Cultural Governance. Das Weltkulturerbe und seine Bedeutung für die Tourismuswirtschaft


Hausarbeit, 2017
22 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitionen
2.1 Cultural Governance
2.2 Erbe, Kulturerbe und Weltkulturerbe
2.3 Tourismuswirtschaft

3. UNESCO und das Weltkulturerbe
3.1 UNESCO und die Welterbekonvetion
3.2 Weltkulturerbe werden
3.3 Verpflichtungen der Welterbestätten

4. Bedeutung für die Tourismuswirtschaft
4.1 Zielgruppen Weltkulturerbestätten
4.2 Auswirkungen für die Tourismuswirtschaft
4.3 Zielkonflikt Tourismuswirtschaft und Schutz der Stätten

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

„Weltweit gehen rund zwei Drittel der Urlaubsreisen an die subtropischen Sonnensträn- de (…)“.1 Das andere Drittel beinhaltet vor Allem noch die Skizentren, Städte- und Shop- pingreisen sowie Themenparks, so dass für die kulturorientierten Urlaubsreisen nur ein kleiner Anteil an Touristen bleibt.2

Nichts desto trotz besuchen die Menschen auch gerne, die zu kulturorientierten Reisen gehörenden, UNESCO-Weltkulturerbestätten.

In dieser Seminararbeit werden zu Beginn die Begrifflichkeiten der „Cultural Gover- nance“, des „Weltkulturerbes“ und der „Tourismuswirtschaft“ erklärt. In Folge dessen gibt diese Seminararbeit einen Überblick über die United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization (UNESCO) im Allgemeinen und klärt anschließend darüber auf, wie ein bestimmter Ort UNESCO-Welterbestätte werden kann. Die Verpflichtungen der Welterbestätten werden im weiteren Verlauf kurz erläutert, bevor diese Arbeit mit der Bedeutung einer Stätte, auf der Welterbeliste, für die Tourismuswirtschaft fortführt. Im Zusammenhang mit der Bedeutung für die Tourismuswirtschaft werden auch die Zielgruppen definiert und der kritische Zusammenhang zwischen dem Schutz eines Er- bes und dem gleichermaßen bedeutenden Tourismus an den Stätten dargestellt. Die Seminararbeit schließt mit dem Fazit ab.

Da es sich beim Weltkulturerbe um Stätten handelt, die sich tatsächlich auf der Liste der UNESCO befinden3, werden in dieser Seminararbeit die immateriellen kulturellen Erben nicht berücksichtigt.

2. Definitionen

2.1 Cultural Governance

Governance, eingedeutscht Governanz, ist dem englischen Wort Government abzugren- zen, denn Governanz bezieht sich nicht nur auf regierende Institutionen, sondern eben- falls auf nicht-regierende Mechanismen. In der Governanz gibt es demnach kein formales Regieren. Vielmehr regeln Überzeugungen der Gemeinschaft die Handlungen an dem Welterbe. Aus diesem Grund ist Governanz auch als Entwurf für politische Regelungen geeignet.4 Mayntz (2004) hebt ebenfalls das Zusammenspiel zwischen staatlicher Regie- rung und der Zivilgesellschaft als besonderes Merkmal der Governanz hervor.5

Governanz unterscheidet sich bei kulturellen Erben laut Schmitt (2013) in „(…) (1) die Governanz des Auswahl- und Zuschreibungsprozesses und (2) die Governanz des defi- nierten kulturellen Erbes.“6 Bei dem Auswahl- und Zuschreibungsprozess geht es um diese Prozesse für kulturelle Objekte. Demnach werden hier die Begründungen und Be- dingungen für kulturelle Objekte geprüft und die Ausweisung eines kulturellen Erbes hin- terfragt. Die Governanz des definierten kulturellen Erbes hingegen beschäftigt sich mit den verschiedenen Praktiken, die an einem kulturellen Erbe stattfinden. Hierzu gehören die Managementpläne einer Stätte des kulturellen Erbes, sowie jene möglichen Eingriffe von extern.7

2.2 Erbe, Kulturerbe und Weltkulturerbe

Erbe ist im Allgemeinen als eine Überlassung von Rechten und/oder Gütern, an einen biologischen Nachkommen, zu verstehen.8 In der „National Heritage Conference“ im Jahr 1983 wurde Erbe als Etwas in der Vergangenheit erschaffenes, an die Gegenwart ausgehändigtes und mit dem Wunsch dieses an die Zukunft weiterzugeben, definiert.9

Im Kulturerbe wird ebenfalls Bezug auf die Vergangenheit genommen, welche Einfluss auf die Gegenwart hat. Hier jedoch geht es vor Allem um Performanzen, Wissen und Erlebnisse, so genannte immaterielle Kultur.10

