Semantik eine „Verstehens-Semantik”.Viele syntaktische und satzsemantische Probleme lassen sich lösen, wenn man die semantisch erforderlichen Elemente erweitert. Diese Erweiterung für das korrekte Verstehen notwendiger Elemente wurde als „Frame” benannt (Busse 2009: 80f.). Alle menschlichen Wahrnehmungen und Erinnerungen wurden in Form von Schemata organisiert. Das heißt, dass die Frame-Semantik davon ausgeht(Busse 2009: 83f.):

Sprachliche Zeichen setzen in Kommunikationszusammenhängen Anhalts- undMarkierungspunkte, die es ermöglichen, den Bedeutungsgehalt inferentiell( schlussfolgend), d.h. im impliziten Rückgriff auf Weltwissen, zu konstruieren.[…] Sprachliche Ausdrücke fungieren so gesehen eher als Anspielungen auf vorausgesetztes Wissen als Transformbehälter für Wissen.

Das Hintergrundwissen, das erforderlich ist, wird auf bestimmter strukturiert. Die Elemente, die im verstehensrelevanten Wissen gehören, sind in diesem „Rahmen”(Frame) zu finden und füllen die Leerstellen. Jeder Begriff, der so eine Füllung durchführt, ist selbst ein „Rahmen” (Busse 2009: 84).

4. ′Verb-framed′ und ′Satellite-framed′ languages

Unter den zahlreichen Verben einer Sprache gibt es viele, die eine Bewegung zeigen. Diese heißen Bewegungsverben und enthalten das semantische Merkmal der Bewegung. Diese Bewegung, die das Verb bezeichnet, verlangt weitere Eigenschaften, wie den Ausgangspunkt, das Ziel und den Weg. Ein solches Verb verlangt manche Angaben, um ein vollständiges Bewegungsereignis zu zeigen. Die Bewegungsverben differenzieren sich, was die Fortbewegung angeht. Passiert sie auf dem Land, im Wasser oder in der Luft? Ist die Bewegung schnell oder langsam, horizontal oder vertikal? ( Busse 2010: 18ff)

4.1 Pfad- und Art-Verben

Nach Talmy treten in einem Bewegungsereignis mehrere semantische Komponenten auf, darunter ist der PATHàWEG, das Element, das die Richtung, die die Figur hinsichtlich einer Hintergrundes nimmt. Der WEG ist ein internes Element.

Eine andere Komponente, die in einem Ereignis auftreten kann ist MANNERàART UND WEISE. Diese drückt die Art und Weise der Bewegung aus. Der WEG gehört zum Kern eines Bewegungsereignisses und die ART zum sogenannten ‟Co-Ereignis». Diese muss nicht in allen Sprachen notwendigerweise lexikalisiert werden(vgl. Talmy 2000:49). Dagegen wird Bewegung immer im Verb realisiert und der Weg entweder im Verb, das sind die ′verb-framed′ languages oder außerhalb des Verbs, das sind die ′satelite-framed′ languages (Busse 2010: 34f). Zum Beispiel: der Satz Tobias klettert auf den Baum. Das Bewegungsverb klettert drückt die Art und Weise der Bewegung aus, indem die Präpositionalphrase auf den den Weg ausdrückt.

4.2 ′Verb-framed′ und ′satellite framed′ languages

Der Begriff ′verb-framed′ languages(auf Deutsch verbal gefasste Sprachen) und sein Gegenteil satellite-framed languages dienen der Linguistik dazu, zwei grammatische Typen von Sprachen zu differenzieren. Es handelt sich um die Differenzen in der Art, wie Informationen auf die Bedeutungen der Wörter verteilt werden. Konkret, welche Informationen werden innerhalb des Verbs ausgedrückt und welche werden stattdessen als anderes Satzteil außerhalb des Verbs ergänzt. Den zweiten Fall sehen wir in den ′satellite-framed′ languages. Die zwei bedeutendsten Vertreter dieser Theorie sind Talmy und Slobin.

Um Bewegungsereignisse konkret zu beschreiben, wird die Eigenschaft ‟des Pfades” von der Eigenschaft ‟der Art und Weise” unterscheidet. Wie vorher schon genannt, bezeichnet der Pfad die Richtung der Bewegung, indem die Art und Weise-Eigenschaft die Methode und die Bewegungsform anzeigt.

