Fake News. Besonderheiten und Herausforderungen für die PR


Hausarbeit, 2017
17 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

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1. Einleitung
Fake News gibt es nicht erst seit dem amerikanischen Präsidentschafts-
wahlkampf im letzten Jahr. Auch in der Vergangenheit wurden wissentlich
falsche Informationen verbreitet, beispielsweise zur politischen Einflussnahme
oder als Mittel der Kriegspropaganda. Verändert hat sich die Geschwindigkeit,
in der falsche Nachrichten, Lügen und Gerüchte kursieren. Dazu leisten
insbesondere die sozialen Medien ihren Beitrag.
Was bedeutet das für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit? Darum soll es in
dieser Arbeit gehen und die Herausforderungen von Fake News für die PR-
Arbeit herausgearbeitet werden. Nach einer kurzen historischen Einordnung
werden dabei die Funktionen und die Ziele von Fake News aufgezeigt. Im
Hauptteil dieser Arbeit geht es darum, welche Probleme sich durch die
Verbreitung von falschen Nachrichten für die Public Relations ergeben. Das
Fazit liefert mögliche Handlungsoptionen für den Umgang mit Fake News.

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2. Historische Einordnung
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Von Machiavelli bis Trump
Ob Watergate, Barschel-Affäre oder Lewinsky-Skandal, die Macht der
Täuschung und Selbsttäuschung, sei es in Form von Trugschlüssen,
Vorurteilen oder in Formen von Tarnung und Betrug lässt sich bis zu Francis
Bacons Lehre von den Idolen sowie zu Machiavellis Der Fürst - und gewiss
noch weiter - zurückverfolgen (vgl. Floridi 2016; Trivers 2013; Machiavelli
1986: S. 135).
Eine Zäsur in der Verbreitung von Fake News setzt der US-Wahlkampf 2016.
Einen vergleichbaren Einsatz von falschen Nachrichten, um den Wahlkampf
zu beeinflussen, gab es vorher noch nicht. Besonders in Erinnerung geblieben
ist Trumps Unterstellung, Hillary Clinton sei an einem Pädophilen-Ring
beteiligt gewesen (vgl. Unterberger 2017: S. 42; Jones 2016). Ähnlich massiv
haben unter anderem die Nationalsozialisten in die öffentliche
Meinungsbildung eingegriffen. Neu ist aber die Geschwindigkeit und die
Intensität der Verbreitung sowie der Einsatz von Social Bots
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Computerprogramme, die in sozialen Netzwerken wie richtige Nutzer agieren
(Welchering 2017; Unterberger 2017: S. 49; Hesse 2017).

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3. Wirkungs- und Funktionsmechanismen von Fake News
Was macht Fake News effektiv und warum sind Menschen für sie anfällig?
Fake News sind zunächst einmal
,,
medial gestreute Informationen, die als
Kommunikationsmaskeraden sowohl gezielt und bewusst irreführend als auch
strategisch und unbewusst-irrtümlich bestimmten Rezipienten zum Zwecke
der Meinungserzeugung Verlässlichkeit vortäuschen, dies aber aus
unterschiedlichen Gründen und mit absehbaren wie unabsehbaren Folgen"
(Antos 2017: S. 9). Werden Fake News mit dem Ziel verbreitet, andere
Positionen zu determinieren oder gar nicht erst zuzulassen, weisen sie
deutliche Merkmale von Propaganda auf (vgl. Bentele 2015b; Merten 2015;
Fröhlich 2015). Als propagandistisches Mittel werden Fake News häufig im
Kontext politischer Kommunikation verwendet. In diesem Sinne zielt ihre
Verbreitung auf die bewusste Manipulation von Menschen ab. Auch PR
verwendet Propaganda, um Wirkungsziele zu erreichen. Das zeigt: eine klare
Abgrenzung zwischen Propaganda und PR ist oft nicht möglich. Der situative
Einsatz propagandistischer Mittel mag zwar legitim sein, im Sinne einer
anzustrebenden Berufsethik und Professionalität gilt es aber, die beiden
Kommunikationsformen voneinander abzugrenzen. Das wohl wichtigste
Kriterium dabei: Public Relations fühlen sich im Gegensatz zur Propaganda
der Wahrheit verpflichtet, sind nicht einseitig und indoktrinativ sondern
dialogorientiert und persuasiv (vgl. Fröhlich 2015: S. 115-116; Bentele 2015a:
S. 1078-1080; Deutscher Rat für Public Relations 2012).
Ein weiteres Mittel, um die öffentliche Meinung zu manipulieren, ist die
Verwendung von Sprachbildern, so genannten Frames. Donald Trump spricht
bewusst von Fake News, wenn er seine Gegner angreift, wie erst kürzlich im
Werbespot zu seinen ersten 100 Tagen als Präsident geschehen
(
vgl. CNN
Communications 2017; Donald J. Trump for President 2017 [YouTube-
Chanel]; Donaldjtrump.com 2017; Kae 2017). Ziel ist es, Kontrahenten in
seinen Deutungsrahmen zu bewegen, indem sie den Begriff aufgreifen (Raidt
2017).
Mit der Selbstinszenierung und Heroisierung der eigenen Person greift ein
weiteres Prinzip von Fake News. Das Kreieren eines Feindbildes gehört
ebenso dazu. Politische Gegner und Medien werden in der Öffentlichkeit
bloßgestellt und
die eigene Person als ,,Erlöser" inszeniert. Dabei ist die

