Im Folgenden wird ein Forschungsdesign erstellt, welches sich auf Akteure des Stadtteils Steilshoop bezieht. Genauer soll es um eine Mädchengruppe des Haus der Jugend Steilshoo gehen. Einige der Gruppenmitglieder mit Migrationshintergrund müssen durch elterliche Konventionen ihre sozialen Interaktionen im Alter von etwa 12 Jahren stark limitieren, sodass die Mädchengruppe zur z.T. einzigen Möglichkeit auf soziale Interaktion wird. Untersucht werden soll, welche connections sich zu diesem Konflikt auftun, in welcher Verbindung diese zum Konflikt stehen und welchen Einfluss sie auf ihn haben. Die sich durch informelle Gespräche ergebenen connections werden nach dem Konzept des follow the conflict nach George E. Marcus untersucht. Um empirisches und theoretisches Vorgehen zu konkretisieren, beschränkt sich dieses Forschungsdesign auf einige connections, obwohl sich bei umfangreicher Untersuchung sicherlich noch witere Verbindungen auftun würden. Zur Einordnung dieses Phänomens, wird zunächst der Stadtteil hinsichtlich seines Selbst- und Fremdbildes dargestellt, bevor das Selbstverständnis und Klientel des Haus der Jugend (im Folgenden HdJ) präsentiert wird. Die Mädchengruppe wird hinsichtlich ihrer Zusammensetzung, Aktivitäten und des Konflikts untersucht, bevor ein konkretes Forschungsdesign entworfen wird. Hier wird diskutiert, inwiefern die Multi-sited-etnography und das Prinzip des follow the conflict hier greift bzw. wo die Grenzen liegen. Die Connections werden bezüglich relevanter Fragestellungen vorgestellt, weiter werden als geeignet erscheinende Methoden angeführt und sich möglicherweise ergebende theoretische Ansätze vorgestellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Hintergrundinformationen zum Untersuchungsgegenstand
2.1 Der Stadtteil Steilshoop
2.2 Das Haus der Jugend Steilshoop
2.3 Die Mädchengruppe des Haus der Jugend
3 Forschungsdesign „follow the conflict“
3.1 Multi-sited-etnography und das Prinzip des „follow the conflict“
3.2 Connections
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit entwickelt ein Forschungsdesign zur Untersuchung weiblicher Lebenswelten und sozialer Interaktionsmuster in einem städtischen Umfeld mit hoher Migrationsdichte. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie sich soziale Konflikte in einer Mädchengruppe des „Haus der Jugend Steilshoop“ unter dem methodischen Ansatz der „Multi-sited-ethnography“ und des „follow the conflict“-Konzepts analysieren lassen, um dabei die Einflüsse elterlicher Konventionen und lokaler Strukturen auf die Handlungsmöglichkeiten der Jugendlichen zu verstehen.
- Analyse der soziokulturellen Ausgangslage im Stadtteil Steilshoop
- Untersuchung der Rolle des „Haus der Jugend“ als zentraler Sozialraum
- Anwendung des „follow the conflict“-Prinzips auf die weibliche Lebenswelt
- Identifikation relevanter „connections“ als empirische Ansatzpunkte
- Methodische Reflexion über „multi-sitedness“ und Feldforschung
Auszug aus dem Buch
3.1 Multi- sited-etnography und das Prinzip des follow the conflict
Der Begriff der Multi-sited-etnography geht auf George E. Marcus zurück und meint die Ausweitung der Methoden der stationären Feldforschung auf verschiedene Schauplätze kulturellen Geschehens. Mit seinem reformativen, interdisziplinär verbreitetem Konzept hat Marcus Veränderungsperspektiven ausgesprochen, wie in Zeiten der Globalisierung Ethnografie sinnvoll betrieben werden kann. Da es sich bei dem vorliegenden Forschungsthema um ein von Globalisierungsprozessen beeinflusstes Feld (kulturell bzw. religiös bedingte Weltansichten treffen durch Migration der Eltern nach Deutschland mit denen in Schule und HdJ vermittelten zusammen und lassen bei den Mädchen einen Konflikt entstehen) handelt, bietet sich das Forschen mit dem mulit-sited Konzept besonders an.
