Der Übergang in den Ruhestand beziehungsweise die geheißene Entberuflichung durch Alter stellt zumeist ein einschneidendes Erlebnis für den Betroffenen dar. Berufliche Verpflichtungen ermöglichen oftmals stabile soziale Kontakte und geben zudem Zeit- und Alltagsstrukturierungen vor. Der Wegfall langjähriger Arbeitskollegen sowie Arbeitszeiten kann negative Auswirkungen auf das persönliche Erleben mit sich bringen. Die Verabschiedung in den Ruhestand bedeutet in den meisten Fällen, dass vertraute Gewohnheiten abgelegt werden müssen und „der Biografieträger erlebt sich zunächst in einer Situation, die sich durch einen verschwommenen Sinnhorizont, in der die Zeit passiv verläuft und keine Handlungsoptionen erkennbar sind.“. Nach Bauer nimmt der gewählte Beruf einen enormen Stellenwert in der postmodernen Welt ein, denn daraus soll das Individuum seine individuelle Befriedigung schöpfen und Selbstverwirklichung betreiben. Der Zusammenhang zwischen Beruf und Glück wird in der Leistungsgesellschaft nicht widersprüchig etikettiert. Es ist nicht verwunderlich, dass das eigene Betätigungsfeld bereits in jungen Jahren einen hohen Beitrag zur persönlichen Identitätsfindung leistet und bis zum hohen Alter anhält. Dementsprechend sorgt die Entberuflichung dafür, dass der Betroffene eine identitätsirritierende Phase durchlebt. Dies tritt vor allem dann auf, wenn die Verabschiedung in den Ruhestand unfreiwillig geschieht. Genau in diesem Szenario fühlt sich der Betroffene zunächst fremdbestimmt und im intentionalen Tun gehemmt. Daher besteht die absolute Notwendigkeit der Analyse, wie die genannten Erleidensprozesse gemindert werden können
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Falldarstellung
1.2 Relevanz für die Soziale Arbeit
1.3 Aufbau der Arbeit
2. Theoretisches Fundament
2.1 Begriffsbestimmungen
2.1.1 Entberuflichung
2.1.2 Identität
2.2 Identitätstheorien
2.2.1 Identitätstheorie nach Mead
2.2.2 Identitätstheorie nach Goffmann
3. Life-Coaching als Interventionsmethode
3.1 Vorstellung der Methode
3.2 Lösungsansatz im Fall
3.2.1 Übergänge planen und gestalten
3.2.2 Professionelle Beziehungsarbeit
3.2.3 Gesundheitsprävention als Gesamtziel
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die psychischen und sozialen Herausforderungen des Übergangs in den Ruhestand (Entberuflichung) und zeigt auf, wie Life-Coaching als ressourcenorientierte Interventionsmethode der Sozialen Arbeit helfen kann, eine identitätsirritierende Phase zu überwinden und die Gesundheitsprävention zu fördern.
- Identitätsentwicklung im Kontext der Entberuflichung
- Symbolischer Interaktionismus nach Mead und Goffmann
- Life-Coaching als ganzheitliche Methode in der Sozialen Arbeit
- Ressourcenorientierte Fallarbeit bei Führungskräften
- Gesundheitsprävention und Lebensgestaltung im Alter
Auszug aus dem Buch
1.1 Falldarstellung
„Ich erinnere mich an den sonnigen Tag, als ich mit Stolz mein zweites Staatsexamen abschloss. Ich feierte dieses Ereignis ausgiebig. Aufgeregt blickte ich in die Zukunft. Ich malte mir eine steile Karriereleiter aus. Ich war schon immer fleißig und das Lernen bereitete mir wenig Kummer. All das ist nun 45 Jahre her. Was ist seitdem passiert? Tatsächlich wurde ich ein gefragter Familienanwalt und übernahm nach einigen Jahren Berufserfahrung gemeinsam mit einem befreundeten und geschätzten Kollegen eine Kanzlei in Mannheim. Wir arbeiteten viel und die Anfänge waren nicht einfach. Nachdem ich mich beruflich stabilisierte, lernte ich eine tolle Frau kennen und gründete eine Familie. Wir haben vier wunderbare Kinder. Meine Frau war Grundschullehrerin, kümmerte sich zum späteren Zeitpunkt jedoch ausschließlich um die Kindererziehung. Ich war dagegen der klassische Verdiener. Ich fühlte mich sehr wohl in meiner Rolle und arbeitete meistens auch an den Wochenenden. Solch eine große Familie musste entsprechend versorgt werden. Ich mochte meinen Beruf. Es machte mir nur manchmal etwas aus in der Kanzlei zu sein, wenn sich die Arbeit schlagartig verdoppelte. Dann fühlte ich mich verantwortlich meine Arbeit trotzdem qualitativ gut zu machen. Natürlich wollte ich