Im Rahmen dieser Hausarbeit soll die Ehre der Frau bei zwei Minneliedern Walthers von der Vogelweide untersucht werden. Dazu dienen die Lieder „Mir tuot einer slahte wille“ und „Under der linden“, die zwei verschiedene Bilder von Frauen und deren Ehre aufzeigen. Die Analyse der Lieder bezieht sich jedoch nicht ausschließlich auf die Ehre, sie setzt lediglich einen Schwerpunkt auf diese. Die von Walther gezeigten Frauenbilder beziehen sich auf die mittelalterliche Liebeslyrik und nicht auf die mittelalterliche Realität. Dass das Ansehen der höfischen Dichter in der Gesellschaft von der Gunst der besungenen Dame abhing und auch ihr Ansehen durch die Zurückweisung der Werber aufrechterhalten blieb, ist ein Trugschluss. Die reale Gesellschaft des Mittelalters folgte den Traditionen des Christentums, die den Frauen geringe Tugend und Würde nachsagte und sie wissen ließ, dass sie der Leitung des Mannes bedurften. Die mittelalterlichen Minnesänger schufen jedoch ein neues Frauenbild der Schönheit und Vollkommenheit. Ausschließlich dieses Frauenbild soll im Rahmen dieser Hausarbeit untersucht werden. Was versteht man unter dem mittelalterlichen Begriff der Ehre? Wie wirkt sich der soziale Stand der Frauen oder ihr Verhalten auf ihre Ehre aus?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffserklärung
2.1 Ehre zur Zeit Walthers von der Vogelweide
2.2 Frauenlieder
2.3 Mädchenlieder
3. Liedvergleich
3.1 „Mir tuot einer slahte wille“
3.2 „Under der linden“
3.3 Gegenüberstellung
4. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der weiblichen Ehre in zwei ausgewählten Minneliedern von Walther von der Vogelweide. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie die lyrischen Instanzen mit dem Spannungsfeld zwischen persönlichem Liebesverlangen und dem gesellschaftlich geforderten Ehrbegriff umgehen und welche Frauenbilder hierbei konstruiert werden.
- Analyse des mittelalterlichen Begriffs der Ehre (êre).
- Unterscheidung zwischen Frauenliedern und Mädchenliedern in der Minnelyrik.
- Detaillierte Untersuchung der Lieder „Mir tuot einer slahte wille“ und „Under der linden“.
- Gegenüberstellung der unterschiedlichen emotionalen Lagen und Umgangsweisen mit gesellschaftlichen Konventionen.
- Einordnung der Frauenbilder in den Kontext des höfischen Minnesangs.
Auszug aus dem Buch
3.1 „Mir tuot einer slahte wille“
Bei dem Lied „Mir tuot einer slahte wille“ Walthers von der Vogelweide handelt es sich um ein Frauenlied. Es stellt einen Monolog dar, der vom weiblichen lyrischen Ich geführt wird. Dabei gesteht sie seine geheime Liebe zu einem Ritter, der sie dazu überreden möchte, sich ihm hinzugeben (I,5/6). Das lyrische Ich ringt mit sich, dem Ritter seinen Wunsch zu erfüllen oder sich ihm zu entziehen, um ihre gesellschaftliche Ehre aufrecht zu erhalten (III,6).
Das zweistollige Lied besteht aus fünf Strophen mit jeweils sechs Versen. Der vierversige Aufgesang besteht in jeder Strophe aus zwei Kreuzreimen (abab), der zweiversige Abgesang aus einem Paarreim (cc), wodurch das Schema ababcc entsteht. Der verhältnismäßig lange Schlussvers markiert das jeweilige Strophenende sehr deutlich.
