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Subjektformierung im 18. Jahrhundert. Das gedoppelte Subjekt in Sophie von La Roches "Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim"

Title: Subjektformierung im 18. Jahrhundert. Das gedoppelte Subjekt in Sophie von La Roches "Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim"

Term Paper , 2017 , 34 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Sabine Gesinn (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Diese Hausarbeit zeigt die Subjektformierung der Protagonistin Sophie von Sternheim auf. Dabei wird deutlich, dass die bloße Etikettierung als moralisch-empfindsamer Roman diesem nicht gerecht wird. Als methodologischen Grundlagen werden die frühen, machtanalytischen Überlegungen Foucaults zur Entwicklung der Disziplinierungsgesellschaft ab dem späten 18. Jahrhundert eingesetzt, die dieser in seiner Studie 'Überwachen und Strafen' entfaltet. Ergänzend dazu werden als weitere methodologische Grundlagen Foucaults spätere Analysen zur Transformation des ästhetisch-existenziellen Subjektes durch eine Ethik der Selbstsorge herangezogen. Durch die Koppelung der beiden methodologischen Stränge soll im Fazit überprüft werden, ob und wie sich ein modernes Subjekt aufzeigen lässt, welches sich im Modus von Unterwerfung unter die Praktiken der Disziplin ebenso wie selbsterzeugend-frei konstituiert: das gedoppelte Subjekt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Eine foucaultsche Funktionsmatrix: Mikrophysik-Disziplin-Selbstsorge

3. Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim als foucaultsche Funktionsmatrix

3.1. Das elterliche Landgut: das Bildungsprogramm des mikrophysikalischen Disziplinarsubjektes

3.2. Der Fürstenhof in D.: Disziplinarsubjekt und absolutistische Repräsentationskultur – die Entwicklung zum gedoppelten Subjekt

3.3. Im freien Raum: das gedoppelte Subjekt in der Erprobung

3.3.1. Der Gasthof auf dem Land und in Vaels

3.3.2. Im Haus von Madam Hills

3.3.3. Das Landgut der Lady Summers in England − die ‚Bleygebürgen‘ in Schottland − Seymourhouse

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Subjektformierung in Sophie von La Roches Roman "Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim" unter Anwendung foucaultscher Konzepte. Dabei wird analysiert, wie die Protagonistin durch das Spannungsfeld von disziplinierenden Machtpraktiken und ästhetischen Selbstsorge-Techniken zu einem „gedoppelten Subjekt“ konstituiert wird, das sich gleichzeitig unterwirft und als autonomes Selbst zu behaupten versucht.

  • Foucaultsche Macht-Wissen-Komplexe und ihre Anwendung auf literarische Texte
  • Die Organisation des Subjekts durch Disziplinarmacht und Raumfestsetzung
  • Selbstsorge als "Askese" und Medium der Subjektivität
  • Die Rolle des Briefeschreibens als Medientechnik der Selbsterfahrung
  • Das Bildungsprogramm als produktive ökonomische Kraft im 18. Jahrhundert

Auszug aus dem Buch

3.1. Das elterliche Landgut: das Bildungsprogramm des mikrophysikalischen Disziplinarsubjektes

Berichtet wird, dass der Vater des Obersten von Sternheim, ein Professor, der Bildung einen hohen Stellenwert eingeräumt hat und zwar sowohl im Sinne von Wissensbildung als auch von moralischer Bildung. Als weitere Leitbilder werden Fleiß und ökonomisches Wirtschaften verfolgt. Eine Universitätsausbildung und die erfolgreiche Teilnahme am Krieg bringen Sternheim jr. sowohl den Rang eines Oberst ein, als auch die Erhebung in den Adelsstand. Man kann ihn als gesellschaftlichen Aufsteiger bezeichnen. Allerdings bleibt er trotz seiner anerkannten Tugenden und Leistungen mit dem Makel versehen, nicht von „edler Geburt“ zu sein, wie seine künftige Schwiegermutter bemängeln wird. Dennoch erlangt Oberst von Sternheim aufgrund seiner Verdienste und Tugenden später die Genehmigung zur Heirat mit Sophie, der Schwester eines adligen Kommilitonen und Freundes, des Barons von P.