Nach Talmy werden die zwei verschiedenen Arten von Sprachen darin unterschieden, ob die Informationen über den Pfad im Verb ausgedrückt werden, genauer in der ‟Werbwurzel” oder ob die Beschreibung des Pfades außerhalb des Verbs angezeigt wird. Das passiert durch einen ‟Satelliten”. Satelliten sind Präpositionalphrasen (z.B. auf den Baum), oder Adverbien. Als Satelliten zählen auch die Präfixe oder die Parikeln. In der deutschen Sprache existieren mehrere solche Verben, z.B. hinausgehen, aussteigen, austreten. Man sieht, dass das Deutsche zu den ′satellite-framed′ languages gehört. Einen ‟Satelliten” braucht auch das Englische. Im Gegenteil das Französische und das Spanische gehören zu der anderen Kategorie der Sprachen.

(https://de.wikipedia.org/wiki/Verb-framed_Language)

So wie sich Busse auf Berthele beziehend ausführt, verwenden Sprecher der S-Sprachen eine größere Menge von Bewegungsverben und insbesondere Verben, die die Art und Weise ausdrücken. Daraus folgt, dass sie expressiver, was den bewegungsausdruck sind. In den V-Sprachen ist ein Grundelement in der Verbalphrase integriert. Im Gegenteil, sind bei den S-Sprachen mehrere Grundelemente angegeben (Busse 2010: 38).

5. Sprachvergleichende Analyse der Bewegungsverben

In diesem Teil meiner Hausarbeit werde ich einen Vergleich zwischen den Bewegungsverben in der griechischen und deutschen Sprache machen, mit denen ich die Liste von Bauer ergänzt habe. Diese befindet sich als Nummer 8 im Anhang.

Deutsch gilt als eine S-Sprache, da die Informationen zum Pfad außerhalb der Verbwurzel ausgedrückt werden, durch Präpositionen, Partikeln und Adverbien. Während der Übersetzung der deutschen Bewegungsverben ins griechische treten Differenzen in der Form auf.

- Das Verb ′ rasen′, das die Schnelligkeit zeigt, wird ins Griechische als ′ τρέχω γρήγορα ′ übersetzt.

Man sieht, dass man im Griechischen ein Adverb dazu schreibt, um es konkret auszudrücken. Etwas Ähnliches sieht man auch beim Verb ′ joggen′. Obwohl diese Tat mit einem Wort ausgedrückt wird, schreibt man es im Griechischen ′ κάνω τζόκινγκ ′.Man benutzt das Verb machen undtrennt es von der Tat( τζόκινγκ).

Es folgen auch andere Bewegungsverben die mit Partikeln oder Präfixen verbunden sind. Diese werden in der griechischen Sprache umschreibend übersetzt.

- Das Verb ′ hinunterstürzen′ ist ein Partikelverb. Partikelverben sind „Konstruktionen mit abtrennbarem Verbzusatz” (Busse 2010:45).

Das Partikel ′ hinunter′ zeigt in diesem Fall die Richtung an. Im Griechischen heißt es ′ πέφτω κάτω ′. Es besteht also aus dem Verb und dem Partikel. Dennoch hört sich diese Übersetzung komisch für einen Griechen an, da πέφτω sowieso eine senkrechte Bewegung ausdrückt. Man kann sagen, dass κάτω überflüssig ist. Es folgen weitere Bewegungsverben hinfallen, herausgehen, rausspringen, hinuntersteigen, hinaufsteigen. All diese werden im Griechischen mit einem Verb und ein zusätzliches Adverb übertragen.

- Komisch klingt auch das ′ hinaufsteigen′, da es als ανεβαίνω πάνω übertragen wird. Wieder ist das Adverb πάνω überflüssig.
Man sieht auch Partikeln, die formgleich mit Präpositionen sind.
- Die Verben ′ ankommen, einsteigen, vorgehen und aussteigen′. Das Partikel dient zur Richtungsangabe. Die meisten dieser Verben werden im Griechischen mit zwei Wörtern übertragen. Z.B. ′ πηγαίνω μπροστά′ oder ′ μπαίνω μέσα′ .
- Das Bewegungsverb ′ vordrängeln ′ wird ins Griechische als eine ganze Phrase übertragen. ′ Μπαίνω μπροστά στη σειρά ′. Es wird nicht nur ein Adverb μπροστά zur Richtungsangabe dazugeschrieben, sondern auch eine Ortsangabe στη σειρά .
- Letztens, das Verb ′ müssen′, das im Deutschen auch als Vollverb gilt, bedeutet auf Griechisch ′ πρέπει να ′. Damit es vollständig ist und allein stehen kann, braucht es ein Verb mit einer eigentlichen Bedeutung.

