The CSH Program. Die modellhafte Idee der Case Study Houses (1945 - 1966 Kalifornien, Arizona)


Studienarbeit, 2017
37 Seiten
Paul Breuer (Autor)

Leseprobe

INHALT

1. CSH Program:

Individueller Entwurf und standardisierte Konstruktion

2. Formale Ähnlichkeiten der singulären Modellhäuser
2.1 Die Siedlungsbauten ohne Siedlung
2.2 Ein Model zur strukturellen Raumgliederung

3. Die modellhafte Idee der Modellhäuser

4. Literaturverzeichnis

5. Verzeichnis elektronischer Dokumente

6. Abbildungsverzeichnis

1. CSH Program:

Individueller Entwurf und standardisierte Konstruktion

Das Paradox von einem offenem Raumeindruck innerhalb der geschlossenen räumlichen Einheit eines singulären Wohnobjektes, aber auch die optische Transparenz sowie die architektonisch strukturierte Separation funktional unterschiedlicher Wohnareale wird in der programmatischen Zusammenstellung der Case Study Houses variantenreich thematisiert und regional geplant sowie ausgeführt. In Anlehnung an den Begriff der „case studies“ sollen im Folgenden generelle Prinzipien in Hinsicht auf die raum- und materialästhetischen Besonderheiten sowie Ähnlichkeiten abgeleitet werden.

Durch die untersuchende Betrachtung der Gesamtheit der Fallstudien- Häuser ebenso wie der exemplarischen Einzelbetrachtung der gestalterisch variablen und zugleich konstruktiv ähnlichen Haustypen soll der Dualismus von subjektivierender Gestaltung und objektivierender Standardisierung erörtert werden.

Das Programm wurde von 1945 bis 1966 überwiegend in dem US- amerikanischen Bundesstaat Kalifornien und einmal im benachbarten Gliedstaat Arizona konzipiert, zudem schriftlich veröffentlicht und vereinzelt auch baulich ausgeführt. Demonstrativ zusammengefasst werden die einzelnen Prototypen der familiär zu bewohnenden Baukuben in der offiziellen Liste der Zeitschrift Arts & Architecture, in welcher alle veröffentlichten Fallstudien- Häuser in teilweise chronologischer und teilweise konzeptioneller Reihenfolge aufgestellt werden (Abb. 1).1 Tendenziell sind die Einfamilienhäuser nach ihrer zeitlichen Ersterscheinung im Journal sortiert. Zudem gibt es eine Rangfolge zwischen den gebauten und nicht gebauten Entwürfen, wobei interessant ist, dass ab CSH#17 und CSH#21 jeweils zwei Hauskonzepte einmal aus den 1940er und einmal aus den 1950er Jahren miteinander gepaart werden. Die Liste endet mit zwei Konzepten zu Apartmenthäusern, von welchem eines außerhalb Kaliforniens in Phoenix verwirklicht wurde.2 Im Ganzen wurden demgemäß sechsunddreißig architektonische Konzepte illustriert und fünfundzwanzig davon erbaut, die von insgesamt einundzwanzig Architekten und Architekturbüros entworfen wurden. Proklamiert wurde der Beginn des CSH Program im Announcement der Ausgabe Arts & Architecture vom Januar 1945, welches vom Herausgeber John Entenza selbst verfasst wurde. Hierbei sollten acht international renommierte kalifornische Architekten „multipliable, aber nicht autonom herausragende“ Lösungen für die aktuelle Problematik der Wohnungsnot nach dem Zweiten Weltkrieg finden.3 Die Monatsschrift scheint derweil wie ein Initiator für die Gebäudefolge zu agieren, für welche sie sogar wiederholt beispielhafte Klienten für den Architekturentwurf als Paradigma einer „typisch modernen“ Familie anregt. So wird der oftmals pathetisch formulierte Inhalt der Revue ab diesem Zeitpunkt an maßgeblich durch das Fallstudien- Programm bestimmt. Die Artikel, Fotodokumentationen und Ankündigungen zu den jeweiligen Gebäudestudien sind dabei durch Werbeinserate zu speziell diesbezüglich verwendeter Baumaterialen und Einrichtungsgegenständen eingefasst, welche von kürzeren Artikeln zu abstrakter Kunst, zeitgenössischer Architektur, dekorativem Design und kultureller Information mit einem teilweise gesellschaftspolitischen Subtext unterbrochen sind. Die publizistische Begleitung dieses langjährigen Projektes diente somit nicht nur ihrer Vermarktung sondern auch ihrer Überhöhung.

