Linguistische Analyse der Namen von Fußballklubs in Deutschland und Frankreich


Bachelorarbeit, 2017
55 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

2
Inhalt
1.
A
BBILDUNGSVERZEICHNIS
... 3
2.
A
BSTRACT
... 4
3.
E
INLEITUNG
... 5
4.
E
NTSTEHUNGSGESCHICHTE DES PROFESSIONELLEN
F
UßBALLS
... 8
4.1. Deutschland
... 9
4.2. Frankreich
... 10
5.
F
UßBALLVEREINE ALS
W
IRTSCHAFTSUNTERNEHMEN
... 12
5.1. Fußballklubnamen als Marken
... 12
5.2. Bedeutung des Fußballklubnamens für den Markennamen
... 13
5.3. Konzeption einer Marke rund um den Klubnamen
... 13
6.
F
ORSCHUNGSÜBERBLICK
... 15
6.1. Stellmacher (2009)
... 16
6.2. Hesse-Lichtenberger (2003)
... 17
6.3. Coates (2008)
... 17
6.4. Alexa (2009)
... 18
7.
K
ORPUSANALYSE
... 18
7.1. Korpuskompilation: Auswahlkriterien und Vorgehensweise
... 19
7.2. Unterschiede und Modi der ausgewählten Ligen
... 19
7.3. Analysemethode und Analysekriterien
... 21
7.4. Forschungsfragen
... 23
7.5. Analyse und Ergebnisse
... 24
7.5.1.
Makrostrukturelle Analyse
... 25
7.5.2.
Morphologische Analyse
... 33
7.5.3.
Funktionale Klassifikation
... 35
7.5.4.
Semantische Klassifikation
... 36
7.6. Problematiken der Korpusanalyse
... 40
8.
S
YSTEMATISIERUNG DER
E
RGEBNISSE DER
A
NALYSE
... 41
9.
B
IBLIOGRAPHIE
... 47
Sekundärliteratur
... 47
10.
A
NHANG
... 50

3
1.
A
BBILDUNGSVERZEICHNIS
Abbildung 1: Verteilung Gründungsjahre
... 25
Abbildung 2: Anzahl der Bausteine im öffentlich kommunizierten Namen
... 29
Abbildung 3: Anzahl der Bausteine im offiziellen Vereinsnamen
... 30
Abbildung 4: Vergleich offizieller Name / kommunizierter Name in Deutschland
... 32
Abbildung 5: Vergleich offizieller Name / kommunizierter Name in Frankreich
... 33
Abbildung 6: Morphologie der Beinamen der offiziellen Vereinsnamen
... 34
Abbildung 7: Verteilung Fremdsprachlicher Beiname
... 35
Abbildung 8: Verteilung der Funktionen der Beinamen
... 37
Abbildung 9: Verteilung der Wortfelder der Beinamen
... 38
Abbildung 10: Verteilung Benennungsmotive der Beinamen
... 40

4
2.
A
BSTRACT
Cette dissertation a pour objet les noms des clubs de football en France et en Alle-
magne. Le but est de comparer les noms de ceux-ci entre les deux pays et de plus
d'analyser les différences d'une façon intralinguistique. Dans une première partie,
nous étudions l'histoire du football suivie par la structure des associations. De plus,
nous faisons connaissance avec les stratégies économiques de créer une marque à
partir du nom de l'association. Pour l'analyse des noms, on se base sur les critères de
Platen autour des noms de marques et de Stellmacher pour la définition de la cons-
truction d'un nom d'une association. Cette dissertation conclut qu'il existe une in-
fluence anglaise sur les noms des associations de football. Les noms reflètent leur
origin et leur environnement en créant une atmosphère d'identification avec
l'association de chaque région. Entre les deux pays, il se trouve vastes différences.
Tandis que les associations allemandes portent les dates de fondations dans leurs
noms, les noms français sont caractérisés par plus de références régionales.

