Ableitung und Begründung eines Verfahrens zur Prävention psychischer Gefährdungen im Vertrieb mittelständischer Unternehmen


Diplomarbeit, 2013

193 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Marc Bankoley: Ableitung und Begründung eines Verfahrens zur Prävention psychischer
Gefährdungen im Vertrieb mittelständischer Unternehmen
Sperrvermerk
Sperrvermerk
Der Produktions- und Großhandelsbetrieb, bei dem die Erhebungen zum
Test der in dieser Arbeit aufgestellten Hypothesen durchgeführt wurden, ist
die XX GmbH. Alle in dieser Arbeit enthaltenen Informationen über die XX
GmbH und deren Mitarbeiter sind vertraulich und dürfen ohne Zustimmung
des Verfassers für 2 Jahre nicht veröffentlicht bzw. Dritten außerhalb des
Prüfungsausschusses zugänglich werden.

Marc Bankoley: Ableitung und Begründung eines Verfahrens zur Prävention psychischer
Gefährdungen im Vertrieb mittelständischer Unternehmen
Abstrakt
Abstrakt
Ziel dieser Diplomarbeit ist es, ein Verfahren für die Beurteilung von
psychischen Gefährdungen im Außendienst zu erarbeiten. Die bisher
eingesetzten Verfahren basieren im Wesentlichen entweder auf der
alternativen Beobachtung der Arbeitsbedingungen oder der Befragung der
Mitarbeiter. Beide Methodenarten weisen spezifische Vor- und Nachteile
auf und beleuchten jeweils nur einen Teilaspekt des Spektrums psychischer
Gefährdungen. Durch die Kombination eines beobachtungsbasierenden mit
einem befragungsbasierenden Verfahren zur Beurteilung psychischer
Belastungen wird eine neue Methode entwickelt, die eine praxisrelevantere
Beurteilung psychischer Belastungen bringt. Das neue Verfahren wird
hinsichtlich seiner Eignung und Konsistenz in einem explorativen
Feldversuch im Tätigkeitsbereich ,,Außendienst" eines mittelständischen
Produktions- und Großhandelsunternehmens erprobt.
Abstract
The aim of this diploma-thesis is to create a method for the evaluation of
psychic risks related to the work of sales representatives. The methods that
have been used up to now were based either on the observation of working
conditions or on the questioning of the employees. Both types of methods
have specific advantages and disadvantages and they reveal only parts of
all the aspects of psychic risks. Through the combination of a method that
is based on the observation of working conditions with a method that is
based on a questionnaire, a new method with a focus on practical evaluation
of psychic risks is developed. The new method is tested on its suitability and
consistence in an explorative experience on the field of activity of the sales
force of a medium production and wholesales company.

Marc Bankoley: Ableitung und Begründung eines Verfahrens zur Prävention psychischer
Gefährdungen im Vertrieb mittelständischer Unternehmen
Inhaltsverzeichnis
I
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis ... IV
Tabellenverzeichnis ... V
Abkürzungsverzeichnis ... VI
Symbolverzeichnis ... IX
1
Einleitung ... 1
1.1
Problemstellung ... 2
1.2
Abgrenzung der zu untersuchenden Problemfelder ... 5
1.3
Methodische Vorgehensweise ... 7
2
Terminologische und theoretische Grundlagen ... 9
2.1
Terminologische Grundlagen ... 9
2.1.1
Prävention ... 9
2.1.2
Gesundheit ... 11
2.1.3
Psychische Belastung und Beanspruchung ... 14
2.1.4
Stress ... 16
2.1.5
Depression ... 19
2.1.6
Burnout ... 22
2.1.7
Arbeitssystem Vertrieb ... 27
2.1.8
Mittelstand ... 29
2.2
Theoretische Grundlagen ... 31
2.2.1
Juristische Grundlagen ... 32
2.2.2
Normative Grundlagen ... 38
2.2.3
Ausgewählte
Modelle
der
arbeitspsychologischen
Belastungsanalyse ... 39
2.2.3.1
Belastungs-Beanspruchungs-Konzept ... 40
2.2.3.2
Demand ­ Control - Modell ... 44
2.2.3.3
Effort-Reward-Imbalance Modell ... 46
2.2.3.4
Transaktionales Stressmodell ... 48
2.2.3.5
Modell der Regulationsbehinderungen ... 51
2.2.4
Biopsychologische Grundlagen der Stresswirkungen im
menschlichen Körper ... 53

Marc Bankoley: Ableitung und Begründung eines Verfahrens zur Prävention psychischer
Gefährdungen im Vertrieb mittelständischer Unternehmen
Inhaltsverzeichnis
II
2.2.4.1
Stressbewältigungsmechanismus
der
SNMA-
Achse 55
2.2.4.2
Stressbewältigungsmechanismus
der
HHNA-
Achse 56
2.2.4.3
Mögliche physische Folgen von psychischer
Fehlbeanspruchung ... 58
2.2.5
Methodische Grundlagen der empirischen Forschung ... 59
3
Ableitung und Begründung des neuen Verfahrens ... 64
3.1
Wesentliche Ergebnisse aktueller Studien ... 64
3.2
Konsequenzen aus der Forschungslage ... 65
3.3
Hypothesen für die nachfolgende Untersuchung ... 67
3.4
Auswahl der Basis-Verfahren ... 67
3.5
Begründung der Kombination der beiden Verfahren
COPSOQ und SIGMA ... 72
3.6
Kritik des Verfahrens COPSOQ ... 74
3.7
Kritik des Verfahrens SIGMA ... 77
3.8
Durchführung des Hypothesentests ... 79
3.9
Ergebnisse ... 82
3.9.1
Ergebnisse des COPSOQ-Verfahrens ... 82
3.9.1.1
Anforderungen ... 83
3.9.1.2
Einfluss und Entwicklungsmöglichkeiten ... 84
3.9.1.3
Soziale Beziehungen und Führung ... 85
3.9.1.4
Weitere Aspekte ... 88
3.9.1.5
Belastungen und Beschwerden ... 89
3.9.1.6
Fazit der COPSOQ-Analyse ... 90
3.9.2
Ergebnisse des SIGMA-Verfahrens ... 91
3.9.2.1
Arbeitstätigkeit ... 91
3.9.2.2
Arbeitsumgebung ... 92
3.9.2.3
Arbeitsorganisation ... 95
3.9.2.4
Spezifische Belastungen ... 97
3.9.2.5
Fazit der SIGMA-Analyse ... 98
3.9.3
Vergleich der Ergebnisse der COPSOQ- und SIGMA-
Analysen ... 99
4
Zusammenfassung und Fazit ... 102
5
Ausblick ... 105

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Gefährdungen im Vertrieb mittelständischer Unternehmen
Inhaltsverzeichnis
III
Verzeichnis des Anhanges ... 106
Anhang ... 107
Literaturverzeichnis ... 159
Glossar ... 170

Marc Bankoley: Ableitung und Begründung eines Verfahrens zur Prävention psychischer
Gefährdungen im Vertrieb mittelständischer Unternehmen
Abbildungsverzeichnis
IV
Abbildungsverzeichnis
A
BBILDUNG
1:
Ü
BERSICHT ÜBER
P
RÄVENTIONSANSÄTZE
. ... 10
A
BBILDUNG
2:
F
ÖRDERNDE UND
B
EEINTRÄCHTIGENDE
E
FFEKTE DER
PSYCHISCHEN
B
ELASTUNG UND
B
EANSPRUCHUNG
. ... 15
A
BBILDUNG
3:
B
URNOUTZYKLUS
... 25
A
BBILDUNG
4:S
CHEMATISCHE
D
ARSTELLUNG DES
A
RBEITSSYSTEMS
. ... 29
A
BBILDUNG
5:
R
ECHTSETZUNGSPROZESS IN DER
EU ... 32
A
BBILDUNG
6:
H
ANDLUNGSZYKLUS DER
F
ACHKRAFT FÜR
A
RBEITSSICHERHEIT
... 35
A
BBILDUNG
7:
M
AßNAHMENHIERARCHIE DER
G
EFÄHRDUNGSBEURTEILUNG
. ... 36
A
BBILDUNG
8:
B
ELASTUNGS
-B
EANSPRUCHUNGS
-K
ONZEPT
.. ... 41
A
BBILDUNG
9:
D
EMAND
-C
ONTROL
-M
ODELL
. ... 46
A
BBILDUNG
10:
E
FFORT
-R
EWARD
-I
MBALANCE
M
ODELL
... 48
A
BBILDUNG
11:
T
RANSAKTIONALES
S
TRESSMODELL NACH
L
AZARUS
. ... 50
A
BBILDUNG
12:
M
ODELL DER
R
EGULATIONSBEHINDERUNGEN
... 53
A
BBILDUNG
14:
O
RGANIGRAMM DES
B
EISPIELUNTERNEHMENS
... 80
A
BBILDUNG
15:
G
ESAMTWERT DER
S
KALA
A
NFORDERUNGEN
. ... 84
A
BBILDUNG
16:
G
ESAMTWERT DER
S
KALA
E
INFLUSS UND
E
NTWICKLUNGSMÖGLICHKEITEN
. ... 85
A
BBILDUNG
17:
G
ESAMTWERT DER
S
KALA
S
OZIALE
B
EZIEHUNG UND
F
ÜHRUNG
(1), ... 86
A
BBILDUNG
18:
G
ESAMTWERTE DER
S
KALA
S
OZIALE
B
EZIEHUNGEN UND
F
ÜHRUNG
(2),. ... 88
A
BBILDUNG
19:
G
ESAMTWERTE DER
S
KALA WEITERE
A
SPEKTE
. ... 89
A
BBILDUNG
20:
G
ESAMTWERT DER
S
KALEN
B
ELASTUNGSFOLGEN UND
B
ESCHWERDEN
. ... 90
A
BBILDUNG
20:
A
USWERTUNGSDIAGRAMM DER
A
RBEITSTÄTIGKEITEN
... 152
A
BBILDUNG
21:
A
USWERTUNGSDIAGRAMM DER
A
RBEITSUMGEBUNG
... 153
A
BBILDUNG
22:
A
USWERTUNGSDIAGRAMM DER
A
RBEITSORGANISATION
... 154
A
BBILDUNG
23:
A
UWERTUNGSDIAGRAMM DER BESONDEREN
A
NFORDERUNGEN
... 155

