Förderliche Einflüsse von Reittherapie auf Kinder

Frühkindliche Bildung mit Pferden


Bachelorarbeit, 2011

44 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Problemaufriss

2. Fragestellungen

3. Methoden

4. Der Einsatz des Pferdes im therapeutischen Bereich
4.1 Hippotherapie und heilpädagogisches Reiten
4.1.1 Hippotherapie
4.1.2 Heilpädagogisches Reiten/ Voltigieren

5. Qualifizierende Eigenschaften des Pferdes
5.1 Auswahl des Pferdes

6. Ablauf einer Therapiestunde

7. Der Therapeut

8. Auswirkungen des heilpädagogischen Reitens und Voltigierens
8.1 Veränderte Lebenswelt
8.2 Soziales Verhalten
8.3 Emotionale Ebene/ Selbstvertrauen
8.4 Körpergefühl
8.5 Motorik
8.6 Stress und Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom
8.6.1 Stress
8.6.2 Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom (ADHS)
8.7 Psychologischer Bereich
8.8 Autismus

9. Forschungsstand

10. Negative Aspekte

11. Beispiel Therapeutischer Reiterhof H.
11.1 Allgemeines
11.2 Eigene Erfahrungen
11.3 Eigene Beobachtungen
11.4 Interview mit Frau K.

12. Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

1. Problemaufriss

Immer mehr Kinder leiden an Entwicklungsverzögerungen oder Störungen in ihrer körperlichen, sowie seelischen und sozialen Entwicklung. Der medizinische und psychologische Markt ist übersät mit Angeboten und Möglichkeiten der Therapie. Angefangen bei Medikationen über Psychotherapie, Ergotherapien bis hin zu experimentellen erlebnispädagogischen Angeboten. Vielen Menschen und Kindern mit körperlichen oder psychischen Problemen und Entwicklungsauffälligkeiten soll damit geholfen werden. Doch welche Therapie am geeignetsten für eine Person ist und wie erfolgreich sie sein wird, ist meistens ungewiss. Es wird immer wieder davon gesprochen, dass vor allem Kinder „übertherapiert“ werden und dann oft „therapiemüde“ sind.

Ein Trend der heutigen Zeit zeigt sich in der tiergestützten Therapie. Besonders bekannt sind Therapien mit Delfinen, Hunden und Pferden. Der Reiz der Tiere bietet gerade für Kinder eine interessante Alternative zu den gängigen Therapieformen.

Meine Arbeit befasst sich mit dem therapeutischen und pädagogischen Einsatz von Pferden und der Wirksamkeit auf verschiedene Teilbereiche der kindlichen Entwicklung.

Schon Hippokrates erkannte in der rhythmischen Bewegung des Pferdes eine heilsame Wirkung. Im Jahr 1953 wurde der Begriff „Reiten als Therapie“ das erste Mal durch den Arzt Max Reichenbach geprägt. Bis heute gehört er mit zu den Gründern des modernen therapeutischen Reitens. 1970 gründete sich das deutsche Kuratorium für therapeutisches Reiten (DKThR), welches weltweit Anerkennung genießt. (Deutsches Kuratorium für therapeutisches Reiten, 2011)

Die heilsame und positive Auswirkung des Einsatzes und der Interaktion mit Pferden auf Menschen beruht bisher nur auf Erfahrungen und Einschätzungen von interessierten Personen. Diese Erkenntnisse sind bislang nur in kleinen Studien bestätigt worden. Bis heute wurde keine statistische und wissenschaftlich fundierte Studie über die Effizienz durchgeführt. Für eine aussagekräftige Studie fehlen momentan die zeitlichen und vor allem finanziellen Mittel. (Hartje, 2009) Das DKThR ist ständig bestrebt diese Tatsache zu ändern, um auch die Bezu­schussung von Seiten der Krankenkassen zu gewährleisten. (Deutsches Kuratorium für therapeutisches Reiten, 2011)

Im Frühjahr 2010 absolvierte ich ein Praktikum im K.-Kindergarten in L. für geistig- und körperbehinderte Kinder, sowie für schwererziehbare. Dieser Kindergarten steht in Kooperation mit einem therapeutischen Reiterhof. Ich durfte dort an den Therapiestunden teilnehmen. Die Kinder, welche ich im Kindergartenalltag gut kennen gelernt hatte, waren auf diesem Hof wie ausgewechselt. Diese prägende Erfahrung weckte mein Interesse am heilpädagogischen Reiten.