5
3.
E
INLEITUNG
Der Fußball ist die populärste Mannschaftssportart Europas und der Welt (vgl. Burk-
hardt 2015: 93). Unzählige Millionen Zuschauer kommen jährlich in die Stadien,
verfolgen Übertragungen der Spiele im Fernsehen, Radio oder Internet, lesen Nach-
richten und Artikel in verschiedenen Zeitungen und Fachmagazinen, besprechen die
Ereignisse mit Familie, Freunden, Bekannten und kommunizieren miteinander im
Internet. Doch nicht nur der passive Fußballkonsum ist riesig. Fußball zählt zu den
beliebtesten Vereinssportarten in Europa. Der Fußball verbindet Menschen aus ver-
schiedenen Kulturen, Ländern, Religionen, sozialen Schichten und unterschiedlichen
Alters (vgl. Burkhardt 2015: 98ff.). Der Fußball überwindet Grenzen ­ und das nicht
erst seit dem ,,Sommermärchen 2006", der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland.
Egal ob im Amateursport oder in den Profiligen, die mediale Präsenz des Fußballs in
Deutschland und Frankreich ist enorm. Dabei darf in jeglicher Form der Kommuni-
kation ein Begriff nie fehlen: der Vereinsname. Wer über Fußballergebnisse auf re-
gionaler und nationaler Ebene spricht, kommt in der Kommunikation nicht ohne die
Vereinsnamen aus. Spieler, Fans oder Einwohner von Städten identifizieren sich mit
ihrem Klub. Der Vereinsname spielt dabei eine zentrale Rolle.
In Europa gilt England als das Herkunftsland des Fußballs (vgl. Burkhardt 2008: 71).
Das lässt sich historisch belegen. Zusammen mit englischen Schiffsarbeitern kam das
Spiel mit dem runden Leder auf das europäische Festland. Zunächst nur innerhalb
der englischen Gemeinschaft gespielt, entwickelte es rasch seinen Siegeszug auch
unter den Einheimischen. In Deutschland und Frankreich entstanden die jeweiligen
Fußballverbände, die nach und nach wuchsen und ein Ligensystem mit professionel-
len Vereinsstrukturen bildeten. Heute sind Profiklubs wahrhaftige Sportunternehmen,
die neben dem sportlichen auch immer den wirtschaftlichen Erfolg im Auge haben
(vgl. Brückner 2002: 23).
Aufgrund dieser historischen Strukturen ­ von Arbeitervereinen, über Hobbymann-
schaften, hin in die Professionalisierung ­ erscheint die Entwicklung der Fußballver-
eine und besonders deren Namen als erforschenswert. Immerhin existieren viele Ver-
eine bereits seit der Zeit vor 1900 und haben fast alle Stufen der Entwicklung durch-
laufen. Ziel dieser Arbeit ist, die interkulturelle Namensforschung, die Onomastik,
von Vereinsnamen in Deutschland und Frankreich. Dabei sollen sowohl interkultu-
relle Unterschiede herausgearbeitet werden gleichwohl aber auch auf innersprachli-

