Das erste Ziel dieser Arbeit besteht darin, die Motive des Reisens nachvollziehbar zu machen. Dazu werden anhand von verschiedenen Definitionen der Begriffe Reise, Alltag, etc. mögliche Verknüpfungen und Korrelationen aufgebaut.
Im zweiten Teil soll das vorher erarbeitete Movens in den Kontext der Tourismusgeschichte eingebettet werden, so dass kulturhistorische Aussagen diesbezüglich möglich sind. Eine persönliche Kritik wird die Arbeit beschließen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Einführung
1.2 Ziele und Aufbau der Arbeit
2. Theoretische Aufarbeitung
2.1 Definitionen
2.1.1 Transzendenz
2.1.2 Reise
2.1.3 Alltag
2.1.4 Ritual
2.1.5 Spiel
2.1.6 Fest
2.1.7 Zusammenfassung
2.2 Die Geschichte des Reisens
2.2.1 Das Mittelalter als Vergleichskomponente
2.2.2 Zusammenfassung
3. Persönliche Kritik
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, die Motive des Reisens unter dem Aspekt der Alltagsentgrenzung zu analysieren und kulturhistorisch einzuordnen. Dabei wird untersucht, inwieweit das Reisen als eine Form der Routineunterbrechung fungiert und inwiefern sich diese menschliche Konstante über die Jahrhunderte hinweg in unterschiedlichen Formen manifestiert hat.
- Analyse der Begriffe Reise, Alltag, Ritual, Spiel und Fest als Formen der Alltagsentgrenzung.
- Untersuchung der psychologischen und soziologischen Motive für das Bedürfnis nach Alltagsflucht.
- Kulturhistorische Einbettung des Reisens unter Verwendung des Mittelalters als Vergleichskomponente.
- Reflektion über die Entwicklung des modernen Massentourismus und seine Abgrenzung zu früheren Formen der Entgrenzung.
- Diskussion der Bedeutung von bewusster Ritualisierung versus bloßer Kompensation.
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Reise
Die touristische Reise ist die übergeordnete Thematik dieser Arbeit. Es ist wichtig sich zu vergegenwärtigen, dass in diesem Zusammenhang häufig verwandte Begriffe wie Trip, Fortbewegung, Urlaub und unterwegs sein, benutzt werden. Dies zeigt, dass Reisen häufig und in vielen Situationen stattfindet. Dadurch besteht allerdings auch die Möglichkeit, Reisen in jedem Kontext anders zu definieren.
Fest steht jedoch, dass die Reise ein Schritt aus dem gewohnten häuslichen Umfeld ist. Dauer, Art und Reiseort können allerdings nicht näher definiert werden. Hennigs (Ders., S.73) universaler Ansatz lautet: „Die Bewegung, die Reisen grundlegend charakterisiert, ist universell verbreitet und in allen Kulturen nachweisbar: der Impuls, die Ordnungsstruktur des Alltags zu verlassen und in andere Wirklichkeiten einzutreten.“ Dieser Ansatz beschreibt die alltagsentgrenzenden Funktion der Reise und zielt direkt auf die transzendente Erfahrung hin, die in den anderen Wirklichkeiten zu Tage treten soll. Alltagsentfremdung als Movens, allerdings ohne den transzendenten Zusatz, ergibt sich auch aus der Untersuchung der Dissertation von Ottmar Braun (Braun, O.: Vom Alltagsstress zur Urlaubszufriedenheit, Dissertation, Selbstverlag, Bielefeld 1989), der sich explizit mit dieser Thematik beschäftigt. Das übergreifende Ergebnis zahlreicher Studien an und mit Touristen war, dass der Faktor Erholung das zentrale Motiv für die Reise darstellt (Ders., S.9). Erholung im Sinne einer alltagsbefreienden Regenerationsphase, die somit dem universalen, alltagsentfremdenden Ansatz Hennigs gerecht wird. Das transzendente Movens wird hier allerdings nicht sichtbar und ist somit nicht zwingend an das Reisen gebunden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Motivation dar, das Reisen als Form der Alltagsentgrenzung und Überschreitung persönlicher Routinen zu betrachten und in den historischen Kontext einzuordnen.
2. Theoretische Aufarbeitung: In diesem Kapitel werden grundlegende Begriffe wie Transzendenz, Reise, Alltag, Ritual, Spiel und Fest definiert, um sie als Ausdrucksformen der Alltagsentfremdung miteinander zu verknüpfen.
3. Persönliche Kritik: Das Kapitel reflektiert die Erkenntnisse der Arbeit und unterstreicht die anthropologische Konstante des Bedürfnisses nach Alltagsentgrenzung über alle historischen Epochen hinweg.
Schlüsselwörter
Reisen, Alltagsentgrenzung, Tourismusgeschichte, Transzendenz, Routine, Ritual, Mittelalter, Alltag, Massentourismus, Anthropologie, Kulturgeschichte, Selbstverwirklichung, Freizeitverhalten, Erholung, Entfremdung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Reisen nicht nur als touristisches Phänomen, sondern als eine fundamentale menschliche Handlungsweise, um den alltäglichen Routinen zu entfliehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die theoretische Definition von Alltagsentgrenzung, die Analyse von Ritualen und Festen sowie die historische Entwicklung des Reiseverhaltens vom Mittelalter bis zur Moderne.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Motive hinter dem Bedürfnis nach Alltagsentgrenzung nachvollziehbar zu machen und das moderne touristische Reisen in einen weiteren kulturhistorischen Rahmen einzuordnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine begriffliche und kulturhistorische Analyse, wobei er sich maßgeblich auf die soziologische und kulturwissenschaftliche Literatur stützt, um Parallelen zwischen verschiedenen Formen der Entgrenzung zu ziehen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Definition relevanter Begriffe wie Transzendenz, Spiel und Ritual sowie einer vergleichenden Betrachtung des Reiseverhaltens und der Freizeitkultur im Mittelalter gegenüber der modernen Gesellschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Alltagsentgrenzung, Transzendenz, Tourismusgeschichte und das menschliche Bedürfnis nach dem Verlassen sozialer Strukturen.
Wie unterscheidet sich die mittelalterliche von der modernen Form der Alltagsentgrenzung?
Während im Mittelalter kollektive Feste und eine hohe Anzahl an arbeitsfreien Tagen die Entgrenzung ermöglichten, prägen heute oft individuelle Kompensationsmechanismen und der Massentourismus das Bild.
Welche Rolle spielt die „Ent-Ritualisierung“ in der heutigen Reisekultur?
Der Autor argumentiert, dass moderne Reiseversuche oft nicht mehr bewusst oder ritualisiert stattfinden, sondern als bloße Kompensationsmechanismen dienen, was den erhofften Stärkungseffekt für den Alltag mindert.
- Citar trabajo
- Marco Gerhards (Autor), 2005, Das Reisen als Funktion der Alltagsentgrenzung. Eine tourismushistorische Annäherung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378498