Männern wird in der heutigen Zeit immer mehr Bedeutung für die Erziehung der Kinder beigemessen. Sie bringen sich mehr in die Erziehungsarbeit in der Familie ein und möchten ihren eigenen Beitrag leisten. Seit den 1990er Jahren wird in Deutschland und in Europa auch eine Erhöhung des Männeranteils an pädagogischem Personal in Kitas gefordert. Fakt ist, dass die Türen der Kindertagesstätten für Männer weit geöffnet sind und die wenigen dort anwesenden männlichen Fachkräfte als große Bereicherung für die pädagogische Arbeit wahrgenommen und geschätzt werden.
Aber welche Rolle nehmen Männer in Kindertageseinrichtungen ein und wie können sie zu geschlechtsflexibleren Verhaltensweisen beitragen? Zur Beantwortung dieser Frage wird zunächst ein genereller Überblick über das Kindertagesstätten-Personal in Deutschland gegeben um dann überzugehen zu der Frage, warum Männer im professionellen frühkindlichen Bereich gefordert werden und welchen speziellen Beitrag sie leisten können. Hierbei wird sich hauptsächlich auf die Veröffentlichungen von Rohrmann, Aigner und Brandes und Kollegen und Kolleginnen bezogen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kita-Personal in Deutschland
3. Rolle der Männer in Kindertageseinrichtungen
3.1 Begriffsdefinitionen
3.2 Erzieher als Bereicherung in der Kita
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von Männern in Kindertagesstätten, beleuchtet die aktuelle Personalsituation und analysiert, inwiefern männliche Fachkräfte als Bereicherung für den pädagogischen Alltag sowie für eine geschlechtsflexiblere Erziehung fungieren können.
- Aktuelle Personalsituation in deutschen Kitas
- Begrifflichkeiten von Rolle, Geschlechterrolle und Gender
- Die pädagogische Bedeutung männlicher Fachkräfte
- Einfluss auf die kindliche Entwicklung und Geschlechtsidentität
- Potentiale für eine geschlechtsflexible Erziehung
Auszug aus dem Buch
3.2 Erzieher als Bereicherung in der Kita
Die männliche Geschlechterrolle identifiziert sich mit Begriffen wie abstrakte Intelligenz, technisches, mechanisches Verständnis und mit dem Umgang mit leblosen Objekten. Folglich sind Männer vornehmlich in handwerklichen, technischen Lehrberufen bzw. bei akademischen Berufen in den Gebieten der Ingenieurwissenschaften, Physik, Informatik, etc. zu finden (vgl. Alfermann 1996: 36). Der Beruf des Erziehers oder des Kindheitspädagogen passt augenscheinlich nicht ins Bild des berufstätigen Mannes. Trotzdem interessieren sich immer mehr Männer für die Arbeit in der Frühpädagogik. Männer treffen also auch bewusst Entscheidungen entgegen ihrer Geschlechterrolle und sind entgegen der Rollenerwartung tätig. Nämlich in einem Bereich, der nach dem Modell der Geschlechterrollen mit ihren erwarteten Eigenschaften der Fürsorglichkeit, Mütterlichkeit, Hilfsbereitschaft, Nachgiebigkeit und Dienstbarkeit eigentlich der Frau zugeschrieben wird, welche sich demnach besonders für soziale, Erziehungs- und Dienstleistungsberufe eignen würde (vgl. Alfermann 1996: 36).
Die Bedeutung der Männer für die Erziehung und die pädagogische Arbeit mit Kindern hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt, was unter anderem auch auf die wissenschaftliche Väterforschung zurückzuführen ist (vgl. Aigner/Rohrmann 2012: 17). Frauen und Männer bringen zwar die gleichen Basiskompetenzen mit, allerdings gebe es genügend Hinweise darauf, dass Männer anders mit Kindern umgehen als Frauen, dies zeige sich beispielsweise im Spielverhalten, wo Männer mit wilder, körperbetonter und raumgreifender Art bestechen (vgl. hierzu auch die Tendenzen als Charakteristika eines „männlichen Stils“ von Rohrmann et. al. 2015: 70)1. Bezugnehmend auf die Autoren Klaus und Karin Grossmann (2002) beschreiben auch Aigner und Rohrmann das väterliche Spiel als herausfordernd und konstruktiv, was einen positiven Effekt auf das Bindungsverhalten und das Selbstvertrauen der Kinder habe. Sie übertragen die Ergebnisse der Väterforschung auf die Bedeutung des Umgangs der Kinder mit männlichen pädagogischen Bezugspersonen und vermuten, dass die Kinder dort ähnlich profitieren können wie im Umgang mit dem Vater (Aigner/Rohrmann 2012: 21).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz des Themas ein und skizziert die gestiegene Bedeutung von Männern in der Erziehung sowie die Forschungsbasis der Arbeit.
2. Kita-Personal in Deutschland: Das Kapitel bietet einen statistischen Überblick über die Personalstruktur in deutschen Kitas und verdeutlicht den noch immer geringen, wenn auch langsam wachsenden Männeranteil.
3. Rolle der Männer in Kindertageseinrichtungen: Dieser Abschnitt definiert theoretische Grundlagen wie Gender und Geschlechterrolle und analysiert den spezifischen Beitrag, den Erzieher für die kindliche Entwicklung leisten können.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass Männer den Kita-Alltag bereichern, wobei eine bewusste Reflexion der eigenen Geschlechtsrolle für eine egalitäre Erziehung essenziell ist.
Schlüsselwörter
Männer in Kitas, Frühpädagogik, Geschlechterrolle, Doing Gender, Pädagogisches Personal, Kindertageseinrichtungen, Väterforschung, Männlicher Stil, Geschlechtsidentität, Elementarpädagogik, Erziehungsarbeit, Mann-Junge-Effekt, Geschlechtsflexible Erziehung, Professionelles Erziehungsverhalten, Kindheitspädagogen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Rolle, die Bedeutung und den Beitrag von männlichen Fachkräften in Kindertageseinrichtungen innerhalb Deutschlands.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Schwerpunkte liegen auf der statistischen Personalsituation, der theoretischen Auseinandersetzung mit Rollenbildern sowie den Auswirkungen männlicher Erzieher auf die frühkindliche Entwicklung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es zu erörtern, welche Rolle Männer in Kindertageseinrichtungen einnehmen und inwiefern sie durch ihre Herangehensweise zu einer geschlechtsflexibleren Erziehung beitragen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, wobei sie sich primär auf die Veröffentlichungen von Rohrmann, Aigner und Brandes stützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine statistische Bestandsaufnahme der Personalsituation und eine pädagogische sowie soziologische Erörterung der männlichen Rolle in Kitas.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Geschlechterrolle, Doing Gender, Frühpädagogik, Väterforschung und männliche Fachkräfte.
Was besagt der sogenannte „Mann-Junge-Effekt“?
Der Begriff beschreibt das Phänomen, dass Kinder, denen eine Vaterfigur fehlt, häufiger den Kontakt zu männlichen Bezugspersonen suchen, was zu speziellen Vater-Übertragungen führt.
Warum ist laut der Arbeit eine bewusste Reflexion der eigenen Geschlechterrolle wichtig?
Nur durch die Reflexion eigener geschlechtsstereotyper Einstellungen können Männer als Vorbild fungieren und ihre Männlichkeit gezielt und positiv in den Erziehungsprozess einbringen.
- Citation du texte
- Doreen Kunz (Auteur), 2017, Die Rolle des Mannes in Kindertagesstätten. Zur Bedeutung von Männlichkeit in der frühkindlichen Erziehung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376039