In meiner Arbeit wird zuerst das Thema Pferde in der Pädagogik betrachtet, um einen Überblick in die verschiedenen Wirkungsbereiche zu schaffen. Danach wird kurz auf den Unterschied zwischen Hippotherapie und heilpädagogischem Reiten eingegangen. Die erforderlichen Grundvoraussetzungen der Therapiepferde werden im folgenden Punkt dargestellt. Bevor die Arbeitsweise des Therapeuten dargestellt wird, ist der Ablauf einer Therapiestunde beschrieben. Den Hauptteil bildet eine genauere Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten der Reittherapie. Hier wird auf die Bereiche veränderte Lebenswelt, soziales Verhalten, emotionale Auswirkungen, Körpergefühl, Selbstbewusstsein, Motorik, Stress und ADHS, Psychologie und Autismus eingegangen. Es folgt exemplarisch der Reiterhof H.. Hier werden meine persönlichen Erfahrungen und Beobachtungen, welche mich zur Wahl dieses Themas bewegt haben, erläutert. Aktuelle Studien und Erhebungen stützen anschließend die im Hauptteil erarbeiteten Aussagen. Eventuelle negative Aspekte werden bedacht. Die Schlussfolgerung fasst die Erkenntnisse noch einmal zusammen und gibt einen Ausblick auf die Zukunft.

Alle Erlebnisse und Auseinandersetzungen mit dem Thema führten mich zu nachfolgender Fragestellung, deren Beantwortung das Ziel meiner Arbeit ist.

2. Fragestellungen

- Welche positiven Effekte und Auswirkungen haben das therapeutische Reiten und die Interaktion mit Pferden auf Kinder, in den Bereichen veränderte Lebenswelt, soziales Verhalten, Körpergefühl, Emotion, Selbstbewusstsein, Motorik, Stress/ADHS, Psychologie und Autismus?
- Welche Voraussetzungen müssen Pferde aufweisen?
- Worin besteht angemessenes Verhalten eines Therapeuten?
- Wie muss die Therapie ablaufen und was muss beachtet werden, um eine erfolgreiche Entwicklung zu gewährleisten?
- Welche Nachweise und Studien gibt es für die Effektivität des therapeutischen Reitens?

3. Methoden

Meine Literaturrecherche begann in der Bibliothek der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd. Leider musste ich schnell feststellen, dass die Bibliothek keine wirkliche Auswahl für mich zur Verfügung stellte. Lediglich zwei Bücher und ein Magazin waren zu finden. Beim Sichten der Literatur stellte sich heraus, dass vor allem das Magazin von Rehder und Ritschel wertvolle und übersichtliche Informationen geben konnte. Dieses Magazin befasst sich mit allen relevanten Bereichen und war eine sehr gute Quelle. Durch eine weiterführende Recherche im Internet stieß ich auf weitere interessante Bücher. Die Bücher von Marianne Gäng sind unumgänglich, wenn man sich mit heilpädagogischem Reiten auseinandersetzt. Per Fernleihe war es dann möglich die ausgesuchten Bücher zu erhalten. Sie alle gaben mir guten neuen Input und ich konnte meine Arbeit um relevante und interessante Bereiche und Punkte erweitern. Die Doktorarbeit von Melanie Horstmann ermöglichte mir noch einmal umfassende Informationen und bot mir eine gute Übersicht der vorhandenen Studien und den aktuellen Forschungsstand zu meinem Thema an. Durch das Buch des DKThR „Equine facilitated psychotherapy“ konnten auch internationale Meinungen und Aussagen über das Thema der Reittherapie miteinbezogen werden.

