Wie wirken sich Studiengebühren auf die Studienbereitschaft aus?


Bachelorarbeit, 2015

27 Seiten, Note: 2.3


Leseprobe

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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 1
2. Positive Aspekte von Studiengebühren ... 2
3. Studiengebühren ­ Ein Überblick ... 3
4. Ergebnisse diverser Untersuchungen zur Auswirkung von Studiengebühren...4
4.1 Auswirkungen der Studiengebühr auf die Studienentscheidung im Ausland ... 4
4.1.1. Beispiel USA - Helmet und Marcotte ... 4
4.1.2 Beispiel United Kingdom ­ Sá ... 5
4.2 Auswirkungen der Studiengebühr auf die Studienentscheidung in Deutschland ... 8
4.2.1 Dietrich und Gerner ... 8
4.2.2 Hübner ... 10
4.2.3 Alecke, Burgard & Mitze ... 12
5. Zusammenfassung der Resultate ... 14
5.1 Erklärungsansätze für Deutschland ... 14
5.1.1 Baier und Helbig ... 15
5.2 Erklärungsansätze für andere Beitragsländer ... 16
6. Fazit ... 18
I. Literaturverzeichnis ... 19
II. Anhang ... 21

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1. Einleitung
Auch wenn eine allgemeine Studiengebühr in Deutschland bereits vor einigen Jahren
wieder abgeschafft wurde, handelt es sich dennoch um ein weltweit aktuelles hochschul-
politisches Thema.
In nur wenigen Ländern dürfen Studenten das Privileg des gebührenfreien Hochschulzu-
gangs genießen. Die Studiengebühren reichen von beispielsweise rund $1000 in Spanien,
über $14.885 in Singapur, bis zu Spitzenwerten von $25.375
pro Jahr in Australien.
Viele Kritiker prangern an, dass durch die hohe finanzielle Belastung, für die meist sehr
jungen Studienberechtigten, weniger Entscheidungen für die Aufnahme eines Studiums
getroffen und verstärkt alternative Bildungswege gesucht und gewählt werden, obwohl
die jungen Leute gerne studiert hätten. Ein weiterer Aspekt, der in der Debatte um Stu-
diengebühren häufig aufgegriffen wird, ist die Frage nach ihrer Sozialverträglichkeit. In
diesem Zusammenhang bedeutet sozialverträglich, dass ein Gebührensystem insofern
ausgestaltet sein sollte, dass staatliche Beihilfen, Stipendien, Kredite und verschiedene
Zahlungsformen sicherstellen, dass niemand, der durch Erwerb der Hochschulreife dazu
berechtigt ist, allein auf Grund der Studiengebühren auf ein Studium verzichten muss. In
der Realität ist dies allerdings häufig der Fall, da es nicht für jeden, der auf die finanzielle
Unterstützung angewiesen wäre, entsprechende Stipendien gibt.
In dieser Bachelorarbeit soll herausgefunden werden, ob die Einführung von Studienge-
bühren, beziehungsweise die Erhöhung bereits bestehender Gebühren, die Entscheidung
von Studienberechtigten, ein Studium aufzunehmen, beeinträchtigt. Die vorhandene Li-
teratur zu dem Thema wird zusammengetragen und es wird untersucht, ob die Resultate
soweit übereinstimmen, dass sich eine konkrete Antwort auf die genannte Fragestellung
ergibt.