Als Weltkulturerbe versteht man eine Stätte, welche als Kulturdenkmal auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgeführt ist. Die Auszeichnung des Weltkulturerbes kann eine Stätte nur bekommen, wenn sich der dazugehörige Staat mit der Unterzeichnung der Welterbekonvention bereit erklärt, den Verfahren der UNESCO, zur Organisation und zum Schutz der Stätte, zuzustimmen.11 Die UNESCO versteht Natur und Kultur im Zusammenhang mit dem Welterbe als eine Einheit. Dies wurde im Welterbeabkommen festgelegt. Da aber der größte Teil der Welterbestätten auf Kulturgüter bezogen ist, wird generell das Welterbe mit dem Wort des kulturellen Erbes gleichgesetzt.12

2.3 Tourismuswirtschaft

Dem Begriff Tourismus können alle Handlungen und Erscheinungen, welche mit dem Verlassen seines alltäglichen Umfelds zu tun haben und einen Aufenthalt in einer ande- ren Destination beinhalten, untergeordnet werden. Die Tourismuswirtschaft beinhaltet somit jene ökonomischen Zweige, die aufgrund des in der Region herrschenden Touris- mus vorhanden sind.13

3. UNESCO und das Weltkulturerbe

3.1 UNESCO und die Welterbekonvention

Die UNESCO ist als einzige Agentur der vereinten Nationen für den Schutz des Weltkul- turerbes verantwortlich.14 Gegründet wurde sie nach dem zweiten Weltkrieg, im Jahr 1946, mit dem Ziel den Frieden auf der Welt zu unterstützen. Somit ist die UNESCO eine der ersten Nachkriegsorganisationen auf internationaler Ebene.15 Der Schutz des kultu- rellen- sowie des natürlichen Erbes der Menschheit durch die UNESCO ist nicht nur das bekannteste, sondern ebenfalls das erfolgreichste Programm dieser Art. Bei dem Vertrag zwischen Unterzeichnerstaat und der UNESCO handelt es sich um einen internationalen Vertrag, welcher bereits von 192 Staaten auf der ganzen Welt unterzeichnet wurde.16 1972 wurde das Welterbeabkommen beschlossen, trat aber erst 1975 in Kraft.17 Dieses Abkommen regelt die gesamte Organisation einer Welterbestätte. Ferner sind hier auch die Bedingungen zum Schutz der Stätten, sowie die Beschreibung der Verpflichtungen für die Unterzeichnerstaaten festgesetzt.18 International wird dieses Übereinkommen als „UNESCO Convention“ bezeichnet.19 In Deutschland spricht man von der „Konvention zum Schutz des Kulturerbes und Naturerbes der Welt“.20 Bis 1997 sind bereits 144 der 192 Mitgliedsstaaten der UNESCO beigetreten.21 Mit Anfang der Planung zur UNESCO- Auflistung rechneten die Planer mit ungefähr 100 Stätten auf der ganzen Welt, welche jemals den Welterbetitel erlangen können.22 Alle Welterbestätten gelten als Erbe für die gesamte Menschheit, unabhängig von Nationalität oder Staatsgrenzen. Etwa 80 Prozent sind als Kulturdenkmäler verzeichnet und nur ein kleinerer Anteil von 20 Prozent gehört den Naturdenkmälern an.23 Im Dezember 2016 befinden sich 1052 Stätten aus 165 verschiedenen Ländern auf der Welterbeliste.24

Um besonders gefährdete Welterbestätten hervorzuheben und die Aufmerksamkeit zu- ständiger Politiker sowie der Öffentlichkeit zu erlangen, handhabt die UNESCO eine „Ro- te Liste“. Sollte das Management einer Welterbestätte der roten Liste nicht nochmal durch den zuständigen Staat überdacht und verbessert werden, ist eine Streichung die- ser Stätte von der Welterbeliste möglich. Mit diesem Druckmittel können von der Exis- tenz bedrohte Welterbestätten frühzeitig unterstützt werden. Dies kann durch eine bes- sere Förderung aufgrund höherer Finanzmittel oder einem verstärkten Einsatz von Personal geschehen.25

3.2 Weltkulturerbe werden

Auf der Weltkulturerbeliste zu erscheinen ist für die verschiedenen Stätten auf der Welt ein Wunsch. Denn dieses Programm der UNESCO ist jenes, welches die Menschen in ih- rem Alltag berührt.26 Ferner ist auch der Titel des Weltkulturerbes eine Art Gütesiegel für die Stätten.27

Im Jahr 1978 wurden die ersten Stätten in die Welterbeliste aufgenommen.28 Bevor eine Stätte jedoch auf der UNESCO-Weltkulturerbeliste erscheint, muss diese zuerst einmal der UNESCO von dem dazugehörigen Staat vorgeschlagen werden.29 Die einzige Aus- nahme ist die Altstadt von Jerusalem. Diese wurde nicht von Israel, sondern von Jordani- en nominiert.30 Die von einem Staat gesammelte Liste von Vorschlägen möglicher Stät- ten, ist die sogenannte Tentativliste. Auf dieser Liste muss sich eine potentielle Weltkulturerbestätte mindestens ein Jahr befinden, ehe sie zur Aufnahme an die UNESCO weitergeleitet werden kann.31

