Archäologisches Orientierungspraktikum auf einem früh- bis spätmittelalterlichen Siedlungsplatz


Praktikumsbericht / -arbeit, 2016
14 Seiten

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Beschreibung von Berufsfeld und Praktikumsinstitution
2.1. Das Institut
2.2. Berufsbild des Archäologen
2.3. Berufsbild des Grabungstechnikers

3. Beschreibung der ausgeführten Tätigkeiten

4. Vertiefende Darstellung dreier Schwerpunkte
4.1. Vermessung mit TachyKAD
4.2. Aushebung eines Querschnitt-Planums
4.3. Sammeln von Phosphatproben

5. Reflexion und Bewertung der eigenen Tätigkeit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Frühjahr 2016 stieß ich bei meinem Besuch der Internetseite StudIP unter der Rubrik Ankündigungen zufällig auf eine Anzeige für Praktikumsstellen einer archäologischen Ausgrabung. Dabei handelte es sich um einen Früh- bis hochmittelalterlichen Siedlungsplatz an der Nordseeküste, der mindestens seit dem 8. bis ins frühe 11. Jahrhundert n. Chr. bestand.

Nach einiger Korrespondenz mit dem Grabungsleiter unterzeichnete ich zu Sommeranfang einen Praktikumsvertrag.

Wir trafen uns am Montag, den 1. August um 10 Uhr auf der Grabungsfläche. Die übrigen Tage begannen wir um 8 Uhr. Die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit betrug 40 Stunden, also 8 Stunden pro Tag. Hinzu kam die Zeit für die Frühstücks- und Mittagspause. Feierabend war also etwa um 17 Uhr. Es gab eine Aufwandsentschädigung von 10 Euro pro Tag.

Die Unterbringung erfolgte in Ferienwohnungen nahe der Ausgrabungsfläche, welche uns mit Ausnahme des ersten Wochenendes im August während der gesamten Zeit zur Verfügung standen. Für die Verpflegung war jeder selbst verantwortlich.

2. Beschreibung von Berufsfeld und Praktikumsinstitution

2.1. Das Institut

Das Institut, bei dem ich das Praktikum absolvierte, ist eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung, die sich mit Siedlungsgeschichte und Landschaftsentwicklung der seit der Eiszeit beschäftigt und wurde 1938 als Provinzialstelle für Marschen- und Wurtenforschung gegründet.

Die Bereiche der heutigen Forschung umfassen die Landschafts- und Siedlungsarchäologie, sowie Geologie, Bodenkunde, Vegetationsgeschichte, Geophysik, Historische Geographie und die Archäobotanik.

2.2. Berufsbild des Archäologen

[…] „aber die höchste Eigenschaft eines Feldarchäologen liegt in dem umfassenden Begreifen der Verflechtung der größeren Probleme, mit anderen Worten, in einer geschulten Phantasie.“[1]

Im Prinzip ist Archäologie ein anderes Wort für Geschichtswissenschaft, obwohl man sie nicht als Synonyme verwenden kann. Während sich der Historiker auf schriftliche Äußerungen spezialisiert, sich somit vor allem mit Texten beschäftigt, untersucht der Archäologe die von Menschenhand geformten, materiell greifbaren Zeugnisse, also Objekte und wertet sie aus. In der Interpretation erfolgt dann das „Herauspräparieren“ der tatsächlichen Aussagekraft einer Quelle.[2]

Archäologen übernehmen in der Regel die wissenschaftliche Leitung eines Projekts. Sie beschäftigen sich mit der ur- und frühgeschichtlichen, mittelalterlichen und antiken Kultur, Gesellschaft ebenso wie der Kunst und erforschen das materielle Erbe in Bezug auf seinen Aussagewert. Dabei werden unter anderem die sozialen, politischen und kulturellen Einrichtungen berücksichtigt, die Ernährungsweise, Wohnung, Handels- und Kulturbeziehungen. Kult- und Grabstätten, Handwerk und Technik gehören ebenfalls zu den relevanten Themengebieten.[3]

So beschäftigt sich beispielsweise die klassische Archäologie mit Zeugnissen der Vergangenheit in Regionen des antiken Griechenlands und der römischen Kultur.[4]

Einen besonderen Schwerpunkt bilden diejenigen Epochen, aus denen es wenige oder gar keine schriftlichen Überlieferungen gibt. Dies gilt für die Vorgeschichte, Prähistorie und in begrenztem Umfang auch für die Frühgeschichte. Dort dient sie der Ergänzung bereits vorhandener Quellen. Dabei gehört zu ihrem Arbeitsbereich sowohl die Freilegung von archäologischen Fundstätten im Rahmen von Feldforschungsprojekten als auch Forschungsaufträge, welche dort finanziert werden, wo Bauvorhaben eventuell Geschichtsspuren verwischen könnten.[5]

