In dieser Bachelorarbeit soll untersucht werden, ob die Einführung von Studiengebühren, beziehungsweise die Erhöhung bereits bestehender Gebühren, die Entscheidung von Studienberechtigten, ein Studium aufzunehmen, beeinträchtigt. Viele Kritiker prangern an, dass durch die hohe finanzielle Belastung für die meist sehr jungen Studienberechtigten weniger Entscheidungen für die Aufnahme eines Studiums getroffen und verstärkt alternative Bildungswege gesucht und gewählt werden, obwohl die jungen Leute gerne studiert hätten.
Auch wenn eine allgemeine Studiengebühr in Deutschland bereits vor einigen Jahren wieder abgeschafft wurde, handelt es sich dennoch um ein weltweit aktuelles hochschulpolitisches Thema. In nur wenigen Ländern dürfen Studierende das Privileg des gebührenfreien Hochschulzugangs genießen. Die Studiengebühren reichen von beispielsweise rund $1000 in Spanien, über $14.885 in Singapur, bis zu Spitzenwerten von $25.375 pro Jahr in Australien.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Positive Aspekte von Studiengebühren
3. Studiengebühren – Ein Überblick
4. Ergebnisse diverser Untersuchungen zur Auswirkung von Studiengebühren
4.1 Auswirkungen der Studiengebühr auf die Studienentscheidung im Ausland
4.1.1. Beispiel USA - Helmet und Marcotte
4.1.2 Beispiel United Kingdom – Sá
4.2 Auswirkungen der Studiengebühr auf die Studienentscheidung in Deutschland
4.2.1 Dietrich und Gerner
4.2.2 Hübner
4.2.3 Alecke, Burgard & Mitze
5. Zusammenfassung der Resultate
5.1 Erklärungsansätze für Deutschland
5.1.1 Baier und Helbig
5.2 Erklärungsansätze für andere Beitragsländer
6. Fazit
Zielsetzung und Forschungsfragen
Die Arbeit untersucht, inwieweit die Einführung oder Erhöhung von Studiengebühren die Entscheidung von Studienberechtigten beeinflusst, ein Studium aufzunehmen. Dabei werden sowohl theoretische Erklärungsmodelle als auch empirische Befunde aus verschiedenen Ländern analysiert, um zu klären, ob Gebühren tatsächlich eine dauerhafte Barriere für den Hochschulzugang darstellen.
- Analyse der Elastizität von Studiengebühren auf Einschreibungs- und Bewerberzahlen.
- Vergleich der Auswirkungen von Studiengebühren in den USA, Großbritannien und Deutschland.
- Untersuchung von Erklärungsansätzen für die unterschiedlichen Reaktionen auf Studiengebühren.
- Betrachtung der Sozialverträglichkeit und der Rolle von Stipendien oder Finanzierungssystemen.
- Diskussion über kurz- und langfristige Effekte der Gebührenerhebung auf das Bildungsverhalten.
Auszug aus dem Buch
4.1.1. Beispiel USA - Helmet und Marcotte
Laut einer Studie der Higher Education Strategy Associates (HESA), sind die Gebühren auf allen höheren Bildungswegen in den USA in den vergangenen Jahren beachtlich angestiegen. Im akademischen Jahr 2011/2012 betrugen die durchschnittlichen Gesamtgebühren $29.657, was einem Anstieg von 5.2%, verglichen mit dem Jahr 2010/2011, gleichkommt. In Kalifornien hatte es mit einem enormen Anstieg um 21% die schwerwiegendste Veränderung in den Beiträgen gegeben. (Marucci u. Usher, 2012)
Helmet und Marcotte (2011) untersuchten, ob sich solche Anstiege und die Gebühr allgemein auf die Studentenanzahl auswirken. Hierzu wurden Daten der Jahre 1991 bis 2006 aller öffentlichen 4-Jahres-Universitäten in den gesamten Vereinigten Staaten, die ihre Daten im Integrated Postsecondary Education Data System (IPEDS) zur Verfügung stellen, verwendet.
