Der Streit um die Liturgie zwischen Andreas Bodenstein von Karlstadt und Martin Luther 1521-1525


Studienarbeit, 2017

35 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Verhältnis von Karlstadt zu Luther bis 1521

3 Karlstadts neue Position während Luthers Abwesenheit (1521)

4 Der Streit um die Liturgie und seine Auswirkungen

5 Auswertung und Fazit

6 Literaturverzeichnis

Anhang

1 Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit bildet die Modulabschlussprüfung im Mo- dul C - Wege und Formen des Christseins erkunden. Zu dieser Erkundung ge- hören auch die beiden Personen Karlstadt (eigentlich Andreas Bodenstein von Karlstadt) und Martin Luther, welche die Reformation geprägt haben und somit einen Stellenwert in der christlichen Geschichte erhalten. Durch diese Arbeit ist es möglich die historische mit der praktischen Theologie zu verknüpfen. Zum einen wird auf die historischen Entwicklungen der beiden Personen ge- nauer eingegangen, zum anderen aber auch auf die Auswirkungen auf die Pra- xis, welche sich auch heute noch zeigt. Wer sind diese beiden historischen Fi- guren, die besonders die evangelische Kirche geprägt haben, aber auch Einfluss auf die katholische ausübten? Wie ist die Konstellation untereinander? Martin Luther ist als der große Widersacher der römisch-katholischen Kirche bekannt

- doch wer ist Karlstadt? 500 Jahre nach der Reformation findet das Thema um Luther eine große Bedeutung in den Schulen - es ist das Jahr der Reformation
- Luther ein großes Thema. Doch gehören nicht noch andere Personen zu die- sem Thema? Karlstadt ist heute eher als Verursacher der Wittenberger Unruhen bekannt. Doch kann die Person Karlstadt so weit reduziert werden? Für diese Arbeit sind beide Protagonisten und vor allem ihre soziale Interaktion ent- scheidend. Die vorliegende Arbeit versucht der eindimensionalen Sicht auf Karlstadt entgegenzuwirken und eine neutrale Sicht auf die Geschehnisse zu gewährleisten. Wie kam es zum Streit - obwohl beide schier für die gleiche Sache kämpften? Worum ging es in diesem Streit und warum sprechen wir noch heute darüber? Auf diese Fragen möchte die vorliegende Hausarbeit ein- gehen.

Um ein umfangreiches Bild gewährleisten zu können, werden zunächst die beiden Reformatoren vorgestellt und das Verhältnis zwischen ihnen bis zum Jahre 1521 analysiert (Kapitel 2). Anschließend werden erste Merkmale der Differenz zwischen Karlstadt und Luther aufgezeigt, indem Karlstadts neue Rolle während Luthers Zeit auf der Wartburg dargestellt und Luthers Reaktion interpretiert werden (Kapitel 3). Im vierten Kapitel wird der Streit um die Li- turgie zunächst definiert und anschließend Kernaspekte untersucht, dabei wer- den die Argumente beider Reformatoren in dem Zusammenspiel des Streites bewertet. Daraufhin zeigt diese Arbeit die unmittelbaren, aber auch langfristi- gen Auswirkungen des Streits auf, so dass neben der historischen auch die praktische Theologie Berücksichtigung findet. Im sechsten Kapitel werden die Ergebnisse zusammengefasst und die aufgeworfenen Fragen beantwortet, dazu werden Schlaglichter auf die Kernaspekte dieser Arbeit geworfen.

2 Das Verhältnis von Karlstadt zu Luther bis 1521

Wer sind diese beiden historischen Figuren? Was hat sie geprägt und wie stehen sie zueinander? In diesem Kapitel werden Geschehnisse bis 1521 betrachtet, da es in diesem Jahr zu einem immensen Einschnitt in das Verhältnis der Reformatoren kam.