In der retrospektiven Betrachtung des konzeptionellen Gesamtwerkes sind die Arbeiten der Kunsthistorikerin Elizabeth A. T. Smith tonangebend. Die Monographie Case Study Houses - Der kalifornische Impuls ermöglicht einen allgemeinen Überblick über das Gefüge der Bauteile in den Fallstudien- Häusern.4 Etwas detaillierter im Hinblick auf die geschichtliche Nutzung und Umnutzung der Bauten durch ihre Bewohner beäugen die beiden Architekten Ethel Buisson und Thomas Billard die funktionalen und ästhetischen Raumkünste der amerikanischen Nachkriegsgesellschaft in der Schrift The Presence of the Case Study Houses.5 Das Buch schließt an das Werk von Smith an, welches kurz zuvor 2002 erstmals in Los Angeles in englischer Sprache erschienen ist und gleich darauf in mehreren Ländern und Sprachen veröffentlicht wurde.6 Dort werden nach einer knappen Einleitung über das prototypische Häuserprojekt die einzelnen Hausstudien in der nun etablierten Reihenfolge aufgelistet. Die Einzelfälle werden durch einen komprimiert informativen Text begleitet und durch zahlreiche Konstruktionszeichnungen, Grundrisse und Querschnitte, perspektivischen Darstellungen, Skalenmodellen und Fotografien mit Beschreibungen programmatischer Interieurelemente illustriert. Noch etwas ausführlicher werden die jeweiligen Gebäudestudien in dem anderen wissenschaftlichen Einzelwerk von Smith erläutert, Case Study Houses - The Complete CSH Program 1945 - 1966, das im selben Jahr verlegt wurde.7 Ausgangspunkt für die umfangreichen Abhandlungen für Smith war die von ihr kuratierte Ausstellung Blueprints for Modern Living - History and Legacy of the Case Study Houses im Museum of Contemporary Art in Los Angeles im Jahre 1989. Begleitend dazu erschien der gleichnamige Ausstellungskatalog von Smith als Herausgeberin, in welchem die analoge Idee der jeweils differenziert gestalteten Einzelhäuser in einem architekturhistorischen, kultursoziologischen und wirtschaftspolitischen Sinnzusammenhang begutachtet werden.8 Als referenzielles Werk wird bei Smith auf die erste umfangreiche Abhandlung zu den Fallstudien-Häusern von Esther McCoy Modern California Houses - Case Study Houses - 1945-1962 bezüglich ihrer stilistischen und programmatischen Einordnung verwiesen.9 Die Schrift ist 1962 noch während des laufenden Bau- und Entwurfsprogramms verfasst worden und kann als Reaktion auf die zahlreichen - vor allem bildlichen - Publikationen der Bauten von Pierre Koenig in diversen Populär- und Fachzeitschriften gesehen werden. Die in Stahlrahmen-Bauweise gefertigten Einzelhäuser sind zumeist durch den in Kalifornien und auch für die Zeitschrift Arts & Architecture häufig gebuchten Fotografen Julius Shulman abgelichtet worden. Dabei sind die wiederholt publizierten Fotografien durch die romantisierende Inszenierung der jeweiligen Bau- und Wohnensembles in diffusen Lichtverhältnissen, malerischen Landschaftsbeziehungen oder idealen Bewohnerkonstellationen ikonisch rezipiert worden. Shulmans Schaffen kann demnach nicht nur als eine zeitgenössische Rezeption und Dokumentation erachtet werden, sondern auch als notwendiges Mittel zur Entstehung des Sinnbildes des „California Way of Life“, in welchem eine paradiesische Naturmetapher mit einem herrschaftlichen Gestus des Industriellen verbunden wird.10