Es wurde eine log-log Regression konzipiert, um die Elastizität der Studiengebühren zu schätzen, das heißt, in wie fern sich die Anzahl von Einschreibungen an den Universitäten mit einer Erhöhung der Gebühren verändert. Anhand folgender Gleichung wurde die Schätzung durchgeführt:
ln(E) = a + bT ln(T) + bA ln(Aid) + bHS ln(HSgrads) + bCP ln(CP) + bI ln(Inc) + bU ln(Un) + ai + at + eit
Die abhängige Variable war dabei eine Maßzahl für die Immatrikulationen an einer Institution zu einem gewissen Zeitpunkt (E), die am meisten interessierende unabhängige Variable ein Maß für die zu zahlende Studiengebühr in der Institution zum selben Zeitpunkt (T).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die globalen Debatten um Studiengebühren ein und definiert die Fragestellung bezüglich der Beeinträchtigung der Studienentscheidung.
2. Positive Aspekte von Studiengebühren: Dieses Kapitel erörtert ökonomische Argumente wie die Steigerung der Investitionsmittel für Hochschulen und die gesteigerte Effizienz bei der Entscheidung für einen Bildungsweg.
3. Studiengebühren – Ein Überblick: Hier erfolgt eine deskriptive Einordnung der globalen Kostenstruktur von Studiengebühren unter Verwendung von Statistiken der HSBC Bank sowie ein Abriss der rechtlichen Situation in Deutschland.
4. Ergebnisse diverser Untersuchungen zur Auswirkung von Studiengebühren: Der Hauptteil präsentiert empirische Studien aus den USA, Großbritannien und Deutschland, die mittels ökonometrischer Verfahren die Auswirkungen von Gebühren auf die Studierendenzahlen quantifizieren.
5. Zusammenfassung der Resultate: Dieses Kapitel synthetisiert die Ergebnisse der verschiedenen Länderanalysen und diskutiert, warum insbesondere in Deutschland keine langfristigen negativen Effekte nachgewiesen werden konnten.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und leitet hochschulpolitische Empfehlungen ab, um ein Gleichgewicht zwischen Einnahmen und sozialverträglichem Zugang zu schaffen.
Schlüsselwörter
Studiengebühren, Hochschulzugang, Studienbereitschaft, Difference-in-Differences, Ökonomie der Bildung, Rational Choice Theorie, Einschreibungszahlen, Studienfinanzierung, Bildungsökonomik, Elastizität, Studienentscheidung, Stipendiensystem, Sozialverträglichkeit, USA, Deutschland.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie sich die Erhebung von Studiengebühren auf das Entscheidungsverhalten von Studienberechtigten bei der Aufnahme eines Studiums auswirkt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die ökonomische Theorie der Bildungsinvestition, die empirische Analyse von Studentenzahlen in verschiedenen Ländern sowie politische Instrumente zur Studienfinanzierung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu ermitteln, ob Studiengebühren eine signifikante und dauerhafte Barriere für den Beginn eines Studiums darstellen oder ob andere Faktoren den negativen Effekt kompensieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf die Auswertung und Diskussion bestehender ökonometrischer Studien, insbesondere unter Verwendung des Difference-in-Differences-Modells.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden spezifische Untersuchungen aus den USA, Großbritannien und Deutschland detailliert vorgestellt und hinsichtlich ihrer Methodik sowie Ergebnisse kritisch hinterfragt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Studiengebühren, Studienbereitschaft, Difference-in-Differences, Sozialverträglichkeit und Bildungsökonomik.
Warum zeigen Studien in Deutschland oft keine negativen Auswirkungen?
Es wird argumentiert, dass die Gebührenhöhe in Deutschland relativ gering war und durch positive Ertragseinschätzungen zukünftiger Einkommen sowie staatliche Förderungen wie BAföG kompensiert wurde.
Was zeichnet die Studie von Alecke, Burgard und Mitze aus?
Diese Studie hebt sich dadurch hervor, dass sie keinen allgemeinen negativen Effekt feststellen konnte, sondern diesen nur bei männlichen Studierenden in Grenznähe zu gebührenfreien Bundesländern beobachtete.
Welche Rolle spielt die Rational Choice Theorie in der Analyse?
Sie dient als Erklärungsmodell, um aufzuzeigen, dass ein rational handelndes Individuum den Nutzen eines Studiums – basierend auf Erträgen und Kosten – abwägt, wobei der Nutzen bei steigenden Gebühren durch höhere erwartete Erträge ausgeglichen werden kann.
- Citation du texte
- Lisa Saad (Auteur), 2015, Wie wirken sich Studiengebühren auf die Studienbereitschaft aus?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375378