Urlaub bedeutet für viele Verbraucher mittlerweile mehr als nur gutes Wetter und All-Inclusive Hotels. Gesucht wird ein unverfälschter Einblick in die lokale Kultur mit Kontakt zu Einheimischen, ohne dabei das Umfeld der Menschen vor Ort negativ zu beeinflussen – kurz: ein authentisches und nachhaltiges Reiseerlebnis.
Viele Reiseveranstalter haben diesen Trend bereits erkannt und nutzen den Aspekt der Nachhaltigkeit für die Vermarktung ihrer touristischen Produkte. Aber was genau macht einen nachhaltigen Urlaub aus und wie kann dieser garantiert werden?
Eva Lill nimmt das Konzept der Nachhaltigkeit innerhalb des Tourismus in ihrer Publikation genauer unter die Lupe. Sie untersucht in diesem Zusammenhang, inwiefern "Corporate Social Responsibility" (CSR) und Zertifizierungen das Potential haben, einen nachhaltigen Tourismus in Entwicklungsländern umzusetzen.
Aus dem Inhalt:
- Tourismus;
- Nachhaltigkeit;
- Corporate Social Responsibility;
- Enwicklungsländer;
- CSR-Siegel.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Einführung in die Thematik
1.2 Methodisches Vorgehen
2 Theorie
2.1 Geographische Grundlagen und Entwicklung des Tourismus
2.2 Das Konzept des nachhaltigen Tourismus
2.3 CSR und nachhaltiger Tourismus
3 Empirische Umsetzung
3.1 Qualitatives Forschungsdesign: Experteninterview
3.2 Vorstellung der Ergebnisse
4 Fazit und Ausblick
4.1 Das Potential von CSR-Siegeln für die Entwicklung
4.2 Künftige Herausforderungen bei der Umsetzung eines nachhaltigen Tourismus
4.3 Die Rolle der IL: Zwischen Ausbeutung und Verantwortung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit CSR (Corporate Social Responsibility) und Zertifizierungen im Tourismus dazu beitragen können, eine nachhaltige Regionalentwicklung in Entwicklungsländern (EL) zu fördern, und ob sie ein wirksames Mittel gegen Greenwashing darstellen.
- Grundlagen des nachhaltigen Tourismus und entwicklungspolitische Zusammenhänge
- Die Rolle von CSR in der touristischen Wertschöpfungskette
- Analyse eines CSR-Siegels im Tourismus am Beispiel des Reiseveranstalters Papaya Tours GmbH
- Herausforderungen bei der Kontrolle und Implementierung von Nachhaltigkeitsstandards im Zielland
- Das Spannungsfeld zwischen ökonomischem Gewinnstreben und ökologischer sowie sozialer Verantwortung
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Entwicklungspolitische und wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus
Aufgrund der wachsenden Nachfrage und ihrem oft außergewöhnlichen kulturellen und landschaftlichen Potential wurde ab den 1960er Jahren in vielen ehemaligen Kolonien große Hoffnung in den Tourismus als Leitindustrie und Devisenbringer gesetzt. Als „weiße Industrie“ sollte er die wirtschaftliche Unterentwicklung dieser Länder ohne traditionelle Industrien, sanft und umweltschonend nachholen (vgl. STRASDAS 2001, 70). Durch den Tourismus versprach man sich eine stärkere Einbindung in den Weltmarkt und den Wechsel von der traditionellen Subsistenzwirtschaft zur modernen Dienstleistungsgesellschaft.
Insbesondere für Länder mit fehlendem Potential zur Steigerung alternativer agrar- oder industriewirtschaftlicher Produktionen (vorwiegend Inselstaaten) und dementsprechend niedrigem Bruttosozialprodukt ist er heute eine entscheidende Einnahmequelle (vgl. VORLAUFER 1996, 1). Für jedes dritte Entwicklungsland stellt der Tourismus mittlerweile die Haupteinnahmequelle für Devisen dar (vgl. BEYER 2014, 6). Die Tourismuswirtschaft wird daher nicht grundlos als eine der Leitökonomien des 21. Jahrhunderts bezeichnet. Neben den makroökonomischen Effekten profitieren die Länder noch auf anderen Ebenen von dem Wirtschaftszweig. Laut UNWTO hängt in etwa jeder elfte Arbeitsplatz direkt oder indirekt vom Tourismus ab (vgl. UNWTO 2015, 2).