6
che Differenzen zwischen offiziellen Namen und Namen, wie sie in der öffentlichen
Kommunikation verwendet werden, herausgearbeitet werden. Vor allem letzteres
scheint vor dem Hintergrund interessant, da Fußballunternehmen immer stärker da-
ran interessiert sind, die eigene Vermarktung voranzutreiben. Fußballvereinsnamen
gelten als Marken und dabei sind Markenführung ebenso wie Markenpositionierung
des Vereinsnamens schon lange gang und gäbe (vgl. Frank 2009: 23).
Jene Entwicklungen sollen anhand sprachwissenschaftlicher Analysen überprüft
werden. Da die Domäne der Vereinsnamenforschung ein bisher wenig beachtetes
wissenschaftliches Feld darstellt, möchte ich an dieser Stelle den Versuch wagen,
einen neuen Terminus für dieses Forschungsgebiet zu erschaffen. Ausgehend vom
Begriff der Onomastik, der Namensforschung, was aus dem griechischen onomastiké
für Namenwissenschaft, beziehungsweise ónoma für Name (vgl. Lexikon der
Sprachwissenschaft 2008: 462f./Langenscheidt 2014: Namenwissenschaft/Name)
1
Ein weiterer relevanter Punkt der syllogonomastischen Untersuchung von Deutsch-
land und Frankreich stellt die Tatsache dar, dass anders als in Deutschland, in Frank-
reich der Fußball nicht der alleinige Sport Nummer eins ist. In Frankreich erfreut
sich das Rugby ebenfalls großer Bedeutung (vgl. Souveton-Reichel/Brenner 2016:
32f.). Darüber hinaus scheint die durchzuführende Analyse relevant, da derartige
Arbeiten rar sind. Bisher wurden unter den hier vorgenommen Kriterien lediglich
englischsprachige Vereinsnamen analysiert. Dass Frankreich und Deutschland histo-
risch verschiedenste Beziehungen vor allem in den Grenzgebieten pflegen, sorgt für
weitere interessante Ansätze.
abgeleitet ist, soll nun ein Terminus für Vereinsnamenforschung entstehen. Wir stel-
len fest, dass es für den Begriff Verein im griechischen Sprachgebrauch zwei Termi-
ni gibt: leschi und syllogos (Langenscheidt 2014: Verein). Wählen wir nun aufgrund
der genaueren Bedeutung und des besseren Klanges in der deutschen Sprache den
Terminus syllogos. Aus syllogo(s) und Onomastik entsteht der Begriff
Syllogonomastik für den Forschungsbereich der Vereinsnamenforschung. Wohl wis-
send, dass die Bildung nicht den Regeln der griechischen Grammatik entspricht,
scheint der Terminus durchaus das Potential zu besitzen, als Fachterminus in der
deutschen Sprachwissenschaft Anwendung zu finden.
1
Der Begriff Onomastik bezieht sich auf das altgriechische: also onomastiké für Namen-
wissenschaft ebenso wie auf also ónoma für Name (Langenscheidt 2014: Namenwissen-
schaft/Name).

7
Im Fokus soll deshalb vor allem die Frage nach länderspezifischen Unterschieden auf
Ebene der Makrostruktur, der Morphologie, der funktionalen Ebene und der Seman-
tik liegen. Darüber hinaus soll herausgestellt werden, ob die britischen Wurzeln in
einem der beiden Länder mehr oder weniger Einfluss auf die Vereinsnamen haben.
Abschließend soll die Rolle des Vereinsnamens als Marke berücksichtigt werden und
geklärt werden, welche Prozesse im Sinne von Weglassungen oder Kürzungen im
Unterschied zwischen offiziellen Vereinsnamen und öffentlich kommunizierten Na-
men vorkommen.
Um auf diese Analysen vorzubereiten, wird in dieser Arbeit zuerst der Entstehungs-
kontext des professionellen Fußballs aufgezeigt und die Situation in beiden Ländern
geschildert. Es folgen einige Forschungsergebnisse rund um moderne Fußballunter-
nehmen und den Vereinsnamen als Markennamen. Im anschließenden Forschungs-
überblick soll auf das recht unerforschte Gebiet der Syllogonomastik eingegangen
werden. Darauf folgt eine Präsentation der der Analyse zugrunde gelegten Methoden;
hierbei wird vor allem auf Methoden der Produktnamenforschung von Platen zu-
rückgegriffen, ebenso wie auf die von Dieter Stellmacher geprägten Differenzie-
rungskriterien. Die Nutzung der Termini von Platen scheint dabei angemessen, da
Markenassoziationen und -identifikation einflussreiche Faktoren zur Bindung der
Kunden ­ im hier vorliegenden Fall der Bimdung von Fans ­ zur
Eigenidentitätsstiftung und Erhöhung des Zugehörigkeitsgefühls beitragen (vgl.
Schilhaneck 2008: 111). Wichtige Elemente zur Gestaltung der Markenassoziationen
sind Vereinsname, -farben und -logo (vgl. Frank 2009: 151), denn Fußballvereine
kommunizieren sich vor allem durch Symbole. Hierzu zählen auch Lieder, Maskott-
chen oder Spitznamen (vgl. Teichmann 2007: 37). Demnach sind die Vereinsnamen
für Profifußballklubs von wirtschaftlicher Bedeutung. Im Rahmen der folgenden
Korpusanalyse wird zunächst auf die Auswahlkriterien und Vorgehensweise der
Korpuskompilation eingegangen sowie die Fragestellungen der Analyse vorgestellt.
Den Hauptteil dieser Arbeit bildet die Analyse
der offiziellen und öffentlich kommu-
nizierten Vereinsnamen von deutschen und französischen Fußballklubs, die in dem
beiliegenden Korpus erfasst sind. Die Analyse wird unterteilt in morphologische,
semantische, funktionale und makrostrukturelle Aspekte. Gründe für etwaige Unter-
schiede oder Gemeinsamkeiten, die außerhalb der linguistischen Analyse des Korpus
liegen, werden nicht aufgeführt. Einerseits erscheinen rein spekulative Aussagen

