Diese Hausarbeit bearbeitet ein selbstformuliertes ethisches Dilemma innerhalb der Sozialen Arbeit mit älteren Menschen anhand von Kant, Max Scheler sowie Benthams Utilitarismus. Ziel hierbei ist die Auseinandersetzung mit dem jeweiligen theoretischen Konstrukt und dessen Anwendung auf ein Fallbeispiel der Sozialen Arbeit. In der täglichen Praxis stehen SozialarbeiterInnen oft vor Entscheidungen, die ein Dilemma enthalten. Durch das Doppelmandat müssen sowohl die Wünsche und Interessen des/der AdressatInnen als auch der Gesellschaft in Einklang gebracht werden. Dabei kann die Ethik in der Sozialen Arbeit eine wichtige Rolle spielen.
Allerdings geht es hier nicht um eine Anleitung, die zu einem bestimmten Handeln führt, welches moralisch richtig ist. Vielmehr wird eine Auseinandersetzung mit der Ethik angestrebt, die dazu dient, die Wahrnehmung und Kommunikation zu sensibilisieren. Des Weiteren fördert dies eine umsichtige Urteilsbildung, welche AdressatInnen, SozialarbeiterInnen sowie gesellschaftliche und institutionelle Rahmenbedingungen berücksichtigt.
Hilfeleistung und Machtausübung vermischen sich in der Praxis und können nur schwer getrennt werden. Auch müssen die eigenen Entscheidungen kritisch hinterfragt werden. In diesem Kontext reicht der gesunde Menschenverstand nicht aus. Andere Disziplinen, wie zum Beispiel Psychologie, Medizin und Pädagogik, dienen hierbei als gutes Vorbild. Ethisches Wissen ist kein Selbstzweck, sondern hilft, Entscheidungen nach ethisch vernünftigen Kriterien zu treffen.
Ich beginne zunächst mit einer Skizzierung des Arbeitsfeldes der Sozialen Altenarbeit. Dies verschafft einen Überblick über diesen Bereich und seine Besonderheiten für die ethische Beurteilung. Danach folgt die Darstellung meines Fallbeispiels und des Dilemmas. In Punkt drei werde ich wichtige Aspekte der ethischen Theorien darlegen. Im nächsten Abschnitt sollen diese auf das Fallbeispiel beziehungsweise auf das Dilemma angewendet werden. Hier werde ich versuchen, meine Handlungsalternative ethisch zu begründen. Als Letztes folgt der Versuch, die ethischen Arbeitsprinzipien des DBSH und die verschiedenen Ansätze gegenüberzustellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Soziale Altenarbeit
3. Fallbeispiel und ethisches Dilemma
3.1 Ein Fall der Soziale Altenarbeit im ambulanten Kontext
3.2 Dilemmata
4. Zusammenfassung der für mich relevanten ethischen Sichtweisen
4.1 Benthams Utilitarismus (1748 – 1832)
4.2 Max Scheler (1874 – 1928)
4.3 Kant (1724 – 1804)
5. Anwendung der Theorien auf den Fall
5.1 Benthams Utilitarismus
5.2 Max Scheler
5.3 Kant
6. Fazit und Vereinbarkeit der gewählten Ansätze mit den ethischen Prinzipien der Sozialen Arbeit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie unterschiedliche ethische Theorien zur Lösung von moralischen Dilemmata in der Sozialen Altenarbeit beitragen können, wobei das primäre Ziel darin besteht, anhand eines Fallbeispiels eine ethisch begründete Handlungsentscheidung zu entwickeln.
