Kommunikation und (Laut-)Sprache haben in unserer Gesellschaft eine wichtige Bedeutung. Doch Kinder haben auch schon etwas zu "sagen", wenn sie noch nicht sprechen - erst recht Kinder mit Down Syndrom, die oft deutlich später sprechen lernen und damit noch länger warten müssen, bis sie sich lautsprachlich äußern können. diese Arbeit setzt sich zum Ziel herauszufinden, ob und wie Gebärden die Kommunikation in dieser Phase erleichtern
Auf einen Vergleich der Sprachentwicklung bei Kindern mit und ohne Down-Syndrom und einen Überblick über die verschiedenen, häufig genutzten Gebärdensysteme folgen Argumente für und gegen die Nutzung von Gebärden in der Kommunikationsförderung. Für die praktische Umsetzung werden Hinweise zum methodischen Vorgehen in der Arbeit mit Gebärden und wichtige Aspekte zur Kooperation zwischen Kind, Eltern und Fachpersonal genannt. Den Abschluss bilden Überlegungen dazu, warum eine gelingende Kommunikation ein entscheidender Faktor für Selbstbestimmung und Teilhabe ist.
Durch Gebärden können Kinder zeigen, was sie wissen und können. Eine dadurch geänderte Erwartungshaltung dem Kind und seinen Fähigkeiten gegenüber kann weiteres ungeahntes Potential freisetzen. Durch eine offene, interessierte Haltung kann ein echter Dialog entstehen, der z.B. auch Provokationen als Äußerungen ernst nimmt. Kinder gewinnen dadurch an Kommunikationsfähigkeit und Selbstbewusstsein. Beides ist wichtig auf dem Weg zu mehr Selbstbestimmung und Teilhabe.
Das darf jedoch nicht dazu führen, dass Hilfe-Leistungen in Form von Finanzmitteln und Personal gestrichen werden, um Kosten zu sparen. Selbstbestimmung bedeutet nicht, dass keine Hilfe mehr notwendig ist, sondern dass die Art der Hilfe von den assistenzbedürftigen Menschen mitbestimmt wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kindliche Sprachentwicklung und Sprachförderung
2.1 Sprachentwicklung
2.1.1 Früher Dialog, Turn-taking und „Lallphase“
2.1.2 Triangulieren und Beginn der Wortschatzentwicklung
2.1.3 Von Proto-Wörtern zur „Wortexplosion“
2.1.4 Funktions- und Symbolspiel
2.1.5 Mehr-Wort-Äußerungen
2.2 Zusätzliche anatomische und medizinische Aspekte
2.3 Zusammenhang von Sprache und Kognition
2.4 Sprachförderung
3. Kommunikationsförderung durch Gebärden
3.1 Gebärdensysteme im Vergleich
3.2 Argumente für und gegen Gebärden
3.2.1 Sprachanbahnende Wirkung und sprachliche Gesamtentwicklung
3.2.2 Entwicklung eines Symbolsystems
3.2.3 Freude und Frust in Bezug auf Kommunikation
3.2.4 Verständnisprobleme
3.2.5 Ressourcen-Orientierung
3.2.6 Einfluss auf die sonstige Entwicklung
3.2.7 Motorik
3.2.8 Alltagstauglichkeit und Kosten
3.2.9 Soziale Anerkennung
3.3 Methodisches Vorgehen in der Arbeit mit Gebärden
3.3.1 Zeitpunkt ihrer Einführung
3.3.2 Auswahl der Gebärden
3.3.3 Rahmenbedingungen für die Arbeit mit Gebärden
3.3.4 Ganzheitlichkeit und Alltagsbezogenheit
3.3.5 Über- und Unterforderung vermeiden
3.3.6 Konkrete Praxisideen
3.4 Kooperation zwischen Kind, Eltern und Fachpersonal
3.4.1 Die Lebenssituation der Familie
3.4.2 Die Arbeitssituation des Fachpersonals
3.4.3 Mögliche Chancen und Schwierigkeiten der Kooperation
4. Kommunikation als entscheidender Faktor für Selbstbestimmung und Teilhabe
4.1 Kommunikation und Selbstbestimmung
4.2 Kommunikation und Teilhabe
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit gebärden-unterstützte Kommunikation bei Kindern mit Down-Syndrom die Sprachentwicklung fördern und die Selbstbestimmung sowie Teilhabe im Alltag stärken kann.
- Allgemeine kindliche Sprachentwicklung bei Down-Syndrom
- Methoden der Kommunikationsförderung durch Gebärdensysteme
- Herausforderungen in der Kooperation zwischen Eltern und Fachpersonal
- Bedeutung gelingender Kommunikation für Selbstbestimmung und Teilhabe
Auszug aus dem Buch
3.1 Gebärdensysteme im Vergleich
Die meisten Menschen denken an die Deutsche Gebärdensprache (DGS), wenn sie von Gebärden hören. Sie ist eine eigenständige Sprache, mit der sich vor allem Gehörlose verständigen. Es gibt Landessprachen und Dialekte, man kann jeden erdenklichen Sachverhalt mit ihr ausdrücken, Grammatik und Syntax weichen von der Lautsprache ab. Sie für den Zweck der Sprachförderung von Kindern mit DS zu erlernen, ist daher weder nötig noch sinnvoll. Wichtig ist sie aber insofern, da einzelne Systeme Gebärden aus der DGS entnommen haben. 1977 erschien das „Gebärdenlexikon“ und bot erstmals ein Nachschlagewerk für deutsche Gebärden.