8
unangebracht. Andererseits würde dies unter Umständen ein eingehendes Studium
der länderspezifischen Fußballgeschichte und -kultur erfordern, das den Umfang
dieser Arbeit übersteigen würde. Ebenso werden die Problematiken der Analyse her-
ausgearbeitet. In Abschnitt
8
werden letztendlich die Ergebnisse zusammengefasst
und bezüglich der Forschungsfragen rekapituliert.
4.
E
NTSTEHUNGSGESCHICHTE DES PROFESSIONELLEN
F
UßBALLS
Fußball ­ ein Spiel, das seit Jahrhunderten die Menschen anzieht und begeistert.
Kaum ein Volk oder eine Kultur dieser Welt kennt das Spiel mit dem runden Ball
nicht. Bereits die Mayas sollen vor mehr als 1000 Jahren eine Art des Fußballspiels
praktiziert haben (vgl. König 2002: 8). Doch nicht ohne Grund wird England als
Herkunftsland des Fußballs bezeichnet. Dort finden sich bereits aus dem 11. Jahr-
hundert Überlieferungen, im Jahr 1314 verbot Londons Bürgermeister gar das Spiel,
nachdem es zu Aufruhr in der Stadt gekommen sein soll (vgl. ebd.). Das war nicht
verwunderlich, so war der Fußball in seinen Anfängen ein sehr wildes Spiel, das be-
vorzugt von Bauern und Gesellen gespielt wurde. Teils größere Verletzungen man-
gels ordentlicher Spielplätze, Regeln und Ausrüstung blieben dabei nicht aus. Doch
bereits zu dieser Zeit übte der ,,Derbycharakter der Begegnungen" (König 2002: 8)
seinen besonderen Reiz aus. Die Spieler und Zuschauer identifizierten sich stark mit
ihrer Mannschaft.
Während der Fußball zwischenzeitlich einige Durststrecken durchlief, stieg seine
Popularität im 19. Jahrhundert wieder. Waren es früher hauptsächlich untere Bil-
dungsschichten, fand das Ballspiel im neuen Jahrhundert Einzug in obere Gesell-
schaftsschichten (vgl. König 2002: 8). Die ersten Public Schools nahmen die Sportart
auf und entwickelten eigene Regelwerke. Um eine strikte Trennung zum ebenfalls
populären Rugby zu schaffen, wurde 1863 in London die Football Association (FA)
gegründet (vgl. König 2002: 9). Das dabei verabschiedete Regelwerk war das erste
einheitliche seiner Art und wird bis heute in Grundzügen zugrunde gelegt. Damit
verbunden war schließlich auch die Institutionalisierung und Verbreitung des Fuß-
ballspiels über die Grenzen des britischen Mutterlandes hinaus. Fußball wurde zum
Arbeitersport Nummer eins (vgl. Friedmann 2014: 7). Die Zuschauerzahlen stiegen
ebenfalls rasant an. Waren es 1872 noch 2.000 Zuschauer beim Finale des FA-Cups
2
2
Der FA-Cup gilt als der traditionsreichste und älteste Fußballpokal der Welt (vgl. König 2002: 9).
,
sahen bereits 1901 111.000 Zuschauer das gleiche Finale im Stadion von Crystal

