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Historische Perspektiven häuslicher Arbeitsteilung

Title: Historische Perspektiven häuslicher Arbeitsteilung

Academic Paper , 2017 , 24 Pages , Grade: 1

Autor:in: Rainer Krottenthaler (Author)

Gender Studies
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Der Gesetzgeber sieht vor, dass beide Ehegatten zur Haushaltsführung verpflichtet sind, und ihre Beiträge mit dem Ziel der Ausgewogenheit einvernehmlich gestalten sollen. Gleichzeitig ist es eine zentrale Errungenschaft des Rechtsstaates, sich nicht in den Bereich des Privaten einzumischen und die von den Ehepartnern vorgenommene Verteilung der Hausarbeit von staatlicher Seite weder zu kontrollieren noch zu sanktionieren. Diese liberale Errungenschaft bewirkt aus feministischer Sichtweise jedoch eine Zementierung patriarchaler Machtstrukturen, die die Rechte derer verletzen, deren primärer Arbeits- und Verantwortungsbereich ins Private fällt, nämlich der Frauen. Dem freiwillig geschlossenen Gesellschaftsvertrag liegt demnach ein herrschaftlich erzwungener Geschlechtervertrag zu Grunde.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Geschlechterverhältnisse im Wandel

1. Mythos Familie

2. Beziehung zwischen Eltern und Kindern

3. Kult der Häuslichkeit

4. Unproduktive Hausarbeit

5. Entlohnung der Frauen

Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die gesellschaftliche Konstruktion häuslicher Arbeitsteilung. Ziel ist es, die Entstehung traditioneller Rollenbilder und die damit verbundene Abwertung weiblicher Tätigkeiten im häuslichen Bereich kritisch zu hinterfragen und deren Wurzeln in ökonomischen sowie patriarchalen Strukturen aufzudecken.

  • Historische Genese der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung
  • Die ökonomische Konstruktion der "unproduktiven Hausarbeit"
  • Wandel des Familienbegriffs von der vorindustriellen Zeit zur Moderne
  • Wechselwirkung zwischen Erwerbsarbeit, Lohn und privater Versorgungsarbeit
  • Kritische Analyse des Modells der traditionellen Kleinfamilie

Auszug aus dem Buch

3. Kult der Häuslichkeit

Das aufstrebende Bürgertum möchte Macht und Prestige demonstrieren und sich von der Schicht der Arbeiter abgrenzen, indem es das Verhalten des Adels imitiert. Wer es sich leisten kann, lässt seine Frau nicht (außerhalb des Hauses) arbeiten. Dadurch entsteht die Dichotomie von außen und innen: Dem äußeren Markt, der durch Konkurrenz und das Streben nach wirtschaftlichem Eigeninteresse geprägt ist und der der männlichen Sphäre zugeordnet wird, steht das der Frau zugeordnete, stabile, beruhigende, altruistische Heim gegenüber. Frauen (und Kinder) werden vom industriellen Arbeitsplatz abzogen und zu Hausfrauen bzw. Konsumentinnen, Männer werden zu Lohnempfängern bzw. Produzenten. Das Bild der viktorianischen Hausfrau wird zur Norm, Weiblichkeit wird neu definiert und Hausarbeit idealisiert.

Zunächst kann es sich nur die Oberschicht leisten, das Ideal der Hausfrau zu verwirklichen. Am Ende des 19. Jahrhunderts beginnen die Arbeiter das Bürgertum zu imitieren und fordern Löhne, die hoch genug sind, eine ganze Familie zu erhalten („Familienlohn“). Mit Erreichen dieses Ziels übernehmen die Arbeiter die Normen der bürgerlichen Mittelschicht, darunter die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung und die vermehrte Aufmerksamkeit für Kindererziehung und Haushalt. Fabrikarbeit der Frauen wird fortan als „Zerstörung der Familie“ angesehen.

Doch nicht alle Frauen können oder wollen sich diesem Modell anpassen. Frauen, die sich auflehnen, werden mit intellektueller, kultureller und religiöser Energie ruhiggestellt. Die Betonung häuslicher Tugend ist auch Ausdruck einer Angst vor moralischem Verfall. Die äußere (öffentliche, ökonomische) Welt der Männer ist von einem Streben nach wirtschaftlichem Erfolg geprägt und steht darin im Widerspruch zu traditionellen religiösen Werten. Ausgleich soll die innere (private, moralische) Welt der Frauen schaffen, in deren Mittelpunkt nicht Eigeninteresse, sondern Liebe und die Erfüllung der von Gott gegebenen Verantwortlichkeiten steht.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Arbeit führt in die rechtlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Haushaltsführung ein und skizziert die Problematik der weiblichen Dominanz bei der Hausarbeit trotz partnerschaftlicher Ideale.

Geschlechterverhältnisse im Wandel: Dieses Kapitel erläutert die vorindustrielle Arbeitsorganisation, in der die Familie als Produktionsgemeinschaft fungierte und Arbeit nicht primär entlang des Geschlechts geteilt wurde.