Die formalen Ähnlichkeiten der singulären Modellhäuser bedürfen demnach einer Erörterung bezüglich der Relation von publizierter Bildwelt und architektonischer Realität und einer Erörterung bezüglich des Verhältnisses der einzelnen Hausformen zur Gesamtgestaltung des Häuserprogramms. Insoweit gliedert sich der Gang der Untersuchung zunächst in eine Einführung des Lesers in die allgemeinen räumlichen Gesetzmäßigkeiten und Unterschiede der Fallstudien-Häuser. Der darauffolgende Teil behandelt einzelne Bauwerke nach der Frage ihrer geographischen und sozialräumlichen Anordnungen und nach der Einbindung der Werke in das architektonische Gesamtvolumen. Durch den Vergleich einzelner ausgewählter Projekte untereinander, aber auch mit anderen regional, national und international bekannten Wohnbau- und Siedlungsprojekten, soll die rezeptionsästhetische Gesamtbetrachtung des Häuserprogramms strukturanalytisch ergänzt werden. Der letzte Teil der Untersuchung soll die Darstellung des gesellschaftlichen Wohnens in der kalifornischen Nachkriegsmoderne und dessen Betrachtung in seiner räumlichen Positionierung resümieren.

2. Formale Ähnlichkeiten der singulären Modellhäuser

Die Entwürfe sowie die Errichtungen der insgesamt sechsunddreißig geplanten „kostengünstigen und experimentellen“ Modellhäuser sind konzeptionell verbunden durch eine ähnliche technische Planung und Ausfertigung sowie durch eine jeweils individuelle Raumgestaltung entsprechend fiktiver oder realer Bauherren.11 Aufgrund des historischen Kontextes der wirtschaftlichen Knappheit von Ressourcen nach dem Zweiten Weltkrieg, in welchem der Leitgedanke des Programms etabliert wurde, wird dem architektonisch zu verwendendem Material eine symbolische Sparsamkeit zugesprochen. Insofern sollten die in technischer Hinsicht scheinbaren Fertighäuser konstruktiv durch fabrikfertige Materialien und dadurch scheinbar kosteneffiziente Module charakterisiert werden - so vor allem durch eine Pfosten-Riegel-Konstruktion oder eine Stahlskelettbauweise, wodurch eine freie Raumgliederung innerhalb eines kompakten Umrisses ermöglicht wird. Die strukturelle und tektonische Rationalisierung des Typus „Haus“ verbindet die Einzelmodelle somit zielsetzend. Trotzdem ist jedes Objekt in Gestalt und Form unterschiedlich. Zudem sind sie von unterschiedlichen Architekten an relativ unterschiedlichen örtlichen Beschaffenheiten und zu unterschiedlichen wirtschaftspolitischen und soziologischen Phasen des Landes entstanden. Diese Eigenheiten relativieren eine paradigmatische Generalisierung der Fallstudien, welche in der kunst- und architekturhistorischen Literatur oftmals verallgemeinert werden.

Gleichwohl sind gewisse formale Ähnlichkeiten offensichtlich, so dass die singulären Modellhäuser nicht nur aufgrund ihres gemeinsamen Initiators, der Arts & Architecture, miteinander in Beziehung zu setzen sind.

Deutlich wird dies durch die Betrachtung der verschiedenen Fassadenansichten, die medial abwechslungsreich - in Verwendung von akkuraten Architekturzeichnungen mit einem malerischen Charakter und atmosphärischen Modell- und Architekturfotografien - in der Monatsschrift abgebildet wurden (Abb. 2). Es handelt sich bei den Programm-Häusern dabei vornehmlich um eingeschossige Flachbauten, die auf einer geebneten Grundstücksfläche wie „aufgelegt“ erscheinen.12 Die meist länglichen und im Grundriss eckigen Gebäuden werden durch ein vergleichsweise dünnes, filigranes und ebenfalls flaches Dach nach oben hin abgeschlossen. Die tragende Unterkonstruktion ist mit der obersten Geschossdecke identisch, wobei die Balkenträger oftmals weiter über den eigentlich zu überdachenden Baukörper hinaus ragen. Durch den horizontalen Gebäudeabschluss scheint der bauliche Korpus formal gerahmt zu sein, indem die gerade Bodenfläche repetiert und teilweise versetzt aufgegriffen wird.13 Auffällig ist, dass alle Dächer eine sehr geringe Neigung haben, auch wenn nur wenige ein Flachdach mit minder als zwei Grad Schrägabfall aufweisen. Man kann aber in keinem Fall von einer gestalterisch „homogenen“ Konstruktion der Dachflächen sprechen, da die äußere Form der Überdachung geometrisch nicht immer klar zu definieren ist. Es scheint eher eine Addition von mehreren rechteckigen Ebenen zu sein, welche auch partiell durchbrochen oder verglast sein kann. Zusätzlich können diese Ebenen horizontal versetzt auftreten und sogar schräg verschoben in Erscheinung treten. Oftmalig ist es eine Kombination aus unterschiedlich großen Schräg- und Flachdach-Typen.14 Insoweit ist das Aufbrechen, Versetzen und Kippen der vermeintlich horizontalen Gebäudeabschlüsse ein allgemeines Charakteristikum der Case Study Houses.