In Anlehnung an diese oder unabhängig davon entwickelten sich in Einrichtungen für Menschen mit geistiger Behinderung Gebärdensysteme. Dem Nachteil dieser unterschiedlichen Systeme, z.B. bei einem Umzug einer Person in eine andere Einrichtung, wurde durch die Gebärdensammlung „Schau doch meine Hände an“ 1999 Abhilfe geschaffen. Sie wurde durch eine Expertenkommission zusammengestellt, die die Sammlungen verglich, und sich auf ca. 600 Gebärden festlegte, die später durch religiöse Gebärden erweitert wurden (vgl. Braun 2003, 7). Das Gebärdenlexikon und das Makaton-Material, das im Folgenden noch erklärt wird, wurden mitberücksichtigt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Schwierigkeiten von Kindern mit Down-Syndrom in der lautsprachlichen Kommunikation und begründet die Motivation, den Einsatz von Gebärden theoretisch und praktisch zu erforschen.
2. Kindliche Sprachentwicklung und Sprachförderung: Dieses Kapitel beschreibt die Etappen der Sprachentwicklung bei Kindern mit Down-Syndrom, analysiert anatomische sowie kognitive Besonderheiten und ordnet verschiedene Ansätze der Sprachförderung ein.
3. Kommunikationsförderung durch Gebärden: Hier werden gängige Gebärdensysteme verglichen, Argumente für den Einsatz analysiert, methodische Vorgehensweisen für die Praxis erläutert und die notwendige Kooperation zwischen allen Beteiligten beleuchtet.
4. Kommunikation als entscheidender Faktor für Selbstbestimmung und Teilhabe: Das Kapitel verknüpft die kommunikativen Fähigkeiten mit dem Menschenrecht auf Teilhabe und Selbstbestimmung und illustriert, warum gelingende Kommunikation eine zentrale Voraussetzung für ein selbstständiges Leben ist.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Gebärden eine bereichernde Ergänzung darstellen, um Kommunikationslücken zu schließen und Kinder zu mehr Selbstbestimmung und Teilhabe zu befähigen, ohne dabei durch Förderdruck das kindliche Wohlbefinden zu gefährden.
Schlüsselwörter
Down-Syndrom, Gebärden, Sprachförderung, Unterstützte Kommunikation, Sprachentwicklung, Kommunikation, Selbstbestimmung, Teilhabe, GuK, Makaton, Inklusion, Elternarbeit, Lautsprache, Symbolsystem, Frühförderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Bachelorarbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert, wie Kinder mit Down-Syndrom durch gebärden-unterstützte Kommunikation in ihrer sprachlichen Entwicklung gefördert werden können und warum dies als Basis für Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe dient.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Autorin?
Zentral sind die Sprachentwicklung bei Kindern mit Down-Syndrom, die verschiedenen Gebärdensysteme, die praktische Umsetzung der Kommunikationsförderung sowie die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Eltern und Fachpersonal.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob und wie Gebärden die Kommunikation von Kindern mit Down-Syndrom in ihrer vorsprachlichen Phase erleichtern und welche langfristige Bedeutung diese Kommunikationsform für ein selbstbestimmtes Leben hat.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Thema, ergänzt durch ein Experteninterview mit Cora Halder, um Erkenntnisse aus der Literatur mit der Praxis zu verknüpfen.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil beleuchtet die Sprachentwicklung, argumentiert pro und contra Gebärden, gibt methodische Anleitungen zur Einführung im Alltag und erörtert die kooperativen Herausforderungen zwischen Kind, Eltern und Pädagogen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlagworte sind Down-Syndrom, gebärden-unterstützte Kommunikation (GuK), Sprachförderung, Inklusion und Selbstbestimmung.
Warum ist für Kinder mit Down-Syndrom der Einsatz von Gebärden sinnvoll?
Gebärden fungieren als "Eselsbrücke" und visuelle Unterstützung, da sie die auditive Verarbeitungsschwäche kompensieren und dem Kind helfen, kommunikative Frustration zu vermeiden, während es gleichzeitig die Lautsprache erwirbt.
Gibt es einen speziellen Rat für Eltern bezüglich des Förderdrucks?
Ja, die Arbeit betont, dass Förderung ganzheitlich in den Alltag integriert sein sollte und kein starrer "Trainingsplan" werden darf, um die Freude am Lernen und die Eltern-Kind-Beziehung nicht zu belasten.
- Quote paper
- Hannah Schelzel (Author), 2016, Selbstbestimmung und Teilhabe durch gelingende Kommunikation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376797