1. Mythos Familie: Hier wird dekonstruiert, dass die heute als traditionell angesehene Kernfamilie eine moderne Erfindung ist, die erst mit dem Bürgertum zur Norm wurde.

2. Beziehung zwischen Eltern und Kindern: Der Fokus liegt auf dem Wandel des Kindheitsverständnisses, das sich von der Rolle als Arbeitskraft hin zu einem zentralen Erziehungsobjekt entwickelte.

3. Kult der Häuslichkeit: Dieses Kapitel beschreibt die Entstehung der strikten Trennung zwischen privatem Heim und öffentlichem Markt sowie die damit verbundene Idealisierung der Hausfrau.

4. Unproduktive Hausarbeit: Es wird analysiert, wie Hausarbeit durch die ökonomische Definition von Arbeit als marktabhängige Tätigkeit ihre Wertschätzung verlor und als unproduktiv eingestuft wurde.

5. Entlohnung der Frauen: Hier wird der Zusammenhang zwischen der Abwertung häuslicher Arbeit, niedrigeren Löhnen für Frauen und der resultierenden finanziellen Abhängigkeit vom Ehemann dargestellt.

Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Trennung in öffentlich und privat patriarchale Strukturen festigt und die heute als natürlich empfundene Arbeitsteilung ein soziales Konstrukt ist.

Schlüsselwörter

Häusliche Arbeitsteilung, Geschlechterrollen, Patriachat, Industriegeschichte, Familienmodell, Hausarbeit, Ökonomie, Versorgungsarbeit, Care-Arbeit, Sozialisation, Wirtschaftsgeschichte, Frauenrolle, Erwerbsarbeit, Familienlohn, Privatsphäre

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die historische Entstehung der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung und zeigt auf, warum die heutige Aufteilung von Haushalts- und Erwerbsarbeit keineswegs natürlich, sondern ein Resultat sozialer und ökonomischer Konstruktionen ist.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Themen umfassen die Geschichte der Familienstruktur, die Ideologisierung des häuslichen Lebens, die ökonomische Abwertung von Care-Arbeit sowie die rechtlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die Frauen in die Abhängigkeit führten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, den Mythos der "natürlichen" häuslichen Arbeitsteilung aufzudecken und zu zeigen, dass die Trennung zwischen privatem Bereich und Markt das Ergebnis historischer Machtverhältnisse ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer historischen und soziologischen Analyse, die primär Quellen zur Familien- und Wirtschaftsgeschichte sowie feministische Theorien heranzieht, um den sozialen Wandel zu erklären.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil beleuchtet den Wandel vom vorindustriellen "ganzen Haus" zur bürgerlichen Kleinfamilie, die Entstehung des "Kultes der Häuslichkeit", die Ökonomisierung von Arbeit und die politische sowie wirtschaftliche Benachteiligung von Frauen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?

Zentrale Begriffe sind Geschlechterverhältnisse, Care-Ökonomie, Hausfrauennorm, Familienlohn und die Dichotomie von öffentlichem Markt und privatem Heim.

Was bedeutet der Begriff "Chamäleon-Frau" im Kontext der Arbeit?

Dieser Begriff beschreibt die Fähigkeit bzw. den Zwang von Frauen, bruchlos zwischen ihrer Identität als selbstbewusste Karrierefrau im Berufsleben und der Rolle der traditionellen Hausfrau im Privaten zu wechseln.

Warum wird die Hausarbeit als "unproduktiv" bezeichnet?

Die Bezeichnung resultiert aus einer ökonomischen Perspektive, die nur marktorientierte Arbeit als wertschöpfend definiert. Tätigkeiten im Haushalt, die auf Moral und Zuneigung statt auf Marktlogik basieren, werden dadurch systematisch abgewertet.

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Details

Title
Historische Perspektiven häuslicher Arbeitsteilung
College
University of Linz  (Institut für Frauen- und Geschlechterforschung)
Grade
1
Author
Rainer Krottenthaler (Author)
Publication Year
2017
Pages
24
Catalog Number
V378049
ISBN (eBook)
9783668553101
ISBN (Book)
9783668553118
Language
German
Tags
Arbeitsteilung Haushalt historische Perspektiven Frauen Gender Rainer Krottenthaler Geschichte Geschlecht Geschlechter Geschlechterverhältnisse Familie Haus Häuslichkeit Hausarbeit Frauenarbeit Partnerschaft Chamäleonfrauen Rollen Rollenverhalten Rollenzuschreibung Geschlechtsidentität Doing Gender Reproduktion Geschlechterrollentheorie Geschlechterverhältnis Male-breadwinner Arbeit Arbeitsplatz Haushaltsgeld Frauenwelt Männerwelt Halbe-Halbe Regeneration Home sweet home traditionelle Familie Generation Eltern Kinder Weiblichkeit Familienlohn Kirche Küche domina privata Care-Arbeit Androzentrismus Patriarchat Geschlechtervertrag Keimzelle der gesellschaft Rainer Krottenthaler
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Rainer Krottenthaler (Author), 2017, Historische Perspektiven häuslicher Arbeitsteilung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378049
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