Marc Bankoley: Ableitung und Begründung eines Verfahrens zur Prävention psychischer
Gefährdungen im Vertrieb mittelständischer Unternehmen
Tabellenverzeichnis
V
Tabellenverzeichnis
T
ABELLE
1:
Q
UANTITATIVE
K
RITERIEN DER
U
NTERNEHMENSGRÖßE
... 30
T
ABELLE
2:
U
NTERNEHMENSGRÖßENKLASSEN DER
EU... 31
T
ABELLE
3:
N
EUROHORMONALE
A
CHSEN DER
S
TRESSREAKTION NACH
J.P.
H
ENRY
. ... 54
T
ABELLE
4:
E
RGEBNIS DES
H
AUPTABSCHNITTS
A
RBEITSTÄTIGKEIT
... 92
T
ABELLE
5:
E
RGEBNIS DES
H
AUPTABSCHNITTS
A
RBEITSUMGEBUNG
... 93
T
ABELLE
6:
E
RGEBNIS DES
H
AUPTABSCHNITTS
A
RBEITSORGANISATION
. ... 95
T
ABELLE
7:
E
RGEBNIS DES
H
AUPTABSCHNITTS
B
ESONDERE
A
NFORDERUNGEN
/
S
PEZIFISCHE
B
ELASTUNGEN
. ... 97
T
ABELLE
8:
E
NTSCHEIDUNGSMATRIX FÜR ORIENTIERENDE
V
ERFAHREN
... 116
T
ABELLE
9:
E
NTSCHEIDUNGSMATRIX FÜR
S
CREENING
-V
ERFAHREN
. ... 117
T
ABELLE
10:
A
USGEFÜLLTER
SIGMA-F
RAGEBOGEN
... 151
T
ABELLE
11:
V
ERGLEICHSTABELLE
S
KALEN DES
SIGMA
UND
COPSOQ-V
ERFAHRENS
... 158

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Gefährdungen im Vertrieb mittelständischer Unternehmen
Abkürzungsverzeichnis
VI
Abkürzungsverzeichnis
Abb.
Abbildung
Abs.
Absatz
AOK
Allgemeine Ortskrankenkasse
ArbSchG
Arbeitsschutzgesetz
ASiG
Gesetz über Betriebsätzte, Sicherheitsingenieure und
andere Fachkräfte für Arbeitssicherheit
ArbStättV
Arbeitsstättenverordnung
Aufl.
Auflage
BAuA
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
BGV
Berufsgenossenschaftliche Vorschrift
Bd.
Band
BG
Berufsgenossenschaft
BG ETEM
Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro
Medienerzeugnisse
BGB
Bürgerliches Gesetzbuch
BGBl
Bundesgesetzblatt
bzw.
beziehungsweise
BUK
Bundesunmittelbare Unfallkasse
ca.
circa
CD
Compact Disk
COPSOQ
Copenhagen Psychosocial Questionaire
d.h.
das heißt
DGUV
Deutsche gesetzliche Unfallversicherung
DIN
Deutsches Institut für Normung e.V.
Diss.
Dissertation
DSM-IV
Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders
Nr. 4 = Diagnostisches und Statistisches Handbuch
Psychischer Störungen Nr. 4
ed.
Edition
et al.
lateinisch et alii = und andere (bei Zitaten)
etc.
et cetera
ebd.
ebenda
EG
Europäische Gemeinschaft
EU
Europäische Union
EN
Europäische Norm
EWG
Europäische Wirtschaftsgemeinschaft
f.
folgende
FFAS
Freiburger Forschungsstelle Arbeits- und Sozial-
Medizin e.V.
GDA
Gemeinsame deutsche Arbeitsschutzstrategie
GmbH
Gesellschaft mit beschränkter Haftung
h
Stunde(n)
HHNA
Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse
Hrsg
Herausgeber
HTML
Hypertext Markup Language

Marc Bankoley: Ableitung und Begründung eines Verfahrens zur Prävention psychischer
Gefährdungen im Vertrieb mittelständischer Unternehmen
Abkürzungsverzeichnis
VII
HTTP
Hypertext Transfer Protocol
IAO
Internationale Arbeitsorganisation
ICD
International Statistical Classification of Diseases
and Related Health Problems = Internationale statistische
Klassifikation der Krankheiten und verwandter
Gesundheitsprobleme
IfM
Institut für Mittelstandsforschung
ISO
International Organization for Standardization
KMU
Kleine und mittlere Unternehmen
LASI
Länderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik
MBI
Maslach Burnout Inventory
Min.
Minute
NOG
Neuordnungsgesetz
Nr.
Nummer
NRW
Nordrhein-Westfalen
o.g.
oben genannt(e)
PDCA
Plan-Do-Check-Act (Demingrad)
PDF
Portable Document File
REACH
Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of
Chemicals
REFA
Verband für Arbeitsgestaltung, Betriebsorganisation und
Unternehmensentwicklung
RHIA
Verfahren zur Ermittlung von Regulationshindernissen in
der Arbeitstätigkeit
RL
Richtlinie
s.
Siehe (bei Gesetzestexten)
S.
Seite
SGB
Sozialgesetzbuch
SIGMA
Screening Instrument zur Bewertung und Gestaltung von
Menschengerechten Arbeitstätigkeiten
SNMA
Sympathikus-Nebennierenmark-Achse
Sp.
Spalte
TAS
Technische Akademie Südwest e.V.
TRGS
Technische Regel für Gefahrstoffe
TRBA
Technische Regel für biologische Arbeitsstoffe
u.a.
unter anderem
u.U.
unter Umständen
URL
Uniform Ressource Lokator = Logische Internet Adresse
v.a.
vor allem
VBG
Verwaltungsberufsgenossenschaft
VDSI
Verband Deutscher Sicherheitsingenieure
VERA
Verfahren zur Ermittlung von Regulationserfordernissen in
der Arbeitstätigkeit
Vgl.
Vergleiche
vs.
Versus
WHO
World Health Organization
= Welt-Gesundheitsorganisation
WWW
World Wide Web

Marc Bankoley: Ableitung und Begründung eines Verfahrens zur Prävention psychischer
Gefährdungen im Vertrieb mittelständischer Unternehmen
Abkürzungsverzeichnis
VIII
z.B.
zum Beispiel
ZNS
Zentrales Nervensystem

Marc Bankoley: Ableitung und Begründung eines Verfahrens zur Prävention psychischer
Gefährdungen im Vertrieb mittelständischer Unternehmen
Symbolverzeichnis
IX
Symbolverzeichnis
<
kleiner
>
größer
kleiner oder gleich
größer oder gleich
®
Registered Trademark = Eingetragenes Warenzeichen
Euro
%
Prozent = vom hundert
§
Paragraf
&
und

Marc Bankoley: Ableitung und Begründung eines Verfahrens zur Prävention psychischer
Gefährdungen im Vertrieb mittelständischer Unternehmen
Einleitung
1
1 Einleitung
Angesichts steigender Zahlen von Arbeitsunfähigkeitsfällen und -
tagen wegen psychischer Erkrankungen sind die psychischen
Belastungen bei der Arbeit in den letzten Jahren immer weiter in den
Fokus der gesetzlichen Sozialversicherung gerückt. Die absolute Zahl
der Krankheitstage wegen psychischer Belastungen lag im Jahr 2012
bundesweit bei 53 Millionen Krankheitstagen. Daneben liegen 41%
der Frühberentungen psychische Ursachen zugrunde.
1
Die Ursachen werden mehrheitlich in veränderten Arbeitsbeding-
ungen gesehen, wie z.B.:
2
· Starke Zunahme der Informationsdichte
· Starke Zunahme des Zeitdruckes
· Herabsetzung der körperlichen Aktivität und dadurch bedingte
erhöhte Prävalenz von sogenannten Zivilisationskrankheiten wie
Herz-Kreislauf- oder Muskel-Skelett-Erkrankungen
· Erhöhter Zwang zur Tolerierung von emotionalen Dissonanzen
im Kundenkontakt
· Entgrenzung von Arbeit und Freizeit
· Zunahme der Verantwortung auf allen betrieblichen Ebenen
Inzwischen hat der Gesetzgeber legislativ auf diese Herausforderung
reagiert. Am 20.09.2013 wurde der vom Bundestag beschlossene
Entwurf des Gesetzes zur Neuorganisation der bundesunmittelbaren
1
Vgl. Lohmann-Haislah, Andrea: Stressreport Deutschland 2012 - Psychische
Anforderungen, Ressourcen und Befinden.Dortmund [u.a.], (Bundesanstalt für
Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2012, S. 3. ebd.
2
Vgl. Weinreich, Ingo; Weigl, Christian: Unternehmensratgeber betriebliches
Gesundheitsmanagement.
Grundlagen
-
Methoden
-
personelle
Kompetenzen.Berlin, (Erich Schmidt Verlag) 2011, S. 22­26.