Das Aufbrechen einer ‚Ordnung durch Ungleichheit‘ wird hier schon evident. Anstelle der ständischen Zuschreibung beginnt der Arbeits- und Leistungsgedanke des Bürgertums hervorzutreten. Die Verbindung aus dem Disziplinarraum Militär mit dem Disziplinarraum Universität, erzeugt einen für Oberst von Sternheim produktiven Macht-Wissen-Komplex.

Über das Leben von Sophies Mutter, Sophie von Sternheim sen., wird wenig berichtet: Sie stammt aus der ersten Ehe des Barons von P. sen. mit einer adligen Engländerin namens Watson, ist musikalisch gebildet im Lautenspiel und Gesang. Abweichend von ihrer typisch weiblichen Erziehung im 18. Jahrhundert ist Sophie sen. eine gute Wirtschafterin im Haushalt ihrer Stiefmutter und versteht sich darauf, gründlich Buch zu führen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein und erläutert die methodische Herangehensweise mittels Michel Foucaults machtanalytischen Ansätzen und seiner Theorie der Selbstsorge im Kontext des Bildungsromans.

2. Eine foucaultsche Funktionsmatrix: Mikrophysik-Disziplin-Selbstsorge: Dieses Kapitel expliziert die theoretischen Grundlagen Foucaults zur Dezentrierung des Subjekts, zur produktiven Natur von Macht und zur Verschränkung von Disziplin und Selbsttechniken.

3. Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim als foucaultsche Funktionsmatrix: Dieses Hauptkapitel wendet die zuvor definierten theoretischen Konzepte auf den Roman von La Roche an, um die Subjektkonstitution der Protagonistin in verschiedenen Räumen und Lebensphasen zu untersuchen.

3.1. Das elterliche Landgut: das Bildungsprogramm des mikrophysikalischen Disziplinarsubjektes: Hier wird analysiert, wie das elterliche Bildungsprogramm bereits grundlegende disziplinarische Strukturen und Leitbilder der ökonomischen Produktivität vermittelt.

3.2. Der Fürstenhof in D.: Disziplinarsubjekt und absolutistische Repräsentationskultur – die Entwicklung zum gedoppelten Subjekt: Dieser Abschnitt beleuchtet Sophies Konfrontation mit absolutistischer Hofkultur und ihre Versuche, sich mittels Selbstsorge-Praktiken in einem feindlichen Umfeld zu behaupten.

3.3. Im freien Raum: das gedoppelte Subjekt in der Erprobung: Dieses Kapitel betrachtet die Protagonistin in verschiedenen Stadien ihrer Flucht, in denen sie ihre erlernten Disziplinierungs- und Selbstsorgemuster auf neue Umgebungen und Personenkreise überträgt.

3.3.1. Der Gasthof auf dem Land und in Vaels: Diese Unterkapitel beschreibt den Übergang zur Selbstbehauptung nach der Flucht und die erste Anwendung ihrer erlernten pädagogischen Konzepte im kleinen Rahmen.

3.3.2. Im Haus von Madam Hills: Hier wird gezeigt, wie Sophie eine informelle, aber hochproduktive Bildungseinrichtung organisiert, die ihre Position als Disziplinarsubjekt festigt.

3.3.3. Das Landgut der Lady Summers in England − die ‚Bleygebürgen‘ in Schottland − Seymourhouse: Der letzte Teil des Hauptkapitels untersucht die Transformation ihres Modells zur normgebenden Instanz sowie die existenzielle Krise während ihrer Entführung.

4. Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Entwicklung der Protagonistin zum "gedoppelten Subjekt" sowie die Eignung des Romans als Gegenstand bildungsromananalytischer Forschung.