Das waagerechte Gestaltungselement erscheint ebenfalls wieder in der formalen Strukturierung der Fassaden - hier allerdings in einer streng orthogonalen Wechselbeziehung zum senkrechten Gestaltungselement. So ist das äußere Erscheinungsbild der Modellhäuser rhythmisiert durch eine immer sichtbare Trägerkonstruktion.15 Demnach ist das System der tragfähigen Glieder nicht nur statisch maßgebend, sondern auch formalästhetisch. Ausgefüllt und gefestigt werden die Tragglieder durch dazwischen eingefügte Fensterbände, Holztafeln und Mauerwerke. Nebst der Materialvielfalt und dem damit einhergehenden farblichen Abwechslung gibt es ferner eine große Kompositionsvielfalt der verschiedenen Fassadenansichten innerhalb eines Hausobjektes selbst. Jedes Modellhaus ist begehbar durch mehrere Ein- und Ausgangssituationen - angefangen bei den generellen Haustüren, über die Autoauffahrten mit separaten Eingangsmomenten und zu den verschiedenen Übergängen zwischen Gebäuden und Terrassen. Insofern wird eine hauptsächliche Ansicht der Gebäude abgelöst durch eine Vielzahl an Schauseiten und Betrachtungsperspektiven, die sich allerdings erst durch das Betreten und Verlassen der Objekte ergeben. Demgemäß werden diese primären Übergangszonen häufig durch Gehfluchten akzentuiert. Ab gesehen davon ist an den Fassaden die innere Gliederung der hinter ihr liegenden Baukörper nur schwerlich auszumachen. Trotzdem wird durch die tiefen und / oder langen Fensterflächen ein Ein- und Ausblick ermöglicht, welcher hingegen auf der Straßenseite oftmals durch halbhohe oder gebäudeabschließende

Wände oder Mauern versperrt wird.16 Sonach ist die äußere Erscheinung der Fallstudien-Objekte durch vor- und zurückspringende Raumabschlüsse in der Vertikalen und durch hoch- und runtergesetzte Raumabschlüsse in der Horizontalen ausgezeichnet.

Dieses Prinzip des infiniten Raumabschlusses wird gleichfalls in den freien Grundrissgestaltungen der Entwurfshäuser deutlich (Abb. 3).17 Außenwände und Stützen tragen die Lasten ab, die durch ein jeweils einheitliches Rastersystem determiniert sind. Innerhalb dieses durch die Tragstruktur aufgespannten Schemas können Trennwände flexibel eingezogen werden. Die tatsächlichen und geradlinigen Begrenzungen des Baukörpers sind in den Grundrissen nicht immer auf den ersten Blick klar zu erkennen. Wiederholt erscheinen Raumgrenzen verunklärt durch großflächige Schiebetüren und Schiebefentster mit einem Aluminiumrahmen und durch einen einheitlichen Bodenbelag besonders zwischen den Wohn- und Essbereichen hin zum Terrassenbereich. Dennoch gibt es auch baulich vorgeblich abgeschlossenere Raumeinheiten, die durch einen örtlichen Abstand, Trennwänden, Schwenktüren oder einfach nur einem anderen Fußbodenbelag optisch separiert sind. Ein solcher Aspekt der Abtrennung findet sich insbesondere bei funktionalen Raumgliedern wie Haushaltsräumen, Bädern und Schlafzimmern. Das Küchenareal stellt in diesem Zusammenhang eine Art Bindeglied zwischen diesen beiden Polen dar und changiert zwischen einem baulichen Zeigen und Verbergen.18

