Übergänge- von der Schule in eine Ausbildung, von der Ausbildung in den Beruf oder in die verschiedenen Maßnahmen, die dazwischen liegen können – gelingen für die Mehrheit der Jugendlichen gut. Hier öffnen sich ihnen Wege in die Zukunft. Laut den Befunden des DJI-Übergangspanel 2004, eine Längsschnittuntersuchung des deutschen Jugendinstituts, sind die Wege Jugendlicher mit Hauptschulabschluss und insbesondere Jugendlicher ohne Hauptschabschluss in die Berufsausbildung aber komplizierter und vielfältiger geworden. Um zu anerkannten Ausbildungsabschlüssen und zu marktfähigen Qualifikationen zu gelangen, müssen diese Jugendlichen vor dem Beginn einer Berufsausbildung längere Abfolgen von Qualifizierungsschritten absolvieren. Oft müssen sie dabei mehrfach und unter unklaren Rahmenbedingungen Entscheidungen über ihre nächsten Schritte treffen. Hierbei kann das Gelingen der beruflichen Integration durch Umwege, Abbrüche und Sackgassen enorm gefährdet werden. Dies tritt ein, wenn es den Jugendlichen nicht gelingt, in diesem konfusen System von Bildungsinstitutionen und –angeboten, passende, an ihren Voraussetzungen, Zielen und Lebenslagen anknüpfende Anschlüsse zu finden.
Die Ergebnisse des DJI – Übergangspanels belegen, dass Jugendliche, die eine besondere Unterstützung benötigen, bereits innerhalb der Schule identifiziert werden müssen, damit Hilfe nicht erst einsetzt, wenn es zu spät ist. Aus dieser Erkenntnis heraus wurde 2009 das Programm der „Berufseinstiegsbegleitung“ initiiert. Zuerst mit einer Erprobung im Rahmen des alten Dritten Sozialgesetzbuches (§ 421s, SGB III), seit 2012 jedoch als ein Regelinstrument (§49, Drittes Sozialgesetzbuch) und somit ein zentrales Begleitinstrument für den Übergang von Schüler/innen mit besonderem Unterstützungsbedarf. Diese Schüler benötigen je nach ihrer persönlichen und familiären Situation, ihrer ethnischen Herkunft oder ihren schulischen Leistungen, unterschiedliche Arten von Unterstützung. Als Metapher für die Berufseinstiegsbegleiter, also die Personen, die die Schüler in dieser schwierigen Phase des Übergangs begleiten, bietet sich das Bild des Lotsen bzw. der Lotsin an, indem sie die Schüler/innen auf das Verlassen der Schule vorbereiten und ihnen Orientierung vermitteln.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition Case Management
3. Ziele und Zielgruppen des Case Managements und der Vergleich zur Berufseinstiegsbegleitung
4. Konzeption und Funktion von Case Management und der Vergleich zur Berufseinstiegsbegleitung
5. Verfahren und Methoden von Case Management und der Vergleich zur Berufseinstiegsbegleitung
5.1 Access, Case Finding, Intaking (Klärungsphase)
5.2 Assessment (Einschätzung, Abklärung)
5.3 Planing (Planung)
5.4 Intervention (Durchführung)
5.5 Montoring (Kontrolle)
5.6. Evaluation (Bewertung)
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit das methodische Konzept des Case Managements in der Berufseinstiegsbegleitung Anwendung findet. Die zentrale Forschungsfrage lautet, ob ein Berufseinstiegsbegleiter als Case Manager fungiert und ob die Methode des Case Managements gezielt innerhalb der Berufseinstiegsbegleitung genutzt wird, um Jugendliche beim Übergang von der Schule in den Beruf zu unterstützen.
- Vergleich der methodischen Grundlagen von Case Management und Berufseinstiegsbegleitung
- Analyse der Zielgruppen mit besonderem Unterstützungsbedarf
- Gegenüberstellung von Phasenmodellen (z.B. Assessment, Planung, Intervention)
- Untersuchung der Kernfunktionen (anwaltlich, vermittelnd, selektierend) im Praxiskontext
- Evaluation der sozialpädagogischen Begleitung und Netzwerkarbeit
Auszug aus dem Buch
5. Verfahren und Methoden von Case Management und der Vergleich zur Berufseinstiegsbegleitung
Vom jeweiligen Konzept unabhängig ist die methodische Vorgehensweise beim Case Management, die auf einem Phasenmodell von einzelnen, logisch aufeinander aufbauenden Arbeitsschritten beruht. Die Benennung der einzelnen Phasen variiert in der Fachliteratur, häufig wird aber auf das von Moxley (1989) beschriebene fünfstufige Ablaufschema Bezug genommen. Dies besteht aus den Basiskomponenten:
-„assessment“ (Einschätzung, Abklärung)
-„planing“ (Planung)
-„intervention“ (generell: Die Durchführung)
-„montoring“ (Kontrolle, Überwachung)
-„evaluation“ (Bewertung, Auswertung)
Die Deutsche Gesellschaft für Care und Case Management (DGCC) weist noch eine weitere Phase auf, die sie in Qualitätsstandarddefinitionen für das Case Management formuliert. Hier geht dem „Assessment“ die Phase des „Access,Case Finding,Intaking“ (Klärungsphase) voraus (vgl. AG Essentials 2009, S.59f.)