Andreas Rudolf Bodenstein ist um das Jahr 14801 herum im fränkischen Städtchen Karlstadt geboren und aufgewachsen. Zu dieser Zeit hat das Klein- bürgertum „zweifellos in der frommen Übung katholischer Bräuche sein Ge- nüge gefunden.“2 So reihte sich wahrscheinlich auch Karlstadts Familie in die- se Sitte ein, denn durch einige Zeugnisse (mit der Annahme, dass Peter Boden- stein der Vater sei) kann belegt werden, dass die Familie eine geachtete Positi- on in der Bürgerschaft einnahm und der katholischen Kirche treu ergeben war.3 Karlstadts enge Verbundenheit und Ehrfurcht vor der katholischen Kirche kön- nen aus seinem Zitat aus dem Jahre 1522 „mein Herz ist von Jugend auf in Ehrerbietung und Wohlachtung der Bildnis erzogen und aufgewachsen“4 her- ausgelesen werden. Im Wintersemester 1499/1500 ist Karlstadt an der Erfurter Universität eingeschrieben gewesen (drei Semester bevor sich Martin Luther immatrikuliert hat - wobei keine Nachweise über persönlichen Beziehungen aus dieser Zeit vorhanden sind). Erfurt hatte den Ruf einer Universität, an der der philosophische Neu-Nominalismus5 unbestritten herrschte und welche als „Pflegestätte des Humanismus“6 galt. 1502 erwarb Karlstadt das Bakkalaureat7 in der Artistenfakultät, 1503 wechselte er von der Erfurter - an die Kölner Uni- versität. Dort wurde er Mitglied in Valentinus Engelharts Burse, wodurch Karl- stadts wissenschaftliche Orientierung eine „eigentümliche Richtung“8 bekam, unter anderem, weil Engelhart 1504 bestimmt hatte, dass „ausschließlich die Anschauungen des heiligen Thomas von Aquino in der Montanerburse vorge- tragen werden sollten“9, wodurch sie zu einer weithin bekannten Hochburg des Thomismus wurde. Karlstadt verließ 1505 die Universität als ein „eifriger Thomist strengster Observanz“10 und begann unter dem Dekanat des Georg Zimmermann als Bakkalaureus11 in der Artistenfakultät in Wittenberg. Im glei- chen Jahr promovierte er unter dem Dekan Petrus Lupinus zum magister liberalium artium.12 Karlstadt zog durch seine Fertigkeiten, die er in der Burse erwarb, die Aufmerksamkeit auf sich. 1507 veröffentlichte Karlstadt sein erstes Werk de intentionibus13 , gedruckt in Leipzig bei Melchior Lotther, um für Thomas von Aquin öffentlich einzutreten (als Reaktion der Publikationen des Skotisten14 Nikolaus Amsdorf), wodurch er noch mehr Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Im Wintersemester 1507/1508 wurde er (wahrscheinlich aufgrund dessen) zum Dekan der Artistenfakultät gewählt. Durch den Aufschwung mo- tiviert, veröffentlichte Karlstadt 1507 sein zweites Werk Distinctiones Thomistae, wodurch sich Karlstadts Vorliebe zu polemischen Auseinanderset- zungen zeigte. In diesem Zeitraum knüpfte Karlstadt viele Freundschaften, auch mit dem Humanisten Otto Beckmann, zu welchem er bis zum Jahre 1519 ein vertrautes Verhältnis hatte.15 1508 erhielt Karlstadt - aufgrund der günsti- gen Begebenheiten - ein Kanonikat16 am Allerheiligenstifte17, und wurde Sententiarius18, wodurch er berechtigt war „über die beiden ersten Bücher der Sentenzen des Petrus Lombardus Vorlesungen zu halten.“191509 erhielt er zu- dem die Würde des Formatus und wurde so berechtigt die beiden letzten Bü- cher der Sentenzen zu lesen. 1510 wurde er zunächst Lizentiat20 und unmittel- bar danach Doktor der Theologie. Weiterhin wurde Karlstadt 1510 Archidiakon21, begünstigt durch die Bewirkung von Martin Polich. Anschlie- ßend kehrte er zurück in seine Heimatstadt, wobei er auf dem Weg 1511 von Räubern überfallen und schwer verletzt wurde. Dort (bei Eußheim) legte er das Gelübde zu seiner Romreise (1515-1516) ab. In Sienna promovierte er die bei- den Rechte und kehrte nach Wittenberg zurück und richtete seine Aufmerk- samkeit auf Luther.22

