Tiefe Sehnsucht kann einen Menschen erfassen, der mehr von Gott erfahren möchte. Mit den verschiedenen Zugängen des Menschen zu Gott und mit der Entwicklung des Glaubens eines Menschen beschäftigt sich die Religionspädagogik. Ein wichtiger Vertreter dieser Disziplin war im vergangenen Jahrhundert der englische Theologe James W. Fowler. Intensiv hat er sich mit der Frage der menschlichen Glaubensentwicklung beschäftigt und diese in einer festgelegten Abfolge - den Stufen des Glaubens - versucht zu systematisieren.
Doch inwiefern entspricht das Fowler'sche Schema tatsächlich der menschlichen Glaubensentwicklung? Lässt sich ein so komplexes Phänomen wie der Glaube eines Menschen überhaupt systematisieren? Diesen Fragen geht die Arbeit nach mithilfe eines weiteren Theologen: des Jesuiten und Religionspädagogen Bernhard Grom.
Inhaltsverzeichnis
A Einleitung
B Zum Werk James W. Fowlers
B.I. Die Grundlagen des Fowler‘schen Denkens
B.I.1. Warum gerade Fowler?
B.I.2. Fowlers Begriff des Glaubens
B.I.3. Grundvoraussetzungen zu Fowlers Stufenmodell
B.II. Die Stufen des Glaubens nach Fowler
B.II.1 Der undifferenzierte Glaube
B.II.2 Stufe 1 – Intuitiv-projektiver Glaube
B.II.3 Stufe 2 – Mythisch-wörtlicher Glaube
B.II.4 Stufe 3 – Synthetisch-konventioneller Glaube
B.II.5 Stufe 4 – Individuierend-reflektierender Glaube
B.II.6 Stufe 5 – Verbindender Glaube
B.II.7 Stufe 6 - Universalisierender Glaube
B.III. Zusammenfassung
C Bernhard Groms Kritik an Fowler
C.I. Die geistigen Ressourcen Bernhard Groms
C.II. Groms Blick auf Fowler: Allgemeines
C.II.1 Zu Lobendes an Fowlers Ansatz
C.II.2 Groms Einwände gegen Fowler
C.II.3 Zusammenfassung
D Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit dem entwicklungspsychologischen Modell der Glaubensstufen von James W. Fowler auseinander. Ziel ist es, die Systematik Fowlers darzulegen und anschließend durch die wissenschaftliche Perspektive des Religionspädagogen Bernhard Grom zu hinterfragen.
- Darstellung der sechs Stufen der Glaubensentwicklung nach James W. Fowler.
- Analyse der theoretischen Grundannahmen und der Definition des Glaubensbegriffs bei Fowler.
- Kritische Reflexion des Modells durch den Vergleich mit religionspsychologischen Ansätzen.
- Diskussion über die Möglichkeiten und Grenzen der Stufenbildung in der Glaubensentwicklung.
Auszug aus dem Buch
B.II.2 Stufe 1 – Intuitiv-projektiver Glaube
Im Vergleich zur Vorstufe tritt beim „intuitiv-projektiven Glauben“ ein für das Kind sehr wichtiges Element hinzu: laut Fowler entwickelt es auf dieser Stufe langsam die Fähigkeit, sich zu artikulieren. Damit einher geht auch, dass das Kind ein erstes Verständnis für die Bedeutung von Symbolen entwickelt. Fowler benennt das Lebensalter von Kindern auf dieser Stufe mit einer sehr langen Zeitspanne: im Alter von zwei bis sieben Jahren könne man in etwa von einer Glaubensentwicklung ausgehen, die dem „intuitiv-projektiven Glauben“ entspricht.
Besonders das erste Verständnis von Symbolen helfe Kindern dieses Lebensalters dabei, der Welt um sich herum eine erste Ordnung und Struktur zu verleihen. Das Kind beginnt auf dieser Stufe, Gegenstände und Objekte in seiner Nähe namentlich zu benennen und sammelt durch die Entdeckung vieler noch unerforschter Sachverhalte eine Menge neuer Erfahrungen.