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Kommunikation oft einseitig, beschönigend und verzerrend (Bleyer 2017: S.
144-145; Merten 2015; Bentele 2015b). Diese Form der Manipulation der
Massen verstärkt sich durch die Ausstrahlung und den besonderen
Wirkungsgrad, der von den Protagonisten ausgeht. Gustave Le Bon, der als
Gründer der Massenpsychologie gilt, beschreibt dies als einen persönlichen
Nimbus, den nur wenige Menschen besitzen (Le Bon 1982: S. 97).
Bei genauer Betrachtung von Fake News fallen weitere psychologische
Wirkungsmechanismen auf. Sender solcher Nachrichten bedienen sich der
Ansprache von Emotionen der Empfänger. Gezielt sollen Gefühle wie Wut,
Angst oder Mitgefühl erzeugt werden. Diese bleiben länger im Gedächtnis als
sachliche Fakten (Bleyer 2017: S. 160-161). In gruppendynamischen
Prozessen sind Gedanken oft zweitrangig. Vielmehr stehen Impulse,
Gewohnheiten und Gefühle im Vordergrund. Deshalb geraten Fakten in den
Hintergrund und Emotionen werden fokussiert (Bernays 2011: S. 51).
Eine entscheidende Rolle für die Kommunikation von falschen Nachrichten
spielen Vereinfachungen und Wiederholungen. Komplexe Sachverhalt werden
auf eine einfache, mitunter sogar primitive Ebene heruntergebrochen und
simple Lösungen präsentiert. Das Ziel dabei ist, die eigene Position zu
festigen und sich selbst in der Öffentlichkeit als ,,Problemlöser" zu
präsentieren. Dabei erhält die Gegenpartei möglichst keinen Raum für
Diskussionen oder die korrekte Darstellung von Sachverhalten. Vielmehr geht
es darum, sowohl den Kontrahenten als auch der Gesellschaft die eigene
Meinung ,,überzustülpen"
. Wiederholungen werden hierfür ebenfalls
verwendet. Sie erzeugen beim Empfänger das Gefühl von Konsistenz. Was
mehrmals wiederholt wurde, klingt nicht länger fremd, sondern bekannt und
vertraut (Wehling 2016: S. 165). Zudem soll das systematische Wiederholen
von Lügen und falschen Behauptungen den Gegner zermürben. Die
Psychologie nennt dieses Prinzip Gaslighting (Krye 2017).

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4. Herausforderungen für die PR
Vertrauen und Glaubwürdigkeit sind zwei zentrale Elemente für seriöse und
professionelle Pressearbeit (vgl. Bentele/Seidenglanz 2015; Deutscher Rat für
Public Relations 2012). Die Verbreitung von falschen Nachrichten untergräbt
dieses Prinzip auf Dauer. Das hat folgende Gründe:
1. Fakten geraten in der gesellschaftlichen Wahrnehmung und politischen
Kommunikation
zunehmend in den Hintergrund und die ,,gefühlte Wahrheit"
beziehungsweise die Emotionen stehen im Fokus (Jochen A. Bär 2016; Kröll
2016: S. 4). Ganz im Sinne von Luhmann (2000: S. 88-102) geht es im
politischen System dann nicht mehr um das Finden von Wahrheit, sondern um
die Machtfrage. Diese Entwicklung findet sich auch in der Verbreitung von
Fake News wieder. Sender falscher Informationen setzen vermehrt auf
Emotionen als Kommunikationsmittel ihrer Botschaft.
Als Mittel um
Zielgruppen zu erreichen, bedienen sich auch Public Relations Emotionen.
Spielt die Wahrheit allerdings eine untergeordnete Rolle, so wird der
Wahrhaftigkeitsgrundsatz professioneller PR eruiert.
Der Bedeutungsverlust von Wahrheit und Fakten erschweren es der PR, mit
sachlichen Argumenten zu überzeugen. Insbesondere politische Public
Relations haben idealerweise auch die Aufgabe zu informieren. Problematisch
wird es dann, wenn Emotionen überwiegen und Fakten keine oder kaum
Beachtung mehr finden. Fakten lassen sich überprüfen, ob sie wahr oder
falsch sind, Emotionen jedoch nicht. Bewegen sich Nachrichten hauptsächlich
auf der Gefühlsebene, ist es schwer festzustellen, ob sie Fake News
beinhalten. Das kann weitreichende Folgen für die Demokratie als auch für die
PR haben. Beide basieren insbesondere auf Vertrauen. Vertrauen wiederum
speist sich aus unterstellter Glaubwürdigkeit. Der Verlust von Fakten zu
Gunsten von Emotionen birgt die Gefahr, dass eine Kultur der Lüge und
Unwahrheiten entsteht. Die Folge:
Es zählt nur noch das, was als ,,gefühlte
Wahrheit" gilt.
Die Verbreiter von falschen Nachrichten nutzen dies gezielt
aus, um das Vertrauensverhältnis zwischen Politik und Bürgern, aber auch
zwischen PR und Bürgern zu untergraben. Die Bezeichnung der Medien als
,,Lügenpresse" oder sie für die Verbreitung von Fake New
s verantwortlich zu
machen sind Beispiele hierfür. Misstrauen in Staat und Medien entsteht. Die
Folge sind Entfremdung und Apathie. Somit höhlt die Verbreitung von Fake
News auf Dauer das demokratische System aus (Marschall 2017). Aber auch
Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Fake News. Besonderheiten und Herausforderungen für die PR
Hochschule
Freie Journalistenschule Berlin
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
17
Katalognummer
V376220
ISBN (eBook)
9783668532656
ISBN (Buch)
9783668532663
Dateigröße
723 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fake News, Social Media, Public Relations
Arbeit zitieren
Sebastian Kattler (Autor), 2017, Fake News. Besonderheiten und Herausforderungen für die PR, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376220

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