Martin Luther wurde 1483 in Eisleben in eine fromme Familie hinein- geboren, welche unmittelbar nach seiner Geburt nach Mansfeld umgezog, da dort eine Verbesserung der familiären Existenz abzusehen war. So gehörte die Familie bereits 1491 zu den angesehensten Familien der Stadt. Ab 1490 be- suchte er dort die Lateinschule, welche noch durch mittelalterliche Lehrmetho- den gekennzeichnet war. Luther wurde zu dieser Zeit als introvertierter und durch die strenge Ordnung eingeschüchterter, aber auch sehr intelligenter Jun- ge charakterisiert. 1497 wechselte er zur Schule der Brüder vom gemeinsamen Leben in Magdeburg und anschließend 1498 nach Eisenach zur städtischen Pfarrschule. 1501 immatrikulierte er sich an der Universität Erfurt mit dem Ziel eines Jurastudiums. Zunächst erlernte er dort die sieben freien Künste und er- hielt 1502 das Bakkalaureat. Im Jahre 1505 machte er seinen Magister. Einer juristischen Karriere (zum Wohlgefallen des Vaters) schien nichts im Wege zu stehen. Laut einer Legende geriet Luther am 2. Juli 1505 in ein Gewitter und fürchtete um sein Leben.23 Um zu überleben, gelobte er Mönch zu werden. Diese Entscheidung fand keine Zustimmung bei seinen Eltern, die sehr erzürnt über den Eintritt Luthers in den Bettelorden der Augustiner im Erfurter Kloster waren. 1507 wurde Luther zum Priester geweiht und begann sein Theologie- studium in Erfurt. Dort studierte er Scholastik, aber lernte auch die Ideen der Humanisten kennen. Kennzeichnend für sein weiteres Leben war die Losung ad fontes - zurück zu den Quellen. Sein Studium war vorherrschend durch den Bibelhumanismus geprägt. In den Jahren 1510 bis 1511 reiste Luther nach Rom und promovierte anschließend an der Wittenberger Universität. 1512 hat- te Karlstadt Luther zum Doktor promoviert und Luther erhielt die Bibelprofes- sur. 1514 wurde Luther als Prediger an die Wittenberger Stadtkirche berufen. An der Universität hielt er Vorlesungen über die Psalmen (1514/15), den Rö- merbrief (1515/16), den Galaterbrief (1516/17) und den Hebräerbrief (1517/18). In dieser Zeit ringen sich Luthers Gedanken um die religiöse Er- kenntnis. Während des Studiums des Römerbriefes habe er dann die entschei- dende religiöse Erleuchtung erhalten. Mit dem Vers 1,17 Denn im Evangelium wird die Gerechtigkeit Gottes offenbart aus Glauben, wie es in der Schrift heißt: Der aus Glauben Gerechte wird leben wird ihm klar, dass Menschen Gerechtigkeit allein durch die Gnade Gottes und nicht durch gute Werke er- hielten.24 Zu dieser Zeit bildete sich ein Theologenkreis um Luther herum, dem neben Karlstadt auch zum Beispiel Amsdorf angehörten.