Meine Recherche in der Internetdatenbank „Psyndex“ mit dem Suchbegriff „Reittherapie“ ergab 20 Treffer. Die meisten Artikel jedoch bezogen sich sehr spezifisch auf ein Krankheitsbild oder die Artikel waren von Autoren, von welchen ich schon Bücher besaß. Die Eingrenzung der Suche mit dem zusätzlichen Begriff „Wirksamkeit“ ergab lediglich einen Treffer. Dieser Artikel war allerdings nicht als Volltext verfügbar und der Abstract brachte keine neuen Erkenntnisse. In der „PsycINFO“ Datenbank ergab die Suche nach „equine“ 295 Ergebnisse. Ich schränkte die Suche durch den weiteren Suchbegriff „children“ ein. Diese Suche lieferte 27 Ergebnisse, jedoch nur einen Volltext der als PDF zur Verfügung stand. Dieser Artikel bezog sich auf häusliche Gewalt und war deshalb nicht relevant. Aus dem Abstract eines anderen Artikels konnte ich in meiner Arbeit zitieren. Die Kombination der Suchbegriffe „equine“ und „effectiveness“ ergab keine Treffer.

Die Literaturrecherche zum gewählten Thema erwies sich im Nachhinein schwieriger als zunächst angenommen. Dennoch bin ich der Ansicht, eine sehr gute Auswahl getroffen zu haben. Es stand mir ausreichend Input und Material zur Verfügung, um alle wichtigen Aspekte rund um das Thema Reittherapie betrachten zu können.

4. Der Einsatz des Pferdes im therapeutischen Bereich

Die Arbeit mit Pferden umfasst vier große Bereiche (siehe Abb.1). Der Pferdesport, die Medizin, die Pädagogik und die Psychologie. Im Bereich dieser vier Gebiete lassen sich fünf therapeutische Möglichkeiten abgrenzen:

- Pferdesport für Menschen mit Behinderung
- Hippotherapie
- Ergotherapeutische Behandlung
- Im psychotherapeutischen Kontext
- Heilpädagogische Förderung

Abbildung 1: Bereiche des therapeutischen Reitens

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus diesen Teilbereichen ergeben sich folgende Zielgruppen und Anwendungsbereiche:

- Menschen mit Behinderungen (körperlich und geistig)
- Bewegungseingeschränkte Menschen
- ADHS-Patienten
- Psychische Erkrankungen wie Depressionen
- Lern- und Konzentrationsschwächen
- Defizite im motorischen oder sozialen Bereich
- Hilfe bei Burnout-Syndrom oder allgemeinem Stress
- Bei Ängsten und Phobien

(Deutsches Kuratorium für therapeutisches Reiten, 2011)

4.1 Hippotherapie und heilpädagogisches Reiten

Es wird in der therapeutischen Arbeit mit Pferden allgemein zwischen Hippotherapie und heilpädagogischem Reiten/ Voltigieren unterschieden. Je nach Bedarf und Symptomatik des Patienten wird die entsprechend passende Therapievariante gewählt. Folgend eine Definition zur Klärung der unterschiedlichen Begrifflichkeiten.

4.1.1 Hippotherapie

Leitet sich aus dem griechischen „Hippos“ (Pferd) und „therapeia“ (Behandlung) ab. Die Hippotherapie wird auch als Krankengymnastik auf dem Pferd bezeichnet.

Laut dem DKThR (Deutsches Kuratorium für therapeutisches Reiten e.V.) ist es eine „physiotherapeutische Einzelbehandlung auf neurophysiologischer Grundlage mit und auf dem Pferd. Sie stellt eine wertvolle Ergänzung neurophysiologischer/ krankengymnastischer Behandlungen dar.“ (Kuratorium für therapeutisches Reiten, 2011)

4.1.2 Heilpädagogisches Reiten/ Voltigieren

Das DKThR beschreibt das heilpädagogische Reiten folgendermaßen: „Es handelt sich bei der Heilpädagogischen Förderung mit dem Pferd um pädagogische, psychologische, psychotherapeutische, rehabilitative und soziointegrative Angebote mit Hilfe des Pferdes bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit verschiedenen Behinderungen oder Störungen. […] Dabei steht […] die individuelle und ressourcenorientierte Förderung über das Medium Pferd im Vordergrund.“ (Kuratorium für therapeutisches Reiten, 2011)