Die Stimmung des Liedes ist eher melancholisch, da das lyrische Ich ihren Schmerz und ihre Ängste, sowie ihr heimliches Verlangen erwähnt. Sprachlich auffällig ist, dass positive und negative Dinge miteinander in Verbindung gebracht werden. Ein Beispiel findet sich in der ersten Strophe, in der das lyrische Ich zugibt: „Mir tuot einer slahte wille/sanfte und ist mir doch da under wê.“ (I,1/2). Sie sagt, dass sie ein angenehmes Verlangen verspüre, welches ihr jedoch paradoxerweise gleichzeitig Leid bereite.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, die Ehre der Frau anhand zweier Minnelieder Walthers von der Vogelweide zu untersuchen und dabei das Spannungsfeld zwischen literarischem Frauenbild und mittelalterlicher Realität zu beleuchten.
2. Begriffserklärung: Dieses Kapitel erläutert den mittelalterlichen Ehrbegriff sowie die gattungsspezifischen Merkmale von Frauen- und Mädchenliedern, um den theoretischen Rahmen für die Analyse zu schaffen.
3. Liedvergleich: Der Hauptteil analysiert die Lieder „Mir tuot einer slahte wille“ und „Under der linden“ im Detail und stellt diese anschließend einander gegenüber, um Unterschiede in der Gemütslage der lyrischen Ichs und der Art der Liebe aufzuzeigen.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Walther von der Vogelweide Frauenbilder erschaffen hat, die unabhängig von ihrem sozialen Stand um ihre Ehre besorgt sind, wobei die Angstverhältnisse zwischen den beiden untersuchten Liedern stark variieren.
Schlüsselwörter
Walther von der Vogelweide, Minnesang, Frauenlied, Mädchenlied, Ehre, êre, hohe Minne, Mir tuot einer slahte wille, Under der linden, höfische Kultur, Rollenlyrik, Mittelalter, Liebeslyrik, soziale Stellung, Geschlechterrollen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Darstellung und Problematisierung der weiblichen Ehre in zwei ausgewählten Minneliedern des Dichters Walther von der Vogelweide.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind das Konzept der „êre“ im Mittelalter, die Abgrenzung von Frauen- und Mädchenliedern sowie die Darstellung von Liebesbeziehungen außerhalb des Ideals der „hohen Minne“.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das lyrische Ich in den Liedern mit dem Konflikt zwischen persönlicher Zuneigung und dem Wunsch nach gesellschaftlicher Anerkennung bzw. der Vermeidung von Ächtung umgeht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Textanalyse durchgeführt, die den Inhalt, die Struktur und die Motivik der beiden ausgewählten Gedichte interpretiert.
Welche Aspekte werden im Hauptteil detailliert behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst der Ehrbegriff und die Gattungen definiert, gefolgt von einer detaillierten Einzelanalyse der Lieder sowie einer vergleichenden Gegenüberstellung ihrer emotionalen und inhaltlichen Aspekte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Minnesang, Ehre, Frauenbild, Walther von der Vogelweide und Liebeslyrik maßgeblich charakterisiert.
Was bedeutet der Begriff „tandaradei“ im Kontext des Lindenliedes?
Der Ausruf „tandaradei“ fungiert im Lied „Under der linden“ sowohl als Nachahmung des Nachtigallgesangs als auch als Teil der Sängerrede, wobei er unterschiedliche emotionale Zustände von trauriger Erinnerung bis zu fröhlicher Unbeschwertheit symbolisieren kann.
Warum bleibt der soziale Status der Frauen in den Liedern so unklar?
Der Autor stellt fest, dass Walther von der Vogelweide den Stand der Frauen bewusst offen lässt, um den Fokus auf die universelle Darstellung des emotionalen Konflikts und die Sorge um die Ehre zu legen, statt eine realhistorische Einordnung vorzunehmen.
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- Beate Bruns (Autor), 2015, Liedvergleich "Mir tuot einer slahte wille" und "Under der linden" Walthers von der Vogelweide mit Schwerpunkt auf dem mittelalterlichen Ehrbegriff, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/377573