1516 empfand der überzeugte Scholastiker Karlstadt Luthers These, „daß man das im Neuen Testament zu findende Wort Gottes nicht durch philo- sophische Spekulationen verfälschen und pervertieren dürfe“25, die er in öffent- lichen Disputationen vertrat als einen Angriff. Der 13. Januar 1517 markierte für Karlstadt einen Wendepunkt in seiner theologischen Entwicklung: Er kauf- te sich eine Ausgabe der Schrift Augustins opera omnia und exzerpierte aus dieser, um Luther mit der Schrift zu widerlegen, die diesem zuvor die Kritik gegen die Scholastik ermöglichte. Karlstadts Ergebnis allerdings war, dass er „in tausend scholastischen Überzeugungen getäuscht sei - ein Esel in der Müh- le, ein Blinder am Stein […] [dass er] völlig gedankenlos bisher geredet ha- be.“26 Karlstadt selbst berichtet in seinem Widmungsschreiben zu seinem Kommentar über Augustins de spiritu et litera über seine reformatorische Wende, „die nach seinen Worten in der Abkehr der Scholastik und in der Hin- wendung zur Theologie der […] Kirchenväter bestand.“27 So konstatiert Goe- bel die erste Gemeinsamkeit Karlstadts mit Luther, und zwar, „dass er auch die Scholastik des Thomas und Scotus zwar sehr gründlich studirt, aber auch bald als unfruchtbar und unbefriedigend erkannt hatte und ein eifriger Anhänger der damals so weit verbreiteten Mystik geworden war.“28 In diesem Aspekt findet sich aber auch, laut Goebel, die Problematik Karlstadts als Reformationsführer, denn „seine Mystik [wurzelte] weniger im Herzen und Gefühle, wie bei Luther, als im Verstande und in der Erkenntnis“29, wodurch sich eine nachteilige Kons- tellation für einen Menschen ergab, der die Massen bewegen wollte.30 Anhand Luthers Briefs an den Nürnberger Reformationsanhänger Christoph Scheurl lässt sich schließen, dass Karlstadts 151 Thesen „Über Natur, Gesetz und Gna- de“ vom April 1517 auf große Anerkennung seitens Luthers gestoßen sind. Barge skizziert Luthers Ansichten über Karlstadt in dieser Phase sehr passend, als er konstatiert, dass sein Lob „über wohlwollende Anerkennung weit hinaus [geht], aus seinen Worten spricht nicht nur die Freude, dass ein einstiger Geg- ner für seine Anschauungen gewonnen sei, sondern der Respekt vor einer gro- ßen geistigen Leistung.“31 Luther zitierte in diesem Jahr noch häufig Karlstadts Thesen und es kann vermerkt werden, dass Karlstadt Luthers Anschauungen vorangetrieben hatte, wie den Schriften Luthers aus dem Jahre 1517 entnom- men werden kann. Luther übertraf Karlstadt allerdings in seinem reformatori- schen Verhalten, so wurde er zum Hauptprotagonisten der Bewegung. Zusam- menfassend lässt sich mit Barge Folgendes schließen: „Mit Luther verband Karlstadt seit der Veröffentlichung seiner 151 Thesen treue Bundesgenossen- schaft“32 und auch wurden „ihre Namen [oft] zusammen genannt, und die ver- ehrungsvollen Ausdrücke, in denen Luther wiederholt von Karlstadt in seinen Briefen spricht, lassen auf einen regen geistigen Gedankenaustausch zwischen beiden schließen.“33 Gemeinsam wollten sie die Welt verändern und so schlug Luther gemeinsam mit Karlstadt am 31.10.1517 seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg an.34 Hieran kann auch erkannt werden, dass sich Karlstadt und Luther gegenseitig in ihren reformatorischen Aktionen unter- stützten.

Ein gemeinsamer Feind, der Ingolstädter Theologe Johannes Eck, führte sie beide noch enger zusammen und zeigt zugleich ihre Unterschiede auf, so leitete Eck mit seiner Schrift obelisci einen enorm geführten Streit ein. Goebel fasst dies wie folgt zusammen:

„Carlstadt wurde Luther´s erster öffentlicher und erklärter Anhänger und tüchtigster Vorkämpfer in Schrift und Wort (gegen Eck), und Luther spendete dafür seinem Genossen wiederholt das entschiedenste Lob und den unzweideutigsten Beifall.“35

Eine öffentliche Disputation36 im Juni und Juli 1519 auf der Leipziger Pleißenburg sollte den Streit zur Entscheidung bewegen.37 In der Leipziger Disputation zeigte sich Eck als überlegenerer Redner, auch ordnete er seine Gedanken schneller und besser. Karlstadt selbst ließ sich durch ihn verunsi- chern und „schlug immer wieder in Büchern nach und raschelte mit Zetteln“38, was sich wohlmöglich darauf zurückführen lässt, dass er nichts behaupten wollte, was er nicht durch Quellen belegen konnte. Karlstadt hatte dennoch seine Position gegen Eck behaupten können, welcher weitgehende Zugeständ- nisse einbüßen musste, auch wenn „die gemeine Meinung Eck den Sieg zu- schrieb.“39

In dieser Phase kam es im Vorfeld der Disputation zu ersten Unstim- migkeiten zwischen Karlstadt und Luther, da dieser einen offenen Brief an Spalatin schrieb, in dem er schrieb, dass er nicht zulassen wolle, „daß Karlstadt über die von Eck in seinen Thesen40 angezogenen Gegenstände disputiere.“41 Dies erfolgte als Reaktion auf die 12 Disputationsthesen Ecks, die er veröffent- lichte und auf die Luther mit Unnachgiebigkeit reagierte, da Eck zwar offiziell hauptsächlich gegen Karlstadt gerichtet war, aber dennoch die Absicht hatte, „dem ungenannten Luther einen Schlag zu versetzen.“42 So war das eigentliche Streitthema - das Verhältnis zwischen Gnade und freiem Willen -, das Eck mit Karlstadt verband nicht in die Thesen inkludiert worden, vielmehr richtete sich seine 12. These direkt gegen Luther, da dieser in den acta augustana an der Autorität der Papstkirche gerüttelt hatte. Karlstadt sprach klar seine Missbilli- gung über die Veröffentlichung der Thesen Luthers Spalatin gegenüber aus und versicherte ihm zusätzlich, dass er Luther geraten hatte von seiner 12. These abzusehen. So kam es, dass auch Luther auf Karlstadt ärgerlich gestimmt war. Hier lassen sich bereits „erhebliche theologische Differenzen zwischen Luther und Karlstadt“43 erkennen. Simon erörtert die Differenzen noch eingehender: „Luther wählt […] ein inneres, inhaltlich-dogmatisch bestimmtes Sachkriteri- um für die Kanonizität. Bodenstein hingegen betrachtet alle biblischen Schrif- ten auf einer gemeinsamen Ebene.“44 Goebel und Simon sehen den Grund für die Differenzen in Karlstadts und Luthers tieferem Verständnis der Schrift ma- nifestiert, so dass ihre Grundauffassungen zu verschieden gewesen seien. Goe- bel konstatiert dazu:

