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Vom Objekt zum Subjekt. Die (Gemeinde-)Psychiatrie vor dem Hintergrund des personzentrierten Ansatzes am Beispiel der Stadt Herne

Titre: Vom Objekt zum Subjekt. Die (Gemeinde-)Psychiatrie vor dem Hintergrund des personzentrierten Ansatzes am Beispiel der Stadt Herne

Thèse de Master , 2016 , 97 Pages , Note: 1,7

Autor:in: Master of Arts David Hentschel (Auteur)

Psychologie - Consultation et Thérapie
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Das Ziel dieser Untersuchung ist es, die (Gemeinde-)Psychiatrie vor dem Hintergrund des personzentrierten Ansatzes zu analysieren.

Die Forschungsfrage dieser Untersuchung lautet: Wie stellt sich die Entwicklung der (Gemeinde-)Psychiatrie vor dem Hintergrund des personzentrierten Ansatzes dar und welche Bezüge lassen sich zwischen dem personzentrierten Ansatz und der (Gemeinde-) Psychiatrie – im Hinblick auf Unterschiede und Gemeinsamkeiten – herstellen. Es soll vor allem der Frage nachgegangen werden, welche (gemeinde-)psychiatrischen Entwicklungen sich im Hinblick auf eine subjektorientierte – an dem personzentrierten Ansatz angelehnten – Psychiatrie identifizieren lassen.

Mein Untersuchungsmaßstab ist der personzentrierte Ansatz. Meinen Untersuchungsgegenstand bildet, wie bereits angedeutet, die (Gemeinde-)Psychiatrie.

Bei einer ersten Recherche zu diesem Thema stellte ich (überraschenderweise) fest, dass der personzentrierte Ansatz nach Carl Rogers als auch C. Rogers selbst in der Psychiatrie nur selten explizit Erwähnung findet. Somit besteht die Herausforderung dieser Untersuchung vor allem darin, den personzentrierten Ansatz zu dem Untersuchungsgegenstand der (Gemeinde-)Psychiatrie in Bezug zu setzen. Da es sich bei dem personzentrierten Ansatz in erster Linie um einen Beratungs- und Therapieansatz handelt, die Psychiatrie hingegen unter anderem in ihrer konzeptionellen Vielfalt betrachtet werden soll, wird der personzentrierte Ansatz und seine impliziten – über das konkrete Beziehungsangebot hinausgehenden – (anthropologischen) Annahmen, auf das psychiatrische System übertragen. Wie bereits der Titel dieser Masterthesis konstatiert, soll hierbei besonders die dem personzentrierten Ansatz implizite, sich um Subjektorientierung bemühende Sichtweise auf den Menschen in den Fokus der Untersuchung rücken. Die Subjektorientierung – als Gütekriterium des personzentrierten Ansatzes – bildet den einen Pol der Untersuchung, dessen Gegenpol der Mensch als Objekt – mit all seinen im Rahmen der Untersuchung weiter aufgeführten Implikationen – entgegensteht. Zwischen diesen beiden Polen sollen in der vorliegenden Untersuchung die verschiedenen Ansätze und Strukturen der (Gemeinde-) Psychiatrie positioniert und reflektiert werden. [...]

