In der vorliegenden Arbeit soll Lawrence Kohlbergs Bedeutung für die pädagogische und psychologische Praxis dargestellt werden. Hierbei wird sein Stufenmodell dazu dienen, theoretische Aspekte näher zu beleuchten. Wichtige Ergebnisse zur Erklärung des Sachverhaltes, liefert Kohlbergs Theorie des bewusst moralischen Entscheidens. Dazu wird der Begriff der Moral weiter in den Vordergrund gerückt, um das moralische Handeln in Beziehung zur Autonomie zu setzen. Laut Kohlberg basiert das Stadium menschlicher Entwicklung auf der Moralphilosophie, deren erste empirische Untersuchungen von dem berühmten Schweizer Entwicklungspsychologen Jean Piaget durchgeführt worden sind. Anders als Piaget, dessen Beobachtungen zur Moralentwicklung bei etwa dreijährigen Kindern begannen und bei etwa elfjährigen endeten, geht es bei Kohlberg darum, die Entwicklung des moralischen Urteils und der moralischen Argumentation während des Jugendalters zu verfolgen. Kohlbergs Motivation besteht also im Wesentlichen in der potentiellen Bedeutung, die Untersuchungen über die moralische Entwicklung für die pädagogische und klinische Praxis erlangen können. Kohlbergs Ansatz des moralischen Urteilens gründet sich auf philosophischen und psychologischen Vorannahmen. Um deren Komlpexität besser verstehen zu können soll Kohlbergs Auffassung des kognitiven Entwicklungsmodells näher analysiert werden. Dieses Modell liefert den allgemeinen Ansatz zum psychologischen Studium der Entwicklung des Denkens. Darin anschließend wird die Beschreibung des moralischen Urteilens den Focus bilden, wobei die Betrachtung der einzelnen Stadien des Stufenmodells in den Vordergrund rückt.
Da in den folgenden Kapiteln der Begriff der Moral den Kern bildet muss man sich zunächst auf die Entwicklungstheorie der Moral konzentrieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theorie der moralischen Entwicklung
2.1 Stufentheorie des moralischen Urteilens
2.2 Die Beziehung von moralischem Urteil und moralischem Handeln
3. Bedeutende Aspekte in der pädagogischen und psychologischen Praxis
4. Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der Moralentwicklungstheorie von Lawrence Kohlberg für die pädagogische und psychologische Praxis, wobei insbesondere das Stufenmodell des moralischen Urteilens sowie der Zusammenhang zwischen moralischem Urteil und Handeln analysiert werden, um Implikationen für eine gelingende moralische Erziehung abzuleiten.
- Grundlagen der kognitiven Entwicklung nach Kohlberg
- Die sechs Stufen des moralischen Urteilens
- Wechselwirkung zwischen moralischem Denken und Handeln
- Anwendung von moralischen Dilemmata im Unterricht
- Förderung moralischer Entwicklungsprozesse durch Pädagogik
- Herausforderungen der moralischen Erziehung im Schulalltag
Auszug aus dem Buch
2.1 Stufentheorie des moralischen Urteilens
Kohlberg nutzte sein Stufenmodell um Denkweisen verschiedenster Grundlagen in Bezug zu Interaktionsprozessen und zwischenmenschlichen Konfliktsituationen darzustellen. Seine Ansicht gegenüber Moralvorstellungen, welche im späteren Verlauf dieser Arbeit noch zu Geltung kommen, wird ebenfalls in seiner Stufentheorie deutlich. Die Untergliederung erfolgt in drei Hauptebenen mit insgesamt sechs unmissverständlich bestimmbaren Stufen. Jede Stufe hat ihren eigenen Standpunkt und kann somit auf die verschiedenen Konfliktsituationen angewandt werden. Der Verlauf der moralischen Ebenen gilt als universell und in der Abfolge unveränderlich, jedoch ist Tempo und der Endpunkt der Entwicklung von Person und Kultur abhängig und dadurch auch unbeständig und wechselhaft. Dabei geht es Kohlberg nicht um den Aspekt der Kultur oder dem individuellen moralischem Ermessen, seine sechs Stufen zeigen vordergründig Form oder Struktur des moralischen Urteilens auf. Auf jeder Stufe urteilen Menschen sehr unterschiedlich über Richtig und Falsch. Moralische Urteile werden auf höheren Stufen differenzierter und mit wachsender Empathie und Gerechtigkeit getroffen.
Kohlbergs drei Hauptebenen untergliedern sich in die präkonventionelle-, konventionelle und postkonventionelle Ebene. Jede Ebene wird in jeweils zwei Stufen unterteilt.