Marc Bankoley: Ableitung und Begründung eines Verfahrens zur Prävention psychischer
Gefährdungen im Vertrieb mittelständischer Unternehmen
Einleitung
2
Unfallkassen, zur Änderung des Sozialgerichtsgesetzes und zur
Änderung anderer Gesetze (BUK-Neuorganisationsgesetz - BUK-
NOG) vom Bundesrat genehmigt.
3
Damit hat die Beurteilung
psychischer Gefährdungen einen erheblichen Bedeutungsgewinn
erfahren. Auch in die DGUV-Vorschrift 2 (Deutsche gesetzliche
Unfallversicherung Vorschrift 2) zur betrieblichen Betreuung
4
, in die
LASI-Leitlinie (Länderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheits-
technik-Leitlinie) zur Aufsicht
5
und in die GDA (Gemeinsame Deutsche
Arbeitsschutzstrategie)
6
wurde der Themenbereich psychische
Gefährdungen aufgenommen.
Nach Prognosen der WHO (World Health Organization) ist in den
nächsten Jahren mit einem weiteren Anstieg der psychischen
Erkrankungen zu rechnen.
7
Der Prävention dieser Erkrankungen wird
daher in Zukunft wachsende Bedeutung zukommen.
1.1 Problemstellung
Für Betriebe, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen,
werden psychische Belastungen zunehmend existentiell bedeutend.
Wenn Mitarbeiter aufgrund psychischer Erkrankungen ausfallen, so ist
3
Gesetz zur Neuorganisation der bundesunmittelbaren Unfallkassen, zur Änderung
des Sozialgerichtsgesetzes und zur Änderung anderer Gesetze (BUK-
Neuorganisationsgesetz ­ BUK-NOG) vom 19. Oktober 2013 (BGBl I Nr. 63 S.
3836).
4
Vgl. Verwaltungsberufsgenossenschaft (VBG): DGUV Vorschrift 2, Betriebsärzte
und
Fachkräfte
für
Arbeitssicherheit
vom
01.
Januar
2011,
(Verwaltungsberufsgenossenschaft) 2011.
5
Vgl. Pemp, Stefan: Integration psychischer Belastungen in die Beratungs- und
Überwachungspraxis der Arbeitsschutzbehörden der Länder, (Länderausschuss
für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik) 2009.
6
Vgl. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Hrsg): Gemeinsame
Arbeitsschutzziele 2013-2018. Wichtige Themen richtig angehen, (Bundesanstalt
für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin) Berlin 2012.
7
Vgl. World Health Organization: The world health report 2001 - Mental Health: New
Understanding, New Hope. [http://www.who.int/whr/2001/en/], Abrufdatum:
12.10.2013

Marc Bankoley: Ableitung und Begründung eines Verfahrens zur Prävention psychischer
Gefährdungen im Vertrieb mittelständischer Unternehmen
Einleitung
3
davon auszugehen, dass sie für mehrere Wochen therapiert werden
müssen. Gerade für hochspezialisierte kleine und mittlere
Unternehmen mit geringem Personalbestand kann dies zu
erheblichen Einnahmeausfällen führen, besonders wenn Vertriebs-
mitarbeiter für längere Zeit der Arbeit fernbleiben. Bei der
Gefährdungsbeurteilung der psychischen Belastungen nach § 5
ArbSchG (Arbeitsschutzgesetz) tritt jedoch das Problem auf, dass
keine Grenzwerte und Methoden festgelegt sind, nach denen die
entstehenden Gefährdungen zu bewerten sind. Für physische,
chemische oder biologische Gefährdungen sind in den Normen,
TRGS oder TRBA
8
Grenzwerte und Methoden zur Ermittlung der
Belastung festgelegt, an denen sich der Unternehmer orientieren
kann. Die Reaktion jedes Individuums auf psychische Belastungen ist
abhängig
von
den
persönlichen
Bewältigungsressourcen
unterschiedlich, so dass eine identische psychische Belastung zu
unterschiedlichen Gesundheitsfolgen führen kann. Für die
Beanspruchungsfolgen ist die individuelle Bewertung der erlebten
Situation entscheidend und kann somit positive oder pathogene
9
Folgen haben. Mit steigender Belastung steigt jedoch die
Erkrankungsrate, so dass irgendwann auch robuste Menschen durch
Dauerstress krank werden.
10
Die Tatsache, dass sichtbare Gesundheitsfolgen von psychischen
Belastungen nicht eindeutig bestimmten Ursachen zuzuordnen,
sondern häufig multikausal sind, erschwert eine klare Ursache-
8
TRGS und TRBA sind Akronyme und stehen für Technische Regel für Gefahrstoffe
bzw. Technische Regel für biologische Arbeitsstoffe.
9
Pathogenese ist die statische Einteilung von Menschen in den Zustand der
Krankheit oder Gesundheit; vgl. Antonovsky, Aaron: Unraveling the mystery of
health. How people manage stress and stay well. 1. ed.San Francisco, (Jossey-
Bass 1987 (=The Jossey-Bass health series), S. 12.
10
Vgl. Hien, Wolfgang: Gesundheitszirkel - ein geeignetes Instrument, um psychische
Belastungen zu erfassen. In: Gute Arbeit (2010) Nr. 7/8, S. 32­36.

Marc Bankoley: Ableitung und Begründung eines Verfahrens zur Prävention psychischer
Gefährdungen im Vertrieb mittelständischer Unternehmen
Einleitung
4
Wirkungs-Zuordnung. Windemuth spricht in diesem Zusammenhang
auch von einem Dreiebenen-Modell der psychischen Belastungen im
Beruf. Demnach ist der beschäftigte Mensch grundsätzlich
betrieblichen und außerbetrieblichen Belastungsquellen (1. und 2.
Ebene) ausgesetzt, denen er mit den eigenen Bewältigungs-
ressourcen und Kompetenzen (3. Ebene) begegnet.
11
Die Erstellung
einer Risikomatrix zur Ermittlung des Grenzrisikos
12
, wie sie bei nicht
eindeutigen Gefährdungslagen oft eingesetzt wird, ist deshalb nicht
möglich, weil psychische Gefährdungsfaktoren (z.B. autoritärer
Führungsstil) subjektiv unterschiedlich erlebt werden.
13
Andererseits stellt die Fülle der Instrumente zur Beurteilung von
psychischen Gefährdungen sowohl Unternehmer, Führungskräfte und
Fachkräfte für Arbeitssicherheit als auch Arbeitsmediziner vor große
Herausforderungen. Die als Hilfestellung gedachte Toolbox der BAuA
listet 97 verschiedene Instrumente mit jeweils unterschiedliche
Zielsetzungen und theoretischer Fundierung auf.
14
Darüber hinaus
existiert eine Vielzahl weiterer validierter Instrumente, z.B. Psyrisk®.
15
11
Vgl. Windemuth, Dirk;Jung, Detlev;Petermann, Olaf (Hrsg): Praxishandbuch
psychische Belastungen im Beruf. Vorbeugen - erkennen - handeln. Lizenzausg.,
1. Aufl., (Gentner Verlag) Stuttgart 2010, S. 13­15.
12
Vgl. Gruber, Harald;Glówczyska-Woelke, Karolina u. a.: Leitfaden für die
Gefährdungsbeurteilung in Klein- und Mittelbetrieben. Ermittlung und Bewertung von
Gefährdungen; Festlegen von Maßnahmen. 1. Aufl. (Verlag Technik & Information e.K.)
2010, S. 15.
13
Vgl. Weber, Andreas;Hörmann, Georg;Ferreira, Yvonne (Hrsg): Psychosoziale
Gesundheit im Beruf. Mensch, Arbeitswelt, Gesellschaft. 1. Aufl., (Gentner
Verlag) Stuttgart 2007, S. 257­259.
14
Richter, Gabriele: Toolbox Version 1.2. Instrumente zur Erfassung psychischer
Belastungen.Dortmund, (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
2010b, S. 302.
15
Psyrisk® ist ein Instrument, das von der BG ETEM gemeinsam mit dem
Beratungsunternehmen Dr. Nagel & Partner entwickelt wurde. Vgl. Kramer,
Kristin: psy.Risk® Prävention psychischer Fehlbelastungen. [http://www.ipu-
nagel.de/de/component/content/article/2-uncategorised/60-psyrisk%20],
,
Abrufdatum: 13.11.2013

Marc Bankoley: Ableitung und Begründung eines Verfahrens zur Prävention psychischer
Gefährdungen im Vertrieb mittelständischer Unternehmen
Einleitung
5
Somit stellt sich für die Arbeitsschutzverantwortlichen in den
Unternehmen die Frage, ob es ohne Beratung durch externe
Arbeitspsychologen überhaupt möglich ist, eine ganzheitliche
Gefährdungsbeurteilung durchzuführen, die auch die psychischen
Gefährdungen umfasst.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es daher, zu untersuchen, ob die
Toolbox der BAuA Instrumente enthält, die zur Beurteilung
psychischer Belastungen im Außendienst bei mittelständischen
Unternehmen geeignet sind.
1.2 Abgrenzung der zu untersuchenden Problemfelder
Konkret soll in dieser Diplomarbeit untersucht werden, inwieweit
derzeit
Instrumente
zur
Erfassung
von
psychischen
Fehlbeanspruchungen zur Verfügung stehen, die einerseits den
Anforderungen der DIN EN ISO 10075-1 bis -3
16
genügen und
andererseits unter den besonderen Bedingungen mittelständischer
Unternehmen einsetzbar sind. Das der Norm DIN EN ISO 10075
zugrunde liegende Belastungs-Beanspruchungskonzept soll hierbei
eine wichtiges Auswahlkriterium darstellen, analog zu der
vergleichenden Bewertung von Methoden zur Erfassung von
psychischen Belastungen im Schulbereich.
17
Da die bekannten Instrumente aufgrund ihrer Zielsetzung und
Konzeption jeweils spezifische Vor- und Nachteile haben, soll
16
Die Normenreihe DIN EN ISO 10075-1 bis DIN EN ISO 10075-3 definiert Begriffe,
Gestaltungsgrundsätze sowie Anforderungen an Verfahren zur Messung und
Erfassung psychischer Arbeitsbelastung; vgl. Deutsches Institut für Normung e.V
(Hrsg): Psychische Belastung und Beanspruchung am Arbeitsplatz. Inklusive DIN
EN ISO 10075-1 bis -3. 1. Aufl., (Beuth Verlag) Berlin 2012, S. 83­124.
17
Vgl. Neuner, Rolf: Vergleichende Darstellung und Bewertung von Methoden zur
Erfassung
von
psychischen
Arbeitsbelastungen
im
Schulbereich.
[http://www.boeckler.de/pdf/v_2010_03_01_neuner.pdf],
Abrufdatum:
13.11.2013, S. 6.