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2. Positive Aspekte von Studiengebühren
Die Bereitstellung von Bildung ist selbstverständlich mit Kosten verbunden. In vielen
Ländern, übernimmt der Staat eine entscheidende Rolle bei der Finanzierung der Hoch-
schulen, indem er einen gewissen Betrag als Grundfinanzierung bereitstellt. Da diese Mit-
tel nicht ausreichen, um alle Kosten abzudecken, beteiligen viele Universitäten auch die
Studierenden daran.
Ein direkter positiver Effekt, der von der Studiengebühr ausgeht, ist die höhere Summe
an, den Hochschulen zur Verfügung stehenden, Mitteln, wodurch wiederum bessere Stu-
dienbedingungen geschaffen werden können und Studieninteressierte möglicherweise e-
her zur Aufnahme eines Studiums bewegt werden. (Hetze u. Winde, 2010) Forderungen
der Hochschulvertreter, die Gebühr in Deutschland wieder einzuführen, werden vor allem
mit der unzureichenden Ausstattung der Universitäten und der sinnvollen Unterstützung
der staatlichen Finanzierung, durch die zusätzlichen Geldbeträge, begründet. (Osel u.
Preuß, 2014)
Gegner der Studiengebühr äußern die Kritik, dass sich durch die Gebühr die soziale Un-
gleichheit an den Hochschulen verstärkt. Dagegen wird argumentiert, dass wegen des
ausgeklügelten Stipendiensystems auch zum Teil extrem hohe Gebühren mit einer sozia-
len Öffnung der Hochschulen vereinbar seien. So könnten durch die volle Zahlung der
Gebühren von Studienberechtigten aus reicheren Familien die Stipendien finanziert wer-
den, die dann den Jugendlichen aus ärmeren Familien zur Verfügung gestellt werden,
wenn sie die jeweiligen Leistungsvoraussetzungen erfüllen. (Hartmann, 2005)
Eine überzeugende Rechtfertigung dafür, dass Studenten an den Kosten des Studiums
beteiligt werden sollten, ist die Tatsache, dass die Erträge aus einem Hochschulstudium
in Form von höheren zukünftigen Arbeitslöhnen als ohne Studium, den Studenten unmit-
telbar zugutekommen. Daher sollten sie auch an dessen Kosten beteiligt werden. (Richter
u. Wigger, 2010)
Des Weiteren kann eine Studiengebühr allgemein positive Auswirkungen auf die Effizi-
enz der Entscheidung für oder gegen ein Studium haben. Die betroffenen Personen stellen
sich womöglich verstärkt die Frage, ob ein Studium mit den persönlichen Eigenschaften
und Vorlieben soweit vereinbar ist, dass es auch wirklich erfolgreich abgeschlossen wer-
den kann, wenn die Kosten einer späteren Neuorientierung entsprechend, durch die zu
zahlende Gebühr, ansteigen.

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3. Studiengebühren ­ Ein Überblick
Die Höhe der durchschnittlichen Studiengebühren pro akademischem Jahr variiert sehr
stark von Land zu Land. Nach einer Statistik der britischen HSBC Bank (siehe Tabelle 1,
S.21), in der die jährlichen Gebühren aus öffentlich zugänglichen Daten in 13 Ländern
miteinander verglichen wurden, verlangt Australien im Durchschnitt mit $25.375 pro Jahr
die höchsten Beiträge, dicht gefolgt von den Vereinigten Staaten mit $25.226 und dem
Vereinigten Königreich mit durchschnittlich $19.291 pro Jahr. Hinzu kommen Lebens-
haltungskosten für Miete und Lebensmittel, sodass sich exemplarisch für Australien jähr-
liche Gesamtkosten von $38.516 ergeben. (HSBC, 2013) Vergleicht man diesen Wert mit
Australiens kaufkraftbereinigtem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von $43.073 im Jahr
2013 (International Monetary Fund, 2014), wird deutlich, welch enormer Anteil des
Durchschnittseinkommens für die Kosten eines Studiums aufgewendet werden muss.
Laut der HSBC Statistik ist Deutschland das günstigste Studienland, mit nur $635 Stu-
diengebühr pro Jahr und Lebenshaltungskosten von $5.650 (Stand 2013). (HSBC, 2013)
Aktuell gibt es hierzulande keine allgemeine, von allen Studierenden zu entrichtende,
Studiengebühr. Nachdem einige Bundesländer geklagt hatten, ein Verbot von Studienge-
bühren sei ein Eingriff in die Gesetzgebungskompetenz der Länder, wurde im Januar 2005
vom Bundesverfassungsgericht beschlossen, dass die Bundesländer von nun an selbst
über eine Einführung von Gebühren für ihre Studenten entscheiden können. Ab dem Jahr
2006 mussten in vielen Bundesländern Deutschlands Beträge bis zu 500 pro Semester
gezahlt werden. Mit Niedersachsen als letztem Bundesland, waren die Gebühren zum
Wintersemester 2014/2015 wieder komplett abgeschafft. Heute existieren in Deutschland
nur noch Studiengebühren für Langzeitstudenten oder Studenten, die ein Zweitstudium
aufnehmen, welche in Zahlungen von bis zu 650 pro Semester resultieren können. (Hart-
mann, 2014)