„Der wahre Grund und die eigentliche Ursache des ganzen Streites zwischen Carlstadt und Luther liegt in ihrer verschiedenen Stellung zur heiligen Schrift und in dem daraus hervorgehenden verschiedenen Reformationsverfahren; sie wahren in ihren Prinzipien und in ihren Maximen verschieden.“45

Karlstadt wendete sich nach dem Streit mit Eck von dem Studium der Kirchenväter ab hin zu dem Studium der Heiligen Schrift. So hielt er im Frühsommer 1520 eine Vorlesung über den Jakobusbrief, wodurch eine hitzige Diskussion zwischen Karlstadt und Luther entstand. Diesen Aspekt nutzt Simon für die Belegung seiner These, da sich hier besonders deutlich die Differenzen der beiden Reformatoren und ihren Grundüberzeugungen zeigen.

Am 4.5.1521 wurde Luther, aufgrund des Wormser Edikts, auf die Wartburg gebracht, da der Kurfürst Friedrich der III. von Sachsen so beabsichtigte, dass Luther kurzfristig aus dem Rampenlicht entfernt werde und die andauernden Angriffe auf die reformatorische Bewegung etwas abgeschwächt werden könnten. Karlstadt wurde nach Dänemark ins Exil geschickt.

3 Karlstadts neue Position während Luthers Abwesenheit

Wie ist es zu einer Spaltung zwischen Luther und Karlstadt gekommen? Um der Frage nachzugehen, werden in diesem Kapitel die Ereignisse während Luthers Aufenthalt auf der Wartburg erörtert, da diese Zeit den Wendepunkt der Beziehung zwischen den beiden Reformatoren markiert.

[...]


1 Genaue zuverlässige Angaben fehlen laut Barge.

2 Barge, Hermann: Andreas Bodenstein von Karlstadt. I. Teil: Karlstadt und die Anfänge der Reformation, Leipzig, 21968 (1905), S. 1 (im Folgenden zitiert als: Barge: I. Teil: Karlstadt und die Anfänge der Reformation).

3 Vgl. ebd., S. 1-2.

4 In seiner Schrift „Von Abtuung der Bilder“.

5 Weiterführende Literatur: Möllmann, Heinz-Helmut: Nominalismus. Studien zum Einfluss des Mittelalters auf die Neuzeit, 2015.

6 Barge: I. Teil: Karlstadt und die Anfänge der Reformation, S. 4.

7 Entspricht in etwa dem Abitur.

8 Barge: I. Teil: Karlstadt und die Anfänge der Reformation, S. 6.

9 Ebd.

10 Ebd.

11 Inhaber des untersten akademischen Grades.

12 Vgl. ebd., S. 8.

13 Auf die Inhalte seiner Werke wird aufgrund der Schwerpunktsetzung der Arbeit nicht weiter eingegangen.

14 Die Scholastiker an der Wittenberger Universität unterschieden sich in Thomisten und Skotisten.

15 Vgl. Barge: I. Teil: Karlstadt und die Anfänge der Reformation, S. 30.

16 Amt eines Kanonikers in einem Stifts- oder Domkapitel.

17 Weiterführende Literatur: Barge: I. Teil: Karlstadt und die Anfänge der Reformation, Kapitel II, S. 34-66.

18 Im MA wurden Bakkalaurei, denen aufgrund der Studienordnung die Abfassung von Sen- tenzen-Kommentaren aufgetragen war, Sententiarii genannt. Ihre Arbeit war üblicherweise gegliedert in Quellen- und Inhaltsübersicht (auctoritas), Problemformulierung (quaestio) und Kommentar (mit Interpretationsargumenten, Diskussion, abschließender Stellungnahme).