6. Lexikalische Polysemie

Unser Wortschatz besteht aus mehreren Wörtern. Die Form eines Wortes kann mit mehreren Bedeutungen in der Sprache auftauchen. Solche Wörter werden als polysem bezeichnet. Es können sich zwar unterschiedliche Bedeutungen ergeben, es gibt aber eine zentrale jedes Wortes, aus der sich folgende Bedeutungen im Laufe der Zeit entwickelt haben (Portz 2005: 60). Das heißt, dass sich die Lexeme des mentalen Lexikons nicht immer direkt verbinden, sondern ihre Bedeutung hängt vom jeweiligen Kontext ab. Das gleiche Wort, das in einem Kontext eine spezifische Bedeutung aufweist, kann gleichzeitig in einem anderen Kontext etwas anderes bedeuten. Dieses wird als ‟mehrdeutig” bezeichnet. Es hat zwar einen Kern, aus dem dann mehrere ‟Nebenbedeutungen” (Ulrich 2010: 172) entstehen.

- Als Beispiel möchte ich das Wort heiß erwähnen. Die Kernbedeutung dieses Wortes ist sehr warm. Es entstehen folgende Nebenbedeutungen.
- Heißes Wasser. Wasser, dessen Temperatur sehr hoch ist.
- Heiße Frau. Eine Frau, die leidenschaftlich ist.
- Heißes Blut haben. Sehr leidenschaftlich sein.
- Er ist heiß darauf diesen Film zu sehen. Er hat Lust diesen Film zu sehen.
- Heißer Draht. Telefonleitung zwischen den Regierungen zweier Staaten zur Verständigung in Krisenzeiten.

Man sieht also, dass es möglich ist, die Bedeutung ein und desselben Wortes aufzuspalten. In diesem Fall gibt es Polysemie, ‟wenn die verschiedenen Bedeutungen auf einen gemeinsame Nenner beziehbar sind”(Nübling 2008: 110).

6.1 Bedeutungsverschiebungen

Es gibt eine Beziehung zwischen den einzelnen Bedeutungen, die Ergebnis von ‟ Bedeutungsverschiebungen” ( Portz 2005: 61) ist. Bedeutungsverschiebungen passieren, wenn aus einer Bedeutung ′A′, eine Bedeutung ′B′ entsteht und diese nichts mehr mit A zu tun hat (vgl. Nübling 2008: 114). Bedeutungsverschiebungen kommen aus den Bedeutungserweiterungen und den – verengungen. Man redet von einem Bedeutungswandel, wenn wir sehen, dass sich Bedeutungen von Wörtern im Laufe der Zeit entwickelt haben, wie bei komisch und witzig der Fall ist( Nübling 2008: 115)

Während witzig, ursprünglich ′klug, vernünftig, verständig′, über ′geistreich′ zu ′witzig, lustig′ wurde, startete komisch bei der Ursprungsbedeutung ′lustig′. Komisch hat aber schon die Hauptbedeutung ′seltsam, merkwürdig′ erlangt und mit Belustigung nicht mehr viel zu tun.

6.2 Bedeutungsverengungen

Bedeutungsverengungen oder Spezifizierungen sieht man häufig. In diesem Fall bekommt ein Wort zusätzliche Merkmale und es verringert somit seinen Anwendungsbereich. Ein Beispiel ist das Wort fahren. Früher bedeutete es die menschliche Fortbewegung. Heute wurde sich die Bedeutung des Verbes durch den semantischen Wandel verengt. Man verwendet das Verb fahren, um eine Bewegung auszudrücken, die ′ein Hilfsmittel′ anfordert. Man sieht, dass sich diese Bedeutung ‟spezifiziert” hat, denn man kann es nicht mehr verwenden, um eine Bewegung auszudrücken, die kein Fortbewegungsmittel voraussetzt( Nübling 2008: 113f)

[...]

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Deutsche und Griechische Bewegungsverben im Vergleich
Hochschule
National & Kapodistrian University of Athens  (Deutsche Sprache und Literatur)
Note
1.3
Autor
Jahr
2017
Seiten
26
Katalognummer
V373592
ISBN (eBook)
9783668511316
ISBN (Buch)
9783668511323
Dateigröße
631 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Autorin keine Muttersprachlerin [Anm. des Lektorats]
Schlagworte
deutsche, griechische, bewegungsverben, vergleich
Arbeit zitieren
Bachelor: Deutsche Sprache und Literatur Foteini Svarna (Autor), 2017, Deutsche und Griechische Bewegungsverben im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/373592

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