Laborfunde haben bewiesen, dass strukturierende und erklärende Bilder eine lernförderliche Wirkung haben (Mayer 2009). Multimediale Lernmaterialien scheinen also ein Hilfsmittel für den schulischen Alltag zu sein. Wenn man jedoch einen Blick in aktuelle Schulbücher wirft, fällt auf, dass Bilder eher repräsentative Funktion haben als durch bildliche Strukturierungen oder Erklärungen das Verstehen und Behalten zu fördern. Vor allem bei komplexen Sachverhalten können multimediale Lernmaterialien das Verständnis erleichtern. Zum Beispiel auch im Fach Geschichte, wenn man über abstrakte und komplexe Inhalte wie die Verfassung eines Staates spricht. Der Frage, ob dies aber wirklich so ist, dass mit Hilfe eines Verfassungsschemas bei Schülerinnen und Schülern lernförderliche Effekte erzielt werden können, bin ich in meinem Praxissemester nachgegangen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Stand der Forschung
3 Forschungsfrage
4 Methode
4.1 Design
4.2 Stichprobe
4.3 Materialien
4.4 Durchführung
4.5 Auswertung
5 Ergebnisse
6 Diskussion
Zielsetzung & Themen
Das Studienprojekt untersucht, ob der Einsatz multimedial gestalteter Lernmaterialien, spezifisch in Form von Verfassungsschemas, das Erlernen und langfristige Behalten komplexer politischer Sachverhalte im Geschichtsunterricht fördert.
- Multimediales Lernen im schulischen Kontext
- Vergleich von Regierungs- und Verfassungssystemen (USA und Großbritannien)
- Anwendung der Lernprinzipien nach Richard E. Mayer
- Messung des langfristigen Wissenserwerbs mittels standardisierter Tests
- Evaluation der Wirksamkeit bildbasierter Strukturierungshilfen
Auszug aus dem Buch
2 Stand der Forschung
Wenn man über multimediale Lernen spricht, muss im ersten Schritt die Beziehung zwischen Text und Bild erklärt werden. Als Erklärung für dieses Phänomen dient das Modell der integrativen Text- und Bildbearbeitung (Schnotz & Bannert, 2003). Nach diesem Modell werden durch auditive bzw. visuelle Wahrnehmungsprozesse eine Text- bzw. Bildrepräsentation gebildet. Die Textrepräsentation hat eine verbale, die Bildrepräsentation eine piktoriale Organisation. Aus den Textpräsentationen werden durch einen kognitiven Prozess propositionale Repräsentation gebildet, aus den Bildrepräsentation hingegen ein mentales Modell. Beide stehen durch Modellkonstruktion und Modellinspektion im Austausch. Der Vorteil bei multimedialen Materialien liegt nach diesem Modell darin, dass piktoriale als auch verbale Aspekte zur Konstruktion des mentalen Modells beitragen. Dieser Vorteil bietet zugleich jedoch den Nachteil, dass aufgrund des multimedialen Informationsangebots Informationsquellen verdrängt werden können. Mayer hat aus den bisherigen Forschungsergebnissen 12 Prinzipien aufstellt (Mayer 2014), die es bei der Erstellung von multimedialen Lernen zu beachten gilt. Im Kern geht es um drei zentrale Ziele: Erstens die Ablenkung durch Fremdes bzw. Irrelevantes zu vermeiden (reduce extraneous processing), zweitens den Fokus auf das Wesentliche des Materials zu legen (manage essential processing) und drittens das Lernbestreben des Lernenden zu fördern (foster generative processing).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz multimedialer Lernmaterialien im Geschichtsunterricht ein und formuliert die Zielsetzung des Projekts.
2 Stand der Forschung: Hier werden theoretische Grundlagen wie das Modell der integrativen Text- und Bildbearbeitung sowie Mayers Prinzipien für multimediales Design erläutert.
3 Forschungsfrage: Dieses Kapitel definiert die zentrale Fragestellung zur Förderung des langfristigen Behaltens komplexer Inhalte durch Verfassungsschemas.
4 Methode: Dieser Abschnitt beschreibt das Studiendesign, die Stichprobenauswahl, die erstellten Materialien, den Ablauf der Untersuchung sowie die Auswertungsmodalitäten.
5 Ergebnisse: Die erzielten Testergebnisse der verschiedenen Schülergruppen werden hier gegenübergestellt und quantitativ analysiert.
6 Diskussion: Im letzten Kapitel werden die Ergebnisse kritisch reflektiert, die Hypothese bewertet und Grenzen der Untersuchung aufgezeigt.
Schlüsselwörter
Multimediales Lernen, Verfassungsschema, Geschichtsunterricht, Mayer-Prinzipien, Wissenserwerb, Langzeitgedächtnis, Regierungsystem, USA, Großbritannien, Empirische Studie, Instruktionsdesign, Kognitive Belastung, Bildrepräsentation, Lernmaterialien, Between-Design.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Forschungsarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Nutzen von multimedial gestalteten Lernmaterialien, konkret Verfassungsschemas, für das Verständnis und Behalten komplexer politischer Systeme im Geschichtsunterricht.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die Theorie des multimedialen Lernens, das Design von Unterrichtsmaterialien und der Vergleich der Verfassungssysteme der USA und Großbritanniens.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist herauszufinden, ob durch den Einsatz grafischer Strukturen (Verfassungsschemas) das langfristige Behalten von Inhalten bei Schülern signifikant verbessert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wurde ein Between-Design gewählt, bei dem zwei Gruppen mit unterschiedlichem Material (mit bzw. ohne Verfassungsschema) unterrichtet und eine Woche später mittels eines Wissenstests evaluiert wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Fundierung, die detaillierte Beschreibung des Studiendesigns, die Durchführung im Unterricht sowie die Präsentation und Diskussion der Testergebnisse.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Studie?
Wichtige Begriffe sind Multimediales Lernen, Mayers Prinzipien, Verfassungsschema, Geschichtsunterricht sowie langfristiges Behalten.
Warum wurden genau die USA und Großbritannien als Beispiele gewählt?
Diese Staaten dienen als prototypische Vertreter für die zwei Grundformen der Demokratie: das präsidiale System (USA) und das parlamentarische System (Großbritannien).
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor aus den Ergebnissen?
Die anfängliche Hypothese konnte nicht bestätigt werden, da nur sehr geringe bis gar keine Effekte durch das multimediale Lernmaterial beobachtet wurden, was zu einer Reflexion über die Methode führt.
Welche Schwächen werden bei der Durchführung reflektiert?
Der Autor hinterfragt Faktoren wie das unterschiedliche Vorwissen der Schüler, die Komplexität der Themen und die zeitliche Reihenfolge der Bearbeitung der beiden Verfassungssysteme.
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- Arne Meiners (Author), 2017, Multimediales Lernen. Sind Verfassungsschemata lernförderlich?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/377588