In seinem in der Zeitschrift zur Sozialforschung erschienenen Beitrag „Geschichte und Psychologie“ arbeitet Horkheimer das Vermittlungsverhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft heraus. Es geht darum, inwiefern das Individuum einen Stellenwert im geschichtlichen Handeln aufweist, inwieweit es als Akteur „Geschichte schreibt“ und welche (individual-)psychologischen Faktoren die Geschichtstheorie mit bedingen. Zentrale Fragestellung dieser Arbeit ist, von welchen Konzeptionen und Positionen sich Horkheimer abgrenzt und zu welchem Schluss Horkheimer kommt, was genau die Geschichte und die realen historischen Ereignisse begründet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Zielsetzung
1.1 Einordnung des Beitrags
1.2 Zentrale Fragestellung
2. Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Geschichtsbegriffen
2.1 Kant und die Analyse der Erkenntnis
2.2 Heidegger und der Begriff der Geschichtlichkeit
3. Kritik an ahistorischen Auffassungen
4. Hegels Philosophie und die Rolle der Vernunft
5. Marx und das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft
6. Die Rolle der Psychologie als Hilfswissenschaft
7. Abgrenzung von weiteren Strömungen
7.1 Sozialpsychologie
7.2 Utilitaristische und liberalistische Konzeptionen
8. Zusammenfassende Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert Max Horkheimers Beitrag "Geschichte und Psychologie" aus dem Jahr 1932 und untersucht das komplexe Vermittlungsverhältnis zwischen dem handelnden Individuum und den gesellschaftlichen Strukturen unter Einbeziehung philosophischer und psychoanalytischer Ansätze.
- Die kritische Auseinandersetzung mit den Geschichtsbegriffen von Kant, Heidegger, Hegel und Marx.
- Die Rolle des Individuums als aktiver Gestalter der Geschichte versus objektive gesellschaftliche Zwänge.
- Die Funktion der Psychologie als Hilfswissenschaft zur Erforschung unbewusster Triebstrukturen.
- Die Ablehnung sowohl rein ökonomischer als auch rein psychologischer Reduktionismen.
- Die Verknüpfung von Individuumspsychologie mit materialistischer Ideologiekritik.
Auszug aus dem Buch
Die Psychologie als Hilfswissenschaft der Geschichte
Die Psychologie wird für Horkheimer eine Hilfswissenschaft der Geschichte, aber sie ist nicht ihr Ausgangspunkt. Denn er widerspricht Marx, dass die Rolle des Individuums sich nicht nur aus ökonomischen Verhältnissen bestimmten lässt.
Die Psychologie muss die menschlichen Energien und Triebe erforschen, die für gesellschaftliche Entwicklung ursächlich sind. Psychologie ist Psychologie des Unbewussten, sie hat die Aufgabe, die tiefer liegenden Strukturen zu analysieren, mit denen die Ökonomie den Menschen determiniert.
Jede neue Gesellschaftsformation ist psychisch mit bedingt, da sie einen Grad an Entwicklung bereits voraussetzt.
Horkheimers Auffassung grenzt sich auch von der Sozialpsychologie ab, die es nicht mehr mit dem universalen allgemeinen Menschen zu tun hat, sondern die gesamten „seelischen Kräfte“ ins Blickfeld zu nehmen in Abgrenzung von der Untersuchung statischer Kategorien wie Klasse, Rasse, Nation, Charaktere.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Zielsetzung: Der einleitende Teil stellt das Werk Horkheimers in den Kontext der Sozialforschung und definiert das Ziel der Untersuchung des individuellen Stellenwerts im geschichtlichen Prozess.
2. Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Geschichtsbegriffen: Hier werden Kants erkenntnistheoretischer Zugang und Heideggers existenzphilosophische Geschichtlichkeit gegenübergestellt.
3. Kritik an ahistorischen Auffassungen: Horkheimer arbeitet heraus, warum die Konzepte von Kant und Heidegger die realen historischen Ereignisse vernachlässigen.
4. Hegels Philosophie und die Rolle der Vernunft: Dieses Kapitel erläutert Hegels metaphysische Begründung der Geschichte durch die Macht der Vernunft und die übergeordnete Rolle der Idee.
5. Marx und das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft: Analyse der marxistischen Sichtweise, die das Individuum in ökonomisch bestimmte, dynamische gesellschaftliche Strukturen einbettet.
6. Die Rolle der Psychologie als Hilfswissenschaft: Das Kapitel verdeutlicht Horkheimers Verständnis der Psychologie als notwendiges Instrument zur Untersuchung tiefer liegender, unbewusster Kräfte.
7. Abgrenzung von weiteren Strömungen: Horkheimer distanziert sich von utilitaristischen, liberalistischen und sozialpsychologischen Ansätzen, die den Menschen zu einseitig betrachten.
8. Zusammenfassende Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst Horkheimers materialistisch-marxistische Ideologiekritik zusammen, die den Menschen zwischen Epoche und Subjektivität verortet.
Schlüsselwörter
Horkheimer, Geschichte, Psychologie, Individuum, Gesellschaft, Geschichtlichkeit, Ideologiekritik, Materialismus, Triebstruktur, Unbewusstes, Marx, Kant, Heidegger, Hegelsche Philosophie, Sozialforschung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit expliziert Max Horkheimers 1932 veröffentlichten Aufsatz, der das komplexe Zusammenspiel von Individuum und historischem Prozess beleuchtet.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Konzepte der Geschichtsphilosophie, die Rolle psychischer Faktoren in gesellschaftlichen Prozessen und die Abgrenzung zu verschiedenen philosophischen Denkschulen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Horkheimers Position zu identifizieren, in der er das Individuum weder rein ökonomisch noch rein psychologisch determiniert sieht.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse herangezogen?
Es wird eine textanalytische Auswertung vorgenommen, die die theoretischen Argumentationslinien der zitierten Philosophen rekonstruiert und kritisch in Beziehung setzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Auseinandersetzung mit den Geschichtsbildern von Kant, Heidegger, Hegel und Marx sowie eine kritische Würdigung der Funktion der Psychologie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Dokument?
Die Kernbegriffe umfassen Geschichtlichkeit, Ideologiekritik, Triebpsychologie, Materialismus und die Vermittlung von Subjektivität und Gesellschaft.
Inwieweit kritisiert Horkheimer die "Macht der Vernunft" bei Hegel?
Horkheimer sieht darin eine unzulässige Verabsolutierung und Abstraktion, welche das Individuum seiner Möglichkeiten zur aktiven Partizipation am gesellschaftlichen Wandel beraubt.
Warum hält Horkheimer die Psychologie für unentbehrlich?
Sie ermöglicht es, die unbewussten Triebregungen zu erforschen, die jenseits rationaler Begründungen liegen und dennoch gesellschaftliches Handeln maßgeblich beeinflussen.
- Citation du texte
- Janos Pletka (Auteur), 2015, Max Horkheimers "Geschichte und Psychologie". Zum Verhältnis von Individuum und Geschichte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/377405