2.2.1 Methoden und Werkzeuge

Zu den Methoden der Archäologie gehört zum einen die planmäßige und umfassende Erforschung vergangener Kulturen und Gesellschaften. Dabei untersuchen Archäologen die materiellen Lebensbedingungen der Vergangenheit und bedienen sich z.B. der Archäometrie, einer Vereinigung von Hilfswissenschaften und technischer Disziplinen, die ihnen bei der Problemlösung in der Archäologie behilflich sind. Dazu gehören u.a. die Prospektion, einer Sondierung der Erdoberfläche, die Analyse metallischer Fundobjekte, die Herkunft und das Grundmaterial von Keramiken und die Datierung von archäologischem Material.[6]

Die Ausgrabung selbst gehört zum Gebiet der praktischen Archäologie und wird auch als Feldarchäologie oder archäologische Feldforschung bezeichnet. Diese unterteilt sich in die Suche nach ergiebigen Fundplätzen, der systematischen Ausgrabung, der Konservierung von Funden und der anschließenden Analyse.

Zu den Werkzeugen bei der Ausgrabung gehören u.a. Handwerkzeuge wie Schaufeln, Kellen, Schubkarren, Sitzpolster, Maßbänder und die elektronischen Geräte, wie TachyKAD zur Vermessung oder Kameras für Bild- und Geländeaufnahmen. Maßband, Leiter und auch Zahnbürsten gehören zum üblichen Repertoire, wohingegen Pinsel wesentlich seltener zum Einsatz kommen, als es in den Medien dargestellt wird.

2.3. Berufsbild des Grabungstechnikers

Grabungstechniker sind für die technische Leitung auf der Ausgrabung verantwortlich. Zusammen mit der Leitung des Feldforschungsprojekts planen sie das Untersuchungsprogramm, den Einsatz von Maschinen und organisieren die technischen Einrichtungen. Auf der Ausgrabungsstelle erstellen sie ein Vermessungsnetz, in dem die Funde katalogisiert werden und das einen Überblick über die gesamte Grabung ermöglicht. Sie führen auch bauanalytische Untersuchungen durch. Ansonsten helfen sie bei allen anderen Aufgaben mit, wie graben und bergen; beschreiben, zeichnen und fotografieren der Funde; sowie das Dokumentieren von Forschungsergebnissen.

3. Beschreibung der ausgeführten Tätigkeiten

Die Ausgrabungsfläche befand sich auf einer Wiesenfläche neben der Straße und war schätzungsweise 600 Quadratmeter groß. Umgeben wurde sie von einer Kuhweide, zwei Bauwagen und einem Dixieklo. Der Bereich gegenüberliegend der Straße wurde von einem großen Erdwall eingegrenzt, den der Bagger ausgehoben hatte, um die Fläche freizulegen, dem sogenannten „Abraum“.

Bei unserer Ankunft war die Fläche noch größtenteils unbearbeitet und es regnete in Strömen, als wir die Gegend besichtigten, um eine beinahe parallel verlaufende Ausgrabungsstelle im Wald aufzusuchen. Dann verbrachten wir einige Zeit im Bauwagen bis es wieder lichter wurde, ehe wir uns daranmachten, die Zelte aufzubauen und mit der Schaufelplanung zu beginnen. Ersteres gestaltete sich recht kompliziert und langwierig, da die Zeltstangen nicht so recht zueinander passen wollten.

Anschließend schlossen auch wir uns der Schaufelplanung, der Begradigung der Außenkanten, sowie der Einteilung der Fläche in ca. 24 Quadranten mit jeweils 5 Metern an. Mit der Schaufelplanung wurde jeweils vorsichtig mit großen Schaufeln die oberste Schicht der Fläche grob abgetragen. Danach folgte der Feinputz mit Spitz- oder Rundkellen, was sehr umsichtig praktiziert wurde. Man erklärte mir, dass es eine Art Hobelbewegung sein müsse, um kleine Krümel zu vermeiden, die trockneten und später auf den Fotos als Störfaktoren wirkten. Mit dem Feinputz wurden auch die dunklen Befundstellen sichtbar, die auf menschliche oder tierische Einflüsse schließen lassen: Gräben, Pfosten, Feuerstellen; manchmal auch nur Tiergänge. Es wurde größtenteils ein Quadrant nach dem nächsten bearbeitet, ab und an auch parallel.

Im nächsten Schritt wurden die Befunde umrahmt und die einzelnen Quadranten von einer hohen Leiter aus fotografiert. Etwaige Funde, die bereits beim Feinputz auftraten, wie z.B. Keramikscherben, wurden eingetütet und in den Bauwägen verwahrt. Die eingekreisten Befunde, sowie die Fotogrammetrienägel, wurden mittels des Tachymeters (Laika) und dem TachyKAD-Gerät in den Computer eingemessen und schließlich wurde mit dem AutoKAD-Programm ein visueller Plan erstellt, der auch durch ehemalige Grabungen ergänzt wurde und durch die unsrige vervollständigt. Die einzelnen Befunde erhielten auch Nummerierungen, die in den Auto-Plan eingegeben wurden.

