Das Online-me-Konzept. Selbstdarstellung junger Menschen in sozialen Netzwerken

Ein medienpädagogisches Konzept für eine 4,5-stündige Reflexionsphase


Hausarbeit, 2017

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

2 Einleitung

3 Ausgangslage
3.1 Übergangssituation Schule - Beruf
3.2 Einrichtung, Träger, Lernort
3.3 Zielgruppe, situation und ziele
3.4 Rahmen und Verlaufsplan

4 Methodisch-didaktische Begründung
4.1 Konstruktivismus
4.2 Dimensionen der Medienkompetenz

5 Fazit, Ausblick

6 Literaturverzeichnis

2 EINLEITUNG

Nicht jedes Projekt, in dem Medien verwendet werden, ist gleich ein medienpädagogisches Projekt. Erst wenn ein Kompetenzgewinn in den Dimensionen von Medienkompetenz nach beispielsweise Baa- cke, Kübler oder Groeben Ziel des Vorhabens ist (Süss et al. 2010, S. 108-111), wird medienpädago- gisch gearbeitet.

Süss attestiert, dass ungeachtet der verschiedenen Anbieter von Medienkompetenzdimensionen und Ausdifferenzierungen, immer wieder Baacke als Urheber des heute verstandenen Medienkompetenzbegriffs zitiert und als Grundlage von Konzepten herangezogen wird (Süss et al. 2010, S. 111). Die vorliegende Ausarbeitung folgt gleicher Herangehensweise und nimmt Baackes Dimensionen als Grundlage für die medienpädagogische Zielsetzung (Baacke 2014, S. 153 f.).

Darüber hinaus wird aufgezeigt werden, weshalb die Theorie des Konstruktivismus (Roth 1997) und die praktische Umsetzung durch handlungsorientiertes Vorgehen (Gudjons 2008) die Ausarbeitung des Projektverlaufs bestimmt, um der medien-edukativen Zielsetzung unter Beachtung aktueller neurowissenschaftlicher und lerntheoretischer Erkenntnisse gerecht werden zu können.

Zunächst soll jedoch die Rahmung des Vorhabens mithilfe einer Beschreibung der allgemeinen Ausgangslage (Umfeld und individueller Situation der Projektteilnehmer) in das Thema einführen.

3 AUSGANGSLAGE

3.1 ÜBERGANGSSITUATION SCHULE - BERUF

In der Biografie der Menschen sind Kindheit und Jugendphase mit einer Häufung an Übergangssituati- onen gespickt, welche teils formal initiiert und teils auf die Entwicklungsaufgaben im Kindes- und Jugendalter zurückzuführen sind (Reißig 2016, S. 12). Ein formaler Übergang von zentraler Bedeutung ist der Übertritt von der Schule in den Beruf, dessen gelingen, Reißig zufolge, entscheidenden Einfluss auf viele weitere Lebensbereiche und Chancen junger Menschen hat, so zum Beispiel auf die Ablösung vom Elternhaus oder Zeitpunkt und Umfang von finanzieller Selbständigkeit (ebd., S. 13).

Eben diese Übergangssituation hat sich in den vergangenen Jahrzehnten noch einmal stark verändert. Während sich in den 1960er Jahren noch etwa 80 % der jungen Menschen zwischen 16 und 20 Jahren in Ausbildungs- oder Erwerbsarbeit befunden haben, sind es nach einer Grafik von Münchmaier (2008, S. 20) im Jahr 2006 nur noch 30 %. 70 % dieser jungen Menschen befinden sich nach wie vor im Bildungssystem, während es noch etwa 40 Jahre zuvor nur 20 % waren. Der Übertritt in die Erwerbs- arbeit findet demnach deutlich später statt - die Phase der Adoleszenz hält länger an. Ablösungs- und Reifeprozesse verschieben sich in der Biografie immer weiter nach hinten und die Grenzen der Ent- wicklungsphasen verschwimmen mit dem Verbleib im Schulsystem zusehends (Reißig 2016, S. 12).