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Forschungsinteresse

1.2 Forschungsdesign

1.3 Aufbau der Masterthesis

2 Der Mensch als „Objekt“ – im psychiatrischen System

2.1 Was ist die Psychiatrie

2.2 Geschichte der Psychiatrie

2.3 Behandlungsgrundlage und Therapieformen

2.3.1 Diagnostik und Krankheitsverständnis

2.3.2 Psychopharmakotherapie und Psychotherapie

2.4 Institutionelle Rahmenbedingungen

2.4.1 Aufgaben und rechtliche Rahmenbedingungen

2.4.2 Macht, Zwang und Gewalt

2.4.3 Exkurs: Ökonomische Einflüsse

3 Der Mensch als Subjekt – im personzentrierten Ansatz

3.1 Wurzeln des personzentrierten Ansatzes

3.2 Philosophische Grundlagen und Menschenbild

3.3 Persönlichkeitstheorie

3.4 Störungstheorie / Carl Rogers Verhältnis zur Diagnostik

3.5 Beratungs- und Therapietheorie

4 Subjektorientierung in der (Gemeinde-)Psychiatrie

4.1 Der Paradigmenwechsel

4.1.1 Anthropologische Psychiatrie

4.1.2 Die Antipsychiatrie

4.1.3 Die Psychiatriereform

4.1.4 Exkurs: Soteria

4.2 Die Gemeindepsychiatrie

4.2.1 Warum Gemeindepsychiatrie?

4.2.2 Der gemeindepsychiatrische Verbund

4.2.3 Subjektorientierte Behandlungsansätze

4.3 Das Herner Modell

4.3.1 Verzicht auf Aufnahmestationen und Offene Türen

4.3.2 Heterogenität

4.3.3 Das Atelier

4.3.4 Die Delegiert_innen/ Krisenassistent_innen

4.3.5 Das Jakobus Weg Projekt

5 Auswertung und kritische Reflexion

5.1 Auswertung

5.2 Kritische Reflexion der Ergebnisse

6 Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit analysiert die Entwicklung der (Gemeinde-)Psychiatrie vor dem Hintergrund des personzentrierten Ansatzes. Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede sowie subjektorientierte Tendenzen in der psychiatrischen Versorgung am Beispiel der Stadt Herne zu identifizieren und zu reflektieren.

  • Wandel von der Objekt- zur Subjektorientierung in der Psychiatrie
  • Grundlagen des personzentrierten Ansatzes nach Carl Rogers
  • Reformbestrebungen und Ansätze der Gemeindepsychiatrie
  • Praktische Umsetzung subjektorientierter Modelle (Herner Modell)
  • Kritische Reflexion der psychiatrischen Praxis und Zukunftsperspektiven

Auszug aus dem Buch

2.3.1 Diagnostik und Krankheitsverständnis

„Der diagnostische Blick, der Blick auf den Anderen, kann etwas Einengendes und Festlegendes haben, das den Anderen zum Objekt des Urteilens macht, ihn auf bestimmte Eigenschaften, auf ein bestimmtes „Sosein“ festnagelt und ihm dadurch die Freiheit raubt“ (Sartre 1953).

Den Begriff Diagnose gibt es etwa seit dem 18. Jahrhundert – er lässt sich mit „Unterscheidung“ übersetzen. Diagnosen dienen sowohl der Identifikation als auch der Zuordnung zu einer Krankheit und sollen die Auswahl eines bestimmten Therapieverfahrens erleichtern. Die „Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme“ (ICD) ist heute das wichtigste und weltweit anerkannte Diagnoseklassifikationssystem. Dieses System entstand bereits 1893 und gründete sich auf der damaligen Sterbeursachenstatistik. 1948 übernahm die Weltgesundheitsorganisation die Verantwortung über das Klassifikationssystem ICD, welches mittlerweile in der 10. Fassung (ICD 10) vorliegt. Dieses Klassifikationssystem basiert auf dem biomedizinischen Krankheitsmodell der traditionellen Psychiatrie (vgl. Pfleger 2013).

Bei der Diagnostik psychischer Störungen treten vor allem zwei Schwierigkeiten in den Vordergrund: Es besteht zum einen eine grundsätzliche Gefahr, mit den Mitteln der diagnostischen Systeme falsche Diagnosen zu stellen und zum anderen den Menschen hinter den Diagnosen nicht mehr unmittelbar wahrzunehmen: Diagnosen sind idealtypisch konstruiert und sagen letztlich wenig über die Ausprägung der Symptome und noch weniger über die Bedeutung der Störung für das Leben des Individuums aus. Klaus Dörner kommt zu dem Schluss, dass angesichts der Unzuverlässigkeit der psychiatrischen Diagnostik und der unzureichenden Beziehung zwischen Diagnostik und Therapie, die ganze psychiatrische Diagnostik nach dem Modell der Biomedizin in Frage zu stellen sei und dem eigenen Anspruch Ordnung und Handlungsanweisungen zu geben nicht gerecht werden könne (vgl. Dörner 1975, S. 140 ff.). Besonders die psychiatrische Diagnostik erscheint sehr fehleranfällig: „Wenn sie die Gelegenheit haben, dann finden Psychiater überall Krankheit“, so die Medizin-Journalistin Lynn Payer.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Skizzierung des Forschungsinteresses, des Forschungsdesigns und des Aufbaus der Masterthesis.

2 Der Mensch als „Objekt“ – im psychiatrischen System: Vorstellung der traditionellen, objektivierenden psychiatrischen Systeme und deren historische sowie institutionelle Rahmenbedingungen.

