Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema der gemeinsamen Fiktionalisierung aus linguistischer Perspektive. Als Hauptgrundlage zur Bearbeitung der kommunikativen Gattung diente der Aufsatz „Gemeinsame Fiktionalisierungen: Gattungs- und performanzpragmatische Perspektiven“ von der Sprachwissenschaftlerin Helga Kotthoff. Es handelt sich um einen Aufsatz, der die gemeinsame Fiktionalisierung als Themenschwerpunkt aufweist. In Beibehaltung der Struktur des Aufsatzes, beginne ich mit der theoretischen Abhandlung, bevor ich danach im Detail auf zwei Beispiele des Aufsatzes eingehe.
Narrationen kommen häufig in Alltagsgesprächen vor, da sie dem Sprecher ermöglichen, Ereignisse aus der Vergangenheit wiederzugeben. Die Narration kann aber auch zur Fiktion übergehen, indem der Sprecher in narrative Sequenzen fiktionale Szenen einbaut. Diese theoretische Grundlage erklärt die Gegenüberstellung der Narration und Fiktion, die im Rahmen des Seminars geschah. Inhalte des Seminars waren beginnend mit der Narration und übergehend zu der Fiktionalisierung, unter anderem verschiedene Typen von Erzählungen, Aspekte der Performance, Übertragung der Mental Space Theory auf Gespräche, Redewiedergabe und animierte Rede, Polyphonie und Fiktionalisierung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gemeinsame Fiktionalisierungen
3. Interaktionsmodalität
4. Beispiele
5. Feststellung anhand der Beispiele
6. Performativität
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit untersucht das Phänomen der gemeinsamen Fiktionalisierung in Alltagsgesprächen, wobei der Fokus darauf liegt, wie Gesprächsteilnehmer ausgehend von konventionellen Erzählungen gemeinsam fiktive, oft humorvolle Szenen konstruieren und realitätsferne Welten erschaffen.
- Grundlagen der Narration und Fiktion im Gespräch
- Die Rolle der Interaktionsmodalität bei der Realitätsabkopplung
- Analyse performativer Sonderrahmen in alltäglichen Interaktionen
- Strukturelle Muster von gemeinsamen Fiktionalisierungen
- Der Spielcharakter (Game und Play) in der sozialen Interaktion
Auszug aus dem Buch
2. Gemeinsame Fiktionalisierungen
,,When a speaker fancifully leaves the realm of reality, another speaker often joins in to co-construct fictions or even top the absurdity” (Kotthoff 1999: 130).
Helga Kotthoff untersucht die gemeinsame Fiktionalisierung als mündliches Genre oder auch kommunikative Handlung. Nach ihr sind unter gemeinsamen Fiktionalisierungen fixierte kommunikative Muster zu verstehen, auf die Sprecher zur Lösung bestimmter Probleme zurückgreifen können. ,,Charakteristisch für dieses Genre ist die Hervorbringung einer gemeinsamen Phantasie, oft unter Beteiligung von mehreren Gesprächsteilnehmern mit kurzen Beiträgen, die in schrittweiser Ausgestaltung und Steigerung der Realitätsferne kohärente Szenen entwerfen.“ (Kotthoff 2008: 187).
Nach Kotthoff folgen gemeinsame Fiktionalisierungen eigenen Gattungsregeln. Anders als beim Witzerzählen, wo von Beginn an eine geschlossene Welt der Fiktion geboten wird, muss bei der besonderen Gesprächspraktik, der Fiktionalisierung, die Realitätsablösung schrittweise geschehen. Die schrittweise Herstellung einer gemeinsamen Fiktionalisierung ist in einer humorvollen bzw. spielerischen Interaktionsmodalität angesiedelt, die durch einen Modalitätswechsel vollzogen wird. Es findet eine spontane Inszenierung von Gesprächsteilnehmern statt, da die Gesprächsteilnehmer fiktive Rollen einnehmen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Seminarthema und Begründung der Themenwahl für die Hausarbeit unter Bezugnahme auf Helga Kotthoff.
2. Gemeinsame Fiktionalisierungen: Theoretische Erläuterung des Genres als fixiertes kommunikatives Muster und spielerische Interaktionsform.
3. Interaktionsmodalität: Darstellung des Begriffs nach Kallmeyer als Mittel zur Auflockerung und Steuerung des Realitätsbezugs im Gespräch.
4. Beispiele: Vorstellung von zwei konkreten Gesprächssequenzen zur Veranschaulichung der schrittweisen Realitätsentfernung.
5. Feststellung anhand der Beispiele: Analyse der Musterhaftigkeit und der gemeinsamen Dynamik bei der Entwicklung fiktionaler Szenen.
6. Performativität: Untersuchung der sprachlichen Stilmittel und der Etablierung eines inszenierten Theaterrahmens im Gespräch.
Schlüsselwörter
Gemeinsame Fiktionalisierung, Narration, Fiktion, Interaktionsmodalität, Gesprächsforschung, performativer Sonderrahmen, Spielcharakter, Musterhaftigkeit, Alltagskommunikation, humorvolle Interaktion, Realitätsabkopplung, animierte Rede, kommunikative Gattung, linguistische Analyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem sprachwissenschaftlichen Phänomen, dass Gesprächsteilnehmer gemeinsam fiktive Szenen innerhalb ihrer alltäglichen Kommunikation entwerfen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Gesprächsforschung, die Pragmatik von Humor, die Rolle von narrativen Strukturen und die performative Gestaltung von Interaktionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Prozess der gemeinsamen Fiktionalisierung anhand der theoretischen Grundlagen von Helga Kotthoff nachzuvollziehen und durch Beispielanalysen zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine qualitative Analyse von transkribierten Gesprächssequenzen durchgeführt, um kommunikative Muster und deren Entwicklung zu identifizieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Fiktionalisierung und Interaktionsmodalität sowie eine empirische Betrachtung zweier Gesprächsbeispiele.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Fiktionalisierung, Interaktionsmodalität, Performanz, Spielcharakter, Musterhaftigkeit und Gesprächsforschung.
Warum spielt der "Spielcharakter" eine so wichtige Rolle?
Der Spielcharakter erlaubt es den Teilnehmern, fiktive Rollen einzunehmen und Regeln zu folgen, ohne die Konsequenzen des Alltags tragen zu müssen, was die humorvolle Überbietung ermöglicht.
Welche Funktion haben die in der Arbeit erwähnten Elipsen?
Elipsen dienen im Schlagzeilenstil dazu, effizient und ohne Redundanzen zu kommunizieren, da die Beteiligten über ein gemeinsames Vorwissen verfügen.
Was besagt das Prinzip der "Musterhaftigkeit"?
Trotz der thematischen Vielfalt zeigt sich, dass Gespräche, die in Fiktionalisierungen münden, ähnlichen strukturellen Mustern folgen, die eine schrittweise Abkopplung von der Realität einleiten.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2013, Gemeinsame Fiktionalisierungen im Gespräch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376411