Schlüsselwörter

Subjektformierung, Michel Foucault, Disziplinarmacht, Selbstsorge, Bildungsroman, Sophie von La Roche, Mikrophysik der Macht, produktive Ökonomie, Briefroman, Askese, Machtverhandlungen, Raumordnung, Aufklärung, Subjektivierung, Geschlechterrollen

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert den Roman "Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim" von Sophie von La Roche durch die theoretische Linse der Machtanalysen von Michel Foucault, um die Entstehung und Strukturierung der Subjektivität der Protagonistin zu verstehen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen umfassen die Disziplinierung des Individuums, die Etablierung produktiver Machtstrukturen, Techniken der Selbstsorge (Askese) sowie das Spannungsverhältnis zwischen individueller Freiheit und gesellschaftlicher Normierung.

Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?

Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie Sophie von La Roche eine Protagonistin zeichnet, die als "gedoppeltes Subjekt" agiert – also einerseits produktiven Disziplinarpraktiken unterworfen ist und andererseits durch Techniken der Selbstsorge ein autonomes, freies Selbst konstituiert.

Welche wissenschaftliche Methodik kommt zum Einsatz?

Die Autorin nutzt machtanalytische Konzepte aus Foucaults "Überwachen und Strafen" (Mikrophysik der Macht, Raumfestsetzung, Disziplin) sowie seine späteren Überlegungen zur Ethik der Selbstsorge ("Technologien des Selbst"), um die Handlungsweisen der Romanfigur zu dechiffrieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert den Roman in räumliche Phasen: das elterliche Landgut, den Fürstenhof und schließlich die Fluchtstationen. Für jeden Ort wird analysiert, wie sich das disziplinarische Bildungsprogramm manifestiert und wie die Figur mittels Schreiben und pädagogischem Tun auf ihre Umgebung wirkt.

Welche Schlüsselbegriffe definieren diese Analyse?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie "gedoppeltes Subjekt", "mikrophysikalische Disziplinarmacht", "progressive Askese", "Macht-Wissen-Komplex" und "Raumordnung" charakterisiert.

Wie spielt das Medium des Briefschreibens eine Rolle bei der Subjektformierung?

Das Briefeschreiben fungiert als "Technologie des Selbst" oder Medientechnik, die Sophie zur Selbstvergewisserung, zur Reflexion über ihre Handlungen und zum Überleben in isolierten Situationen (etwa während ihrer Entführung) nutzt.

Wie bewertet die Arbeit die Wirksamkeit von Sophies Bildungsprogramm?

Die Arbeit zeigt, dass Sophie ein "lebendes Tableau" organisiert, das ökonomische Produktivität erzeugt. Ihr Bildungsprogramm ist demnach ein robustes, disziplinarisches Modell, das sogar in schwierigen Umgebungen zur normgebenden Instanz wird.

Welche Kritik übt die Autorin am Foucaultschen Konzept der Selbstsorge?

Die Arbeit merkt kritisch an, dass Foucaults Konzept der Selbstsorge eine gewisse wirtschaftliche Existenzgrundlage voraussetzt. Sophie benötigt materielle Sicherheit, bevor sie die Techniken der Selbstsorge konsequent und nachhaltig anwenden kann.

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Details

Title
Subjektformierung im 18. Jahrhundert. Das gedoppelte Subjekt in Sophie von La Roches "Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim"
College
University of Hagen  (Institut für Neuere deutsche Literatur- und Medienwissenschaft)
Grade
1,0
Author
Sabine Gesinn (Author)
Publication Year
2017
Pages
34
Catalog Number
V374977
ISBN (eBook)
9783668520080
ISBN (Book)
9783668520097
Language
German
Tags
Foucault 18.Jahrhundert Diziplin Selbstsorge Übung Subjekt Disziplinargesellschaft Bildung Briefroman Mikrophysik der Macht
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sabine Gesinn (Author), 2017, Subjektformierung im 18. Jahrhundert. Das gedoppelte Subjekt in Sophie von La Roches "Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/374977
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