Lebensstilfaktoren, Plastizität und Selbstmanagement zur Krankheitsbewältigung


Essay, 2017

7 Seiten


Leseprobe

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1. Gesundheitsförderliche Lebensstilfaktoren: die Rolle motivationaler Faktoren
Lebensstilfaktoren wie z.B. Bewegung und das Kultivieren von Gelassenheit können die Epi-
genetik (=Regulation der genetischen Konstitution durch Umwelteinflüsse und Lebensstil)
positiv beeinflussen (Strunz, 2012, S. 17). In der wissenschaftlichen Fachliteratur gibt es bei-
spielsweise Forschungsbefunde, welche darauf hinweisen, dass zunehmendes Alter mit einer
Abnahme von gewissen kognitiven Fähigkeiten korreliert und neurophysiologische Abbau-
prozesse daran beteiligt sind (siehe z.B. Erickson und Hohmann, 2013, S. 25.). Zum anderen
haben sich zahlreiche Studien der Frage gewidmet, welche Lebensstilfaktoren einer Abnahme
der kognitiven Funktionen entgegenwirken und kamen zu dem Ergebnis, dass körperliche
Aktivität sich positiv auswirkt auf die kognitive Leistungsfähigkeit (Erickson und Hohmann,
2013).
Für eine erfolgreiche Umsetzung regelmässiger körperlicher Aktivität im Alltag ist das For-
mulieren konkreter, realistischer und messbarer Ziele etwas Wichtiges und kann eine Kompo-
nente von Empowerment darstellen (Müller, 2005, S. 1049). Ein Merkmal realistischer Ziele
ist, dass sie auf die Ressourcen einer Person abgestimmt sind; dies ist wichtig um vor Misser-
folgserfahrungen zu schützen, welche sich negativ auf Selbstwertgefühl und Selbstkontrolle
auswirken können (Müller, 2005, S. 1050). Bei Selbstkontrolle handelt es sich um eine limi-
tierte Ressource, welche gemäss der ,,depleted-resource hypothesis" (Baumeister, Vohs und
Tice, 2007, S. 351) durch Überbeanspruchung geschwächt werden kann (Baumeister et al.,
2007). Empirische Untersuchungen weisen daraufhin, dass vorausgegangene Beanspruchung
der Selbstkontrollfähigkeit (z.B. Verzicht auf Konsumieren einer Süssigkeit) die Ausprägung
von Selbstkontrolle in einer darauffolgenden Situation verringert, was auf energetischen Ver-
schleiss zurückgeführt wird (Gailliot et al., 2007). Es zeigte sich zudem, dass Selbstkontrolle
nicht unabhängig ist vom Energiestoffwechsel und zwar konnte eine positive Korrelation zwi-
schen dem Glucosespiegel und der Ausprägung von Selbstkontrollfähigkeit nachgewiesen
werden (Gailliot et al., 2007). Die emotionale Befindlichkeit ist ein weiterer Einflussfaktor -
so wirkt sich beispielsweise das Erleben positiver Emotionen positiv aus auf Selbstkontrollfä-
higkeiten, indem Ablenkbarkeit vermindert und kognitive Flexibilität gestärkt wird (Wenzel,
Kubiak und Conner, 2016).

