Dass Sprache sowohl Wissen als auch Ansichten, Meinungen, kurzum, Denkweisen zu transportieren im Stande ist, kann mittlerweile kaum mehr bestritten werden. Besonders in Zeiten, in denen, zumeist im politischen Kontext, eine Zunahme an sprachlicher Schärfe beobachtet werden kann, liefert der Denkstilansatz nach Fleck ein hilfreiches Instrumentarium, um sprachliche Handlungen mündlicher wie schriftlicher Art bezüglich ihrer übermittelten Denkweisen zu untersuchen und mögliche sprachliche Reaktionen auf Äußerungen innerhalb eines Diskurses besser zueinander in Verbindung setzen zu können.
Innerhalb dieser Präsentation soll zunächst ein Überblick über das Leben Ludwig Flecks geboten werden, daraufhin der Fleck'sche Denkstilansatz erörtert werden, um dann anschließend auf seine Bedeutung für die Diskurslinguistik eingehen zu können. An die theoretische Betrachtung schließt sich die Darstellung eines praktischen Beispiels einer Denkstilanalyse aus dem Flüchtlingsdiskurs an: Sahra Wagenknechts Äußerungen um die Verwirkung des Gastrechts. Die nachfolgende Debatte um die Existenz eines "Gastrechtes" überhaupt wird schlaglichtartig anhand von Reaktionen beleuchtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Vita und Bedeutung Ludwik Flecks
2. Entstehung und Entwicklung wissenschaftlicher Tatsachen
2.1 Wissenschaftskonzept nach Fleck
2.2 Denkkollektiv
2.3 Denkstil
3. Czachur: „Ludwik Flecks Denkstilansatz als Inspiration für die Diskurslinguistik“
4. Vom „Gastrecht“ und „Sahra Croft“ - Sahra Wagenknechts Äußerungen im Flüchtlingsdiskurs im Spiegel des Denkstil- und Denkkollektivansatzes
4.1 Die Äußerungen Sahra Wagenknechts im Flüchtlingsdiskurs
4.2 Reaktionen auf die Äußerungen Wagenknechts
4.3 Versuch einer Skizzierung der Denkkollektive und –stile
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Übertragbarkeit des erkenntnistheoretischen Denkstil- und Denkkollektivansatzes von Ludwik Fleck auf die moderne Diskurslinguistik. Ziel ist es, politische Debatten, insbesondere die Äußerungen von Sahra Wagenknecht im Kontext des Flüchtlingsdiskurses, als dynamische Prozesse der Wissenskonstitution und Bedeutungsaushandlung innerhalb spezifischer kollektiver Denkstrukturen zu analysieren.
- Erkenntnistheoretische Grundlagen nach Ludwik Fleck (Denkkollektiv und Denkstil).
- Die Rolle von Sprache als wirklichkeitskonstituierendes Instrument in Gemeinschaften.
- Analyse politischer Diskursereignisse unter Rückgriff auf flecksche Konzepte.
- Wechselwirkungen zwischen individuellem Handeln und kollektiver Wissensproduktion.
- Schnittmengen von Epistemologie und diskurslinguistischer Reflexion.
Auszug aus dem Buch
4.1 Die Äußerungen Sahra Wagenknechts im Flüchtlingsdiskurs
Auszug aus einem stern-Interview vom 06. Januar 2017
Sie haben Merkels Satz „Wir schaffen das“ als „leichtfertig“ bezeichnet und der Kanzlerin vorgeworfen, viele Flüchtlinge erst ins Land gelockt zu haben. Das ist populistisch.
Nein, das ist die Wahrheit. Natürlich waren die unkontrolliert offenen Grenzen damals ein Anreiz.
Nein, das ist infam.