auch als erfolgreich angesehen werden, doch meine Frau wusste mein Engagement nicht zu schätzen. Sie ermahnte mich, dass der Beruf nicht alles sein kann. Warum erzähle meine Lebensgeschichte? Seit ich etwa ein halbes Jahr im Ruhestand bin, fühle ich mich leer. Die Kinder sind längst ausgezogen und haben ihr eigenes Leben. Sie besuchen uns zurzeit seltener, da sie sehr beschäftigt sind. Im Haus ist es still geworden. Mir fehlt tatsächlich der Stress, obwohl ich das nie gedacht hätte. Eigentlich sehnte ich mich nach Ruhe. Morgens komme ich nur schwer aus dem Bett, obwohl ich seit ich denken kann ein Frühaufsteher war. Ich habe auch bereits alle liegen gebliebenen Aufgaben aus meiner erstellten To-Do-Liste erledigt, die ich mir für den Ruhestand fest vorgenommen hatte. Der Keller wurde bereits entrümpelt, die Akten sortiert und abgearbeitet. Selbst einen Kochkurs besuchten meine Frau und ich ebenfalls. Ich fühle mich einerseits befreit von der ganzen Verantwortung, doch gerne würde ich die Zeit etwas zurückdrehen. Nun halte ich meinen Rentenbescheid in beiden Händen und weiß einfach nichts damit anzufangen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Entberuflichung als einschneidendes Lebensereignis ein und präsentiert das Fallbeispiel eines ehemaligen Anwalts.
2. Theoretisches Fundament: Hier werden zentrale Begriffe definiert und Identitätstheorien nach Mead und Goffmann erläutert, um die identitätsbildenden Prozesse im Lebenslauf zu verstehen.
3. Life-Coaching als Interventionsmethode: Dieses Kapitel stellt Life-Coaching als methodischen Ansatz für Führungskräfte vor und entwickelt konkrete Lösungsschritte für den behandelten Fall.
4. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass eine frühzeitige Planung des Ruhestands für die Identitätssicherung und Gesundheitsprävention unerlässlich ist.
Schlüsselwörter
Entberuflichung, Ruhestand, Identität, Soziale Arbeit, Life-Coaching, Identitätstheorie, George Herbert Mead, Erving Goffmann, Gesundheitsprävention, Selbstmanagement, Fallarbeit, Lebenslauf, Stressbewältigung, Identitätskrise, Empowerment.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den psychischen und sozialen Herausforderungen, die der Eintritt in den Ruhestand für Individuen mit sich bringt, insbesondere unter dem Aspekt der Identitätsveränderung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind der Übergang ins Rentenalter, die Bedeutung der beruflichen Identität, theoretische Grundlagen zur Identitätsbildung und die Anwendung von Life-Coaching als sozialarbeiterische Methode.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch professionelle Beratung und Life-Coaching Krisen während der sogenannten Entberuflichung vermieden und Ressourcen für eine gesunde Lebensgestaltung im Alter aktiviert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Bearbeitung verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus Literaturanalyse zu soziologischen Identitätstheorien und eine fallbasierte Anwendung der Interventionsmethode des Life-Coachings.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung, eine Auseinandersetzung mit Identitätstheorien und die detaillierte Planung von Interventionsschritten für ein konkretes Fallbeispiel.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Entberuflichung, Identitätskrise, Life-Coaching, Soziale Arbeit und Gesundheitsprävention charakterisieren.
Warum spielt die Identitätstheorie nach Mead eine wichtige Rolle?
Sie ist zentral, da sie erklärt, wie sich Identität dynamisch in sozialen Interaktionen und Rollenspielen entwickelt, was für das Verständnis der Identitätskrise bei Wegfall der beruflichen Rolle entscheidend ist.
Welche Bedeutung hat das Fallbeispiel des Herrn Krause?
Herr Krause dient als exemplarischer Fall für eine Führungskraft, die nach der Entberuflichung ihre berufliche Identität verliert und durch gezielte Coaching-Interventionen einen neuen Lebenssinn findet.
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- M.A Nadja Ksiazek (Autor), 2017, Entberuflichung als identitätsverändernder Übergang, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378574