Die Analyse der Beziehung von Kaiser Otto I. und Papst Johannes XII. basierend auf den Schilderungen von Liudprand von Cremona


Seminararbeit, 2013

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

2
1. Einleitung
,,Sie waren sich auch nicht sympathisch, der fünfzigjährige erfahrene, grundsolide
Sachse und der fünfundzwanzigjährige, leichtlebige Italiener",
1
so bewertet der
Historiker Helmut Hiller die Beziehung zwischen Kaiser Otto I. und Papst Johannes
XII.. Als Freundschaft kann die Beziehung der beiden wohl wahrlich nicht beschrieben
werden, dafür waren die Lebensansichten zu verschieden und der Machtwille jeweils zu
groß. Wie genau sich die Beziehung darstellte, soll Gegenstand dieser Arbeit sein.
Meine Ausführungen werde ich mit einer kurzen Einzelbetrachtung beider Personen
beginnen. Dies soll die Grundlage für das Verhältnis der beiden bilden, sowie eine
Einschätzung der verschiedenen Hintergründe liefern. Des Weiteren soll es um die
Ereignisse und die zwischenmenschlichen Beziehungen gehen, die schlussendlich zur
Kaiserkrönung geführt haben. Unter anderem werde ich kurz beleuchten, inwieweit
Johannes tatsächlich für Ottos Kaiserkrönung verantwortlich war. Der Schwerpunkt
dieser Arbeit, soll jedoch auf den Ereignissen nach der Kaiserkrönung liegen. Hier wird
wirklich deutlich, wie die Machtverhältnisse zwischen beiden Herrschern ausgesehen
haben und wer eigentlich Macht über wen ausüben konnte. Dies soll zum Abschluss zu
einer allgemeinen Bewertung über das Verhältnis zwischen Kaiser Otto I. und Papst
Johannes XII. führen.
Als Quellengrundlage werden mir vor allem die Schilderungen von Liudprand von
Cremona dienen, die aus seinem Buch über König Otto stammen. Bei Liudprand ist
natürlich eine Tendenz zu Gunsten Ottos zu berücksichtigen, da es sich um ein
Auftragswerk desselben handelt.
1
Hiller, H.: Otto der Große und seine Zeit. München 1980, S. 208.

3
2. Ausgangslage beider Charaktere vor der Kaiserkrönung
Um die Beziehung von Otto und Johannes näher betrachten zu können, muss man sich
vor Augen führen, aus welchem familiären und machtpolitischen Hintergrund beide
kommen. Zu diesem Zweck werde ich im Folgenden kurz auf die Biographien beider
eingehen, um auf dieser Grundlage eine Bewertung der Beziehung beider durchführen
zu können.
2.1. Otto I.
Otto wurde 912 als Sohn des Sachsenherzogs und späteren ostfränkischen Königs
Heinrich I. geboren. Er selbst wurde dann 936 nach dem Tod seines Vaters zum
ostfränkischen König gewählt, nachdem er schon vorher als Thronfolger, was zum
Nachteil seiner Brüder geschah, bestimmt wurde.
2
Diese Nachfolgeregelung kann als
Einschnitt in die Geschichte gesehen werden, da zum ersten Mal eine alleinige
Thronfolge durchgesetzt wurde, statt einer Teilung der Herrschaftsgebiete unter allen
männlichen Nachfolgern.
3
Darin kann vielleicht ein Grund für Ottos Durchsetzungskraft
gesehen werden, da er sich schon im eigenen Herrschaftsgebiet gegenüber seinen
Brüdern behaupten musste. Generell war die Herrschaftslage in Ottos Reich nicht
immer stabil, durch seine Missachtung gewisser Rangfolgen und Gewohnheitsrechten in
der Besetzung von Ämtern, machte sich Otto Feinde unter den Adeligen.
4
In diesen
kritischen Episoden seiner Herrschaft stützte sich Otto auch verstärkt auf die
Reichskirche und unterstützte sie großzügig
5
, was eine gewisse Verbundenheit Ottos
mit der Kirche ausdrückt. Ob diese spirituelle Natur war, oder einen taktischen
Hintergrund hatte, muss dahingestellt bleiben.
2
Struve, T.: Otto I., der Gr., in: Lexikon des Mittelalters, Bd. 6, München, 1993 Sp. 1563.
3
Ebd., Sp.1563.
4
Fraesdorff, D.: Herrscher des Mittelalters.Von Karl dem Großen bis Isabella von Kastillien, Hildesheim 2008,
S.33
5
Struve, T.: Otto I., der Gr., in: Lexikon des Mittelalters, Bd. 6, München, 1993 Sp. 1564.