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2. Gesundheitskompetenz und ,,Chronic Disease Self-Management"
In den letzten Jahren hat das Konzept der Gesundheitskompetenz (,,Health Literacy") an Ein-
fluss gewonnen (siehe z.B. Zeyer und Odermatt, 2009). Health Literacy wird umschrieben als
Kompetenz einer gesundheitsförderlichen Lebensführung, was auch ein angemessenes Rol-
lenverständnis in Bezug auf die eigene Situation im Gesundheitssystem einschliesse (Zeyer
und Odermatt, 2009, S. 269). Die Idee von Gesundheitskompetenz ist auch eine wichtige
Komponente des Konzeptes ,,Chronic Disease Self-Management", welches in den letzten
Jahren vermehrt propagiert wird, wobei das Konzept von Empowerment dabei auch eine sehr
wichtige Rolle spielt (siehe z.B. Living Healthy Northeast, 2012). Dabei wird davon ausge-
gangen, dass eine Person selbst Einfluss auf den Krankheitsverlauf nehmen kann, indem sie
eine aktive Rolle in der Krankheitsbewältigung einnehmen kann und positive Kontrollüber-
zeugungen entwickelt (Living Healthy Northeast, 2012). Ein wichtiger Faktor dabei ist die
Ausprägung von Selbstwirksamkeit, was sich auf die Fähigkeit Handlungen auf ein (eigenes)
Ziel abzustimmen bezieht und damit eine Voraussetzung für effizientes Selbstmanagement
darstellt, wie dies z.B. im Rahmen von Chronic Disease Management eine wichtige Rolle
spielt (Freund et al., 2011). Das Identifizieren von Diskrepanzen zwischen eigenen Zielen und
dem gezeigten Verhalten ist eine wichtige Komponente von Veränderungsprozessen, gerade
auch im Kontext einer Erkrankung (Gauggel und Hoop, 2003, S. 440). Ein motivationales
Coaching ist unter anderem dadurch gekennzeichnet, dass Beratungsperson und Klient kon-
krete und realistische Ziele herausarbeiten, sowie implementierbare Strategien zur Zielerrei-
chung (Gauggel und Hoop, 2003, S. 440). Neben Fähigkeit und Aufgabenschwierigkeit haben
sich Feedback und Commitment als wichtige Einflussfaktoren herauskristallisiert (Gauggel
und Hoop, 2003, S. 441), sowie subjektive Erwartungen und Selbstwirksamkeit (Gauggel und
Hoop, 2003, S. 443). Gemäss Locke (1996, in Gauggel und Hoop, S. 443) korreliert hohes
Commitment zu einem Ziel mit der subjektiven Überzeugung der Bedeutsamkeit und Erreich-
barkeit eines Zieles. Wobei auch darauf hingewiesen wird, dass Zielkonflikte eine nicht un-
wesentliche Rolle spielen können, die beispielsweise durch unklare Rollen und Systemvor-
aussetzungen genährt werden (Gauggel und Hoop, S. 444).

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Im Kontext von Rehabilitation einer Erkrankung und Krankheitsbewältigung sind Ziele nicht
unbedingt auf klassische Leistungskomponenten bezogen sein, sondern eher auf krankheits-
und alltagsrelevante Faktoren und Metafähigkeiten (z.B. Ziel, die Fähigkeit sich Ziele zu set-
zen zu fördern oder Entscheidungskompetenz bezüglich des Rehabilitationsprozesses zu stär-
ken etc.) (Gauggel und Hoop, S. 445).
3. Resilienzfaktoren und die Bewältigung von Unkontrollierbarkeitserfahrungen
Gemäss Heller (2013, S. 82) hat das Bedürfnis nach Orientierung und Kontrolle als ein As-
pekt von Selbstwirksamkeit eine wichtige Funktion für Resilienz und bezieht sich konkret auf
das sogenannte Kohärenzgefühl (Verstehbarkeit, Bewältigbarkeit und Sinnhaftig-
keit). Möglichkeiten für aktive Gestaltung und Selbstbestimmung sind in diesem Zusammen-
hang wichtige Faktoren (Heller, 2013, S. 82).
Unkontrollierbarkeitserfahrungen hingegen führen zu einer verzerrten Wahrnehmung der ei-
genen Kontrolle (Seligman, 1999, S. 34) und können negative Effekte auf motivationaler,
kognitiver und emotionaler Ebene haben (Seligman, 1999, S. 5). Das aktive Lernen der Unab-
hängigkeit von Reaktion und Konsequenz mit der Folge, dass jede Form aktiven Lernens und
das Erfassen entgegengesetzter Konsequenzen behindert werden, wird als proaktive Hem-
mung bezeichnet (Seligman, 1999, S. 46). Dass wahrgenommene Kontrolle ein wichtiger Fak-
tor ist für Motivation und Selbsteffizienz, wird in wissenschaftlicher Fachliteratur zum Thema
Selbstmanagemt oft erwähnt (siehe z.B. Kanfer, Reinecker und Schmelzer, 2006).
Optimismus ist ein weiterer Resilienzfaktor und bezieht sich unter anderem darauf, sich nicht
über etwas zu ärgern, dass man nicht aktiv ändern kann und ein Fokus auf positive Gefühle
(Heller, 2013, S. 44). Indem man den Fokus auf Energie-Management richtet und weniger auf
Zeitmanagement, kann man Ressourcenverschleiss und Resignation entgegenwirken und eine
Balance zwischen physischer und mentaler / emotionaler Energie erreichen (Schäfer, 2015,
S.66-70).
Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Lebensstilfaktoren, Plastizität und Selbstmanagement zur Krankheitsbewältigung
Autor
Jahr
2017
Seiten
7
Katalognummer
V373839
ISBN (eBook)
9783668531949
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Alter, Gesundheit, Krankheitsbewältigung, Lebensstilfaktoren, Plastizität, Selbstmanagement
Arbeit zitieren
Mirjam Peter (Autor), 2017, Lebensstilfaktoren, Plastizität und Selbstmanagement zur Krankheitsbewältigung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/373839

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