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Der erste Hexenprozess in Dieburg - ein "typischer" Hexenprozess?

Title: Der erste Hexenprozess in Dieburg - ein "typischer" Hexenprozess?

Term Paper , 2002 , 21 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Florian Hoffarth (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Hexenverfolgungen und Hexenprozesse stellen ohne Zweifel ein dunkles Kapitel in der menschlichen Geschichte dar. In den vergangenen Jahren ist eine Fülle von Literatur zu diesem Thema erschienen; verschiedenste Teildisziplinen der Wissenschaft sind auf der Suche nach möglichen Ursachen und Erklärungen für die, wie sie Gerhard Schormann definierte, „nach den Judenverfolgungen größte nicht kriegsbedingte Massentötung von Menschen durch Menschen“1. Die vorliegende Arbeit befaßt sich mit dem ersten Hexenprozess in Dieburg, der im Jahre 1596 – in der Regierungszeit des Kurfürsten Wolfgang von Dalberg (1582-1601) – seinen Anfang nahm. Ein genauer Zeitpunkt für das Einsetzen der Prozesse im Kurfürstentum Mainz kann nicht exakt definiert werden; der erste belegbare Prozess fand im Jahre 1534 statt. Insgesamt lassen sich im Kurstaat vier große Wellen von Hexenprozessen ermitteln, die um das Jahr 1596 begannen. Somit fällt der erste Dieburger Prozess genau in die Zeit, in der sich im Kurfürstentum Mainz und auch in anderen Regionen Deutschlands die Hexenverfolgungen häuften. Nachfolgend wird die Entstehung und Entwicklung des ersten Hexenprozesses in Dieburg dargestellt. Unter Berücksichtigung neuer Erkenntnisse der Geschichtsforschung wird der „Weg“ einer Hexe vom ersten Zaubereiverdacht bis zum Prozess dokumentiert und mit dem Dieburger Fall verglichen. Ziel der Untersuchung ist die Frage, ob dieser erste Prozess bereits typische Elemente eines Hexenprozesses enthält bzw. ob es sich überhaupt um einen Hexen-Prozess als solchen handelt. Maßgebliche Quellengrundlage dieser Arbeit ist die im Jahre 1989 erschienene Monographie „Hexenprozesse in Dieburg 1596-1630“ von Heinz und Margarethe Emslander. In diesem Werk sind die wichtigsten Texte aus dem Schriftverkehr der Behörden enthalten und wurden von den Verfassern in eine allgemein verständliche Sprache übertragen. Unklar bleibt in dieser Darstellung jedoch, an welcher Stelle der eigentliche Quellentext beginnt und welche Passagen von den Verfassern stammen. 1 Schormann, S. 5.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der erste Hexenprozess in Dieburg

3 Der Weg einer Hexe – vom Verdacht zum Prozess

3.1 Verdacht und Beschuldigung

3.2 Der Prozess – Strafrechtliche Grundlagen

3.3 Die Vorverhandlung – Sammlung der Indizien

3.4 Die Hauptverhandlung – Gütliches und peinliches Verhör

3.5 Das Ende des Prozesses

3.5.1 Bemerkungen zur Hauptverhandlung

4 Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den ersten dokumentierten Hexenprozess in Dieburg aus dem Jahr 1596, um zu analysieren, ob dieser bereits die für spätere Prozesse typischen Merkmale aufwies oder ob es sich lediglich um einen Fall von Schadenszauber handelte.

  • Analyse der Entstehung von Hexerei-Verdachtsmomenten durch dörfliche Konflikte
  • Untersuchung der rechtlichen Grundlagen anhand der Constitutio Criminalis Carolina
  • Dokumentation des Verlaufs von der Supplikation bis zum Urteil
  • Vergleich des Dieburger Falls mit wissenschaftlichen Kriterien für Hexenprozesse

Auszug aus dem Buch

3.1 Verdacht und Beschuldigung

Es bedurfte keiner großen Anstrengung, um in den Verdacht der Hexerei zu geraten. Alltägliche Konflikte und Streitigkeiten waren häufig der Nährboden für Verdächtigungen und Anschuldigungen, die sich in den Hexenprozessen manifestierten. Ein Beispiel soll die typische Entstehung eines Zaubereiverdachts verdeutlichen: „1579 weigerte sich die Frau von Richard Saunders der Margaret Stanton aus Wimbish Hefe zu geben, worauf ihr Kind schwer erkrankte. Die Frau von Robert Cornell weigerte sich, derselben Milch zu geben, sie erkrankte wenig später an einer großen Geschwulst. John Hopwood schlug ihre Bitte um einen Lederriemen ab, und sein Wallach verendete“.