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4. Ergebnisse diverser Untersuchungen zur Auswirkung von
Studiengebühren
4.1 Auswirkungen der Studiengebühr auf die Studienentscheidung im Ausland
4.1.1. Beispiel USA - Helmet und Marcotte
Laut einer Studie der Higher Education Strategy Associates (HESA), sind die Gebühren
auf allen höheren Bildungswegen in den USA in den vergangenen Jahren beachtlich an-
gestiegen. Im akademischen Jahr 2011/2012 betrugen die durchschnittlichen Gesamtge-
bühren $29.657, was einem Anstieg von 5.2%, verglichen mit dem Jahr 2010/2011,
gleichkommt. In Kalifornien hatte es mit einem enormen Anstieg um 21% die schwer-
wiegendste Veränderung in den Beiträgen gegeben. (Marucci u. Usher, 2012)
Helmet und Marcotte (2011) untersuchten, ob sich solche Anstiege und die Gebühr allge-
mein auf die Studentenanzahl auswirken. Hierzu wurden Daten der Jahre 1991 bis 2006
aller öffentlichen 4-Jahres-Universitäten in den gesamten Vereinigten Staaten, die ihre
Daten im Integrated Postsecondary Education Data System (IPEDS) zur Verfügung stel-
len, verwendet.
Es wurde eine log-log Regression konzipiert, um die Elastizität der Studiengebühren zu
schätzen, das heißt, in wie fern sich die Anzahl von Einschreibungen an den Universitäten
mit einer Erhöhung der Gebühren verändert. Anhand folgender Gleichung wurde die
Schätzung durchgeführt:
ln(
) = +
ln(
) +
ln(
) +
ln(
) +
ln(
) +
ln(
) +
ln(
) +
+
+
Die abhängige Variable war dabei eine Maßzahl für die Immatrikulationen an einer Insti-
tution zu einem gewissen Zeitpunkt
(
), die am meisten interessierende unabhängige
Variable ein Maß für die zu zahlende Studiengebühr in der Institution zum selben Zeit-
punkt
(
).
Weitere unabhängige Variablen, wie die zur Verfügung stehenden finanziellen Hilfsmittel
in Form von Stipendien
(
) , die Anzahl öffentlicher High School­Absolventen
(
), die Gebühren an Community Colleges und privaten Universitäten in einem

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Staat, also die Preise der Konkurrenz
(
), das Durchschnittseinkommen pro Kopf
(
) und die die Arbeitslosenquote (
), flossen in die Schätzung mit ein.
Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass ein Anstieg der Studiengebühr um 1% einen Rück-
gang der eingeschriebenen Studenten um 0,0958% bewirkt. Bezogen auf eine durch-
schnittliche Höhe der Gebühren von $4200 und einer durchschnittlichen Studentenzahl
von 10.700 pro Universität, lässt sich das Resultat folgendermaßen illustrieren:
Ein Anstieg der Gebühren von $100 würde zu einem Rückgang der eingeschriebenen
Studentenzahl von circa 25 Personen führen, was wiederum 0,23% der Gesamtanzahl
ausmacht. Laut Helmet und Marcotte (2011) kam Thomas J. Kane (1995) zu einem ähn-
lichen Ergebnis. Er beobachtete einen Rückgang der Immatrikulationen von circa 0,5%
bei einem Anstieg der Studiengebühr von $100.
Eine wichtige Erkenntnis der Studie ist, dass sich die Gebührenelastizität, trotz steigender
realer Studiengebühren, über die Jahre hinweg nicht erhöht hat. Außerdem wurde heraus-
gefunden, dass die Zahl der Einschreibungen positiv mit der Höhe der finanziellen Mittel,
die Studenten als staatliche Hilfe in Form von Stipendien u.Ä. bereitgestellt werden, kor-
reliert ist. Somit können die negativen Effekte höherer Studiengebühren durch höhere
finanzielle Beihilfen des Staates ausgeglichen werden.
Des Weiteren wurde auf Basis der geschätzten Elastizität exemplarisch berechnet, dass
ein Anstieg der Gebühr um 5% an der jeweiligen Universität im Schnitt einen Verlust von
$225.000 verursacht. Gleichzeitig würden aber die Einnahmen, die durch die um 5% hö-
here Gebühr bei den verbleibenden Studenten erzielt werden würden, $2.24 Millionen
betragen. Somit ist klar gezeigt, dass ein Anreiz für die Hochschulen besteht, Gebühren
zu erhöhen um ihre finanzielle Lage zu verbessern und die hierdurch rückläufige Studen-
tenzahl zu vernachlässigen, da der Nettogewinn eindeutig positiv ist.
(Helmet u. Marcotte,
2011)
4.1.2 Beispiel United Kingdom ­ Sá
Bis zum Ende der 90er Jahre wurden die Kosten des Studiums in Großbritannien noch
vollständig vom Staat übernommen, sodass keine Gebühren gezahlt werden mussten, um
studieren zu dürfen. Im Jahr 1998 wurden dann allgemeine Studiengebühren eingeführt,
deren Höhe zu Beginn bei 1000 pro Jahr in England und Schottland lag.
Sá (2014) nutzte Unterschiede der Gebühren und ihre Veränderungen im Zeitverlauf dazu,
die Auswirkungen von Studiengebühren auf die Nachfrage nach höherer Bildung, in