Im nächsten Schritt wurden die Befundstellen halbiert, um Querschnitte zu erstellen, von denen jeweils erst die eine Seite in einem quadratischen Planum ausgehoben wurde. Diese wurden dann abfotografiert, anschließend die zweite Seite ausgehoben und die Befunde eingetütet. Gegebenenfalls, d.h. bei einem oder mehreren tieferliegenden Befunden, wurde ein neues Planum auf einer tieferen Ebene mit Schaufeln ausgehoben und mit den Kellen bearbeitet. Das allgemeine Prozedere verlief allerdings – abgesehen von den Fototafeln für die Aufnahmen - auf allen Ebenen gleich.

Die täglichen Arbeiten variierten von Zeit zu Zeit, wobei es stets gewisse Überschneidungen gab. Die ersten Tage verbrachte ich zumeist entweder mit dem Schaufelplanum, Feinputz und Vermessungen mit dem Tachymeter, ca. eine Woche war ich mit dem Sammeln von Phosphatproben beschäftigt, immer wieder zwischendrin hob ich Befunde aus und in den letzten Tagen wusch ich die gesammelten Funde, um sie anschließend zum Trocknen auf den Metallnetzen im Bauwagen zu platzieren.

Entgegen den gängigen Filmklischees werden in den Ausgrabungen eher selten Pinsel verwendet. Zur Hauptausstattung gehören vielmehr Schaufeln und Kellen, Eimer, Sitzkissen, große gelbe Pumpen, die als Wasserbestäuber fungieren, Messwerkzeuge und große Planen, um die Ausgrabungsfläche vor dem Regen zu schützen. Die Klimaverhältnisse spielen bei den Ausgrabungen allgemein eine große Rolle, da sie den Unterschied ausmachen, zwischen beinahe ununterbrochen arbeiten und im Bauwagon sitzen, um auf besseres Wetter zu warten.

Eingezeichnete Strukturen werden bei starkem Regen einfach weggespült und hinterlassen, bei fehlender oder mangelhafter Abdeckung, eine nahezu unbearbeitete Fläche. Selbst mit Abdeckplane und Zelten lässt es sich bei schlechtem Wetter nur schwer arbeiten. Das Wasser fließt in die Fundgruben, zwingt zu ständigen Unterbrechungen und durchweichter Kleidung. Gleich mehrere der Grabungsteilnehmer wurden zwischenzeitlich krank und mussten pausieren. Das betraf mich zwar glücklicherweise nicht, doch ließ es sich an den sonnigen und halbbewölkten Tagen doch wesentlich besser arbeiten. Die Plane konnte dann offenbleiben und musste nicht alle paar Minuten wieder ausgelegt und mit Sandsäcken beschwert werden.

Nur für die Fotos war ein mäßig feuchter Boden von Vorteil: Sand- und Erdkrümel trockneten nicht so schnell ein und der Boden musste nicht extra befeuchtet werden.

4. Vertiefende Darstellung dreier Schwerpunkte

Im Folgenden werde ich mich in die Beschreibung dreier unterschiedlicher Tätigkeiten vertiefen, die in etwa den gleichen Umfang besaßen: Die Vermessung mit TachyKAD, das Ausheben eines Querschnittplanums und das Sammeln von Phosphatproben. Auf vorhandene Kompetenzen konnte ich dabei - abgesehen von mathematischen Grundkenntnissen, dem Umgang mit einer Schaufel und dem Waschen von Gegenständen - nur begrenzt zurückgreifen.

[...]


[1] Wheeler, Mortimer: Moderne Archäologie. Methoden und Technik der Ausgrabung, München 1960.

[2] Sinn, Ulrich: Einführung in die klassische Archäologie, München 22011, S. 41.

[3] Gorys, Erhard: Kleines Handbuch der Archäologie. Ausgrabungen und Ausgräber. Methoden und Begriffe, München 21960, S.9.

[4] Sinn, Ulrich: Einführung in die klassische Archäologie, München 22011, S. 16.

[5] Gorys, Erhard: Kleines Handbuch der Archäologie. Ausgrabungen und Ausgräber. Methoden und Begriffe, München 21960.

[6] Gorys, Erhard: Kleines Handbuch der Archäologie. Ausgrabungen und Ausgräber. Methoden und Begriffe, München 21960, S.9.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Archäologisches Orientierungspraktikum auf einem früh- bis spätmittelalterlichen Siedlungsplatz
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Fakultät VI - Human- und Gesellschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Begleitveranstaltung Orientierungspraktikum Geschichte
Autor
Jahr
2016
Seiten
14
Katalognummer
V373776
ISBN (eBook)
9783668521230
ISBN (Buch)
9783668521247
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Orientierungspraktikum, Archäologie
Arbeit zitieren
Caroline Thon (Autor), 2016, Archäologisches Orientierungspraktikum auf einem früh- bis spätmittelalterlichen Siedlungsplatz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/373776

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