4
Seinen bis zur Kaiserkrönung größten Erfolg erlangte Otto durch den Sieg gegen die
Ungarn in der Lechfeldschlacht im Jahr 955. Laut Widukind von Corvey soll Otto noch
auf dem Schlachtfeld zum Kaiser ausgerufen worden sein.
6
Dadurch ergibt sich die
Frage, inwieweit die Kaiserkrönung durch den Papst von den Zeitgenossen noch als
notwendig betrachtet wurde. Offiziell hingegen nannte sich Otto erst nach der Krönung
durch den Papst selbst Kaiser.
7
Festzustellen ist, dass solange seine erste Frau Edgitha
lebte, kein Streben seinerseits bekannt ist, die Kaiserkrone zu erlangen, obwohl diese
schon seit einigen Jahrzehnten vakant geblieben ist. Erst nach seiner Heirat mit
Adelheid 951, durch die er auch die italienische Königswürde erlangte, rückte das
Blickfeld weiter auf die Kaiserkrone zu.
8
Dieses gewandelte Interesse Ottos ist ein
Schlüsselpunkt der damaligen Italienpolitik und dem Verhältnis zum Papst, weil Otto
damit einen berechtigten Anspruch auf italienische Gebiete erhielt und damit auch die
Berechtigung zur Kaiserkrönung durch den Papst erlangte.
2.2. Papst Johannes XII.
Papst Johannes XII. war der erste Papst, der seinen Namen nach Erlangung der
Papstwürde änderte.
9
Geboren wurde er zwischen 937 und 938 als Octavian von Spoleto
in Rom.
10
Sein Vater war der römische Stadtherr Alberich II. und seinem Einfluss ist es
zuzumessen, dass Octavian die Papstwürde angetragen wurde.
11
Auf seinem Sterbebett
nahm er den Römern das Versprechen ab, das nachdem der amtierende Papst Agapit II.
verstorben sei, sein Sohn als nächster Papst gewählt wird. Somit folgte Octavian seinem
Vater nicht nur in der Funktion des Stadtherrn Roms, sondern wurde 955 auch Papst.
Dadurch fand die Vereinigung weltlicher und geistlicher Macht in seiner Person statt,
12
womit Johannes eine außerordentlich mächtige Position in Rom innehatte.
6
Zimmermann, H.: Otto der Große. Darmstadt 1976, S. 206.
7
Beumann, H./ Büttner, H.: Das Kaisertum Ottos des Großen. Sigmaringen 1963, S. 78.
8
Laudage, J.: Otto der Grosse. Regensburg 2001, S.168.
9
Zimmermann: Otto der Große, S. 363.
10
Schieffer, R.: Johannes XII., in: Lexikon des Mittelalters, Bd. 5, München, 1993, Sp. 541.
11
Ebd., Sp. 541.
12
Zimmermann: Otto der Große, S. 363364.

5
Es kann als unwahrscheinlich angesehen werden, dass Johannes, bevor er Papst wurde,
eine geistliche Ausbildung absolviert hatte. Er ist somit als Laie zum Papst erhoben
worden, was von den Quellen allerdings nicht weiter erwähnt wird. Johannes
Lebensführung spricht allerdings auch dafür, dass er nicht für eine geistliche Laufbahn
erzogen worden ist. Er regierte vor allem als römischer Stadtherr, statt sich um die
geistliche Führung der Gläubigen zu kümmern. Er galt generell auch als ein Verehrer
von Frauen und berauschenden Substanzen,
13
was ihm eine gewisse Verachtung in
einigen Gesellschaftsgruppen eingebracht haben wird.
3. Die Kaiserkrönung
Als Erstes muss die Frage aufgeworfen werden, inwieweit die Kaiserkrönung durch den
Papst zur damaligen Zeit wirklich durchgeführt werden musste. Wie bereits erwähnt,
nannte Widukind Otto schon nach dem Sieg der Lechfeldschlacht Kaiser und
betrachtete die Krönung durch den Papst als unnötig, da dies schon durch Gott
geschehen sei.
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Das Kaisertum war zu dieser Zeit nicht zwangsläufig mit Rom
verbunden. Es bestand auch die Möglichkeit ein rom- und papstfernes Kaisertum zu
errichte, da auch das Kaisertum durch ein unmittelbares Gottesgnadentum
ausgezeichnet ist, was nicht zwangsläufig den Segen des Papstes bedurfte.
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Die
politische Reichweite des Kaisertitels nahm seit Karl III. kontinuierlich ab, bis zu Ottos
Lebzeiten fast nur noch ein ideeller Wert geblieben war, was das Streben Ottos nach
dem Titel fraglich erscheinen lässt.
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Seiner Krönung sind einige kaiserlose Jahre
vorangegangen, was vermutlich auch an einem gewissen Interesse römischer
Adelsfamilien lag, die die Krönung eines neuen Papstes zu verhindern wussten.
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All
dies lässt den Glanz der Kaiserkrönung in einem schlechteren Licht erscheinen. Diese
Fakten werden bei der weiteren Bewertung der Beziehungen Ottos und Johannes
13
Zimmermann: Otto der Große, S. 363364.
14
Ebd., S. 206.
15
Schneidmüller, B./ Weinfurter, S.: Ottonische Neuanfänge. Symposion zur Ausstellung ,,Otto der Grosse,
Magdeburg und Europa", Mainz 2001, S. 226227.
16
Huschner, W.: Kaiser der Franken oder Kaiser der Römer?, in: Otto der Grosse und das römische Reich.
Kaisertum von der Antike zum Mittelalter, hrsg. V. M.Puhle/G. Köster, Regensburg 2012, S. 520.
17
Ebd., S.520.
Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Analyse der Beziehung von Kaiser Otto I. und Papst Johannes XII. basierend auf den Schilderungen von Liudprand von Cremona
Hochschule
Universität Paderborn
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
14
Katalognummer
V375024
ISBN (eBook)
9783668532175
ISBN (Buch)
9783668532182
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
analyse, beziehung, kaiser, otto, papst, johannes, schilderungen, liudprand, cremona
Arbeit zitieren
Nadine Watterott (Autor), 2013, Die Analyse der Beziehung von Kaiser Otto I. und Papst Johannes XII. basierend auf den Schilderungen von Liudprand von Cremona, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375024

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