Marc Bankoley: Ableitung und Begründung eines Verfahrens zur Prävention psychischer
Gefährdungen im Vertrieb mittelständischer Unternehmen
Einleitung
6
untersucht werden, ob durch die Kombination von Instrumenten der
Erkenntnisgewinn und Nutzen für die Arbeitgeber mittelständischer
Unternehmen erhöht werden kann. Anschließend soll anhand eines
explorativen Feldversuchs an einem Beispielunternehmen erprobt
werden, ob die mit dem synthetisierten Instrument gewonnenen
Aussagen über die psychischen Belastungen im Außendienst
konsistent sind. Sofern dies der Fall ist, können die ermittelten
Ergebnisse der psychischen Gefährdungsbeurteilung als Teilergebnis
in die ganzheitliche Gefährdungsbeurteilung einfließen.
Die
,,Leitlinien
zum
Europäischen
Handlungsrahmen
für
psychosoziales Risikomanagement"
18
ordnen die Gefährdungs-
beurteilung in einen metabetrieblichen Kontext ein. Dem Modell dieser
Leitlinie folgend, werden in dieser Arbeit folgende Schritte vollzogen:
1. Klarer Bezug auf eine definierte Gruppe von Beschäftigten und
2. Vorbereitung der Gefährdungsbeurteilung mit dem Ziel, Art und
Ursachen von Problemen zu ermitteln.
Die daran anschließenden Schritte:
3. Ableitung und Durchsetzung von Maßnahmen, mit dem Ziel der
Risikoreduzierung,
4. Evaluation der Maßnahmen und
5. Management des Risikoreduzierungsprozesses.
sind nicht Bestandteile dieser Arbeit.
19
Die Erarbeitung und
Wirksamkeitsüberprüfung von Vorschlägen zur Reduktion der
18
Vgl. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Hrsg): PRIMA-EF:
Leitlinien
zum
europäischen
Handlungsrahmen
für
psychosoziales
Risikomanagement. Ein Handbuch für Arbeitgeber und Arbeitnehmervertreter. 1.
Aufl. , (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin) Dortmund 2009, S.
2.
19
Vgl. ebd.

Marc Bankoley: Ableitung und Begründung eines Verfahrens zur Prävention psychischer
Gefährdungen im Vertrieb mittelständischer Unternehmen
Einleitung
7
psychosozialen Risiken müssten in einer weiterführenden Studie
untersucht werden. Nicht-psychische Gefährdungen (z.B.
mechanische Gefährdungen) werden in dieser Arbeit nicht
berücksichtigt, sondern sind Teil der durch das Unternehmen durch-
zuführenden Gefährdungsbeurteilung gemäß §5 Abs. 3 Nr. 1-5
ArbSchG.
1.3 Methodische Vorgehensweise
Das Anliegen dieser Arbeit soll als Projekt begriffen werden und
gemäß dem Modell der
· Planung
· Organisation
· Durchführung
· Kontrolle
bearbeitet werden.
20
Demnach sind die begrifflichen und
theoretischen Grundlagen im Zusammenhang mit der Beurteilung von
psychischen Gefährdungen dem Bereich der Planung zuzuordnen.
Die wichtigsten theoretischen Modelle der arbeitspsychologischen
Belastungsanalyse werden kurz dargestellt, um das theoretische
Fundament der Instrumente der psychischen Gefährdungsbeurteilung
zu veranschaulichen. Um das Verständnis für die äußerlich nicht
sichtbaren physiologischen Folgen von Fehlbeanspruchungen als
Ergebnis
von
Belastungen
zu
vertiefen,
werden
zwei
Wirkmechanismen der Stressbewältigung erläutert. In den Bereich der
Organisation fällt die Erstellung einer Entscheidungsmatrix, die
anschließend zur Auswahl der geeigneten Verfahren zur Erfassung
20
Vgl. dazu auch das PDCA-Modell (Demingrad) in: Simon, Walter: GABALs großer
Methodenkoffer. Managementtechniken. 3. Aufl. , (GABAL) Offenbach 2012, S.
168­170.

Marc Bankoley: Ableitung und Begründung eines Verfahrens zur Prävention psychischer
Gefährdungen im Vertrieb mittelständischer Unternehmen
Einleitung
8
von
psychischen
Belastungen
unter
den
Bedingungen
mittelständischer Unternehmen verwendet wurde. Hierunter fällt auch
die Feststellung der Relevanz der festgelegten Auswahlkriterien über
das Beispielunternehmen hinaus mittels einer Online-Umfrage
innerhalb des Bezirks Nordwest-Bremen des Verbands Deutscher
Sicherheitsingenieure (VDSI). In der Durchführungsphase wurde aus
den Verfahren mit den höchsten Punktwerten jeweils ein auf
objektiven
und
auf
subjektiven
Daten
basierendes
bedingungsbezogenes Verfahren zu einem neuen Verfahren
synthetisiert. Schließlich wurde in der Kontrollphase das synthetisierte
Verfahren
im
explorativen
Feldversuch
an
den
Außendienstmitarbeitern eines mittelständischen Produktions- und
Großhandelsunternehmens auf grundsätzliche Konsistenz getestet.
Ziel war es herauszufinden, ob das synthetisierte Verfahren
gegenüber der Anwendung der zugrunde liegenden Einzelverfahren
wissenschaftliche Erkenntnisgewinne liefert.

Marc Bankoley: Ableitung und Begründung eines Verfahrens zur Prävention psychischer
Gefährdungen im Vertrieb mittelständischer Unternehmen
Terminologische und theoretische Grundlagen
9
2 Terminologische und theoretische Grundlagen
Im Folgenden werden grundlegende Begriffe und theoretische
Modelle erläutert, soweit sie für das Verständnis der Fragestellung
dieser Arbeit notwendig sind.
2.1 Terminologische Grundlagen
Ausgehend vom Präventionsgedanken werden die Begriffe
,,Gesundheit" (als Ziel der Prävention) sowie ,,Psychische Belastung
und Beanspruchung" (als Risikofaktoren der Gesundheit) definiert.
Anschließend werden die Begriffe ,,Stress", ,,Depression" und
,,Burnout" als Folgen von Fehlbeanspruchungen terminologisch
abgegrenzt. Schließlich wird anhand der Begriffe ,,Arbeitssystem
Vertrieb" und ,,Mittelstand" der Kontext der folgenden Ausführungen
abgesteckt.
2.1.1 Prävention
Prävention beschreibt die Summe der Maßnahmen, die das Ziel
haben, die Gesundheit von Versicherten in der Sozialversicherung zu
erhalten.
21
Der Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im
Gesundheitswesen definiert Prävention wie folgt:
,,Prävention [...] umfasst alle (zielgerichteten) Maßnahmen und
Aktivitäten, die eine bestimmte gesundheitliche Schädigung
verhindern, weniger wahrscheinlich machen oder verzögern".
22
21
Vgl. Becker, Joachim: Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: Prävention, online im
Internet. [http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/117810/praevention-v6.html]
, Abrufdatum: 7.12.2013
22
Deutscher Bundestag: Gutachten 2000/2001 des Sachverständigenrates für die
Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen. Bedarfsgerechtigkeit und
Wirtschaftlichkeit. Band I, (Deutscher Bundestag) Berlin 2001, S. 71.

Marc Bankoley: Ableitung und Begründung eines Verfahrens zur Prävention psychischer
Gefährdungen im Vertrieb mittelständischer Unternehmen
Terminologische und theoretische Grundlagen
10
Häufig entsteht ein Zielkonflikt zwischen eher kurzfristigen
betrieblichen Gewinnmaximierungszielen und den eher langfristig
wirksamen positiven ökonomischen Effekten der Prävention.
Bezogen auf den Arbeits- und Gesundheitsschutz kann nach
Weinreich zwischen Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention
unterschieden werden. Diese Präventionsarten unterscheiden sich
durch folgende in Abb. 1 dargestellten Merkmale:
Abbildung 1: Übersicht über Präventionsansätze (Quelle: In Anlehnung an Weinreich
und Weigl, 2011)
23
.
Demnach ist die Primärprävention ,,[...] eine gesundheitsgerechte
Verhaltensweise zur Stärkung der Gesundheit und zur Verhütung von
Krankheit."
24
Die Sekundärprävention ist folglich ,,die gezielte
Früherkennung von Krankheiten z.B. von Krebs, Diabetes oder
Bluthochdruck".
25
Schließlich ist Prävention ,,[...] im weitesten Sinne
die Behandlung einer Krankheit mit dem Ziel der Wiederherstellung
23
Vgl. Weinreich, Ingo; Weigl, Christian: Unternehmensratgeber betriebliches
Gesundheitsmanagement. Grundlagen - Methoden - personelle Kompetenzen,
(Erich Schmidt Verlag) Berlin 2011, S. 103.
24
Hegger, Ursula; Beske, Fritz: Prävention und Gesundheitsförderung als Aufgabe
des öffentlichen Gesundheitsdienstes. Gesetzgebung der Bundesländer. ,
(Schmidt und Klaunig Verlag) Kiel 2003, S. 14.
25
Ebd.