9
Palace (vgl. König 2002: 9). Doch der Fußball war zu dieser Zeit bereits schon lange
kein rein englisches Phänomen mehr. Ende des 19. Jahrhunderts gründen britische
Migranten zahlreiche Fußballklubs auf dem europäischen Festland, weshalb der mo-
derne Vereinsfußball als Importprodukt gelten kann (vgl. Eisenberg 2006: 14f.). Das
Spiel entwickelte sich zum Massensport in Europa (vgl. Eisenberg 2006: 16) und
erfreut sich heutzutage sogar globaler Beliebtheit, sowohl als Zuschauersport als
auch als aktiv betriebene Sportart (vgl. ebd.: 14). Gemäß einer Datenerhebung des
Fußballweltverbandes FIFA spielten 2006 circa 4% der Weltbevölkerung aktiv Fuß-
ball in einem der 207 Mitgliedsverbände ­ in Europa sogar 7,3% der Bevölkerung
(vgl. FIFA Magazin Juli 2007: 10ff.). Es ist anzunehmen, dass die Zahlen ­ rechnet
man Hobbyspieler und Zuschauer mit ein ­ um ein vielfaches höher sind, was die
Relevanz des Themas unterstreicht.
4.1.
Deutschland
In Deutschland setzte die Verbreitung und Popularität deutlich später und vor allem
langsamer ein. Zunächst galt der Fußball als reines ,,Schulspiel" (Schilhaneck 2009:
3). Ein erster über den Schulsport hinausreichender Fußballverein wurde 1880 in
Bremen gegründet: der Bremer Fußball-Club (vgl. Schilhaneck 2009: 3). Nachdem
das einst nur von Schülern sowie englischen Kaufleuten und Studenten gespielte
Spiel stetig an Popularität gewann und eine wahrhaftige ,,Gründungswelle"
(Schilhaneck 2009: 4) von Vereinen zu beobachten war, wurde im Jahr 1900 der
Deutsche Fußball Bund (DFB) gegründet (vgl. König 2002: 9/Rötzer 2015: 33). Be-
reits vor der Gründung des DFB waren in Deutschland über 80 Fußballvereine in
acht regional verwurzelten Verbänden organisiert (vgl. Schilhaneck 2009: 3f.). 1902
startete der DFB einen offiziellen Fußballmeisterschaftswettbewerb. Dass dem deut-
schen Fußball eine große Entwicklung bevorstand, war im Jahr 1903, als lediglich
1.500 Zuschauer das Pokal-Endspiel verfolgten, noch nicht abzusehen (vgl. Becker
2009: 27). Erst 1922, im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft, wurden 58.000
Zuschauer gezählt. Bereits Ende der 20er-Jahre fanden sich in ganz Deutschland 129
Stadien, Tendenz steigend (vgl. König 2002: 9).
1932 war ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung erreicht: Der DFB zählte über
eine Millionen Mitglieder und 8.600 registrierte Vereine (vgl. Schilhaneck 2009: 13).
Der Fußball in Deutschland war nun eindeutig Massensport.

10
4.2.
Frankreich
Nach dem Niedergang des zweiten Kaiserreichs in Frankreich nach 1870 und dem
1871 verlorenen Krieg gegen Preußen, hatten die Menschen in Frankreich wenig mit
Sport zu tun. Das ging nicht nur dem Fußball so; die Gesamtheit an sportlichen Akti-
vitäten, die keine Verbindung zum Militär oder zur Gymnastik hatten, erfreuten sich
keiner besonderen Beliebtheit. Der Fußball war bis dato als Sport auf der englischen
Insel bekannt, hatte in Frankreich aber noch keinerlei Popularität (vgl. Delau-
nay/Vermand 1986: 11f.). Wie auch in Deutschland wurde der Fußball zunächst nur
in den Gebieten Frankreichs gespielt, wo sich vermehrt englischstämmige Menschen
aufhielten. Dies war allen voran in den Handelshäfen, wie zum Beispiel in Le
Harvre, der Fall. Der nach Meinung von Delaunay und Vermand erste Fußballklub
Frankreichs siedelte sich daher 1872 auch in Le Harvre an. Es war der Havre Athletic
Club
3
Obwohl der erste Schritt getan war, blieb es jahrelang beim Mischspiel unter den
englischen Arbeitern. Nur langsam schlossen sich auch französische Spieler an. Die
Mannschaft des Havre AC trug in der Anfangszeit vor allem Spiele gegen kleine
Mannschaften aus der direkten Umgebung aus, aber auch einige Spiele gegen Mann-
schaften aus dem englischen Southampton.
, dessen Präsident ein erfolgreicher Unternehmer im Transportwesen war (vgl.
Delaunay/Vermand 1986: 12f.). Allerdings existieren über die Gründung des Vereins
beziehungsweise über die erst später explizit übermittelte Ausübung der Fußballspie-
le keine ausreichenden Quellen. Unterstützt wird dies dadurch, dass 1884 24 Mit-
glieder des Havre AC beschlossen, die bisher unpräzisen Spielregeln auf Vorder-
mann zu bringen. Heraus kam eine ,,combination" (Delaunay/Vermand 1986: 13) aus
Rugby und Football. Strenggenommen war der Havre AC in dieser Zeit also ein Ver-
ein, der ein Mischspiel aus Rugby und Football praktizierte, und damit nicht der erste
klassische Fußballklub des Landes war. Er gehört zweifelsohne aber zu den Urge-
steinen des französischen Fußballs.
Wie viele andere Sportarten gewann auch der Fußball im Havre AC ab 1892 und im
ganzen Land immer mehr an Bedeutung. Inzwischen spielten auch in Paris lebende
Engländer Fußball. Der erste Fußballklub in Paris wurde 1887 gegründet. Er war von
Engländern dominiert und trug den Namen Paris Association Football Club. Histori-
3
Dieser Verein existiert bis heute und spielte zum Entstehungszeitpunkt dieser Arbeit in der zweiten
französischen Liga. Dementsprechend ist er Teil des Untersuchungskorpus.