3 Der Mensch als Subjekt – im personzentrierten Ansatz: Detaillierte Darstellung des personzentrierten Ansatzes nach Carl Rogers als subjektorientierter Gegenentwurf.

4 Subjektorientierung in der (Gemeinde-)Psychiatrie: Untersuchung der historischen Paradigmenwechsel, der Gemeindepsychiatrie und der praktischen Umsetzung anhand des „Herner Modells“.

5 Auswertung und kritische Reflexion: Zusammenführung der Ergebnisse aus den vorherigen Kapiteln und kritische Diskussion der Subjektorientierung im psychiatrischen Alltag.

6 Fazit und Ausblick: Zusammenfassendes Fazit der Arbeit und Aufzeigen weiterführender Forschungsansätze.

Schlüsselwörter

Psychiatrie, Gemeindepsychiatrie, Personzentrierter Ansatz, Subjektorientierung, Objektorientierung, Carl Rogers, Herner Modell, Empowerment, Salutogenese, Lebensweltorientierung, Partizipation, Trialog, Diagnostik, Menschlichkeit, Psychiatriereform.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Masterthesis befasst sich mit dem Übergang von einer objektivierenden traditionellen Psychiatrie hin zu einer subjektorientierten Psychiatrie, unter besonderer Berücksichtigung des personzentrierten Ansatzes.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Kritik an der traditionellen Psychiatrie, die theoretischen Konzepte des personzentrierten Ansatzes und deren Übertragung auf moderne gemeindepsychiatrische Versorgungsformen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet, wie sich die Entwicklung der (Gemeinde-)Psychiatrie vor dem Hintergrund des personzentrierten Ansatzes darstellt und welche Gemeinsamkeiten oder Unterschiede sich identifizieren lassen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert primär auf einer umfangreichen Literaturanalyse, ergänzt durch die langjährige Berufserfahrung des Autors im Bereich der Gemeindepsychiatrie.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die traditionelle Psychiatrie, führt den personzentrierten Ansatz als Gegenpol ein und untersucht die gemeindepsychiatrischen Entwicklungen sowie das „Herner Modell“ auf ihre Subjektorientierung hin.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Subjektorientierung, personzentrierter Ansatz, Gemeindepsychiatrie, Herner Modell, Empowerment und Partizipation.

Warum spielt das „Herner Modell“ eine so zentrale Rolle in der Arbeit?

Das Herner Modell dient als konkretes, praktisches Fallbeispiel für eine konsequent gemeindeintegrierte Psychiatrie, die versucht, personzentrierte Werte in einem klinischen Kontext umzusetzen.

Welche Rolle spielt die „Soteria“ in dieser Untersuchung?

Soteria wird als beispielhafter alternativer Behandlungsansatz angeführt, der zeigt, wie psychiatrische Krisen ohne Zwangsmaßnahmen und mit Fokus auf das subjektive Erleben begleitet werden können.

Wie bewertet der Autor die Rolle des personzentrierten Ansatzes in der aktuellen Psychiatrie?

Der Autor sieht in ihm einen wertvollen „Kompass“, stellt jedoch kritisch fest, dass er in der Praxis und in der psychiatrischen Literatur bisher noch zu wenig explizit verankert ist.

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Résumé des informations

Titre
Vom Objekt zum Subjekt. Die (Gemeinde-)Psychiatrie vor dem Hintergrund des personzentrierten Ansatzes am Beispiel der Stadt Herne
Université
Protestant University of Applied Sciences Rheinland-Westfalen-Lippe  (GwG Gesellschaft für Personzentrierte Psychotherapie und Beratung e.V.)
Note
1,7
Auteur
Master of Arts David Hentschel (Auteur)
Année de publication
2016
Pages
97
N° de catalogue
V378672
ISBN (ebook)
9783668559233
ISBN (Livre)
9783668559240
Langue
allemand
mots-clé
objekt subjekt gemeinde- psychiatrie hintergrund ansatzes beispiel stadt herne
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Master of Arts David Hentschel (Auteur), 2016, Vom Objekt zum Subjekt. Die (Gemeinde-)Psychiatrie vor dem Hintergrund des personzentrierten Ansatzes am Beispiel der Stadt Herne, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378672
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Extrait de  97  pages
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