Signifikantes Merkmal der Modellhäuser ist daher nicht allein die Kombination von in sich abgeschlossenen konstruktiven Teilräumen, sondern das Separieren und Öffnen von funktionalen Raumgliedern.19 Das gesamte umbaute räumliche Volumen wird, mitsamt der Terrassenflächen und ummauerten Grundstücksgrenzen, als ein zusammenhängendes Kontinuum aufgefasst. Dazu gehören zudem eine üppige Gartenlandschaft mit subtropischen Bäumen und Dornbüschen, sowie einer sattgrünen Rasenfläche, welche die Häuser umgeben oder sogar durchdringen.

Dem direkten Einbezug der Natur steht das Dispositiv der Kraftfahrzeugnutzung gegenüber. Die räumliche Unterbringung des - in Los Angeles sowieso immer notwendigen - Autos wird bei den Fallstudien-Häusern in Form einer Garage oder eines Carports in unmittelbarer Nähe zum Wohnbereich verortet. Dazu gehört jeweils eine Zufahrt für das oder die Fahrzeuge, wobei die für die Auffahrten benötigten Flächen im Vergleich zu den Hausflächen oftmals gerade mal nur halb so klein sind. Der Ausübung der motorisierten Mobilität wird hier also ein großer Raum zugesprochen.20

Scheinbar ad absurdum wird dieses Paradigma des Mobilen in dem nicht ausgeführten Entwurf zu CSH#4 von Ralph Rapson von 1945 formuliert (Abb. 4). Hier wird nicht nur die Erdbodenfläche zur schnelleren Fortbewegung genutzt, sondern selbst der Luftraum wird durch einen kleinen Helikopter vereinnahmt.21 Zugleich wird das sogenannten Greenbelt House durch eine überdachte Garten-Achse durchzogen. Die Nutzung des technischen Fortschritts scheint bei den Case Study Houses stets den Einsatz grüner Pflanzen als Gestaltungselement und eine damit einhergehend aktive Außenraumnutzung der Bewohner als Gegengewicht mit sich zu ziehen.

In einer ähnlichen Assoziation verhält es sich mit den vieleckigen Hausbegrenzungen der Modellhäuser. Es handelt sich im Grundriss niemals um einen kompakten Baukörper, vielmehr handelt es sich um vielteilige Raumgefüge, die zwar baulich zusammengeführt sind, aber zugleich nach Außen, in die sie umgebende Landschaft, ausgerichtet sind.

[...]


1 Einen umfassenden Einblick in die Planung und Durchführung der Projekte der Case Study Houses bietet die Startseite der im Nachhinein digitalisierten Zeitschrift Arts & Architecture, auf welcher auch alle Ausgaben der Zeitschrift archiviert sind. Dabei sind allerdings nur die Ausgaben dokumentiert, die ab der Erscheinung des CSH Program publiziert wurden - also von Januar 1945 bis Juli/August 1967. Das Magazin erschien jedoch schon ab 1929, damals noch unter dem Titel California Arts & Architecture. John Entenza wurde ab 1940 bis 1962 der Herausgeber und übergab dann die Leitung bis zum Ende der Publizierung 1967 an David Travers. Vgl. http://www.artsandarchitecture.com (03.03.2017). Und vgl. die vollständigen Faksimiles der ersten Ausgaben von John Entenza und David Travers (Hg.): Arts & Architecture. 1945-49. Köln 2014.

2 Travers selbst bezeichnet die Nummerierung der Case Study Houses als „unerklärlich“ und kommentiert sie humorvoll: „[…] the peculiarities of CSH numbering system are inexplicable, locked in the past. Not serious, perhaps, but perplexing to the researcher. Esther McCoy, as familiar with the CSH program as anyone, carefully avoided the problem by ignoring it in her fine book; she didn’t number the house.“ Travers, David: Case Study House Program. Introduction, http://www.artsandarchitecture.com/case.houses/index.html (Anm. 1). Vgl. dazu auch Esther McCoy: Modern California Houses. Case Study Houses. 1945-1962. New York 1962.