- Ethik in der Sozialen Arbeit
- Ethische Dilemmata in der Altenpflege
- Utilitarismus nach Bentham
- Werteethik nach Max Scheler
- Deontologie nach Kant
Auszug aus dem Buch
3.1 Ein Fall der Soziale Altenarbeit im ambulanten Kontext
Herr M. wurde mit 74 Jahren in unsere freigemeinnützige Einrichtung aufgenommen. Im Erstgespräch mit ihm und seiner Frau wurde deutlich, dass sich auch eine Altersdemenz bei ihm manifestiert hat. Außerdem würde er mittlerweile verstärkt Hilfe bei alltäglichen Tätigkeiten, wie z. B. Hygiene und Essensaufnahme benötigen. Des Weiteren entwickelte sich bei Herrn M. in den letzten Monaten eine Weglauftendenz, welche ein Risiko für seine Gesundheit bzw. sein Leben darstellt. Frau M. schilderte, dass ihr Mann bis vor einiger Zeit noch sehr aktiv war und er seine Zeit gerne draußen verbrachte. Er hätte die Entscheidung für ein Pflegeheim selbst getroffen, da er sich nicht mehr selbst versorgen kann und seine Frau mit 71 Jahren auch nicht mehr die „Jüngste“ sei. Da es beiden an großen finanziellen Mitteln mangelt, könnten sie keinen Heimplatz in ihrer Nachbarschaft in Anspruch nehmen. Frau M. müsste ca. eine Stunde mit dem Zug anreisen, um ihren Mann zu besuchen. Im ambulanten Alltag war Herr M. freundlich und lebensfroh. Alleine die Weglauftendenz stellte das Heimpersonal vor Herausforderungen. In diesem Kontext wurde versucht, das Problem mit Medikamenten in den Griff zu bekommen. Das Verhalten wurde rational dadurch erklärt, dass der Wunsch nach der vertrauten Umgebung und seiner Frau die Intentionen für seine Tendenz seien. Dieser Zustand wurde begleitet durch Orientierungslosigkeit und geistige Verwirrtheit, welche zu einem Gesundheitsrisiko führen können. Die Medikation wirkte sich durch Nebenwirkungen auf seine Aktivität und die dadurch verbundene Lebensfreude aus. Durch diese Intervention konnte das Weglaufproblem gelöst werden. Auf der anderen Seite bedingte sie anhaltende Müdigkeit, dass er sich kaum bewegte und nachts aktiv wurde. Dadurch störte er die Nachtruhe der anderen Bewohner, da Herr M. seinen Bewegungsdrang in der Nacht auslebte. Seit ca. zwei Wochen verhält er sich im Alltag vermehrt aggressiv gegenüber anderen BewohnerInnen und dem Personal und musste deshalb schon einige Male isoliert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Bedeutung ethischer Reflexion in der Sozialen Arbeit und skizziert den Aufbau der Untersuchung entlang dreier philosophischer Theorien.
2. Soziale Altenarbeit: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die gesetzlichen Rahmenbedingungen und die Lebensrealität von alten Menschen in stationären Pflegeeinrichtungen.
3. Fallbeispiel und ethisches Dilemma: Hier wird die Pflegesituation von Herrn M. beschrieben und die daraus resultierenden, widersprüchlichen Handlungsanforderungen dargelegt.
4. Zusammenfassung der für mich relevanten ethischen Sichtweisen: Das Kapitel stellt die philosophischen Grundlagen von Bentham, Scheler und Kant kompakt dar.
5. Anwendung der Theorien auf den Fall: Die gewählten Theorien werden genutzt, um die Handlungsoptionen im Fall von Herrn M. ethisch zu bewerten und begründen.
6. Fazit und Vereinbarkeit der gewählten Ansätze mit den ethischen Prinzipien der Sozialen Arbeit: Abschließend wird diskutiert, wie die Theorien mit den Werten der Sozialen Arbeit korrespondieren und wo ihre Grenzen liegen.
Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, Altenarbeit, Ethik, Ethisches Dilemma, Utilitarismus, Jeremy Bentham, Max Scheler, Immanuel Kant, Pflegesituation, Demenz, Weglauftendenz, Handlungsalternative, Moral, Werte, Selbstbestimmung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung ethischer Theorien auf konkrete Dilemmata in der Sozialen Altenarbeit.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Altenpflege, der moralischen Entscheidungsfindung und der professionellen ethischen Reflexion.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, für ein Fallbeispiel einer medikamentösen Intervention bei einem dementen Bewohner ethisch fundierte Entscheidungswege aufzuzeigen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt die Analyse ethischer Theorien (Utilitarismus, Werteethik, Deontologie) und deren Anwendung auf ein Fallbeispiel.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Nach einer theoretischen Einführung werden die Positionen von Bentham, Scheler und Kant detailliert auf das Fallbeispiel angewendet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben Begriffen wie Soziale Arbeit und Altenarbeit stehen Begriffe wie ethisches Dilemma und Selbstbestimmung im Zentrum.
Wie wirkt sich die Medikation bei Herrn M. aus?
Die Medikation stoppt zwar die Weglauftendenz, führt aber zu Müdigkeit, Passivität, aggressivem Verhalten und einer Verschlechterung seines allgemeinen Gesundheitszustandes.
Warum ist Kants Ethik schwierig in der Altenpflege anzuwenden?
Kants kategorischer Imperativ ist auf universelle Regeln ausgelegt, was bei der Berücksichtigung individueller Bedürfnisse und Lebenslagen in der Altenpflege an Grenzen stößt.
Welche Rolle spielt die Angehörigenperspektive im Fall?
Die schwierige Situation der Ehefrau wird als ein Faktor in der Interessenabwägung und bei der Entscheidung für die stationäre Unterbringung thematisiert.
- Citar trabajo
- Daniel Arndt (Autor), 2013, Ethik in der Sozialen Arbeit mit Senioren, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376252