Multimediales Lernen. Sind Verfassungsschemata lernförderlich?

Ein Studienprojekt in Psychologie


Hausarbeit, 2017
19 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Stand der Forschung

3 Forschungsfrage

4 Methode
4.1 Design
4.2 Stchprobe
4.3 Materialien
4.4 Durchführung
4.5 Auswertung

5 Ergebnisse

6 Diskussion

Literatur

Anhang
M1: Das Verfassungssystem der USA
M2: Das Regierungssystem Großbritanniens
M3: Verfassungsschema USA
M4: Verfassungsschema Großbritannien
M5: Test
M5: Testergebnisse

1 Einleitung

Laborfunde haben bewiesen, dass strukturierende und erklärende Bilder eine lernförderliche Wirkung haben (Mayer 2009). Multmediale Lernmaterialien scheinen also ein Hilfsmitel für den schulischen Alltag zu sein. Wenn man jedoch einen Blick in aktuelle Schulbücher wirf, fällt auf, dass Bilder eher repräsentatve Funkton haben als durch bildliche Strukturierungen oder Erklärungen das Verstehen und Behalten zu fördern. Vor allem bei komplexen Sachver- halten können multmediale Lernmaterialien das Verständnis erleichtern. Zum Beispiel auch in meinem Fach Geschichte, wenn man über abstrakte und komplexe Inhalte wie die Verfas- sung eines Staates spricht. Ob dies aber wirklich so ist, dass mit Hilfe eines Verfassungssche- mas bei Schülern1 lernförderliche Effekte erzielt werden können, möchte ich in meinem Pra- xissemester nachgehen.

2 Stand der Forschung

Wenn man über multmediale Lernen spricht, muss im ersten Schrit die Beziehung zwischen Text und Bild erklärt werden. Als Erklärung für dieses Phänomen dient das Modell der inte- gratven Text- und Bildbearbeitung (Schnotz & Bannert, 2003). Nach diesem Modell werden durch auditve bzw. visuelle Wahrnehmungsprozesse eine Text- bzw. Bildrepräsentaton gebil- det. Die Textrepräsentaton hat eine verbale, die Bildrepräsentaton eine piktoriale Organi- saton. Aus den Textpräsentatonen werden durch einen kognitven Prozess propositonale Repräsentaton gebildet, aus den Bildrepräsentaton hingegen ein mentales Modell. Beide stehen durch Modellkonstrukton und Modellinspekton im Austausch. Der Vorteil bei mult- medialen Materialien liegt nach diesem Modell darin, dass piktoriale als auch verbale Aspek- te zur Konstrukton des mentalen Modells beitragen. Dieser Vorteil bietet zugleich jedoch den Nachteil, dass aufgrund des multmedialen Informatonsangebots Informatonsquellen verdrängt werden können. Mayer hat aus den bisherigen Forschungsergebnissen 12 Prinzipi- en aufstellt (Mayer 2014), die es bei der Erstellung von multmedialen Lernen zu beachten gilt. Im Kern geht es um drei zentrale Ziele: Erstens die Ablenkung durch Fremdes bzw. Irrele- vantes zu vermeiden (reduce extraneous processing), zweitens den Fokus auf das Wesentli- 1 Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitge Verwendung von männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbeschreibung gelten für beide Geschlechter. che des Materials zu legen (manage essental processing) und dritens das Lernbestreben des Lernenden zu fördern (foster generatve processing).

Die ersten fünf Prinzipien (Coherence, Signaling, Redundancy, Spatal und T emporal contguity) dienen alle dazu, um die Ablenkung durch irrelevanten Material zu vermeiden. So besagt das (1) Coherence Principle, dass Lernende sich besser auf das Wesentliche kon- zentrieren können, wenn irrelevantes Material nicht präsentert wird. Unter dem (2) Signa- ling Principle ist zu verstehen, dass Signale bzw. Hinweise verwendet werden sollten, wie zum Beispiel Pfeile, Überschrifen, Hervorhebungen usw., die die Struktur des wesentlichen Mate- rials aufzeigen. Das (3) R edundancy Principle besteht darin, dass wenn Lernende eine Grafik sehen und gleichzeitg eine Erklärung hören, es keinen positven Effekt gibt, wenn sie zusätz- lich noch einen Erklärungstext erhalten, da sie sonst zu viele verschiedene Informatonen auf einmal verarbeiten müssen. Bei den letzten beiden Prinzipien dem (4) Spatal Contguity Principle und dem (5) Contguity Principle) geht es darum, dass Lernende besser lernen, wenn der Text und die Grafik räumlich nah nebeneinander platziert sind und zugleich zeitlich simultan präsentert werden.