3 Entenza, John: Announcement. The Case Study House Program. In: Arts & Architecture, Januar (1945), S. 37-41, hier S. 38: „ The house must be capable of duplication and in no sense be an individual ’performance’.“

4 Smith, Elizabeth A. T.: Case Study Houses. 1945 - 1966. Der kalifornische Impuls. Köln 2006.

5 Buisson, Ethel und Thomas Billard: The Presence of the Case Study Houses. Basel / Berlin / Boston 2004.

6 Smith, Elizabeth A. T.: Case Study Houses. 1945 - 1966. The California Impetus. Los Angeles 2002.

7 Smith, Elizabeth A. T.: Case Study Houses. The Complete CSH Program 1945 - 1966. Los Angeles (u.a.) 2002.

8 Ausst.kat. Blueprints for Modern Living. History and Legacy of the Case Study Houses, hg. v. Elizabeth A. T. Smith. Los Angeles (Museum of Contemporary Art) 1998 - 1989.

9 McCoy 1962 (Anm. 2).

10 Shulmans Arbeiten sind in Arts & Architecture gemäß dem Zeitschriftenformat relativ klein und in Schwarz-Weiß abgebildet, dabei sind die betreffenden Fotografien als meist singulär gedrucktes Original in einem Mittel- oder Großformat erfasst. Zur vergleichsweise großen atmosphärischen Dichte der farbigen kalifornischen Architekturbilder vgl. Sam Lubell und Douglas Woods (Hg.): Julius Shulman Los Angeles. The Birth of a Modern Metropolis. New York 2016-2011. Der Nachlass Shulmans wurde an das Getty Research Institute übermittelt und archiviert, vgl. dazu die Publikation des Instituts von Christopher James Alexander: Julius Shulman’s Los Angeles. Los Angeles 2011. Vgl. zudem das Onlineportal des Archivs, in welchem ein Teil der Sammlung digitalisiert zugänglich ist: http://www.getty.edu/research/tools/ guides_bibliographies/shulman/ (03.03.2017). Zum umfangreichen Gesamtwerk Julius Shulmans vgl. auch die mehrbändige chronologische Auswertung des Privatarchivs von Benedikt Taschen (Hg.): Modernism Rediscovered. Hong Kong (u.a.) 2007. Und vgl. Peter Gössel (Hg.): Julius Shulman. Architektur und Fotografie. Köln (u.a.) 1998. Zur filigranen und lichtdurchfluteten Innenarchitektur, welche von textilen Elementen und plakativen Farbmustern durchsetzt ist, vgl. Julius Shulman: The Photography of Architecture and Design. Photographing Buildings, Interiors, and the Visual Arts. New York 1977. Und vgl. Julius Shulman: Photographing Architecture and Interiors. Los Angeles 2000-1962.

11 Smith 2006 (Anm. 4), S. 6.

12 In sechs Modellen wurde ein Obergeschoss eingeplant - bei CSH#1 A, CSH#8, CSH#19, CSH#21A, CSH#25 und CSA#2. Es gibt keine Untergeschosse - in CSH#24 ist aber ein Teil des Wohn- und Küchenbereiches einige Zentimeter tiefer gelegt. Anders als bei den anderen Baulichkeiten, bei welchen die Begrenzungen des Baukörpers nur seitlich zu durchgehen sind - so zu freien oder ummauerten Terrassenflächen auf Geschossebene - ist nur bei CSH#16 auch die Begehung des Daches als einer oberen Terrasse und die Nutzung der tiefer als das Gebäude liegenden Hangebene als einer Art unteren Terrasse möglich.

13 Viele der realisierten Entwürfe sind eigentlich an einem Hang gebaut, doch wurden markante Höhenunterschiede meist durch Aufschüttungen ausgeglichen, so dass es auch in den jeweiligen Häusern überwiegend eine durchgängig plane Bodenfläche gibt, welche die Eingangssituation, die Fahrzeugauffahrt und die Terrassenflächen um das Haus miteinbeziehen. Verstärkt wird dieses „flächige“ Moment zusätzlich durch umlaufende Wasserflächen, die vor allem in den späteren Entwürfen verwendet wurden. Nur das CSH#26 betont in einem dramatischen Gestus der auskragenden Stahlkonstruktion seine Lage am Hang.