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass der wesentliche Unterschied zwischen der Hippotherapie und dem heilpädagogischen Reiten im Wirkungs- und Einsatzbereich liegt. So konzentriert sich die Hippotherapie auf den medizinischen, physiologischen Bereich, das heilpädagogische Reiten hingegen auf den pädagogisch, psychologischen Bereich. Trotz der jeweilig eigenständigen Therapieform kann die Hippotherapie nicht gänzlich vom heilpädagogischen Reiten abgegrenzt werden. Wesentliche Aspekte der Hippotherapie finden sich im Voltigieren wieder, welches immer Bestandteil des heilpädagogischen Reitens ist.

In fast allen Therapiesituationen werden diese Einheiten vermischt und ineinander übergehend verwendet. Daher weise ich darauf hin, dass die Begrifflichkeiten in meiner Arbeit ineinander impliziert sind.

5. Qualifizierende Eigenschaften des Pferdes

Bevor auf die notwendigen Grundvoraussetzungen eines Therapiepferdes eingegangen wird, sollen zunächst Eigenschaften von Pferden allgemein aufgeführt werden, welche sie für die pädagogische Arbeit qualifizieren.

- Pferde haben einen eigenen Charakter. Sie sind intelligent und individuell. (Rehder, Ritschel et al. 2007)
- Durch ihren natürlichen Lebensraum haben sie ein intensives Bedürfnis sich zu bewegen. Sei es für die tägliche Nahrungssuche oder auch bei der Flucht vor etwas Bedrohlichem. (Rehder, Ritschel et al. 2007)
- Pferde haben ein sehr gutes Gedächtnis. Sie prägen sich Situationen und Menschen genau ein und sind in der Lage mit ihrer guten Auffassungsgabe Gefühle, Veränderungen und Situationen wahrzunehmen und einzuschätzen. (Rehder, Ritschel et al. 2007)
- Sie kommunizieren fast ausschließlich über ihre Bewegungen und ihre Körpersprache. (Rehder, Ritschel et al. 2007)
- Pferde sind Herdentiere und damit gesellig und sozial. (Rehder, Ritschel et al. 2007)
- Pferde haben eine spezielle Anziehungskraft, insbesondere auf Kinder. Die Arbeit mit Pferden kann für neue Motivation sorgen, wenn das Kind bereits „übertherapiert“ ist. (Rehder, Ritschel et al. 2007)
- Das Pferd „lügt nicht und kann sein Verhalten auch nicht durch Worte verfälschen, es handelt authentisch. Dabei macht es keinen

Unterschied zwischen hübschen oder hässlichen, kranken oder gesunden Menschen. Es begegnet jedem mit derselben Offenheit. Für jeden besteht die gleiche Ausgangslage zum Aufbau einer Beziehung mit dem Pferd ohne Vorurteile.“ (Rehder, Ritschel et al. 2007, S.35)

- Pferde können auf Stimmungen reagieren. Als Herdentiere merken sie, wenn andere zum Beispiel ihre Hilfe brauchen. (Mehlem, 2009)
- Sie halten Abstand wenn ein Kind aggressiv wird und kommen näher, wenn sie sich sicher fühlen. Dadurch bieten sie dem Kind einen Spiegel ihres Selbst und sind authentisch. (Mehlem, 2009)
- Pferde haben zum Ziel sich wohl und sicher zu fühlen und wollen Klarheit. (Mehlem, 2009)
- Pferde sind nicht nachtragend, sie wollen niemanden blamieren, ärgern oder abwerten. Bei ihnen dürfen die Kinder auch Fehler machen ohne Angst vor Versagen oder Leistungsdruck. (Mehlem, 2009)
- „The response of a horse is much easier for a person to accept because it does not activate a feeling of embarrassment or narcissistic hurt.” (Mehlem, 2009, S. 24)

5.1 Auswahl des Pferdes

Obwohl die Pferde bereits Nutztiere sind und mit den Menschen leben, müssen neugeborene Fohlen noch gezähmt und ausgebildet werden. Nicht jedes Pferd ist für die therapeutische Arbeit mit Kindern geeignet. Die ausgewählten Pferde müssen gewisse Vorrausetzungen mitbringen.