11
ker gehen davon aus, dass es sich um den ersten Fußballklub in der französischen
Hauptstadt handelte, allerdings verschwand er wenige Jahre später wieder (vgl. De-
launay/Vermand 1986:14). 1882 folgte der Racing Club
4
Das erste offizielle Spiel, das sich belegen lässt, soll am 11. März 1890 auf der
pelouse de Madrid zwischen dem International Athletic Club und der Mannschaft
der Association athlétique Monge stattgefunden haben (vgl. Delaunay/Vermand
1986: 15). Doch selbst als in England bereits seit längerem offizielle Regeln für das
Fußballspiel festgelegt waren, weigerten sich die französischen Mannschaften von
ihrem Mix aus Rugby und Football abzukehren. Sie fürchteten eine Professionalisie-
rung des Spiels sowie den Verlust des amateurhaften Charmes.
de France und 1883 Le
Stade français. Beide Vereine sind heute jedoch vor allem für andere Sportarten be-
kannt.
Der erste Verein in Frankreich, der den echten Fußball nach englischem Vorbild
praktizierte, war schließlich der Standard Athletic Club, der 1889 ausschließlich von
Engländern gegründet wurde (vgl. ebd.). Weil französische Studenten der Meinung
waren, der Fußball dürfe kein Spiel nur für Engländer bleiben, gründeten sie einen
eigenen französischen Verein im Bois de Boulogne. Eine erste verbandsähnliche
Vereinigung wurde schließlich 1894 gegründet (vgl. Becker 2009: 62). Sie bestand
aus vier Vereinsvertretern. Bereits im selben Jahr organisierte die Vereinigung eine
erste Liga, die allerdings mehr einem Pokalwettbewerb glich (Delaunay/Vermand
1986: 19f.).
1904 nahmen bereits 13 Mannschaften am französischen Ligenwettbewerb teil (vgl.
Delaunay/Vermand 1986: 34). 1919 wurde schließlich Le Football association
Frankreichs gegründet (vgl ebd. 84). Die Weltmeisterschaft 1930 in Montevideo
stellt für den Fußball in Frankreich einen weiteren großen Schritt dar. Die Fußballbe-
geisterung nahm im Anschluss an diese Veranstaltung noch größere Formen an, so-
dass folglich das Zeitalter des professionellen Fußballs in Frankreich erste Züge an-
nahm. Besonders ab den 20er-Jahren galt Frankreich als Land der ausländischen
Fußballspieler. Der größte Anteil an ausländischen Spielern kam aus Großbritannien,
gefolgt von Österreich (vgl. Becker 2009: 62). Unterbrochen durch den zweiten
Weltkrieg, wurde der Weg in die Welt der Professionalisierung des Fußballs ab 1945
4
Racing Club de France gilt als der ältestes europäische Mehrsportartenverein (vgl. New York Times.
(1908)).