In der präkonventionellen Ebene ( Stufen 1 und 2 ) befindet sich der Mensch in einer Perspektive der Autoritätsmoral. Hierbei erfolgt sein Handeln nach „richtig“ und „falsch“, dieser Aspekt wird in Hinsicht der Regelbefolgung geleitet, um Bestrafung zu vermeiden. Wobei sich Stufe 1 immer noch darauf bezieht die Konsequenzen einer fälschlichen Handlung einseitig zu betrachten, also nur im Sinne von Lohn und Strafe, bezieht sich Stufe 2 schon auf die Wechselwirkung zwischenmenschlicher Konflikte. Es wird verstanden das Moral nun nicht mehr in einseitig, sondern gegenseitig ist und sich auf Wechselbeziehungen beläuft. Die konventionelle Ebene (Stufe 3und 4) richtet sich nach dem gesellschaftlichem Bilde, nicht in der Bedeutung, dass der Mensch sich mit seiner Gesellschaft identifiziert, aber es wird wie in Stufe 3 auf Vertrauen gebaut und Wertschätzung, Dankbarkeit gegenüber anderen Personen wird empfunden. Anders als in Stufe 2 werden in Stufe 3 nicht nur eigene Konsequenzen von „richtig“ oder „falsch“ wahr genommen, sondern dass das eigene Verhalten auf das Wohlergehen anderer ausgerichtet ist und nicht nur auf den Lohn eines selbst.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz von Lawrence Kohlbergs Theorie für die Praxis ein und skizziert das kognitive Entwicklungsmodell sowie die Zielsetzung der Untersuchung.
2. Theorie der moralischen Entwicklung: Dieses Kapitel erläutert die Grundannahmen der Moralentwicklung, beschreibt detailliert die sechs Stufen des moralischen Urteilens und diskutiert die Verbindung zwischen moralischem Urteilen und tatsächlichem Handeln.
3. Bedeutende Aspekte in der pädagogischen und psychologischen Praxis: Es wird analysiert, wie Kohlbergs Theorie durch den Einsatz von Dilemmata und Unterrichtsstrategien in Schulen praktisch angewendet werden kann, um moralische Denkprozesse zu fördern.
4. Schlussfolgerung: Das Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit, die Sensibilität für moralische Entwicklungsprozesse im Bildungsbereich als Leitprinzip zu verankern.
Schlüsselwörter
Lawrence Kohlberg, Moralentwicklung, Stufenmodell, moralisches Urteilen, kognitive Entwicklung, Konstruktivismus, pädagogische Praxis, moralisches Handeln, Dilemmata, Werteerziehung, soziale Interaktion, Urteilskompetenz, Entwicklungspsychologie, Gerechtigkeit, Schule
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Moralentwicklungstheorie von Lawrence Kohlberg und analysiert deren Bedeutung und Anwendbarkeit für pädagogische sowie psychologische Praxisbereiche.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den Kernbereichen gehören das kognitive Entwicklungsmodell, die Struktur des moralischen Urteilens in sechs Stufen sowie die praktische Implementierung von Moraldiskursen im schulischen Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es, aufzuzeigen, wie Kohlbergs Stufenmodell der Moralentwicklung genutzt werden kann, um Lernprozesse und moralische Kompetenzen in der pädagogischen Praxis effektiv zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse entwicklungspsychologischer Literatur sowie auf die Auseinandersetzung mit empirischen Studien und Praxisbeispielen, die den Zusammenhang zwischen Urteil und Handeln beleuchten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Stufenmodells und die Diskussion von Umsetzungsmöglichkeiten, etwa durch die Arbeit mit hypothetischen moralischen Dilemmata im Klassenzimmer.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Moralentwicklung, Kohlberg, Stufenmodell, moralisches Urteilen, pädagogische Praxis, Dilemmata, kognitive Entwicklung und Werteerziehung.
Warum ist laut Kohlberg die Arbeit mit "echten" moralischen Dilemmata im Unterricht so bedeutsam?
Echte Realkonflikte aus dem Umfeld der Schüler erhöhen die Authentizität und fördern die innere Motivation sowie die Relevanz des Erlernten, was die Chancen auf eine reale Entwicklung deutlich steigert.
Warum wird die Anwendung von Kohlbergs Theorie in der Schule als "aufwendig" bezeichnet?
Die Herausforderung besteht darin, den Entwicklungsstand jedes einzelnen Schülers präzise zu diagnostizieren und den Unterricht so zu gestalten, dass er sowohl die Schüler auf niedrigeren Stufen einbindet als auch die auf höheren Stufen zu weiterführenden Denkprozessen anregt.
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- Anonym (Author), 2012, Kohlbergs moralische Ansätze und seine Bedeutung für die pädagogische und psychologische Praxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378833