Marc Bankoley: Ableitung und Begründung eines Verfahrens zur Prävention psychischer
Gefährdungen im Vertrieb mittelständischer Unternehmen
Terminologische und theoretische Grundlagen
11
der Gesundheit oder einer Minimierung von Folgeschäden, aber auch
die Rehabilitation zur Förderung der Leistungsfähigkeit".
26
Bezogen auf das Zielobjekt der Präventionsmaßnahmen kann weiter
zwischen Verhaltens- und Verhältnisprävention unterschieden
werden. Demnach hat Verhaltensprävention ,,[...] zum Ziel, eine
gesundheitsfördernde
Verhaltensweise
zu
erreichen
und
gesundheitsschädigende
Verhaltensweisen
auszuschalten."
27
Demgegenüber ist die Verhältnisprävention ,,[...] eine gesundheits-
gerechte Gestaltung des Lebensumfeldes des Menschen, von der
Luftreinhaltung über die Unfallverhütung im Betrieb und auf der Straße
bis hin zu gesunden Wohnformen. Die Verhältnisprävention ist
umweltbezogen."
28
Die Prävention von Arbeitsunfällen und
Berufskrankheiten ist als wichtige Gemeinschaftsaufgabe der Unfall-
und Krankenversicherung im Sozialgesetzbuch VII (SGB VII)
festgeschrieben.
29
2.1.2 Gesundheit
In Bezug auf den Begriff Gesundheit kann zwischen einem statischen,
dynamischen und einem normativen Gesundheits-verständnis
unterschieden werden
30
. Dem statischen Gesundheitsverständnis
entspricht die Gesundheitsdefinition der Weltgesundheitsorganisation
26
Hegger, Ursula; Beske, Fritz: Prävention und Gesundheitsförderung als Aufgabe
des öffentlichen Gesundheitsdienstes. Gesetzgebung der Bundesländer. ,
(Schmidt und Klaunig Verlag) Kiel 2003, S. 14.
27
Ebd.
28
Ebd.
29
s. §14 Abs. 2 Siebtes Buch Sozialgesetzbuch ­ Gesetzliche Unfallversicherung ­
(Artikel 1 des Gesetzes vom 7. August 1996, BGBl. I S. 1254), das zuletzt durch
Artikel 4 Absatz 4 des Gesetzes vom 20. April 2013 (BGBl. I S. 868) geändert
worden ist.
30
Vgl.Weinreich, Ingo; Weigl, Christian: Unternehmensratgeber betriebliches
Gesundheitsmanagement. Grundlagen - Methoden - personelle Kompetenzen. ,
(Erich Schmidt Verlag) Berlin 2011, S. 85.

Marc Bankoley: Ableitung und Begründung eines Verfahrens zur Prävention psychischer
Gefährdungen im Vertrieb mittelständischer Unternehmen
Terminologische und theoretische Grundlagen
12
(WHO) von 1946: ,,Gesundheit ist der Zustand des vollständigen
körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das
Freisein von Krankheit und Gebrechen."
31
Demnach wird Gesundheit
durch die Nähe der drei Dimensionen physische, psychische und
soziale Gesundheit am theoretischen Optimum definiert. In der
praktischen Handhabbarkeit dieser Definition treten zwei Probleme
auf: Einerseits gibt es keine allgemeingültige Definition des
theoretischen
Gesundheitsoptimums
bezüglich
aller
drei
Dimensionen. Andererseits wird Gesundheit in der statischen
Definition der WHO als unveränderlicher Optimalzustand definiert.
Tatsächlich kann sich Gesundheit je nach Umwelteinfluss täglich oder
sogar stündlich positiv oder negativ verändern. Diesem
Gesundheitsverständnis liegt eine pathogenetische Sichtweise
zugrunde, die Gesundheit als Abwesenheit von anatomischen
Defekten beschreibt, so dass eine Behandlung tendenziell stark
darauf abzielt, körperliche Defekte zu beheben. Daher wurde diese
Gesundheitsdefinition durch eine dynamische Gesundheitsdefinition
ergänzt. Hier wird Gesundheit nicht als Zustand, sondern als Prozess
definiert: ,,Gesund ist, wer seine lebensbezogenen Anforderungen
bewältigen kann."
32
Vorteil dieses gedanklichen Ansatzes ist es, dass
nicht mehr die Erreichung eines optimalen Gesundheitszustandes im
Vordergrund steht, sondern die Erreichung einer gleichbleibend hohen
Anforderungsbewältigungskompetenz
in
Bezug
auf
die
Lebensanforderungen angestrebt wird. Hierbei wird auch die
subjektive Bewertung der Anforderungsbewältigungskompetenz
einbezogen, da davon ausgegangen wird, dass jeder Mensch latent
31
Vgl. World Health Organization: Constitution of the World Health Organization.
[http://apps.who.int/gb/bd/PDF/bd47/EN/constitution-en.pdf],
Abrufdatum:
11.10.2013, S. 1.
32
Vgl. Weinreich, Ingo; Weigl, Christian: Unternehmensratgeber betriebliches
Gesundheitsmanagement. Grundlagen - Methoden - personelle Kompetenzen. ,
(Erich Schmidt Verlag) Berlin 2011, S. 91.

Marc Bankoley: Ableitung und Begründung eines Verfahrens zur Prävention psychischer
Gefährdungen im Vertrieb mittelständischer Unternehmen
Terminologische und theoretische Grundlagen
13
sein eigenes Leistungsniveau mit den Anforderungen seiner Umwelt
abgleicht und dabei eine positive oder negative Bilanz erstellt. Bei
dieser Definition wird ebenfalls zwischen Anforderungen und
Ressourcen unterschieden, die sich jeweils wieder in interne und
externe Anforderungen und Ressourcen unterteilen lassen. Beispiele
für externe Anforderungen bzw. Ressourcen sind: Krankheiten bzw.
Medikamente. Beispiele für interne Anforderungen bzw. Ressourcen
sind: abzudeckende Grundbedürfnisse bzw. psychische Stärke.
Diesem Gesundheitsverständnis liegt das theoretische Modell der
Salutogenese von Antonovsky zugrunde, wonach psychosoziale
Faktoren bei der Krankheitsentstehung berücksichtigt werden.
Danach ist das Kohärenzgefühl der einzelnen Person (Sense of
Coherence) ein entscheidender Faktor dafür, dass Individuen trotz
gesundheitsschädigender psychosozialer Einflüsse gesund bleiben.
Dieses Kohärenzgefühl setzt sich nach Antonovsky aus den folgenden
drei Faktoren zusammen:
33
· Gefühl von Verstehbarkeit (Sense of Comprehensibility)
· Gefühl der Handhabbarkeit (Sense of Manageability)
· Gefühl der Sinnhaftigkeit (Sense of Meaningfulness)
Mit dem Gefühl der Verstehbarkeit ist die geordnete kognitive
Verarbeitbarkeit von Umweltreizen gemeint. Das Gefühl der
Handhabbarkeit
beschreibt
das
Vorhandensein
von
Anforderungsbewältigungskompetenzen, und das Gefühl der
33
Die Definition des Sense of Coherence lautet: "The sense of coherence is a global
orientation that expresses the extent to which one has a pervasive, enduring
though dynamic feeling of confidence that (1) the stimuli deriving from one's
internal and external environments in the course of living are structured,
predictable and explicable; (2) the resources are available to one to meet the
demands posed by these stimuli; and (3) these demands are challenges, worthy
of investment and engagement."; vgl. Antonovsky, Aaron: Unraveling the
mystery of health. How people manage stress and stay well. 1. ed. San
Francisco, (Jossey-Bass) 1987, S. 19.

Marc Bankoley: Ableitung und Begründung eines Verfahrens zur Prävention psychischer
Gefährdungen im Vertrieb mittelständischer Unternehmen
Terminologische und theoretische Grundlagen
14
Sinnhaftigkeit beschreibt die Möglichkeit, Ereignisse intellektuell und
emotionell verarbeiten zu können.
34
Schließlich gibt es noch ein normatives Gesundheitsverständnis, das
sich indirekt aus dem Sozialversicherungsrecht ableitet. Demnach ist
gesund, wer arbeits- und erwerbsfähig ist. Diese Definition kann wie
folgt erweitert werden: ,,Gesund ist, wer seine Rollen und Aufgaben
erfüllen kann"
35
2.1.3 Psychische Belastung und Beanspruchung
In der Norm DIN EN ISO 10075-1 findet der Ausdruck psychisch
Verwendung, ,,[...] wenn auf Vorgänge des menschlichen Erlebens
und Verhaltens Bezug genommen wird. In diesem Sinne bezieht sich
der Ausdruck psychisch auf kognitive, informationsverarbeitende und
emotionale Vorgänge im Menschen."
36
In diesem Zusammenhang
definiert die Norm DIN EN ISO 10075-1 als psychische Belastungen
die ,,[...] Gesamtheit aller erfassbaren Einflüsse, die von außen auf
den Menschen zukommen und psychisch auf ihn einwirken."
37
Psychische Belastungen sind zunächst wertneutral und können
gesundheitsfördernde oder gesundheitsbeeinträchtigende Effekte auf
das Individuum haben. Diese Effekte werden psychische
Beanspruchung genannt. So definiert die Norm als psychische
Beanspruchung die ,,[...] unmittelbare (nicht die langfristige)
34
Vgl. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg): Was erhält Menschen
gesund? Antonovskys Modell der Salutogenese - Diskussionsstand und
Stellenwert. Erweiterte Neuauflage, (Bundeszentrale für gesundheitliche
Aufklärung BZgA) Köln 2001.
35
Weinreich, Ingo; Weigl, Christian: Unternehmensratgeber betriebliches
Gesundheitsmanagement.
Grundlagen
-
Methoden
-
personelle
Kompetenzen.Berlin, (Erich Schmidt Verlag 2011, S. 94.
36
Deutsches Institut für Normung e.V: DIN EN ISO 10075-1:2000 Ergonomische
Grundlagen bezüglich psychischer Arbeitsbelastungen, Teil 1: Allgemeines und
Begriffe (ISO 10075:1991), (Beuth Verlag) Berlin 2000, Nr. 2.
37
Ebd., Nr. 3.1.