Gerade in Zeiten der Not und wirtschaftlichen Knappheit achtete man verstärkt auf sein Eigentum. Die Verweigerung solidarischer Hilfe – wie etwa das Borgen von Lebensmitteln, Werkzeugen und dergleichen – konnte oftmals verheerende Folgen haben. Der enttäuschte Bittsteller ging mit leeren Händen und sprach in seinem Zorn mitunter wüste Flüche und Beschimpfungen aus. Geschah dem „Opfer“ nun bald darauf ein Unglück, lag es nahe, plötzlich auftretende Krankheiten und ähnliche Vorfälle als Schadenszauber zu interpretieren, der von der Hexe aus „Rache“ vorgenommen wurde.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Hexenverfolgung ein und definiert die Forschungsfrage, ob der erste Dieburger Hexenprozess als typischer Hexenprozess zu klassifizieren ist.

2 Der erste Hexenprozess in Dieburg: Dieses Kapitel beschreibt den konkreten Ausgangspunkt des Prozesses im Jahr 1596, der in einem Nachbarschaftsstreit um Grundstücksnutzung und Abwasserableitung begründet lag.

3 Der Weg einer Hexe – vom Verdacht zum Prozess: Dieser Hauptteil analysiert die Entstehung von Hexerei-Vorwürfen aus alltäglichen Konflikten, die rechtlichen Inquisitions-Grundlagen sowie den detaillierten Verlauf des Verfahrens gegen Margaretha Schütz.

4 Schlussbetrachtung: Das Fazit stellt fest, dass es sich um einen Zaubereiprozess, aber nicht um einen „typischen“ Hexenprozess handelte, da zentrale Merkmale wie der Teufelspakt fehlten, das Verfahren jedoch die Initialzündung für spätere Verfolgungswellen gab.

Schlüsselwörter

Hexenprozess, Dieburg, Schadenszauber, Constitutio Criminalis Carolina, Inquisitionsverfahren, Margaretha Schütz, Verdacht, Rechtsprechung, Folter, Urfehde, Geschichte, Frühe Neuzeit, Wolfgang von Dalberg, Zauberei, Kriminalprozess

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert den ersten Hexenprozess in Dieburg aus dem Jahr 1596 und hinterfragt, inwieweit dieses Verfahren als typischer Hexenprozess der frühen Neuzeit einzustufen ist.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die Entstehung von Hexerei-Verdachtsmomenten durch soziale Konflikte, der Ablauf eines Inquisitionsprozesses und die rechtliche Einordnung durch die damalige Halsgerichtsordnung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu klären, ob der Fall bereits die wesentlichen Merkmale eines Hexenprozesses aufweist oder ob es sich lediglich um einen klassisch begründeten Schadenszauber-Prozess handelt.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Untersuchung basiert auf einer historischen Fallanalyse, die Prozessakten und zeitgenössische Quellen sowie neuere geschichtswissenschaftliche Erkenntnisse vergleichend auswertet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?

Der Hauptteil dokumentiert den Weg einer Hexe vom Verdacht durch einen Nachbarschaftsstreit über die Vorverhandlung und Beweisaufnahme bis hin zum gütlichen sowie peinlichen Verhör.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere der Schadenszauber, die Inquisitionsmaxime, das Offizialprinzip, die Urfehde sowie die Rolle der kurfürstlichen Räte.

Wie reagierten die Weltlichen Räte auf die Anschuldigungen?

Die Räte verhielten sich zögerlich und forderten stichhaltige Indizien, bevor sie Haft- oder Foltermaßnahmen anordneten, da Gerüchte allein für eine Verurteilung nicht ausreichten.

Welche Rolle spielte die Folter in diesem speziellen Prozess?

Die Folter wurde als peinliches Verhör eingesetzt, um ein Geständnis zu erlangen, jedoch blieb die Angeklagte standhaft, wodurch der Schadenszauber-Anklagepunkt nicht rechtssicher aufrechterhalten werden konnte.

Was geschah nach dem Prozess mit den Beschuldigten?

Da keine Verurteilung erfolgte, wurden die Frauen nach dem Ablegen einer Urfehde aus der Haft entlassen, wobei Margaretha Schütz zur Aufgabe des Erzstifts Mainz verpflichtet wurde.

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Details

Title
Der erste Hexenprozess in Dieburg - ein "typischer" Hexenprozess?
College
Technical University of Darmstadt  (Institut für Geschichte)
Course
Einführung in die Neuere Geschichte
Grade
1,3
Author
Florian Hoffarth (Author)
Publication Year
2002
Pages
21
Catalog Number
V37846
ISBN (eBook)
9783638370844
Language
German
Tags
Dieburg Hexenprozess
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Florian Hoffarth (Author), 2002, Der erste Hexenprozess in Dieburg - ein "typischer" Hexenprozess?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37846
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