Die Phasen sind aber nicht als streng abzuhandelnde Teilstücke zu verstehen, denn im Hilfeprozess kann es erforderlich werden, eine zurückliegende Phase wieder aufzugreifen. Verändert sich in der Zeit der Hilfestellung die Situation des Klienten erheblich, muss erneut analysiert, neue Ziele abgeklärt und die Handlungsplanung geändert werden (vgl. Neuffer 2009, S.63). Im Folgenden sollen die Phasen kurz erläutert werden und mit der Berufseinstiegsbegleitung verglichen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Schwierigkeiten beim Übergang von Schule zu Beruf für benachteiligte Jugendliche und stellt das Programm der Berufseinstiegsbegleitung als zentrales Unterstützungsinstrument vor.
2. Definition Case Management: Dieses Kapitel definiert Case Management als einzelfallorientiertes Verfahren, das Beziehungsarbeit mit der Organisation und Koordination formeller und informeller Ressourcen verbindet.
3. Ziele und Zielgruppen des Case Managements und der Vergleich zur Berufseinstiegsbegleitung: Hier werden die Ziele beider Ansätze verglichen, wobei der Fokus auf der Unterstützung benachteiligter Jugendlicher mit komplexen Problemlagen liegt.
4. Konzeption und Funktion von Case Management und der Vergleich zur Berufseinstiegsbegleitung: Das Kapitel analysiert die drei Kernfunktionen des Case Managements – anwaltlich, vermittelnd und selektierend – und überträgt diese auf die Arbeit der Berufseinstiegsbegleiter.
5. Verfahren und Methoden von Case Management und der Vergleich zur Berufseinstiegsbegleitung: Diese Sektion unterteilt den Arbeitsprozess in Phasen wie Access, Assessment, Planung, Intervention, Monitoring und Evaluation und vergleicht diese detailliert mit der Praxis der Berufseinstiegsbegleitung.
6. Fazit: Das Fazit bestätigt, dass die Berufseinstiegsbegleitung im methodischen Rahmen des Case Managements agiert und dessen Konzepte für die Lotsenarbeit bei Jugendlichen effektiv nutzt.
Schlüsselwörter
Case Management, Berufseinstiegsbegleitung, Sozialpädagogik, Übergangsmanagement, Jugendberufshilfe, Unterstützungsnetzwerk, Fallmanagement, Inklusion, Integrationsprozess, Beratung, Kompetenzförderung, Hilfeplan, Empowerment, Versorgungsstruktur, Sozialgesetzbuch
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der methodischen Einordnung der Berufseinstiegsbegleitung und prüft, ob das Konzept des Case Managements als Grundlage für diese Tätigkeit dient.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf den Definitionen von Case Management, den Zielgruppen der Jugendberufshilfe, den Kernfunktionen von Unterstützungsmaßnahmen und der praktischen Anwendung von Phasenmodellen im Übergang Schule-Beruf.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und methodische Überschneidungen zwischen der Berufseinstiegsbegleitung und dem Case Management aufzuzeigen, um die Professionalität der Lotsenarbeit zu untermauern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung und einen systematischen Vergleich von Fachkonzepten und Literatur sowie der Leistungsbeschreibung der Berufseinstiegsbegleitung nach SGB III.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Case Management, den Vergleich der Ziele und Zielgruppen, die Analyse der Konzeption und Funktionen sowie eine detaillierte Gegenüberstellung der einzelnen Verfahrensphasen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Case Management, Berufseinstiegsbegleitung, Jugendberufshilfe, Hilfeplanung, Netzwerkarbeit und Übergangsmanagement.
Was unterscheidet das Assessment im Case Management von der Standortbestimmung in der Berufseinstiegsbegleitung?
Beide Ansätze verfolgen das Ziel einer ganzheitlichen Bestandsaufnahme; während das Assessment im Case Management jedoch stark systemisch auf Ressourcenanalyse setzt, liegt der Fokus der Berufseinstiegsbegleitung zusätzlich auf der schulischen Historie und der Motivationslage für eine betriebliche Ausbildung.
Warum wird im Kontext der Berufseinstiegsbegleitung von einer "Lotsenfunktion" gesprochen?
Die Metapher des Lotsen verdeutlicht die Rolle der Begleiter, die Jugendliche durch ein oft konfuses System von Bildungsangeboten leiten und ihnen helfen, den Übergang in die Arbeitswelt trotz multipler Hemmnisse zu meistern.
- Citar trabajo
- Heike Lechner-Jermann (Autor), 2015, Case Management. Eine Methode der Berufseinstiegsbegleitung?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/377431