Oft sind gerade die wirtschaftlichen Passivräume eines Landes, die sogenannten peripheren Orte, durch ihre landschaftlichen Reize für Besucher besonders attraktiv. Durch den Tourismus können Entwicklungsimpulse und somit regionale Ausgleichseffekte ausgelöst werden. Denn durch den Ausbau der Infrastruktur, der mit der touristischen Erschließung einhergeht, profitiert auch die einheimische Bevölkerung. Deshalb gilt er in peripheren Regionen oft als Hoffnungsträger sowohl zum Infrastrukturausbau als auch zur Schaffung neuer Arbeitsplätze bzw. Generierung höherer Einkommen (vgl. SCHMUDE a. NAMBERGER 2010, 95). Mit der Entstehung neuer Arbeitsplätze gehen weitere positive Nebeneffekte einher. Da rund zwei Drittel der Beschäftigten im Tourismussektor Frauen sind, treibt es in vielen unterentwickelten Ländern die Emanzipation voran.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein, beleuchtet den gesellschaftlichen Wandel hin zu nachhaltigem Reisen und erläutert die methodische Herangehensweise der Arbeit.
2 Theorie: Hier werden tourismusgeographische Grundlagen, das Konzept des nachhaltigen Tourismus sowie die Relevanz von CSR im Tourismussektor theoretisch fundiert.
3 Empirische Umsetzung: Dieser Teil analysiert anhand von Experteninterviews die praktische Anwendung des Tourcert-Siegels und beleuchtet die Chancen und Schwachstellen des Zertifizierungssystems.
4 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert das Potential von CSR-Siegeln für die Regionalentwicklung und analysiert künftige Herausforderungen.
Schlüsselwörter
Nachhaltiger Tourismus, Corporate Social Responsibility, CSR, Tourismusentwicklung, Entwicklungsländer, Reiseveranstalter, Tourcert, Zertifizierung, Greenwashing, Wertschöpfungskette, Regionalentwicklung, Stakeholder, Nachhaltigkeit, Tourismusgeographie, LOHAS
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob Nachhaltigkeit im Tourismus durch CSR-Zertifikate effektiv gesichert und gefördert werden kann, besonders im Kontext von Entwicklungsländern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf den geographischen Grundlagen des Tourismus, der Bedeutung von CSR für Reiseveranstalter, der Problematik des Greenwashings und der Rolle von Zertifizierungssystemen für eine nachhaltige Regionalentwicklung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu prüfen, inwieweit CSR-Zertifikate als Instrumente dienen können, um die Praktiken von Reiseveranstaltern zu optimieren und einen positiven Beitrag zur Regionalentwicklung in Entwicklungsländern zu leisten.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit basiert auf einer qualitativen Analyse, wobei Experteninterviews mit Vertretern eines Reiseveranstalters und einer Zertifizierungsstelle geführt wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl theoretische Ansätze zur Nachhaltigkeit im Tourismus diskutiert als auch eine empirische Untersuchung anhand des Tourcert-Siegels und des Reiseveranstalters Papaya Tours durchgeführt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind CSR, Nachhaltiger Tourismus, Tourcert, Wertschöpfungskette, Regionalentwicklung, Greenwashing und Entwicklungsländer.
Welche Rolle spielt die "Trickle-down"-Theorie in der Arbeit?
Die Arbeit hinterfragt die "Trickle-down"-Theorie kritisch im Tourismuskontext, da sie untersucht, ob ökonomische Gewinne tatsächlich bei der lokalen Bevölkerung ankommen oder ob Abhängigkeiten von internationalen Konzernen bestehen bleiben.
Warum ist die Unterscheidung zwischen interner und externer CSR bei Reiseveranstaltern so wichtig?
Da Reiseveranstalter meist nur "Großhändler" sind, liegt die größte Herausforderung in der externen Dimension: der nachhaltigen Gestaltung der Lieferkette und der Kontrolle der Leistungsträger vor Ort im Zielland.
- Arbeit zitieren
- Eva Lill (Autor:in), 2016, Urlaub mit Verantwortung. Kann Nachhaltigkeit im Tourismus durch CSR-Zertifikate gesichert werden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/379647