Die Zielsetzung dieser Arbeit besteht darin, Chancen und Risiken zu untersuchen, die sich aus E-Food für den Lebensmitteleinzelhandel ergeben. Hierzu findet eine Differenzierung der jeweiligen Chancen und Risiken für traditionelle Lebensmitteleinzelhändler und neue Online-Pure-Playern statt.
Unter traditionellen Händlern sind klassische, stationäre Lebensmitteleinzelhändler zu verstehen, die einen digitalen Vertriebskanal hinzufügen und somit zu E-Food-Anbietern werden. Mit neuen E-Food-Anbietern oder Online-Pure-Playern sind dagegen Lebensmittelanbieter gemeint, die Waren ausschließlich über das Internet vertreiben. Dabei liegt das Hauptaugenmerk auf Vollsortimentern und somit Anbietern, die im Umfang der angebotenen Waren mit klassischen Lebensmitteleinzelhändlern konkurrieren können.
Der Umsatz im Online-Handel wächst in Deutschland seit 2012 mit knapp zehn Milliarden Euro pro Jahr. Hier hinter stecken Kunden vieler Produktgruppen, die die einfache Onlinebestellung via Amazon oder Zalando der Fahrt zum nächst-gelegenen stationären Händler vorziehen. Der Lebensmittelanteil lag 2015 noch unter einem Prozent und stellt somit noch einen Nischenmarkt dar. Seit der Jahrtausendwende versuchen sich Lebensmitteleinzelhändler auf dem deutschen Onlinemarkt zu etablieren, trotz des langen Zeitraumes ist dies bisher nicht mit durchschlagendem Erfolg gelungen. Dennoch: Die Lebensmittelnach-frage über das Internet steigt kontinuierlich. So werden dem Lebensmittelmarkt im Internet enorme Wachstumspotenziale vorausgesagt. Diese Aussichten machen ihn für viele Lebensmitteleinzelhändler besonders attraktiv.
Inhaltsverzeichnis
1 Relevanz des Lebensmittelonlinehandels
2 Definitorische Abgrenzung der zentralen Begriffe
3 Situation des Wettbewerbs im Lebensmitteleinzelhandel
3.1 Strategische Ansätze der E-Food Anbieter in Deutschland
3.2 Aktuelle Wettbewerbssituation im Lebensmitteleinzelhandel
4 Betrachtung von E-Food als Innovation im Lebensmitteleinzelhandel
4.1 Innovationstypen im Lebensmittelbereich und Einordnung von E-Food
4.2 Notwendigkeit für Innovationen im Lebensmitteleinzelhandel
5 Aus E-Food entstehende Risiken und Herausforderungen für den Lebensmitteleinzelhandel
5.1 Allgemeine Herausforderungen für E-Food Anbieter
5.2 Risiken und Herausforderungen für Online-Pure-Player
5.3 Durch E-Food entstehende Risiken und Herausforderungen für traditionelle Lebensmitteleinzelhändler
6 Aus E-Food entstehende Chancen und Potenziale für den Lebensmitteleinzelhandel
6.1 Allgemeine Chancen für den Lebensmitteleinzelhandel durch E-Food
6.2 Chancen für Online-Pure-Player
6.3 Chancen für traditionelle Anbieter durch E-Food
7 Abschließende Betrachtung und Prognose
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Chancen und Risiken des digitalen Lebensmittelhandels (E-Food) für verschiedene Akteure im Lebensmitteleinzelhandel. Ziel ist es, die spezifischen Herausforderungen und Potenziale für traditionelle Einzelhändler im Vergleich zu spezialisierten Online-Pure-Playern zu analysieren, um zukunftsfähige Strategien in einem gesättigten Markt abzuleiten.
- Marktsituation und Wettbewerbsdynamik im deutschen Lebensmitteleinzelhandel
- E-Food als Innovationstreiber und Notwendigkeit der Marktanpassung
- Logistische Herausforderungen und Anforderungen an die Kühlkette
- Strategien zur Kundenbindung durch Multi- und Cross-Channel-Ansätze
- Differenzierungspotenziale für Pure-Player und traditionelle Anbieter
Auszug aus dem Buch
5.1 Allgemeine Herausforderungen für E-Food Anbieter
Der beschriebene Preiskampf wird nicht von allen E-Food-Anbietern auf Anhieb gemeistert. Das Scheitern des Otto-Supermarkts im Jahr 2003 ist hierfür ein Beispiel.76 Neben den schwierigen Wettbewerbsbedingungen ergeben sich sowohl für traditionelle Händler als auch für Online-Pure-Player noch weitere zentrale Hindernisse. Rechtlich gilt seit 2014 die neue Lebensmittelinformationsverordnung, die auch Lebensmitteleinzelhändler, die online vertreiben, zu umfangreichen Informationen über Inhaltsstoffe der Lebensmittel verpflichtet.77 Die damit verbundenen Probleme veranlassten bereits die ersten Pure-Player wie Shopwings, den deutschen Markt zu verlassen.78 Als entscheidende Hürde für E-Food wird außerdem die Logistik der zu versendenden Produkte genannt79. So „[…] stellt die Garantie von Frische und Qualität aufgrund der logistischen Herausforderungen eine Erfolgsbedrohung des Konzepts eines Online-Handels dar“80. Hierbei ist zwischen der aktiven und passiven Kühlkette zu differenzieren. Bei der aktiven Kühlung findet der Transport in gekühlten Laderäumen statt, bei der passiven erfolgt er in Isolierverpackungen, deren Kühlung an die Außentemperatur geknüpft ist.81 Für Waren, die temperatur- oder feuchtigkeitsempfindlich sind, ist eine ununterbrochene Kühlkette unabdingbar.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Relevanz des Lebensmittelonlinehandels: Einleitung in die Marktsituation, Definition der Zielsetzung und Abgrenzung der betrachteten Anbietertypen im Lebensmittelhandel.