Um in die Welterbeliste aufgenommen zu werden muss das Welterbekomitee, beste- hend aus 21 Mitgliedern aus verschiedenen Ländern, der Stätte einen außergewöhnli- chen universellen Wert nachweisen. Zusätzlich muss die mögliche Stätte mindestens einem von zehn gegebenen Kriterien entsprechen. Weiterhin kann eine Stätte nur auf- genommen werden, wenn für diese ein Managementplan durch den Vertragsstaat er- stellt wurde.32 Der Managementplan enthält als einen der wichtigsten Bestandteile die Konzepte zur Besucherlenkung vor Ort. Ebenfalls enthält dieser eine Ausführung über die maximale Belastung, die eine Stätte vertragen kann, hinsichtlich der Besucheranzahl und der erweiterten Infrastruktur.33

Das Welterbekomitee wird in ihren Entscheidungen von dem ICOMOS (Rat für Denkmalpflege) und der IUCN (Internationale Vereinigung zum Schutz der Natur) unterstützt und beraten.34 Beide Organisationen geben Ihre Stimme über die zu entscheidenden Stätten ab, können eine Überarbeitung fordern sind aber selbst nicht ausschlaggebend für die Entscheidungen des Welterbekomitees.35 Das Verfahren zur Einreichung und Prüfung durch die UNESCO dauert, nach den bereits einigen Jahren dauernden Vorbereitungen durch den zuständigen Staat, zusätzlich mindestens nochmal 18 Monate. Aktionen, spontan Weltkulturerbe zu werden, sind somit ausgeschlossen.36

[...]


1 Spode in Schnepel; Girke; Knoll 2013, S.96

2 Vgl. Schnepel; Girke; Knoll 2013, S.96

3 Vgl. Strasser 2007, S.102

4 Vgl. Schmitt 2011, S.37

5 Vgl. Mayntz 2004 in Föhl; Neisener 2009, S.68

6 Schmitt in Schnepel; Girke; Knoll 2013, S.119

7 Vgl. Schnepel; Girke; Knoll 2013, S.119f.

8 Vgl. Schnepel; Girke; Knoll 2013, S.9

9 Vgl. Hewison 1989 S.6

10 Vgl. Schnepel; Girke; Knoll 2013, S.9

11 Vgl. Andreas 2013, S. 15f.

12 Vgl. Strasser 2007, S.102

13 Vgl. http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/54205/tourismus-v11.html [01.12.2016]

14 Vgl. Bouchenaki 2010, S. 26

15 Vgl. Schmitt 2011, S.77ff.

16 Vgl. http://www.unesco.de/kultur/welterbe.html [15.11.2016]

17 Vgl. Strasser 2007, S. 102

18 Vgl. Andreas 2013, S. 15ff.

19 Vgl. Bandarin 2010, S. 13

20 Vgl. Schnepel; Girke; Knoll 2013, S.121

21 Vgl. Schauer 1999, S.129

22 Vgl. Strasser 2007, S.109

23 Vgl. Andreas 2013, S. 15ff.

24 Vgl. http://www.unesco.de/kultur/welterbe/welterbestaetten/welterbeliste.html [15.11.2016]

25 Vgl. Andreas 2013 S. 19

26 Vgl. Offenhäuser 2010, S. 32

27 Vgl. Schmitt 2011, S.143

28 Vgl. Strasser 2007, S.109

29 Vgl. Offenhäuser 2010, S. 32

30 Vgl. Schnepel; Girke; Knoll 2013, S.121

31 Vgl. Offenhäuser 2010, S. 32

32 Vgl. Andreas 2013, S. 17f.

33 Vgl. Wolf 2011, S. 87f.

34 Vgl. Schauer 1999, S.129

35 Vgl. Schnepel; Girke; Knoll 2013, S.122

36 Vgl. Strasser 2007, S.104

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Cultural Governance. Das Weltkulturerbe und seine Bedeutung für die Tourismuswirtschaft
Hochschule
Hochschule München
Veranstaltung
Kultur im Tourismus
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
22
Katalognummer
V379804
ISBN (eBook)
9783668570290
ISBN (Buch)
9783668570306
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Cultural Governance, Weltkulturerbe, Kulturerbe, Erbe, Tourismuskultur, Kultur, Verpflichtungen der Welterbestätten, UNESCO, Auswirkungen
Arbeit zitieren
Bachelor Ariane Zinneker (Autor), 2017, Cultural Governance. Das Weltkulturerbe und seine Bedeutung für die Tourismuswirtschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/379804

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