In Bezug auf Glaubensfragen lässt sich für Fowler auf dieser Stufe konstatieren, dass das Glaubenssubjekt noch weitgehend fremdgesteuert ist. Besonders starken Einfluss auf das Glaubensgerüst des Kindes hat dabei der Glaube, den es in seiner unmittelbaren Umgebung vorfindet. Aus den Eindrücken, die das Kind von Erwachsenen seiner direkten Umgebung und Kultur sammelt, zieht es in dieser Phase in Bezug auf Glaubensfragen seine eigenen Schlüsse. Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang das in den Stufen des Glaubens zitierte Interview mit der viereinhalb Jahre alten Sally, die von Fowler dem „intuitiv-projektiven Glauben“ zugeschrieben wird.
Zusammenfassung der Kapitel
A Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Glaubensentwicklung ein und stellt James W. Fowler als zentralen Theoretiker sowie Bernhard Grom als kritischen Gegenpart vor.
B Zum Werk James W. Fowlers: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Fundamente des Fowler’schen Modells und beschreibt detailliert die sechs Stufen der Glaubensentwicklung von der Kindheit bis zur vollen Reife.
C Bernhard Groms Kritik an Fowler: Hier findet eine kritische Auseinandersetzung mit Fowlers Modell statt, wobei insbesondere die methodischen Zweifel an der starren Stufensystematik hervorgehoben werden.
D Schlussfolgerung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert, wie die Erkenntnisse trotz der geäußerten Kritik für die Religionspädagogik nutzbar gemacht werden können.
Schlüsselwörter
James W. Fowler, Bernhard Grom, Glaubensentwicklung, Stufenmodell, Religionspädagogik, Religionspsychologie, Glaubensstufen, Persönlichkeitsentwicklung, Sozialisation, Glaubensbegriff, Entwicklungspsychologie, kritische Reflexion, Anthropomorphismus, Spiritualität, religiöse Bildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das entwicklungspsychologische Modell der Glaubensstufen nach James W. Fowler, stellt dessen Aufbau dar und überprüft es kritisch anhand der fachlichen Einwände von Bernhard Grom.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Systematik der Glaubensentwicklung, das Verhältnis von Theologie zu Psychologie sowie die wissenschaftliche Validität von Stufenmodellen im Bereich der Religiosität.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist eine fundierte Darlegung von Fowlers Stufenmodell sowie eine kritische Bewertung dessen, ob Glaubensentwicklung tatsächlich linear in festen Stufen abläuft.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Literaturanalyse und den komparativen Vergleich zweier bedeutender theoretischer Ansätze der Religionspädagogik.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Beschreibung der sechs Stufen nach Fowler und die anschließende kritische Analyse durch Bernhard Grom, wobei insbesondere die Interdisziplinarität diskutiert wird.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Glaubensentwicklung, Fowler, Stufenmodell, Religionspädagogik und kritische Reflexion.
Wie unterscheidet sich der "mythisch-wörtliche Glaube" vom "intuitiv-projektiven Glauben"?
Während beim intuitiv-projektiven Glauben das Kind stark durch Symbole und das Umfeld geprägt ist, beginnt das Kind in der mythisch-wörtlichen Phase, Realität von Phantasie zu unterscheiden, wobei anthropomorphe Gottesbilder dominieren.
Warum übt Bernhard Grom Kritik an Fowlers Modell?
Grom kritisiert, dass Fowlers Modell ein empirisches Fundament fehle und dass die willkürliche Bündelung verschiedener Glaubensaspekte zu einer starren, hierarchischen Struktur führe, die der tatsächlichen Diversität menschlichen Erlebens nicht gerecht werde.
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- Tobias Laubrock (Author), 2017, James W. Fowler und die Stufen des Glaubens. Inhalt und Kritik eines Entwicklungsmodells, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378281