2 Definitorische Abgrenzung der zentralen Begriffe: Klärung der Kernbegriffe E-Food, Lebensmitteleinzelhandel und Innovation im wissenschaftlichen Kontext.
3 Situation des Wettbewerbs im Lebensmitteleinzelhandel: Analyse der strategischen Konzepte der Anbieter und Darstellung der aktuellen Marktstruktur sowie globaler Trends.
4 Betrachtung von E-Food als Innovation im Lebensmitteleinzelhandel: Einordnung von E-Food als technologische und nicht-technologische Innovation sowie Untersuchung der Innovationsnotwendigkeit aufgrund veränderter Kundenbedürfnisse.
5 Aus E-Food entstehende Risiken und Herausforderungen für den Lebensmitteleinzelhandel: Darstellung allgemeiner Hürden wie Logistik und Recht sowie spezifischer Risiken für Pure-Player und traditionelle Händler.
6 Aus E-Food entstehende Chancen und Potenziale für den Lebensmitteleinzelhandel: Erläuterung der Vorteile durch Kosteneinsparungen, Marketingoptimierung und Möglichkeiten des Cross-Channel-Ansatzes zur Stärkung der Kundenbindung.
7 Abschließende Betrachtung und Prognose: Zusammenfassende Bewertung der Potenziale und Risiken sowie Ausblick auf die zukünftige Notwendigkeit hybrider Geschäftsmodelle.
Schlüsselwörter
E-Food, Lebensmitteleinzelhandel, Online-Lebensmittelhandel, Innovation, Cross-Channel, Multi-Channel, Online-Pure-Player, Wettbewerb, Logistik, Kühlkette, Kundenbindung, Kundendaten, One-to-One-Marketing, Disintermediation, Marktsättigung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema dieser Bachelorarbeit?
Die Arbeit befasst sich mit dem digitalen Lebensmittelhandel (E-Food) und analysiert, welche Chancen und Risiken sich daraus für den stationären sowie den reinen Online-Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland ergeben.
Welche Akteure werden in der Untersuchung primär unterschieden?
Es wird zwischen traditionellen, stationären Lebensmitteleinzelhändlern, die ihre Angebote digital ergänzen, und sogenannten Online-Pure-Playern unterschieden, die ausschließlich über das Internet vertreiben.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Untersuchung der Erfolgsfaktoren für E-Food sowie die Differenzierung von Chancen und Risiken, um Handlungsempfehlungen für die strategische Ausrichtung in einem umkämpften Markt zu geben.
Welche wissenschaftliche Methodik liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Literaturanalyse. Sie stützt sich auf eine Vielzahl aktueller Studien, Branchenberichte und wissenschaftliche Fachliteratur, um den theoretischen Rahmen und die Marktsituation fundiert aufzuarbeiten.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte bilden den Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die Innovationsbetrachtung von E-Food, die detaillierte Darstellung logistischer und rechtlicher Herausforderungen sowie die Analyse spezifischer Wachstums- und Kundenbindungsstrategien.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind E-Food, Cross-Channel, Online-Pure-Player, Innovationsmanagement im LEH, Logistikherausforderungen und Kundenvertrauen.
Warum stellt die Logistik eine so große Hürde für E-Food-Anbieter dar?
Die Logistik ist aufgrund der notwendigen ununterbrochenen Kühlkette für verderbliche Lebensmittel und der komplexen Zustellung auf der "letzten Meile" zum Endkunden kostenintensiv und fehleranfällig.
Welchen Vorteil haben traditionelle Händler gegenüber Pure-Playern?
Traditionelle Händler profitieren von einem bereits bestehenden Kundenvertrauen, einer etablierten physischen Infrastruktur und der Möglichkeit, durch Cross-Channel-Ansätze das stationäre Einkaufserlebnis sinnvoll mit dem Online-Kanal zu verknüpfen.
- Citation du texte
- Thilo Halm (Auteur), 2017, Innovation E-Food. Chancen und Risiken für den Lebensmitteleinzelhandel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/374024