„Kultur ist nicht fixiert auf Orte, sondern als potenziell mobile, weil kognitiv und interaktiv einzubringende Ressource des Denkens und Handelns zu betrachten, die an ganz unterschiedlichen Stellen und Plätzen und ebenso durch unterschiedliche Medien zum Einsatz kommen kann oder zur Schau gestellt, inszeniert wird.“
Eben dieses Nichtfixiert-Sein auf physische Orte, sondern vielmehr die breite Bandbreite an Forschungsstrategien, mit denen man sich durch mehrere Orte der kulturellen Bedeutungsproduktion bewegt sind hier elementar. Das Forschungsdesign beinhaltet daher auch kein follow the conflict im Sinne des Hinterherreisens, wie es beispielsweise Cordula Weißköppel bei der Untersuchung sudanesischer Diaspora in Deutschland tat. Vielmehr lässt sich am Fall der Mädchengruppe eine multi-sitedness durch den Blick auf die sich ergebenden connections ausmachen. Trotz der Debatte um die Auslegung des Begriffs site, konzentriert sich das hiesige Forschungsdesign nicht auf mehrere, weit auseinander reichende physische Orte, sondern orientiert sich an dem Auslegungskonzept des „siting“ nach Gisela Welz- dem nicht notwendigerweise ortsgebundenem Ort.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des negativen Fremdbildes des Stadtteils Steilshoop ein und begründet das Vorhaben, eine Mädchengruppe mit dem Fokus auf ihre weibliche Lebenswelt und Migrationserfahrungen zu untersuchen.
2 Hintergrundinformationen zum Untersuchungsgegenstand: Dieses Kapitel liefert statistische Daten und soziologische Kontextualisierungen zum Stadtteil Steilshoop sowie zum „Haus der Jugend“ als zentraler Einrichtung der offenen Jugendarbeit.
3 Forschungsdesign „follow the conflict“: Hier wird der methodische Rahmen der „Multi-sited-ethnography“ dargelegt und aufgezeigt, wie durch die Identifikation von „connections“ die Lebenswelt der Mädchen empirisch greifbar gemacht werden kann.
4 Fazit: Das Fazit fasst das entwickelte Forschungsdesign zusammen und reflektiert die methodischen Herausforderungen des „going native“ sowie die Bedeutung einer reflexiven Haltung für die ethnografische Forschung.
Schlüsselwörter
Steilshoop, Mädchengruppe, Haus der Jugend, Multi-sited-ethnography, follow the conflict, Migration, Soziale Kontrolle, Ethnografie, Jugendhilfe, Lebenswelt, Feldforschung, Intersektionalität, Stadtforschung, Identität, Soziale Interaktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung eines Forschungsdesigns, um die Lebenswelt und die sozialen Interaktionsmöglichkeiten einer Mädchengruppe in einer Großwohnsiedlung in Hamburg-Steilshoop soziologisch zu untersuchen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die zentralen Themen umfassen Migrations- und Anpassungsprozesse, die Bedeutung von städtischen Sozialräumen für Jugendliche, geschlechtsspezifische Sozialisation und das Spannungsfeld zwischen familiären Konventionen und den Angeboten der Jugendarbeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, ein methodisches Vorgehen zu erarbeiten, um den Konflikt der Mädchen zwischen elterlichen Konventionen und ihrem Wunsch nach sozialer Interaktion unter Anwendung des „follow the conflict“-Konzepts zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird der Ansatz der „Multi-sited-ethnography“ nach George E. Marcus gewählt, kombiniert mit qualitativen Methoden wie teilnehmender Beobachtung, problemzentrierten Interviews und Tagebuchanalysen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden der Stadtteil Steilshoop, das Haus der Jugend als Institution sowie konkrete „connections“ (Verbindungen) zwischen den Akteuren untersucht, die zur Bearbeitung der Forschungsfrage beitragen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere die „Multi-sited-ethnography“, „Soziale Kontrolle“, „Haus der Jugend“, „Migrationshintergrund“ und das „follow the conflict“-Prinzip.
Warum wird das „Haus der Jugend Steilshoop“ als Fallbeispiel gewählt?
Das Haus der Jugend wird als zentraler und vielbesuchter Ort der Jugendlichen im Stadtteil betrachtet, an dem sich gesellschaftliche Konflikte und die Bedürfnisse nach Austausch und Kommunikation besonders deutlich widerspiegeln.
Welchen Einfluss haben elterliche Konventionen laut der Untersuchung?
Elterliche Konventionen, die oft mit Sorgen um den Ruf der Familie und sozialen Kontrollmechanismen verknüpft sind, begrenzen laut den Vorgesprächen die Interaktionsfreiheiten der Mädchen im Alter von etwa 12 Jahren erheblich.
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- Anonym (Autor), 2014, Soziale Interaktion von Mädchen der steilshooper Mädchengruppe. Ein Forschungsdesign., Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376178