12
weiter fortgesetzt. In der Saison 1945/1946 war es schließlich so weit: Die erste Liga
bestand aus 18 Vereinen, die sich mit ihrer Platzierung von vor dem Krieg für diese
Liga qualifizierten. So gingen FC Sète, Olympique Marseille, RC Paris, AS Saint-
Étienne, Lille OSC, FC Sochaux, RC Lens, FC Metz, RC Strasbourg, Havre AC,
AS Cannes, CO Roubaix-Tourcoing, FC Rouen, Red Star, Stade rennais, Olympique
Lyon, Girodins Bordeaux und Stade de Reims
5
5.
F
UßBALLVEREINE ALS
W
IRTSCHAFTSUNTERNEHMEN
in die erste französische Profisaison
(vgl. Delaunay/Vermand 1986: 175). In dieser Zeit war Frankreich ­ zusammen mit
Italien ­ das Land mit den meisten ausländischen Spielern (vgl. Becker 2009: 63).
5.1.
Fußballklubnamen als Marken
In der hier vorliegenden Arbeit wird davon ausgegangen, dass der Name der jeweili-
gen Fußballklubs als zentraler Bestandteil zur Konstituierung der Marke herangezo-
gen wird. Frank Alexa spricht in diesem Zusammenhang von einer ,,Vereinsmarke"
(Alexa 2009: 31), die sich eindeutig durch die Komponente Verein kennzeichnet
(vgl. ebd.). Es wird deutlich, dass in Bezug auf Fußballvereine davon auszugehen ist,
dass die Marke des jeweiligen Vereins durch das Produkt Fußball und mögliche Zu-
satzleistungen des Vereins geprägt wird (vgl. Alexa 2009: 32). Die Markensymbolik,
so Alexa, ,,wird durch das Vereinslogo und die Vereinsfarben gebildet" (Alexa 2009:
32). Im Rahmen dieser Arbeit soll diese Aussage um die Dimension des Vereinsna-
mens erweitert werden. In der Praxis lassen sich Vereinsmarken nämlich nicht zu-
letzt durch geographische Gegebenheiten, Preis und Ursprung unterscheiden, son-
dern auch ­ wie bereits vermutet ­ über den Vereinsnamen (vgl. Alexa 2009: 33).
Dass die Markenpositionierung die große Herausforderung der Fußballklubs in der
heutigen Zeit darstellt, betonte bereits 2009 der damalige Vorstandsvorsitzende des
Hamburger Sportvereins, Bernd Hoffmann. Laut Hoffmann gehöre die Positionie-
rung und Markenführung in den nächsten Jahren ,,zu den wichtigsten Aufgaben von
Vereinsführung im Fußball" (Hoffmann 2001: 344).
5
Mit Olympique Marseille, AS Saint-Etienne, Lille OSC, FC Sochaux, RC Lens, FC Metz, RC Stras-
bourg, Havre AC, FC Rouen, Red Star, Stade rennais, Olympique Lyon, Girondins Bordeaux und
Stade de Reims sind 14 der 18 Gründungsmitglieder im
Untersuchungskorpus vorhanden. Der RC
Paris verfügt über keine Fußballabteilung mehr, der AS Cannes spielt zwar in der Liga National, hat
es aber aufgrund seiner Platzierung nichts in das Korpus geschafft. Der CO Roubaix-Tourcoing ver-
schwand 1970 von der sportlichen Bildfläche.
Ende der Leseprobe aus 55 Seiten

Details

Titel
Linguistische Analyse der Namen von Fußballklubs in Deutschland und Frankreich
Hochschule
Universität Mannheim  (Romanisches Seminar)
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
55
Katalognummer
V376478
ISBN (eBook)
9783668535886
ISBN (Buch)
9783668535893
Dateigröße
962 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Onomastik, Namensforschung, Linguistik, Sprachwissenschaft, Fußball, Fußballclubs, Fußballklubs, Vereinsnamen, Namenforschung
Arbeit zitieren
Nils Fabisch (Autor), 2017, Linguistische Analyse der Namen von Fußballklubs in Deutschland und Frankreich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376478

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