Folgt man den Annahmen Reißigs, dass sich die Angebots- und Nachfrageverhältnisse auf dem Ausbildungsmarkt hin zu geringerer Passung entwickelt haben, kommt der Berufsorientierung junger Menschen wachsende Bedeutung zu - auch zu erkennen an den verstärkten Initiativen, die darauf abzielen, Schülerinnen und Schüler „an die Arbeitswelt heranzuführen und sie auf die Anforderungen der Berufsausbildung [ … ] vorbereiten zu wollen“ (Reißig 2016, S. 25). In dieselbe Richtung zielt auch die „Qualifizierungsinitiative für Deutschland“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland 2008), welche die „Verbesserung des Übergangs in die Berufsausbildung“ anstrebt und verbindliche Maßnahmen gemeinsam mit Partnern der Schulen einfordert, so z. B. mit Eltern, Schulträgern, [ … ] den Agenturen für Arbeit und der Jugendhilfe (Reißig 2016, S. 25).

Insgesamt zeigt Reißig in ihrem aktuellen Beitrag von 2016 auf, dass die Adoleszenz ohnehin von Übergängen geprägt ist, welche die jungen Menschen beschäftigen und dass speziell der Übergang von Schule in die Berufsausbildung aus unterschiedlichen Gründen variabler und auch unsicherer geworden ist (Reißig 2016, S. 27). Die Erkenntnisse Reißigs bestärken die These, dass „rechtzeitige[r] und qualitativ gute[r] berufliche[r] Orientierung“ - z. B. mit Beteiligung der Jugendsozialarbeit als Partner im Netzwerk der Bildungsinitiative - besondere Bedeutung zukommt (2016, S. 28).

An dieser Stelle - Übergang von Schule in den Beruf - setzt das vorliegende medienpädagogische Kon- zept des „Online-me“ an und baut auf den durch Schule und Schulsozialarbeit geleisteten Orientie- rungshilfen auf. Junge Menschen, die sich beruflich orientiert haben und nun den Übergang in die Arbeitswelt bewältigen müssen, sollen praktisch dabei unterstützt werden, ihre Chancen auf dem Ausbildungsmarkt unter medienpädagogischer Perspektive zu reflektieren und zu optimieren.

3.2 EINRICHTUNG, TRÄGER, LERNORT

Die Beruflichen Schulen Rheingau in Geisenheim vereinen unter ihrem Dach unterschiedliche Schul- formen, darunter die Kreis-Berufsschule für junge Menschen, die sich in einer dualen Ausbildung be- finden, aber auch Vollzeitschulformen als Teil des beschriebenen Übergangssystems sowie weiterfüh- rende Vollzeitschulen, wie Fachoberschulen oder vollschulische Ausbildungen wie etwa Sozialassis- tenten oder die Fachschule der Erzieherinnen und Erzieher. Entsprechend der durch Münchmaier (2008, S. 20) dargestellten Verlagerung befinden sich seit etwa fünf Jahren mehr Vollzeit- als Teil- zeitschüler an den Beruflichen Schulen Rheingau - das klassische Übergangssystem macht mit etwa 300 von insgesamt ca. 1 000 Schülerinnen und Schülern einen wesentlichen Teil der Schülerschaft aus.

Auch die Fachoberschule, die nicht offiziell zum Übergangssystem gehört, nimmt jedes Jahr ca. 150 Schülerinnen und Schüler auf. Ein Großteil dieser Schülerschaft wählt die Fachoberschule aus den gleichen Gründen, wie Schülerinnen und Schüler, die sich dem offiziellen Übergangssystem zuwenden - aufgrund von Schwierigkeiten, den Weg in die berufliche Erstausbildung zu finden. Nur Wenige wählen die Schulform, um tatsächlich ein Studium anzustreben.

Die Einjährige Höhere Berufsfachschule für Wirtschaft (Höhere Handelsschule) gehört klassischer Weise zum Übergangssystem und nimmt Schülerinnen und Schüler auf, die nach der Mittleren Reife den Übergang in die Arbeitswelt nicht gefunden haben und - so zumindest die Konzeption der Schul- form 1981 - sich für eine kaufmännische Ausbildung interessieren. Diese Schülerinnen und Schüler sollen kaufmännische Vorkenntnisse erlangen, die Berufsfeldentscheidung noch einmal überprüfen und sich für eine kaufmännische duale Ausbildung besser positionieren. Nach aktuellen Evaluations- ergebnisse trifft das kaufmännische Interesse nur auf etwa ein Drittel der Schülerschaft zu. Ein wei- teres Drittel hat noch keine Vorstellung von der persönlichen beruflichen Zukunft. Das letzte Drittel besteht aus Schülerinnen und Schülern, die ohne jegliche Orientierung im Schulsystem und dem Aus- bildungsmarkt sind und überhaupt nicht wissen, was sie sonst hätten tun sollen. Im Rheingau ist die Höhere Handelsschule die einzige Schule des Übergangssystems für junge Menschen mit Mittlerer Reife, sofern Sie den benötigten Notenschnitt für die Aufnahme an einer Fachoberschule nicht erlangt haben. Und da sich Schülerinnen und Schüler erfahrungsgemäß ungern außerhalb des Rheingaus ori- entieren, stellt die Höhere Handelsschule daher häufig deren einzige Alternative dar. In dieser Schul- form werden jährlich ( - es ist eine einjährige Schulform - ) 25 - 45 junge Menschen aufgenommen.