Bei der zweiten Obergruppe namens Manage Essental Processing haben sich drei Prinzipien Segmentng, Pre-Training, Modality erprobt, die versuchen die Komplexität des Materials zu erleichtern. Nach dem (6) Segmentng Principle sollte das Material in kleine Ab- schnite eingeteilt werden, die der Lernende nach eigenem Lerntempo auswählen kann. Mit dem (7) P re-training Principle ist gemeint, dass bessere Lerneffekte erzielt werden können, wenn Begriffe und Grundkonzepte, die behandelt werden, im Vorfeld bereits bekannt sind. Das (8) Modality Principle beschreibt hingegen den medialen Vorteil von gesprochenen Wör- tern gegenüber verschriflichten.

Die drite Gruppe Foster Generatve, die sich mit der Förderung des Bestreben des Lernenden beschäfigt, besteht aus den vier Prinzipien Personalizaton, Voice, Embodiment und Image Principle. Das (9) Personalizaton Principle besagt, dass ein umgangssprachlicher, auf den Gesprächspartner bezogener Gesprächsstl größere Effekte erzielt als ein formaler Gesprächsstl. Des Weiteren wurde festgestellt, dass die Stmme von Menschen lernförderli- cher ist als eine von Maschinen erzeugte, was das (10) Voice Principle darstellt. Positve Effek- te werden nach dem (11) Embodiment Principle auch erzielt, indem durch menschliches Ver- halten, Bewegen, Geschichtsausdrücke und Augenkontekt eine soziale Präsenz erzeugt wird.

Abschließend geht aus dem (12) Image Principle hervor, dass wenn das Bild des Sprechers angezeigt, nicht zwangsläufig ein besseres Verständnis gefördert wird.

Trotz dieser zahlreichen Erkenntnisse gibt es noch einige Bereiche, die in der For- schung noch nicht beantwortet wurden. So wurde bisher noch nicht untersucht hat, welche Effekte multmediales Lernen in Anwendungskontexten hat und wie es sich in Bezug auf lang- fristges Behalten auswirkt. Außerdem bleibt zu erwähnen, dass die meisten Untersuchungen bisher nur in naturwissenschaflichen Fächern durchgeführt wurden. In den Gesellschaf- wissenschafen wurde das Phänomen des Multmedialen Lernens bisher nicht untersucht.

3 Forschungsfrage

Aufgrund des zuvor beschriebenen empirischen Defizits in den Gesellschafswissenschafen und der bisher fehlenden Untersuchung der Auswirkung von multmedialem Lernen auf das langfristge Behalten von Inhalten, habe ich im Studienprojekt für das Praxissemester folgen- den Fragestellung entwickelt: Fördern multmedial gestaltete Lernmaterialien das Erlernen und langfristge Behalten von komplexen Sachverhalten im Geschichtsunterricht?

Meine Forschungshypothese besteht darin, dass die Forschungsfrage bejaht werden kann und ein kleiner bis mitlerer Effekt durch das multmedial gestaltete Lernmaterialien erzielt wird.

4 Methode

4.1 Design

Das Studiendesign besteht in einem between-Design, bei dem das Lernmaterial zwischen den Teilnehmern manipuliert wird. Der komplexe Sachverhalt, der behandelt wird, stellt der Aufau einer Verfassung bzw. eines Regierungssystems eines Staates dar. Ausgewählt wurden dafür die USA und Großbritannien, da sie prototypische Vertreter einer präsidialen bzw. par- lamentarischen Demokrate sind. Das Studiendesign sieht vor, dass die Klasse in zwei Ver- suchsgruppen aufgeteilt wird. Alle Gruppen erhalten einen Text zu den USA und Großbritan- nien, aber jeweils nur zu einem Staat ein multmediales gestaltetes Lernmaterial in Form ei- nes Verfassungsschemas. Eine Woche später wird unangekündigt zu Beginn der Stunde ein Test durchgeführt, um herauszufinden, welche Inhalte die Schülern behalten haben.

4.2 Stchprobe

Die Stchprobe des Studienprojekts setzt sich aus Schülern einer achten Klasse an einer Ge- samtschule zusammen. Die Altersspanne beträgt 14 bis 15 Jahre. An der Erarbeitungs- und Prüfphase haben insgesamt 20 Schüler teilgenommen, davon zehn Mädchen und zehn Jun- gen.