Marc Bankoley: Ableitung und Begründung eines Verfahrens zur Prävention psychischer
Gefährdungen im Vertrieb mittelständischer Unternehmen
Terminologische und theoretische Grundlagen
15
Auswirkung der psychischen Belastung im Individuum in Abhängigkeit
von seinen jeweiligen überdauernden und augenblicklichen
Voraussetzungen,
einschließlich
der
individuellen
Bewältigungsstrategien."
38
Die folgende Abbildung 2 verdeutlicht die
positiven und negativen Folgen der psychischen Beanspruchung:
Abbildung 2: Fördernde und Beeinträchtigende Effekte der psychischen Belastung
und Beanspruchung (Quelle: In Anlehnung an Hofmann, 2012)
39
.
Nach diesem Verständnis sind Anforderungen der Arbeitsaufgabe, die
physikalischen
Arbeitsbedingungen,
die
sozialen
und
Organisationsfaktoren
und
die
gesellschaftlichen
Faktoren
38
Deutsches Institut für Normung e.V: DIN EN ISO 10075-1:2000 Ergonomische
Grundlagen bezüglich psychischer Arbeitsbelastungen (ISO 10075:1991),
(Beuth Verlag) Berlin 2000, Nr. 3.2.
39
Vgl. Hofmann, Axel in: Deutsches Institut für Normung e.V (Hrsg): Psychische
Belastung und Beanspruchung am Arbeitsplatz. Inklusive DIN EN ISO 10075-1
bis -3. 1. Aufl., (Beuth Verlag) Berlin 2012, S. 62.

Marc Bankoley: Ableitung und Begründung eines Verfahrens zur Prävention psychischer
Gefährdungen im Vertrieb mittelständischer Unternehmen
Terminologische und theoretische Grundlagen
16
Stressoren
40
, die zu einer psychischen Beanspruchung, nämlich
Stress, führen können. Die Beanspruchungsfolgen können wiederum
positiv (Fördernde Effekte) oder negativ (Beeinträchtigende Effekte)
sein.
41
2.1.4 Stress
Etymologisch wurde der Begriff ,,Stress" von dem Mediziner und
Biochemiker Hans Selye geprägt und ist definiert als ,,...die
unspezifische Reaktion des Organismus auf jede Anforderung"
42
.
Auch im Bereich der Physik wird der Begriff Stress verwendet und
bezeichnet im englischsprachigen Raum die Kraft, die von außen auf
ein Objekt einwirkt. Die von Selye beschriebene problematische
Unterscheidung in Eustress (kurzfristige positive Reaktion des
Körpers und des Geistes auf einen unspezifischen Reiz) und Disstress
(dauerhaft nicht ausreichendes Anpassungsvermögen des Körpers
und des Geistes an Belastungen) soll in dieser Arbeit nicht weiter
verfolgt werden.
43
Stattdessen wird unter Beachtung der Kritik von
Windemuth und Hassemann davon ausgegangen, dass Stress eine
grundsätzlich unerwünschte Reaktion auf eine Belastung ist.
44
40
Vgl. Richter, Peter; Hacker, Winfried: Belastung und Beanspruchung. Stress,
Ermüdung und Burnout im Arbeitsleben. 3. Aufl.Heidelberg, (Asanger Verlag
2012, S. 16.
41
Vgl. Weber, Andreas; Hörmann, Georg; Ferreira, Yvonne (Hrsg): Psychosoziale
Gesundheit im Beruf. Mensch, Arbeitswelt, Gesellschaft. 1. Aufl., (Gentner
Verlag) Stuttgart 2007, S. 51­53.
42
Vgl. Nitsch, Jürgen R; Allmer, Henning (Hrsg): Stress. Theorien, Untersuchungen,
Maßnahmen. 1. Aufl., (Huber Verlag) Bern 1981, S. 170.
43
Vgl. ebd., S. 171­187.
44
Vgl. Windemuth, Dirk; Jung, Detlev; Petermann, Olaf (Hrsg): Praxishandbuch
psychische Belastungen im Beruf. Vorbeugen - erkennen - handeln. Lizenzausg.,
1. Aufl., (Gentner Verlag) Stuttgart 2010, S. 334.; Hassemann, H. M. in: Weber,
Andreas; Hörmann, Georg; Ferreira, Yvonne (Hrsg): Psychosoziale Gesundheit
im Beruf. Mensch, Arbeitswelt, Gesellschaft. 1. Aufl., (Gentner Verlag) Stuttgart
2007, S. 51.

Marc Bankoley: Ableitung und Begründung eines Verfahrens zur Prävention psychischer
Gefährdungen im Vertrieb mittelständischer Unternehmen
Terminologische und theoretische Grundlagen
17
Demnach wird Stress im arbeitspsychologischen Sinn durch die
individuelle Reaktion des Organismus auf eine Belastung
charakterisiert. Der Definition der Europäischen Kommission zufolge
ist
Stress
die
,,[...]
Gesamtheit
emotionaler,
kognitiver,
verhaltensmäßiger und physiologischer Reaktionen auf widrige und
schädliche Aspekte des Arbeitsinhalts, der Arbeitsorganisation und
der Arbeitsumgebung. Dieser Zustand ist durch starke Erregung und
starkes Unbehagen, oft auch durch ein Gefühl des Überfordertseins
charakterisiert."
45
Auch nach dieser Definition ist Stress eine
Beanspruchungsfolge und nicht die Belastung selbst. Belastung
besteht aus Faktoren der (Arbeits-) Umwelt, z.B. Lärm, Arbeitsmenge,
Arbeitsdichte etc., die auch Stressoren genannt werden. Stress äußert
sich auf den drei Ebenen kognitiv, emotional und körperlich.
Die Auswirkungen von Stress auf der kognitiven Ebene sind durch
folgende Merkmale gekennzeichnet:
46
· Einschränkung der Wahrnehmung (Tunnelblick)
· Einschränkung des Denkens auf das Problem und auf
naheliegende Lösungen, die schnelle Ergebnisse liefern
Insgesamt werden unter Stress häufiger suboptimale Lösungen
präferiert, die eine schnelle Beendigung des Stresszustandes
versprechen.
45
Europäische Kommission (Hrsg): Streß am Arbeitsplatz - ein Leitfaden. "Würze
des Lebens - oder Gifthauch des Todes?".Luxemburg, (Amt für Amtliche
Veröffentlichungen der Europäischen Gemeinschaften 2000.
46
Vgl. Windemuth, Dirk;Jung, Detlev;Petermann, Olaf (Hrsg): Praxishandbuch
psychische Belastungen im Beruf. Vorbeugen - erkennen - handeln. Lizenzausg.,
1. Aufl., (Gentner Verlag) Stuttgart 2010, S. 335.

Marc Bankoley: Ableitung und Begründung eines Verfahrens zur Prävention psychischer
Gefährdungen im Vertrieb mittelständischer Unternehmen
Terminologische und theoretische Grundlagen
18
Auf der emotionalen Ebene sind die Auswirkungen von Stress durch
folgende Merkmale gekennzeichnet:
47
· Wahrnehmung von Aufgaben als unangenehm oder als
Bedrohung
· Ausrichtung der Aufgabenbewältigung auf Fehlervermeidung
und nicht auf Erfolg
· Entwicklung von Angst und Leistungsminderung
Schließlich sind die Auswirkungen von Stress auf der körperlichen
Ebene durch folgende messbare Veränderungen gekennzeichnet:
48
· Änderung der Pulsfrequenz und des Blutdrucks
· Muskelaktivität (untere Rückenmuskulatur, Nacken)
· Veränderung des Cortisol- und Adrenalinspiegels
· Vermehrte Schweißabsonderung
Einer anderen Definition von Stress folgend wird dieser im Rahmen
der Arbeitspsychologie als ein Zustand ,,angstbedingter Gespanntheit"
bezeichnet. Besonders dominante Persönlichkeiten zeichnen sich
durch die Unterdrückung dieser Emotionen bei gleichzeitiger
Hyperaktivierung aus und haben damit ein hohes Risiko der
Selbstüberforderung. Diese Selbstüberforderung ist gekennzeichnet
durch Desorganisationstendenzen in der Informationsverarbeitung
oder emotionales Entgleisen.
49
47
Vgl. ebd.
48
Vgl. ebd.
49
Vgl.Hacker, Winfried; Richter, Peter: Psychische Fehlbeanspruchung. Psychische
Ermüdung, Monotonie, Sättigung und Stress. 2., veränderte und ergänzte Aufl. ,
(Springer Verlag) Berlin 1984, S. 126.

Marc Bankoley: Ableitung und Begründung eines Verfahrens zur Prävention psychischer
Gefährdungen im Vertrieb mittelständischer Unternehmen
Terminologische und theoretische Grundlagen
19
Insgesamt sind die Folgen von Stress negativ zu bewerten, da sie
einerseits die Leistungsfähigkeit quantitativ und qualitativ mindern und
zum anderen auch zu Fehlentscheidungen oder Arbeitsunfällen führen
können. Es muss jedoch auch berücksichtigt werden, dass der Körper
nicht deutlich zwischen beruflichen und privaten Stressoren
unterscheidet. So kann der Tod eines nahen Verwandten ebenso zu
einer negativen Beanspruchungsreaktion führen wie der Führungsstil
des Vorgesetzten. Beide Stressoren können sich auch gegenseitig
verstärken. Außerdem sind die Ressourcen zur Stressbewältigung je
nach Person und genetischer Disposition unterschiedlich aus-
geprägt.
50
Zur Beschreibung von Stress existieren mehrere wissenschaftliche
Erklärungsmodelle, von denen das Modell von Lazarus das
Bekannteste ist. Auf dieses Modell wird in dieser Arbeit im Kapitel
2.2.3.4 näher eingegangen.
2.1.5 Depression
Eine mögliche Folge einer psychischen Fehlbeanspruchung kann eine
Depression sein. Im Folgenden soll die Definition des Begriffs
Depression erläutert und zu dem Begriff Burnout abgegrenzt werden.
Als Depression wird eine negative Befindlichkeit von Menschen
bezeichnet, die durch die fünf Symptomkategorien emotional, kognitiv,
motorisch, motivational und vegetativ eingegrenzt wird
51
.
50
Vgl. Windemuth, Dirk; Jung, Detlev; Petermann, Olaf (Hrsg): Praxishandbuch
psychische Belastungen im Beruf. Vorbeugen - erkennen - handeln. Lizenzausg.,
1. Aufl., (Gentner Verlag) Stuttgart 2010, S. 337.
51
Vgl. Summer, Elisabeth: Macht die Gesellschaft depressiv? Alain Ehrenbergs
Theorie des "erschöpften Selbst" im Licht sozialwissenschaftlicher und
therapeutischer Befunde., (transcript Verlag) Bielefeld 2008, S. 16.