3.3 ZIELGRUPPE, SITUATION UND ZIELE

Das allgemeinpädagogische Konzept der Höheren Handelsschule greift die These, dass rechtzeitige, gute berufliche Orientierung nötig ist (Reißig 2016, S. 28) auf und bietet im Wahlpflichtunterricht Berufsorientierung durch eine Bildungsberaterin. In enger Zusammenarbeit mit der Schulsozialarbeit (deren Träger ist die vhs Rheingau-Taunus) findet parallel dazu, aber mit etwas späterem Start, ein umfangreiches Bewerbungstraining statt, welches auf die praktischen Anforderungen des Ausbildungs- marktes vorbereiten soll. Hier werden Praktikums- und Ausbildungsstellen gesucht, Telefonate geübt, Bewerbungen geschrieben und Einstellungstests, sowie Assessement-Center Aufgaben analysiert und erprobt. An dieser Stelle, soll das bisherige Konzept um das medienpädagogische Projekt1 „online- me“ erweitert und der Blick auf Privatheit im Netz, den Umgang damit und dessen Auswirkungen auf die Chancen am Ausbildungsmarkt reflektiert werden.

Die 25 - 45 Schülerinnen und Schüler der Höheren Handelsschule haben an 10 Unterrichtsstunden in der Woche einen EDV-Raum zur Verfügung. Sie besuchten zuvor allgemeinbildende Schulen, an denen kein EDV-Unterricht stattfand oder sich dieser auf rein informatische Themen (Programmierung, ma- thematische Informatik usw.) oder das Nutzen von Office-Standard-Software als Endanwender be- schränkt hat. Im Privaten haben die jungen Leute aber vielfältige und sehr unterschiedliche Vorer- fahrungen und Kenntnisse über Computer, das Internet, das WorldWideWeb und die Sozialen Netz- werke. Im Grunde alle bewegen sich aber regelmäßig auf facebook, Twitter, Instagram Pinterest oder nutzen Google, whatsapp oder den Facebook Messenger - mehr oder weniger informiert und reflek- tiert - jedoch in deutlichem täglichen Stundenumfang. Insbesondere durch die Möglichkeit der mobi- len Nutzung via Smartphone sind die Schülerinnen und Schüler praktisch permanent „im Netz“.

Im Verlauf des Bewerbungstrainings ist häufig festzustellen, dass die jungen Menschen durchaus be- wusst und zielorientiert mit ihrem physischen Erscheinungsbild umgehen. Sie können über „den ersten Eindruck“ reflektieren und kennen den Zusammenhang zwischen dem Bild, das ein Gegenüber von ihnen erlangt und ihren Chancen in Bewerbungssituationen oder dem Fortgang der Beziehung im Pri- vatleben. Man kann hier von einem bewussten Identitätsmanagement in der realen Welt sprechen (Einspänner-Pflock 2015, S. 98).