4.3 Materialien

Für das Studienprojekt wurden zwei Sachtexte (M1 und M2 ) sowie zwei Verfassungsschemas (M3 und M4) jeweils zu den USA und Großbritannien und ein Test zur Abfrage der gelernten Inhalte erstellt. Die Sachtexte sind in ähnlicher Weise strukturiert und in vereinfachter Sprache geschrieben. Nach Meinung der Klassenlehrerin ist das Niveau und die Länge des Textes für diese achte Klasse angemessen. Der Aufau des Textes ist gleich. Erst wird in der Einleitung die Demokrateform sowie der Aufau des Staates beschrieben und im Anschluss genauer auf die Aufgaben und Funktonen der einzelnen Gewalten eingegangen. Bei der Erstellung der Verfassungsschema wurde versucht, möglichst viele Prinzipien nach Mayer umzusetzen. Aufgrund der medialen Beschränkung (keine audiovisuellen Mitel) mussten konnten einige Prinzipien nicht umgesetzt werden. Berücksichtgt wurden jedoch die Prinzipien (1) Coherence, (2) Signaling, (4) Spatal und (5) Temporal Contguity sowie (7) Pre-Training. Medial häte zwar auch das Prinzip (9) Personalizaton umgesetzt werden kön- nen, doch passt es nicht zur Forschungsfrage, bei der es um den Vergleich zwischen mit und ohne Grafik geht. Alle Informatonen in den Schemas können auch aus den Texten entnom- men werden. Die Schema dienen alleinig der Vertefung des Verständnisses. Der Test (M5) zur Abfrage der Lernleistung der Schüler ist in zwei Teile aufgeteilt. Im ersten Teil gilt es Fragen zu den USA und im zweiten Teil Fragen zu Großbritannien zu beant- worten. Beide Teile sind gleich aufgebaut. Der einzige Unterschied besteht darin, dass die Fragen sich jeweils auf die USA bzw. Großbritannien beziehen. Inhaltlich gibt es keine Unter- schiede.

Im Test werden überwiegend geschlossene Fragen verwendet mit Single oder MulpliChoice-Auswahlmöglichkeiten. Ob eine oder mehrere Antworten richtg sind, wird in der Aufgabenstellung verraten. Daneben gibt es jedoch auch zwei freie Fragen.

4.4 Durchführung

In der ersten Stunde einer Doppelstunde war die Verfassung Deutschlands Thema der Stunde. Dort wurde methodisch geübt, wie man ein Verfassungsschema liest und welche Schritten und Ebenen beachtet werden müssen.

Nach einer fünfminütgen Pause fand in der zweiten Stunde die Erarbeitungsphase stat. Dabei wurde die Klasse in zwei Gruppen aufgeteilt. Jeder Schüler bekam den Text zu der Verfassung der USA, aber nur eine Hälfe bekam das dazugehörige Verfassungsschema. Nach einer 15-minütgen Arbeitsphase schloss sich eine fünfminütge Austauschphase an, bei der sich mit dem Sitznachbarn, der zur gleichen Gruppe gehörte, über das Gelernte ausge- tauscht werden konnte. Im Anschluss wurde in der zweiten Arbeitsphase der Text zum Regie- rungssystem Großbritanniens ausgeteilt und die Prozedur wiederholt, nur dass diejenigen, die zuvor kein Verfassungsschema zu den USA erhalten haten, dieses Mal das multmedial gestaltete Lernmaterial zu Großbritannien bekamen. Die Inhalte der Stunde wurde am Ende weder gesichert noch besprochen.

Genau eine Woche später fand die nächste Unterrichtsstunde stat. Dort wurde direkt zu Beginn der Stunde der Test durchgeführt. Insgesamt hat die Bearbeitung des Tests 15 Mi- nuten gedauert, bis der letzte Schüler mit dem Test fertg war. Es wurde die Möglichkeit ein- geräumt, auch mehr Zeit für Beantwortung des Test zu bekommen. Kein Schüler hat dieses Angebot genutzt.

4.5 Auswertung

Die Antworten des Test werden in Punkte umgerechnet. Für die richtge Beantwortung einer Frage gibt es bei Single-Choice-Aufgaben jeweils einen Punkt. Bei Multpli-Choice-Aufgaben gibt es auch jeweils nur einen Punkt, wenn alle richtgen Antwortmöglichkeiten ausgewählt wurden. Für jede falsche Antwort wird jedoch ein halber Punkt bei den Multpli-Choice-Auf- gaben abgezogen. Negatve Punkte können bei einer Frage jedoch nicht erzielt werden. Für unbeantwortete Fragen gibt es keinen Punkt. Bei offenen Frageformaten wird zuvor ein Er- wartungshorizont erstellt, der erfüllt werden muss. Rechtschreibfehler werden bei den offe- nen Frage nicht berücksichtgt.

Nach dem Korrigieren der Test werden die Punkte für jeden Prüfungsteil des Test (Teil 1,2 und 3) für jeden Schüler zusammengerechnet. Anschließend werden die Schüler ihrer je- weiligen Gruppe zugeordnet.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Multimediales Lernen. Sind Verfassungsschemata lernförderlich?
Untertitel
Ein Studienprojekt in Psychologie
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Veranstaltung
Projektseminar für das Praxissemester
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
19
Katalognummer
V377588
ISBN (eBook)
9783668559431
ISBN (Buch)
9783668559448
Dateigröße
653 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Praxissemester, Studienprojekt, Bildungswissenschaften, Psychologie, Multimediales Lernen
Arbeit zitieren
Arne Meiners (Autor), 2017, Multimediales Lernen. Sind Verfassungsschemata lernförderlich?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/377588

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