Körperliche Eigenschaften:

Das Pferd sollte sich bereits optisch von den anderen Pferden abheben. Wenn die Pferde sich voneinander unterscheiden, haben es die Kinder leichter zu wählen, welches sie anspricht. Es ist wichtig, dass das Pferd viel Fell besitzt und auch Schweif und Mähne üppig ausfallen. Bei der Größe des Therapiepferdes ist es ideal, wenn die Rückenhöhe des Pferdes dem Kind bis unter die Achseln reicht. Es muss sowohl vom Boden, als auch vom Rücken des Tieres aus, ein guter Körperkontakt gewährleistet sein. Das Pferd muss allerdings groß und kräftig genug sein, das Kind tragen zu können. (Voßberg, 2010)

Geistiges Erleben:

Die Pferde dürfen keinen unausgeglichenen, hektischen oder aggressiven Charakter haben. Auch Tiere, die von Natur aus eingeschränkt sind in ihrer Wahrnehmung oder ihrem Lernverhalten, sind ungeeignet. Kinder spüren diese Schwächen und werden lustlos. Das Pferd soll: „aufmerksam, erlebnisdifferenziert und lernfähig sein, aufmerksam im Wahrnehmungsvermögen, differenziert im Gefühlsleben und mindestens durchschnittlich gut in seiner Lernfähigkeit.“ (Voßberg, 2010, S.182)

Verhalten:

Im Verhalten der Tiere ist es essentiell, dass sie ausgeglichen, den Menschen zugewandt und gehorsam sind. Im Idealfall sind diese Eigenschaften schon bei unausgebildeten Fohlen erkennbar. Da aber meistens das unkontrollierte Verhalten überwiegt, benötigt es viel Zuneigung, Geduld und Konsequenz in der Erziehung. Im Prinzip gleich wie bei den Menschen.

Gesundheit:

Eine vollkommene Gesundheit des Pferdes ist Voraussetzung. Tiere die psychisch leiden oder sich unwohl fühlen reagieren häufig mit Verweigerung. Jedoch können in manchen Fällen kranke oder verletzte Tiere ein besonderes Pflegebedürfnis bei Kindern auslösen. Ebenso sind ältere Pferde zumeist die erfahrensten Beziehungstiere. Sie können ähnlich wie Großeltern mit ihrer Erfahrung und Ruhe positiv auf das Kind wirken.

Rassen:

Manche Rassen eignen sich besser als andere. Ebenso wie die einzelnen Tiere, bringen die verschiedenen Rassen bereits gewisse Charakterzüge mit. Am besten eignen sich Shetland-Ponys oder Islandpferde, da diese Rassen die dargestellten Eigenschaften meist schon von Geburt an aufweisen. (Voßberg, 2010)

6. Ablauf einer Therapiestunde

Je nach Konzept und Umsetzung des jeweiligen Reiterhofes sind die Therapiestunden vorgeplant. Die Bedürfnisse des Kindes und seine Individualität stehen im Vordergrund und sind Ausgangspunkt. Je nach Entwicklungsstand und momentanem Befinden stellt der Therapeut Übungen und Ablauf der Stunde zusammen. Im Großen und Ganzen laufen jedoch alle Stunden nach folgendem Schema ab.