Ich habe in Flüchtlingsheimen mit Syrern gesprochen, sie waren tief frustriert, weil sie nach Monaten immer noch dort saßen und teilweise noch nicht mal einen Deutschkurs machen konnten. Sie haben mich gefragt: Warum hat Frau Merkel uns eingeladen? Merkel hatte keinen Plan und kein Konzept, das war letztlich schlimmer als nur leichtfertig. Ihre Politik hat viel Unsicherheit und Ängste erzeugt und die AfD groß gemacht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vita und Bedeutung Ludwik Flecks: Dieses Kapitel skizziert das Leben und Wirken von Ludwik Fleck und ordnet seine wissenschaftshistorische Relevanz ein.
2. Entstehung und Entwicklung wissenschaftlicher Tatsachen: Hier werden die zentralen theoretischen Konzepte Flecks, insbesondere das Wissenschaftskonzept, das Denkkollektiv und der Denkstil, detailliert definiert und erläutert.
3. Czachur: „Ludwik Flecks Denkstilansatz als Inspiration für die Diskurslinguistik“: Dieses Kapitel widmet sich der theoretischen Verbindung zwischen Flecks Erkenntnistheorie und diskurslinguistischen Fragestellungen.
4. Vom „Gastrecht“ und „Sahra Croft“ - Sahra Wagenknechts Äußerungen im Flüchtlingsdiskurs im Spiegel des Denkstil- und Denkkollektivansatzes: Der praktische Teil der Arbeit analysiert politische Äußerungen von Sahra Wagenknecht als konkretes Fallbeispiel zur Anwendung der eingeführten Denkstil- und Kollektivkonzepte.
Schlüsselwörter
Ludwik Fleck, Denkstil, Denkkollektiv, Diskurslinguistik, Wissenskonstitution, Erkenntnistheorie, Sahra Wagenknecht, Flüchtlingsdiskurs, Wirklichkeitskonstruktion, Denkgemeinschaft, kollektives Wissen, Wissenschaftsphilosophie, Bedeutungsaushandlung, Diskursanalyse, Sozialkonstruktivismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit exploriert die Anwendung der erkenntnistheoretischen Konzepte von Ludwik Fleck auf diskurslinguistische Forschungsfragen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die Bedeutung von Denkkollektiven, Denkstilen und deren Einfluss auf die Konstitution von Wissen und Sprache innerhalb gesellschaftlicher Diskurse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, politische Debatten – exemplarisch am Flüchtlingsdiskurs – mittels Flecks Konzepten als dynamische, durch Kollektive geprägte Aushandlungsprozesse zu verstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine theoretische Herleitung der Konzepte Flecks, gefolgt von einer Anwendung auf aktuelle mediale Diskurse und politische Aussagen (Diskursanalyse).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Flecks Konzepte) und eine empirische Fallstudie zu Sahra Wagenknechts Äußerungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Denkkollektiv, Denkstil, Wissenskonstitution und Diskurslinguistik sind essenziell für die Arbeit.
Wie unterscheidet Fleck zwischen zufälligen und stabilen Denkkollektiven?
Zufällige Kollektive entstehen durch flüchtige Begegnungen, während stabile Kollektive durch zielgerichteten Austausch und einen etablierten, beharrenden Denkstil gekennzeichnet sind.
Was bedeutet die "Esoterik" und "Exoterik" in einem Denkkollektiv?
Der esoterische Kreis umfasst die eingeweihten Sachverständigen (Elite), während der exoterische Kreis die Masse darstellt, die keine direkte Beziehung zum Denkgebilde hat und auf Vermittlung angewiesen ist.
Warum wird Sahra Wagenknechts Äußerung zum „Gastrecht“ im Text analysiert?
Sie dient als exemplarisches Fallbeispiel für die diskursive Aushandlung von Begriffen und Werten innerhalb verschiedener gesellschaftlicher Denkkollektive.
- Citation du texte
- Florian Leiffheidt (Auteur), 2017, Denkstil und Diskurs. Ludwik Flecks "Entdeckung und Entstehung einer wissenschaftlichen Tatsache" und deren Bedeutung für die Diskurslinguistik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376443