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Form eines Studiums, zu untersuchen. Fokus der Studie liegt auf zwei Reformen. Die
erste Reform trat 2001 in Kraft und betraf Schottland. Studiengebühren, wie sie bislang
existierten, wurden abgeschafft und durch ein neues Zahlungsverfahren ersetzt, bei dem
Absolventen erst nach erfolgreichem Abschluss und einem jährlichen Einkommen über
10.000, einen Beitrag von 2.000 an die Hochschule zahlen mussten. Das Studium
wurde durch die Reform für schottische Studenten damit um 1000 günstiger.
Im Jahr 2012 gab es dann eine weitere Reform, nach der die Obergrenze der Gebühren,
die von den Universitäten verlangt werden können, in England von 3000 seit 2004 auf
9000 pro Jahr angehoben wurde.
Die Untersuchungen sind gestützt auf Daten des Universities and Colleges Admission
Service (UCAS), eine zentrale Vergabestelle für Studienplätze, die in Großbritannien die
Vergabe nahezu aller Erststudienplätze regelt. Es wurden in der Studie Daten über die
Bewerbungszahlen an den Universitäten Englands und Schottlands zwischen 1998 und
2013 verwendet, mit Augenmerk auf das Heimatland der Bewerber (England oder Schott-
land), Altersgruppe, Geschlecht, Einrichtung sowie auf die Studienfachkategorie, für die
sich beworben wurde.
Um Effekte von Veränderungen in den Studiengebühren auf die Entscheidung für ein
Studium herauszustellen, wurde ein difference-in-differences Modell geschätzt, welches
im Folgenden genauer erläutert wird:
ln(
) =
+
+
+
+
,
mit
= Heimatland, = Geschlecht, Alter, Einrichtung und Studienfach und = Jahr. Die
abhängige Variable
ln(
) steht für den Logarithmus der Anzahl an Bewerbungen. Ef-
fekte, die je nach Heimatland als fix angesehen werden können, werden durch
darge-
stellt, während jahresabhängige Effekte , die Einfluss auf die Bewerbungszahlen nehmen
können, als
bezeichnet werden.
Die Kontrollvariablen Geschlecht, Altersgruppe sowie der Logarithmus der Anzahl an
Einwohnern, die im Land
in der Alters-und Geschlechtsgruppe im Jahr leben, wird
durch den Vektor
dargestellt.
Die interessierende unabhängige Variable
steht für Beobachtungen der Studenten, die
nach Inkrafttreten der Reform im jeweiligen Land wohnten und ihr Studium noch nicht
begonnen hatten. Sie stellen die Experimentalgruppe dar. Somit nimmt
bei Betracht-
ung der Reform in England den Wert 1 an für angehende Studenten in den Jahren 2012
Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Wie wirken sich Studiengebühren auf die Studienbereitschaft aus?
Hochschule
Universität Konstanz
Note
2.3
Autor
Jahr
2015
Seiten
27
Katalognummer
V375378
ISBN (eBook)
9783668527744
ISBN (Buch)
9783668527751
Dateigröße
891 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
studiengebühren, studienbereitschaft
Arbeit zitieren
Lisa Saad (Autor), 2015, Wie wirken sich Studiengebühren auf die Studienbereitschaft aus?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375378

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