19 Barge: I. Teil: Karlstadt und die Anfänge der Reformation, S. 30.

20 Inhaber einer akademischen Licentia docendi (Erlaubnis zu lehren).

21 Geistlicher Würdegrad des zweiten ordinierten Theologen einer evangelisch-lutherischen Pfarrgemeinde.

22 Barge: I. Teil: Karlstadt und die Anfänge der Reformation, S. 69.

23 Auch als Gewittererlebnis bekannt.

24 Auch als Turmerlebnis bekannt.

25 Bubenheimer, Ulrich: Andreas Rudolf Bodenstein von Karlstadt. Sein Leben, seine Herkunft und seine innere Entwicklung, in: Jostel Volkmar (Hg.): Andreas Bodenstein, genannt Karlstadt. Schwärmer und Anführer?, Wittenberg, 1980, S. 12 (im Folgenden zitiert als: Bubenheimer: Karlstadt. Sein Leben).

26 Karlstadts 151 Thesen „Über Natur, Gesetz und Gnade“ vom 26.4.1517, entnommen aus: Barge: I. Teil: Karlstadt und die Anfänge der Reformation, S. 74.

27 Bubenheimer, Ulrich; Oehmig, Stefan: Querdenker der Reformation - Andreas Bodenstein von Karlstadt und seine frühe Wirkung, Würzburg, 2001, S. 90 (im Folgenden zitiert als: Bubenheimer: Querdenker der Reformation).

28 Goebel, M.: Andreas Bodenstein, von Carlstadt, nach seinem Charakter und Verhältnis zu Luther, in Theologische Studien und Kritiken 14 (1841), S. 91 (im Folgenden zitiert als: Goebel: Carlstadt, nach seinem Charakter und Verhältnis zu Luther).

29 Ebd., siehe auch: Barge: I. Teil: Karlstadt und die Anfänge der Reformation, S. 111f.

30 Vgl. ebd.

31 Barge: I. Teil: Karlstadt und die Anfänge der Reformation, S. 83f.

32 Ebd., S. 89.

33 Ebd., S. 90.

34 Die Legende vom Thesenanschlag.

35 Goebel: Carlstadt, nach seinem Charakter und Verhältnis zu Luther, S. 95.

36 Weiterführende Literatur: Barge: I. Teil: Karlstadt und die Anfänge der Reformation, Kapitel 4: Die Leipziger Disputation und ihre Folgen, S. 133-180.

37 Vgl. Bubenheimer: Karlstadt. Sein Leben, S. 19.

38 Ebd.

39 Barge: I. Teil: Karlstadt und die Anfänge der Reformation, S. 163.

40 Gemeint sind seine 12 Gegenthesen gegen Eck. Die 12. These zeigte seine Ansichten über den irdischen Ursprung des Papsttums in bis dato unerhörter Schärfe.

41 Barge: I. Teil: Karlstadt und die Anfänge der Reformation, S. 141.

42 Ebd. S. 140.

43 Simon, Wolfgang: Karlstadt neben Luther. Ihre theologische Differenz im Kontext der „Wit- tenberger Unruhen“ 1521/1522, in: Litz, Gudrun; Munzert, Heidrun; Liebenberg, Roland (Hrsg.): Frömmigkeit - Theologie - Frömmigkeitstheologie. Festschrift für Berndt Hamm zum 60. Geburtstag, Leiden, 2005, S. 324 (im Folgenden zitiert als: Simon: Karlstadt neben Luther).

44 Ebd., S. 325.

45 Goebel: Carlstadt, nach seinem Charakter und Verhältnis zu Luther, S. 100.

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Der Streit um die Liturgie zwischen Andreas Bodenstein von Karlstadt und Martin Luther 1521-1525
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Fakultät für Katholische Theologie)
Veranstaltung
Modulabschlussprüfung: Modul C Wege und Formen des Christseins erkunden
Note
3,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
35
Katalognummer
V378390
ISBN (eBook)
9783668554658
ISBN (Buch)
9783668554665
Dateigröße
762 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Liturgiestreit, Karlstadt, Luther
Arbeit zitieren
Anita Greinke (Autor), 2017, Der Streit um die Liturgie zwischen Andreas Bodenstein von Karlstadt und Martin Luther 1521-1525, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378390

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