Marc Bankoley: Ableitung und Begründung eines Verfahrens zur Prävention psychischer
Gefährdungen im Vertrieb mittelständischer Unternehmen
Terminologische und theoretische Grundlagen
20
Als emotionale Symptome einer Depression gelten:
52
· Niedergeschlagenheit
· Freudlosigkeit
· Traurige Stimmung
Als kognitive Symptome einer Depression gelten:
53
· Negatives Selbstkonzept
· Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen
· Schuld- und Minderwertigkeitsgefühle
Als motorische Symptome einer Depression gelten:
54
· Veränderungen im Aktivitätsniveau
Als motivationale Symptome einer Depression gelten:
55
· Entscheidungsunfähigkeit
· Antriebsverlust
· Allgemeine Interesselosigkeit
Schließlich gelten als vegetative Symptome einer Depression:
56
· Schlaflosigkeit
· Appetitverlust
· Libidoverlust
52
Vgl. ebd.
53
Vgl. Summer, Elisabeth: Macht die Gesellschaft depressiv? Alain Ehrenbergs
Theorie des "erschöpften Selbst" im Licht sozialwissenschaftlicher und
therapeutischer Befunde., (transcript Verlag) Bielefeld 2008, S. 16.
54
Vgl. ebd.
55
Vgl. ebd.
56
Vgl. ebd., S. 16­17.

Marc Bankoley: Ableitung und Begründung eines Verfahrens zur Prävention psychischer
Gefährdungen im Vertrieb mittelständischer Unternehmen
Terminologische und theoretische Grundlagen
21
Gemäß der Klassifikation der WHO zählen Depressionen
epidemiologisch zu den ernsten affektiven Störungen, da sie den
Betroffenen die Teilnahme an den normalen alltäglichen Abläufen
erheblich erschweren
57
.
In einer Studie der Europäischen Kommission wird über die
Verbreitung von Depressionen berichtet:
,,[...] Depressive Störungen sind die bei weitem häufigsten
psychischen
Störungen
innerhalb
der
Bevölkerung.
Die
Punktprävalenz depressiver Störungen wird bei Zugrundelegung der
diagnostischen Kriterien gemäß ICD10 und DSM-IV auf 2 ­ 10%
geschätzt. Um die Größenordnung des Problems zu verdeutlichen: Es
wird davon ausgegangen, dass in jedem Jahr etwa 33,4 Millionen
Menschen im Zuständigkeitsbereich des WHO-Regionalbüros für
Europa unter schweren Depressionen leiden [...]"
58
.
Weiter wird in dieser Studie folgendes über die Auswirkungen von
Depressionen beschrieben:
,,[...] Eine Depression kann ein sehr schwerwiegender und in manchen
Fällen lebensbedrohlicher Zustand sein und die Lebensqualität stärker
beeinträchtigen als chronische körperliche Beschwerden wie Herz-
Kreislauferkrankungen, Diabetes mellitus oder Muskel-Skelett-
Erkrankungen. [...] Etwa 15% der Klienten mit schweren
Depressionen begehen Selbstmord, bei 56% kommt es zu
57
Vgl. Deutsches Institut für medizinische Dokumentation und Information: ICD-10-
WHO
Version 2013.
Kapitel
IV,
Endokrine,
Ernährungs
und
Stoffwechselkrankheiten (E00-E90). [http://www.dimdi.de/static/de/klassi/icd-10-
who/kodesuche/onlinefassungen/htmlamtl2013/block-e20-e35.htm]
,
Abrufdatum: 5.10.2013
58
Europäische Kommission: Massnahmen gegen Depressionen. Psychische
Gesundheit und psychisches Wohlbefinden verbessern und die negativen
gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen von Depressionen
bekämpfen. , (Amt für Amtliche Veröffentlichungen der Europäischen Gemein-
schaften) Luxemburg 2004, S. 17.

Marc Bankoley: Ableitung und Begründung eines Verfahrens zur Prävention psychischer
Gefährdungen im Vertrieb mittelständischer Unternehmen
Terminologische und theoretische Grundlagen
22
Selbstmordversuchen und die Mehrzahl der Betroffenen hat in
depressiven Episoden Selbstmordgedanken [...]".
59
Daneben können
Depression auch an die Kinder übertragen werden. So leiden 50% der
Kinder, deren Eltern depressiv sind, später selbst an Depressionen.
60
In einer Prognose der WHO wird davon ausgegangen, dass
Depressionen im Jahre 2020 die zweithäufigste Ursache von
Krankheit und Behinderung sein werden.
61
2.1.6 Burnout
Der grundlegende Unterschied zwischen dem Burnout und der
Depression ist, dass ein Burnout durch eine arbeitsbedingte
psychische Fehlbeanspruchung ausgelöst werden kann aber nicht
zwangsläufig Auswirkungen auf das Privatleben haben muss. So ist
es möglich, dass der Alltag trotz Burnout bewältigt werden kann, was
z.B. bei einer schweren Depression nicht mehr möglich ist.
62
Der
Begriff ,,Burnout" wurde 1974 von dem New Yorker Arzt und
Psychoanalytiker Herbert Freudenberger geprägt. Freudenberger
beobachtete bei seinen Mitarbeitern an der ,,Free Clinic", einer
alternativen psychiatrischen Gesundheitsversorgung für soziale
Randgruppen, Verhaltensveränderungen, die nicht in die klassische
Neurosen- und Psychosenlehren passten. In Anlehnung an den
Begriff für nachlassende Drogenwirkung durch chronischen
59
Ebd.
60
Vgl. Windemuth, Dirk;Jung, Detlev;Petermann, Olaf (Hrsg): Praxishandbuch
psychische Belastungen im Beruf. Vorbeugen - erkennen - handeln. Lizenzausg.,
1. Aufl., (Gentner Verlag) Stuttgart 2010, S. 337.
61
Vgl. World Health Organization: The world health report 2001 - Mental Health:
New Understanding, New Hope. [http://www.who.int/whr/2001/en/], Abrufdatum:
12.10.2013
62
Vgl. Froehlich, Annette: Das Burnout-Syndrom: Eine szientometrische Analyse.
Aus dem Institut für Arbeitsmedizin der Medizinischen Fakultät Charité ­
Universitätsmedizin Berlin, Dissertation Berlin 2009, S. 6.

Marc Bankoley: Ableitung und Begründung eines Verfahrens zur Prävention psychischer
Gefährdungen im Vertrieb mittelständischer Unternehmen
Terminologische und theoretische Grundlagen
23
Missbrauch (burned-out on drugs) titulierte er dieses Phänomen als
Burn-out, wie Fröhlich beschreibt.
63
Obwohl es keine allgemeingültige
Definition von Burnout gibt, wird häufig die Definition von Maslach
verwendet. Demnach kann Burnout anhand von drei Symptomen von
anderen psychischen Syndromen abgegrenzt werden:
64
1. Emotionale Erschöpfung
2. Reduzierte Leistungsfähigkeit
3. Depersonalisation, d.h. zynischer Umgang mit Klienten
Zur empirischen Ermittlung des Ausprägungsgrades dieser drei
Symptome kann das Maslach-Burnout-Inventory (MBI) eingesetzt
werden. Dieses besteht je nach Version aus 22-25 Fragen und steht
mittlerweile in mehreren Varianten für unterschiedliche Berufsgruppen
zur Verfügung.
65
Als emotionale Erschöpfung wird eine gefühlsmäßige Überforderung
bezeichnet, bei der die Betroffenen zunehmend Probleme haben,
soziale Kontakte zu knüpfen und zu unterhalten. Gleichzeitig fühlen
sie sich in ihrer Arbeitstätigkeit unglücklich. Mit reduzierter
Leistungsfähigkeit wird eine Hemmung des Aktivitätsniveaus
bezeichnet, die vom Betroffenen selbst wahrgenommen wird und in
einer negativen Bewertung der persönlichen Leistungskompetenz
mündet. Diese negative Bewertung der eigenen Leistungskompetenz
induziert wiederum existenzielle Ängste (z.B. Angst vor
Arbeitsplatzverlust) und verstärkt eine latente Unzufriedenheit.
63
Vgl. ebd., S. 2.
64
Vgl. Maslach, Christina; Leiter, Michael P.: Die Wahrheit über Burnout. Stress am
Arbeitsplatz und was Sie dagegen tun können., (Springer Verlag) Wien 2001, S.
162.
65
Vgl. Froehlich, Annette: Das Burnout-Syndrom: Eine szientometrische Analyse.
Aus dem Institut für Arbeitsmedizin der Medizinischen Fakultät Charité ­
Universitätsmedizin Berlin, Dissertation Berlin 2009, S. 3.