1. Kontaktaufnahme und Kennenlernen

Vor der ersten Therapiestunde müssen sich Therapeut und Kind kennenlernen. Hier ist es wichtig, dass das Kind seine Zeit hat, in der es an die Reihe kommt. Die Termine pünktlich einzuhalten, ist der Grundstein um eine Vertrauensbasis zu entwickeln. Die Kinder reagieren unterschiedlich auf den ersten Kontakt. Manche sind euphorisch und haben keine Berührungsängste. Es kann aber auch vorkommen, dass Kinder mit großer Angst und Skepsis ankommen. Auch Reaktionen wie Erbrechen sind nicht selten. Hier muss der Therapeut deutlich machen, dass es in Ordnung ist und alles so angenommen wird, wie das Kind es mitbringt. „Das Gefühl „einfach leben zu können“ ist wichtig und soll vermittelt werden“. (Hartje, 2009, S.82) Das Ziel dieses Vorgehens nennt man nicht-assoziativer Lernvorgang. Die Kinder sollen sich an die Umgebung gewöhnen und ihre Wahrnehmung der Geräusche und Gerüche nicht klassifizieren müssen. Diesen Aspekt nennt man Habituation. Erst jetzt können sich Lernvorgänge ergeben und ausgebaut werden. (Hartje, 2009)

Im weiteren Schritt werden nun die Kinder und das jeweilige Pferd zusammen geführt. Hierbei sollten sie möglichst ungestört vom Reittherapeuten und anderen sein. Sie finden 10-15 Minuten Zeit sich zu beschnuppern und den Kontakt herzustellen. Hierbei bietet sich dem Therapeut die Möglichkeit, die Beziehung zwischen Kind und Pferd zu beobachten.

2. Hauptteil/ Therapie

Zunächst wird das Pferd geputzt und vorbereitet. Hier findet bereits der erste Körperkontakt zwischen Kind und Pferd statt. Das Pferd wird aufgezäumt und auf den Reitplatz oder ins Gelände geführt. Nun können entweder Übungen mit dem Pferd vom Boden aus gemacht werden oder während des Reitens. Auf die möglichen Übungen wird in Kapitel 8 noch einmal genauer eingegangen.

Die Reittherapie selbst sollte im Idealfall zwischen 30 und 50 Minuten liegen. Nach längerer Zeit lässt die Motivation der Kinder nach. Ebenso geht die Konzentration und somit die Wirkung verloren. (Gäng, 2010)

3. Versorgen und Verabschieden

Aufgehört werden sollte immer erst nach einem Erfolg, das heißt beispielsweise, dass ein Kind eine Übung fehlerfrei und sicher durchführen konnte. Die Stunde soll positiv abgeschlossen werden, um das Kind mit einem guten und selbstzufriedenen Gefühl nach Hause zu schicken, auch wenn dies bedeuten sollte, dass die eigentliche Therapiestunde unter- oder überschritten wird. (Hartje, 2009)

Am Ende jeder Therapiestunde wird das Pferd wieder vom Kind selbst versorgt und in den Stall gebracht. Das Putzen und Verpflegen der Pferde dient dem Aufbau der Beziehung und der Festigung des Vertrauens. Das Kind übernimmt Verantwortung und richtet sich nach den Bedürfnissen des Tieres.

Das Kind verabschiedet sich vom Pferd und beendet damit die Therapielektion. Es benötigt nun eine Pause um die Einflüsse und Reize zu verarbeiten. (Gäng, 2010)

4. Dokumentieren

Je nach Reiterhof wird nun das Erlebte vom Reitpädagogen notiert und reflektiert. So kann die nächste Stunde anhand von Fortschritten oder Problemen optimal geplant werden. Auch zur späteren Besprechung mit Eltern, Kooperationspartnern oder Ärzten ist die Dokumentation hilfreich. (Gäng, 2010)

[...]

Ende der Leseprobe aus 44 Seiten

Details

Titel
Förderliche Einflüsse von Reittherapie auf Kinder
Untertitel
Frühkindliche Bildung mit Pferden
Hochschule
Pädagogische Hochschule in Schwäbisch Gmünd
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
44
Katalognummer
V374432
ISBN (eBook)
9783668600584
ISBN (Buch)
9783668600591
Dateigröße
960 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Reittherapie, Tiergestützte Therapie, Pferde, Hippotherapie, Kinder, Therapie, ADHS, frühkindliche Bildung, Voltigieren, Early Education, Kindheitspädagogik, Autismus, soziale Entwicklung, emotionale Entwicklung, Störungen
Arbeit zitieren
Anna Freitag (Autor), 2011, Förderliche Einflüsse von Reittherapie auf Kinder, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/374432

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