14 Etwas abweichend ist diesbezüglich CSH#11, in welchem ein Giebeldach über einem zweiflügeligen Gebäudegrundriss in ein flaches Vordach überführt wird. In CSH#20B andernfalls wurden teilweise tonnengewölbte Fertigbauelemente aus Douglastannen- Schichtholz in die Überdachung eingelassen. Und CSH#27 besteht aus mehreren singulären Bauten über einem quadratischen Grundriss, welche jeweils von einem relativ niedrigem Pyramidendach bedeckt sind.

15 Als Besonderheit bei CSH#8 sind hinzukommend zu dem sonst rechtwinkelig gegliederten Rastersystem des Skelettbaus noch kreuzförmige Versteifungen augenfällig.

16 Das räumliche Übergehen vom Innenraum zum Außenraum kann in einem allgemeineren formalen Zusammenhang für die gesamte kalifornische Architektur der Moderne geltend gemacht werden, vgl. dazu unter anderem Thomas Spight Hines: Architecture of the Sun. Los Angeles Modernism 1900-1970. New York 2010. Und vgl. Alan Hess: Forgotten Modern. California Houses 1940-1970. Layton 2007.

17 Nur zu CSH#15 wurde in Arts & Architecture niemals ein Grundriss veröffentlicht. In Ermangelung dessen ist hier ersatzweise eine Luftbildaufnahme von GoogleMaps eingefügt.

18 Die grundsätzliche Anzahl der Raumeinheiten bei den Case Study Houses lässt sich wie folgt aufzählen: eine Küche mit Haushaltsbereich, ein Wohnzimmer mit Gesellschaftsbereich, verschiedene Essbereiche, mindestens zwei Schlafzimmer, mindestens zwei Badezimmer, eine Garage und verschiedene Terrassenbereiche oder Innenhöfe.

19 Vgl. dazu den Grundriss zu CSH#1 A, in welchem die einzelnen baulich umschlossenen und räumlich ineinander gehenden Funktionsbereiche durch Graustufen tonal schematisiert sind.

20 Zum ästhetischen und motorisierten Architekturerlebnis in Los Angeles vgl. das Standardwerk von Reyner Banham: Los Angeles. The Architecture of Four Ecologies. Los Angeles / London 2001-1971. Und zur dynamischen und „vibrierenden“ Architektur der sonnen verwöhnten Stadt vgl. Wim de Wit (Hg.): Overdrive. L.A. Constructs the Future. 1940-1990. Los Angeles 2013.

21 Hierbei wird die Selbsterfindung der kalifornischen Industriestadt zum ideellen Leitbild - vom nautischen zum aeronautischen Motiv. Im Kontext der Kriegsindustrie wird das Flugzeug zu einem Symbol der Zukunft, welches hier in einer assoziativen und humoristischen Geste an eine amerikanisch interpretierte Gebäudedarstellung eines Hauses von Le Corbusier mit davor stehendem Automobil denken lässt. In dem Kapitel über moderne Verkehrsmittel, wie Ozeandampfer, Flugzeug und Auto, erklärt Le Corbusier diese Objekte aufgrund ihrer zweckgebundenen Form zu „stimulierenden“ Leitbildern der modernen Architektur, vgl. Le Corbusier: Vers une architecture, hg. v. Jean-Luis Cohen. Paris 2005-1923 , S. 65-118. Und zur metaphorischen Ästhetik der Dynamik der wirtschaftsstarken Stadt Los Angeles vgl. Kevin Starr: The Case Study House Program and the Impending Future. Some Regional Considerations. In: Ausst.kat. 1998-1989 (Anm. 8), S. 131-143.

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten

Details

Titel
The CSH Program. Die modellhafte Idee der Case Study Houses (1945 - 1966 Kalifornien, Arizona)
Autor
Jahr
2017
Seiten
37
Katalognummer
V379703
ISBN (eBook)
9783668567641
ISBN (Buch)
9783668567658
Dateigröße
1161 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
program, idee, case, study, houses, kalifornien, arizona
Arbeit zitieren
Paul Breuer (Autor), 2017, The CSH Program. Die modellhafte Idee der Case Study Houses (1945 - 1966 Kalifornien, Arizona), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/379703

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