Marc Bankoley: Ableitung und Begründung eines Verfahrens zur Prävention psychischer
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Terminologische und theoretische Grundlagen
24
Schließlich
münden
die
negativen
Selbstbewertungen
in
Depersonalisation. Diese äußert sich in einer gefühllosen, zynischen
oder aggressiven Einstellung gegenüber Patienten, Kunden oder
Kollegen. Im Laufe des Fortschreitens des Burnouts können
gravierende Persönlichkeitsveränderungen stattfinden, die mitunter
nur schwer wieder rückgängig zu machen sind.
66
Die in der MBI-Skala erfassten drei Burnout-Symptome eignen sich
ebenfalls gut zur Abgrenzung gegenüber anderen psychischen
Belastungen wie Arbeitsunzufriedenheit und Arbeitsstress. So führt
Arbeitsunzufriedenheit
nicht
zwangsläufig
zu
emotioneller
Erschöpfung und Arbeitsstress nicht zwangsläufig zu einer negativen
Bewertung der eigenen Leistungsfähigkeit.
Mitarbeiter, die besonders engagiert sind und mit hohen Erwartungen
und Idealismus im Beruf gearbeitet haben, sind nach Freuden-
berger
67
besonders von Burnout bedroht. Er entwickelte das Modell
in Abb. 3, nach dem das Burnout-Syndrom in zwölf Phasen verläuft:
66
Vgl. Froehlich, Annette: Das Burnout-Syndrom: Eine szientometrische Analyse.
Aus dem Institut für Arbeitsmedizin der Medizinischen Fakultät Charité ­
Universitätsmedizin Berlin, Dissertation Berlin 2009, S. 6.
67
Vgl.Freudenberger, Herbert; North, Gail: Burn-out bei Frauen. Über das Gefühl
des Ausgebranntseins. , (Fischer-Taschenbuch-Verlag) Frankfurt am Main 2012
, S. 168­172.

Marc Bankoley: Ableitung und Begründung eines Verfahrens zur Prävention psychischer
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Terminologische und theoretische Grundlagen
25
Abbildung 3: Burnoutzyklus (Quelle: Freudenberger und North, 2012)
68
.
Ähnlich wie bei der Depression treten bei chronischen Burnout-
Patienten
Störungen
der
Aufmerksamkeit
und
kognitiven
Leistungsfähigkeit, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen sowie
Beeinträchtigungen
des
non-verbalen
Gedächtnisses
auf.
Physiologisch können Probleme des Herz-Kreislauf-Systems, des
Magen-Darm-Traktes, erhöhte Cortisolwerte und ein erhöhtes Risiko
für Typ 2 Diabetes mellitus auftreten. Obgleich Burnout und die o.g.
somatischen Erkrankungen häufig gemeinsam auftreten, ist ein
68
Vgl. Freudenberger, Herbert; North, Gail: Burn-out bei Frauen. Über das Gefühl
des Ausgebranntseins. , (Fischer-Taschenbuch-Verlag) Frankfurt am Main 2012
, S. 259.

Marc Bankoley: Ableitung und Begründung eines Verfahrens zur Prävention psychischer
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Terminologische und theoretische Grundlagen
26
eindeutiger Kausalzusammenhang bisher noch nicht wissenschaftlich
bestätigt worden.
69
In der Klassifikation der WHO wird das Burnout-Syndrom unter
ICD:Z73
70
erfasst. Dennoch gilt das Burnout-Syndrom nicht als
Berufskrankheit. Denn es sind ,,[...] solche Krankheiten als
Berufskrankheiten zu bezeichnen, die nach den Erkenntnissen der
medizinischen Wissenschaft durch besondere Einwirkungen
verursacht sind, denen bestimmte Personengruppen durch ihre
versicherte Tätigkeit in erheblich höherem Grade als die übrige
Bevölkerung ausgesetzt sind [...]".
71
Dies trifft wegen des bisher
fehlenden wissenschaftlichen Nachweises des Kausalzusammen-
hangs zwischen bestimmten psychischen Belastungen und Burnout
nicht zu. Burnout wird als arbeitsbedingte Gesundheitsgefahr gemäß
§2 Abs. 1 ArbSchG eingestuft, sofern eine Arbeitsunfähigkeit oder
Behandlungsbedürftigkeit besteht.
72
Im Unterschied zu ,,echten"
Berufskrankheiten tritt Burnout bei gleicher Belastung nur bei einem
Teil der Beschäftigten auf und dann noch in unterschiedlicher
Intensität. Neben den bedingungsbezogenen Variablen wie hoher
Zeitdruck, wenig Autonomie, fehlender sozialer Rückhalt und wenig
69
Vgl. Froehlich, Annette: Das Burnout-Syndrom: Eine szientometrische Analyse.
Aus dem Institut für Arbeitsmedizin der Medizinischen Fakultät Charité ­
Universitätsmedizin Berlin, Dissertation Berlin 2009, S. 6­8.
70
Dies sind ,,Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung";
vgl. Deutsches Institut für medizinische Dokumentation und Information: ICD-10-
WHO Version 2013. Kapitel XXI, Faktoren, die den Gesundheitszustand
beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen (Z00-
Z99).
[http://www.dimdi.de/static/de/klassi/icd-10-
who/kodesuche/onlinefassungen/htmlamtl2013/block-z70-z76.htm#Z73],
Abrufdatum: 13.10.2013
71
§ 9. Abs. 1, Siebtes Buch Sozialgesetzbuch ­ Gesetzliche Unfallversicherung ­
(Artikel 1 des Gesetzes vom 7. August 1996, BGBl. I S. 1254), das zuletzt durch
Artikel 4 Absatz 4 des Gesetzes vom 20. April 2013 (BGBl. I S. 868) geändert
worden ist.
72
s. §2 Abs. 1 Arbeitsschutzgesetz vom 7. August 1996 (BGBl. I S. 1246), das durch
Artikel 8 des Gesetzes vom 19. Oktober 2013 (BGBl. I S. 3836) geändert worden
ist.

Marc Bankoley: Ableitung und Begründung eines Verfahrens zur Prävention psychischer
Gefährdungen im Vertrieb mittelständischer Unternehmen
Terminologische und theoretische Grundlagen
27
Lob von Vorgesetzten kommen hier auch persönlichkeitsbezogene
Variablen wie wenig Selbstvertrauen, Neigung zu Angstzuständen und
die Art des Umgangs mit Belastungen zum Tragen
73
. Es ist davon
auszugehen, dass viele dieser psychischen Gefährdungs-faktoren im
Arbeitssystem Vertrieb eines mittelständischen Unter-nehmens
auftreten.
2.1.7 Arbeitssystem Vertrieb
Als Arbeitssystem (s. Abb. 5) wird in der Arbeitswissenschaft das
Zusammenwirken von Mensch, Arbeitsgegenstand und Arbeits-
mitteln am Arbeitsplatz in einer bestimmten Arbeitsumgebung
beschrieben. Eine Arbeitsaufgabe wird an einem Arbeitsgegenstand
in Arbeitsprozessen (Arbeitsablauf) mit dem Ziel einer möglichst
vollständigen Aufgabenerfüllung bearbeitet, unter Zuhilfenahme von
Eingaben und der Produktion von Ausgaben, die über Schnittstellen
von anderen Arbeitssystemen übernommen bzw. an diese übergeben
werden.
74
Als Vertrieb wird vor allem der Verkauf von Waren
bezeichnet. Dies beinhaltet "[...] Warenverteilung (Logistik,
Marketinglogistik), Steuerung der Außendienstorganisation und
Pflege der Beziehungen eines Herstellers zum Handel bzw. beim
Direktvertrieb (direkter Vertrieb) zum Endkunden."
75
Bezogen auf das zu betrachtende Arbeitssystem Vertrieb stellen sich
seine Elemente wie folgt dar:
73
Vgl. Burisch, Matthias: Das Burnout-Syndrom. Theorie der inneren Erschöpfung ;
[zahlreiche Fallbeispiele, Hilfen zur Selbsthilfe]. 4., aktualisierte Aufl. , (Springer
Verlag) Berlin 2010, S. 199­205.
74
Vgl. Luczak, Holger: Arbeitswissenschaft. 2., vollst. neubearb. Aufl. , (Springer
Verlag) Berlin 1998, S. 27.
75
Kenning,
Peter:
Gabler
Wirtschaftslexikon,
Stichwort:
Vertrieb.
[http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/vertrieb.html#definition],
Abrufdatum: 24.11.2013

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Terminologische und theoretische Grundlagen
28
· Arbeitsaufgabe: Verkauf von Arbeitsschutzprodukten
· Arbeitsumgebung: Arbeitgeber
· Arbeitsplatz: Dienstfahrzeug
· Mensch: Außendienstmitarbeiter
· Arbeitsmittel: iPad, iPhone, Kataloge, Produktmuster,
Preislisten
· Eingabe: Verkaufsziele, Informationen über die Kunden,
Kundenwünsche, Reklamationen, Offene Posten-Listen
· Ausgabe: Bestellungen von Kunden,
Reklamationsbearbeitung, Zahlung offener Rechnungen
· Arbeitsablauf: Besuch der Kunden, Begehungen,
Verkaufsverhandlungen, Angebot, Aufträge
· Schnittstelle zu anderen Arbeitssystemen:
Vertriebsinnendienst, Vertriebsleitung
Ende der Leseprobe aus 193 Seiten

Details

Titel
Ableitung und Begründung eines Verfahrens zur Prävention psychischer Gefährdungen im Vertrieb mittelständischer Unternehmen
Hochschule
Fachhochschule Kaiserslautern  (Technische Akademie Südwest)
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
193
Katalognummer
V375067
ISBN (eBook)
9783668532854
ISBN (Buch)
9783668532861
Dateigröße
6453 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Psychische, Gefährdung, Gefährdungsbeurteilung, Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz, Sicherheitstechnik, Arbeitssicherheit
Arbeit zitieren
Marc Bankoley (Autor), 2013, Ableitung und Begründung eines Verfahrens zur Prävention psychischer Gefährdungen im Vertrieb mittelständischer Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375067

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