Fake News gibt es nicht erst seit dem amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf im letzten Jahr. Auch in der Vergangenheit wurden wissentlich falsche Informationen verbreitet, beispielsweise zur politischen Einflussnahme oder als Mittel der Kriegspropaganda. Verändert hat sich die Geschwindigkeit, in der falsche Nachrichten, Lügen und Gerüchte kursieren. Dazu leisten insbesondere die sozialen Medien ihren Beitrag.
Was bedeutet das für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit? Darum soll es in dieser Arbeit gehen und die Herausforderungen von Fake News für die PR-Arbeit herausgearbeitet werden. Nach einer kurzen historischen Einordnung werden dabei die Funktionen und die Ziele von Fake News aufgezeigt. Im Hauptteil dieser Arbeit geht es darum, welche Probleme sich durch die Verbreitung von falschen Nachrichten für die Public Relations ergeben. Das Fazit liefert mögliche Handlungsoptionen für den Umgang mit Fake News.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historische Einordnung – Von Machiavelli bis Trump
3. Wirkungs- und Funktionsmechanismen von Fake News
4. Herausforderungen für die PR
5. Fazit / Handlungsoptionen
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit analysiert die Herausforderungen, die durch die Verbreitung von Fake News für die moderne Presse- und Öffentlichkeitsarbeit (PR) entstehen, und erarbeitet Strategien zum Umgang mit diesem Phänomen. Sie untersucht, welche Rolle Emotionen, Vereinfachungen und soziale Netzwerke bei der Manipulation der öffentlichen Meinung spielen und welche Auswirkungen der Bedeutungsverlust von Fakten auf die Glaubwürdigkeit der PR hat.
- Historische Entwicklung von Desinformation und Propaganda
- Psychologische Wirkungsmechanismen von Fake News
- Einfluss von Social Bots und Algorithmen auf die Meinungsbildung
- Verlust des Wahrhaftigkeitsgrundsatzes in der politischen Kommunikation
- Strategien für professionelles Krisenmanagement in der PR
Auszug aus dem Buch
3. Wirkungs- und Funktionsmechanismen von Fake News
Fake News sind zunächst einmal „medial gestreute Informationen, die als Kommunikationsmaskeraden sowohl gezielt und bewusst irreführend als auch strategisch und unbewusst-irrtümlich bestimmten Rezipienten zum Zwecke der Meinungserzeugung Verlässlichkeit vortäuschen, dies aber aus unterschiedlichen Gründen und mit absehbaren wie unabsehbaren Folgen“ (Antos 2017: S. 9). Werden Fake News mit dem Ziel verbreitet, andere Positionen zu determinieren oder gar nicht erst zuzulassen, weisen sie deutliche Merkmale von Propaganda auf (vgl. Bentele 2015b; Merten 2015; Fröhlich 2015).
Als propagandistisches Mittel werden Fake News häufig im Kontext politischer Kommunikation verwendet. In diesem Sinne zielt ihre Verbreitung auf die bewusste Manipulation von Menschen ab. Auch PR verwendet Propaganda, um Wirkungsziele zu erreichen. Das zeigt: eine klare Abgrenzung zwischen Propaganda und PR ist oft nicht möglich. Der situative Einsatz propagandistischer Mittel mag zwar legitim sein, im Sinne einer anzustrebenden Berufsethik und Professionalität gilt es aber, die beiden Kommunikationsformen voneinander abzugrenzen. Das wohl wichtigste Kriterium dabei: Public Relations fühlen sich im Gegensatz zur Propaganda der Wahrheit verpflichtet, sind nicht einseitig und indoktrinativ sondern dialogorientiert und persuasiv (vgl. Fröhlich 2015: S. 115-116; Bentele 2015a: S. 1078-1080; Deutscher Rat für Public Relations 2012).
Ein weiteres Mittel, um die öffentliche Meinung zu manipulieren, ist die Verwendung von Sprachbildern, so genannten Frames. Donald Trump spricht bewusst von Fake News, wenn er seine Gegner angreift, wie erst kürzlich im Werbespot zu seinen ersten 100 Tagen als Präsident geschehen (vgl. CNN Communications 2017; Donald J. Trump for President 2017 [YouTube Chanel]; Donaldjtrump.com 2017; Kae 2017). Ziel ist es, Kontrahenten in seinen Deutungsrahmen zu bewegen, indem sie den Begriff aufgreifen (Raidt 2017).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Relevanz der Desinformation und stellt die Forschungsfrage nach den Auswirkungen von Fake News auf die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.
2. Historische Einordnung – Von Machiavelli bis Trump: Dieses Kapitel zeigt auf, dass Täuschung und Propaganda seit langem Bestandteile politischer Kommunikation sind, wobei moderne Technologien wie Social Bots die Geschwindigkeit und Intensität heute massiv erhöhen.
3. Wirkungs- und Funktionsmechanismen von Fake News: Hier werden die psychologischen Prinzipien und manipulativen Techniken, wie Framing, Gaslighting und die emotionale Aufladung von Inhalten, detailliert analysiert.
4. Herausforderungen für die PR: Das Kapitel erläutert, wie der Bedeutungsverlust von Fakten zugunsten einer „gefühlten Wahrheit“ das Vertrauen und die Glaubwürdigkeit der PR-Arbeit untergräbt.
5. Fazit / Handlungsoptionen: Abschließend werden Strategien wie Rapid-Response-Teams und ein verbessertes Krisenmanagement sowie die regulatorische Rolle von Plattformbetreibern und Politik diskutiert.
Schlüsselwörter
Fake News, Public Relations, Propaganda, Manipulation, soziale Medien, Wahrheit, Glaubwürdigkeit, Framing, Gaslighting, Social Bots, Meinungsbildung, Krisenmanagement, Demokratie, Postfaktisch, politische Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einfluss von Fake News auf die moderne Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und die daraus resultierenden Herausforderungen für Kommunikationsverantwortliche.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Abgrenzung von PR und Propaganda, die psychologischen Mechanismen hinter Desinformation sowie die Rolle digitaler Plattformen bei der Verbreitung von Lügen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die spezifischen Probleme für die PR durch Fake News herauszuarbeiten und praxistaugliche Handlungsoptionen zu identifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung und Analyse aktueller wissenschaftlicher Quellen sowie Medienberichte, um die Wirkungsweisen von Fake News systematisch zu durchleuchten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die psychologischen Wirkmechanismen (wie Emotionalisierung) sowie die spezifischen Risiken für die Glaubwürdigkeit professioneller PR in einem postfaktischen Umfeld.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Fake News, PR-Ethik, Framing, soziale Netzwerke, Vertrauensverlust und Krisenmanagement.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle von Social Bots?
Social Bots werden als Werkzeuge identifiziert, die durch ihre Automatisierung und die Ausnutzung kognitiver Dissonanzen die Verbreitung falscher Nachrichten massiv beschleunigen.
Warum ist das "Gaslighting"-Prinzip für die PR relevant?
Es ist relevant, weil durch systematisches Wiederholen von Lügen Gegner zermürbt werden, was eine sachliche, dialogorientierte Kommunikation, die den Kern der PR ausmacht, erschwert.
Wie beurteilt der Autor staatliche Regulierungsversuche wie das geplante Gesetz gegen Hassrede?
Der Autor stellt das Löschen von Inhalten infrage, da es die Problematik der schnellen Verbreitung kaum löst und zudem schwierige Abwägungen zur Meinungsfreiheit erfordert.
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- Sebastian Kattler (Author), 2017, Fake News. Besonderheiten und Herausforderungen für die PR, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376220