In der Welt des WorldWideWeb ist die Außendarstellung genauso wichtig. Besonders weil häufig die dort zur Verfügung stehenden Informationen die einzigen sind, die einem potentiellen Ausbildungsbe- trieb zunächst zur Verfügung stehen, um zu entscheide, ob ein Schüler oder eine Schülerin eingeladen wird oder nicht, sofern die zugesandte Bewerbung grundsätzliches Interesse hervorgerufen hat. Dar- über hinaus bestehen diese öffentlichen Informationen in der Regel ausschließlich aus selbst gestal- teten Attributen (Einspänner-Pflock 2015, S. 99), die von den jungen Menschen meist mit privaten Zielen unter nicht öffentlichem Fokus verwendet, gestaltet und veröffentlicht werden. So wollen diese z. B. erreichen in ihrer peer-group anerkannt zu werden, sich abzugrenzen oder sie verfolgen ganz andere Interessen. Die Wirkung auf einen möglichen Arbeitgeber ist hier oft nur wenig oder gar nicht bedacht. Somit entsteht kein authentisches Gesamtbild des Jugendlichen, sondern ein stark fragmentiertes Sammelsurium darüber, wie gut der junge Mensch mit den Möglichkeiten der einzelnen Plattformen umgehen kann (ebd. S. 99). So zeigen die sehr häufig genutzten „Selfies“ zwar nicht, wie der junge Mann oder die junge Frau ist, sondern aber wie er oder sie sein will (von Freunden und Bekannten (Tillmann 2014, S. 44)), gesehen werden will oder wie kreativ er/sie ist (ebd. S. 100).

Die Selbstdarstellung junger Menschen im Netz birgt auch immer einen - technisch begründeten - Anteil von Fremddarstellung, auf den die User selbst keinen oder nur wenig Einfluss haben und - von dem sie in der Regel auch keine Vorstellung haben (Einspänner-Pflock 2015, S. 102). So bestimmen Algorithmen z. B. über Verlinkungen oder Werbungen, die den Nutzern eingeblendet werden, während sie das Profil eines anderen besuchen, was zweifelsohne Einfluss auf deren Eindruck vom Profil hat. Ein Beispiel: Nach Erhalt einer Bewerbung, die grundsätzlich interessant erscheint, wird der Bewerber im Internet recherchiert (was heute fest verankerte Praxis in mittelständigen und großen Unterneh- men ist und auch immer mehr in Kleinbetrieben Einzug hält). Während das Facebook-Profil betrachtet wird, erscheinen im Werbebereich Einblendungen von Ego-Shooter-Spielen, Bierwerbung, und Zom- bie-Rollenspielen. Obwohl der technische Zusammenhang mit dem Betrachter zu suchen ist, nicht mit dem Profil, kann die Wahrnehmung negativ (kindisch, spielt gern, Party-Macher) beeinflusst sein. Werden im gleichen Moment die zuständige IHK, Fachbuchwerbung zum Ausbildungsberuf und Online- Plattformen z. B. zu Steuerthemen eingeblendet, ist der Eindruck mit relativer Sicherheit ein ganz anderer.

[...]


1 Der Begriff „Projekt“ wird in der gesamten Arbeit nicht im erziehungswissenschaftlichen Sinn genutzt, bei dem Projektarbeit ergbnisoffen und selbstbestimmt durch die Teilnehmer gesteuert wird, sondern im umgangssprachlichen Sinn. So ist ein geplantes Vorhaben in absehbarem Handlungsrahmen und festgelegtem Ziel und Zeitraum gemeint.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Das Online-me-Konzept. Selbstdarstellung junger Menschen in sozialen Netzwerken
Untertitel
Ein medienpädagogisches Konzept für eine 4,5-stündige Reflexionsphase
Hochschule
Hochschule RheinMain  (Sozialwesen)
Veranstaltung
Basa P3 - Gestaltung, Kreativität und Präsentation
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
15
Katalognummer
V378875
ISBN (eBook)
9783668558977
ISBN (Buch)
9783668558984
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Mein online-me. Selbstdarstellung junger Menschen in sozialen Netzwerken am Übergang von der Schule in den Beruf. Ein medienpädagogisches Konzept zur Gestaltung einer 4,5-stündigen Reflexionsphase zum Online-Auftritt junger Menschen in der Bewerbungsphase für die Erstausbildung. Die Konzeption dieser Phase lässt sich auf viele Klienten- bzw. Schülergruppen übertragen und anpassen. Die Paraphrasen wurden nicht mit "vgl." kenntlich gemacht, weshalb die Note von 1,0 auf 1,3 herabgesetzt wurde.
Schlagworte
Unterrichtsentwurf, online Auftritt, soziale Netzwerke, Selbstdarstellung, online Konzept
Arbeit zitieren
Maike Gehlert-Orth (Autor), 2017, Das Online-me-Konzept. Selbstdarstellung junger Menschen in sozialen Netzwerken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378875

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